Metal-CD-Review: ULTIMATIUM – Vis Vires Infinitus (2015)

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Alben-Titel: Vis Vires Infinitus
Künstler / Band: Ultimatium (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 15. Juni 2015
Land: Finnland
Stil / Genre: Melodic Power Metal
Label: Underground Symphony

Alben-Lineup:

Matti Pulkkinen – Keyboards
Harri Niskanen – Guitars
Tomi Viiltola – Vocals
Juha Haipus – Bass
Matti Auerkallio – Drums

Track-Liste:

1. Vis Vires Infinitus
2. C’Est La Vie
3. I Remember
4. Departure
5. Victory Calls
6. Who Stole My Winter?
7. New Horizon
8. Never Tell
9. Curtain of Darkness
10. Shine On
11. The Landing
12. Truth of the Universe

Zurück aus der Unendlichkeit.

Was, die gibt’s auch noch ? In der Tat haben sich die finnischen Power Metaller von ULTIMATIUM Zeit gelassen mit ihrem neuen Album. Dieses horcht auf den klangvollen Namen VIS VIRES INFINITUS, und erscheint ganze 7 Jahre nach HWAINOO, dem letztaktuellen Album der Band. ULTIMATIUM sind in der Vergangenheit vor allem durch eines aufgefallen: mächtige Genre-Hymnen mit ordentlich Druck, Tempo – und einem einstweilen ungewöhnlich hohen Leadgesang von Frontmann Tomi Viiltola (Ex-DREAMTALE). Wer noch immer eine ausgeflippte Hymne wie FIGHT THE TIME (Opener von HWAINOO) im Ohr hat, wird wissen was gemeint ist. Doch heute wird die Frage eher lauten, was sich im Laufe der Jahre getan hat – und ob ULTIMATIUM in Anbetracht der starken Konkurrenz noch immer abliefern können oder zumindest das Qualitätsniveau ihrer beiden doch sehr guten Vorgänger halten können.

Eine Entwicklung, die sich auch auf der zwischenzeitlich (das heißt, in 2011) veröffentlichten Demo bemerkbar machte, scheint dabei eher auf einen etwas gemäßigteren Sound hinzuweisen. Anders gesagt: die Tage, in denen ULTIMATIUM noch ohne Rücksicht auf Verluste (in einem durchaus positiven Sinne) agierten; scheinen vorüber. Stattdessen geht man speziell auf VIS VIRES INFINITUS eher auf Nummer sicher – und inszeniert trotz der noch immer in der Band schlummernden Kraft und des leicht kitschigen Albentitels (der dezent an das neueste Output von LUCA TURILLI’S RHAPSODY erinnert) ein eher bodenständiges Metal-Spektakel. Eines, dass nach wie vor von der vergleichsweise außergewöhnlichen Frontstimme von Tomi Viiltola lebt – der sich heutzutage jedoch eher zurückhält und häufiger in tiefen bzw. gemäßigten Lagen ohne größere Ausbrüche singt. Wie immer mit von der Partie ist seine spezielle Aussprache und Intonation – die ein wenig nasal klingt; dem Ganzen aber in jedem Fall eine eigenständige Note verleiht.

Wenn VIS VIRES INFINITUS ein Problem hat, ist es ohnehin nicht zwingend in der Darbietung des Leadgesangs zu suchen – sondern allein in den Kompositionen. Die können analog zur neuen Ausrichtung der Band auch mal etwas eintönig klingen – und alles andere als so mitreißend wie dereinst. Dabei schneiden vor allem die Gitarren noch sehr gut ab – das Riffing ist schon schroff, variabel und verhindert; dass sonst eher schläfrige Titel wie DEPARTURE in der Versenkung verschwinden. Wobei schläfrig ein etwas übertriebener Ausdruck ist, das Schlagzeug wummert ebenfalls prächtig daher und klingt ausnahmsweise mal so gar nicht nach Konserve. Zusammen mit den zahlreich vorhandenen Soli-Parts ergibt sich so ein angenehm; man nenne ihn mal fetziger Gesamteindruck – wären da nicht die nur allzu gern eingespielten Keyboard-Parts, die das Ganze doch wieder unnötig schmälern. Speziell in I REMEMBER, VICTORY CALLS und NEW HORIZONS bekommen so einen eher fremdartig wirkenden elektronisch-verzerrten Anstrich – darauf hätte man in Anbetracht der starken und allseits präsenten Gitarren lieber verzichten sollen.

Während C’EST LA VIE (vor allem aufgrund des schwachen Refrains), NEVER TELL und SHINE ON trotz starker Grundzutaten der letzte Feinschliff, der letzte Kick zu fehlen scheint; zeigen ULTIMATIUM zumindest bei einer handvoll Nummern auf, dass sie noch immer ordentlich was auf dem Kasten haben. WHO STOLE MY WINTER ist als wohl schnellster Titel des Albums ein Paradebeispiel – nicht nur aufgrund der vorgelegten Geschwindigkeit, sondern vor allem auch wegen der wahnwitzigen Gitarrenintermezzi, der hintergründigen symphonischen Komponente, der knackigen Breaks und der angenehmen Verspieltheit, die ULTIMATIUM auch in früheren Zeiten auszeichnete. CURTAIN OF DARKNESS dagegen funktioniert als explizit symphonischer Titel mit einem Spannungsbogen und etwas Tiefgang – auch wenn der Leadgesang hier einstweilen enorm gewöhnungsbedürftig ausfällt. Das gilt auch für den Rausschmeißer TRUTH OF THE UNIVERSE, der mit einem gar unsäglichen Instrumentalpart beginnt – und danach einen etwas verloren wirkenden Tomi Viiltola samt einiger etwas zu wild gewordener Gitarren präsentiert. Zumindest das große Finale hätte wesentlich stilvoller ausfallen können – letztendlich bleibt es bei einigen wenigen Nummern, die im Gedächtnis bleiben.

Sicher, an die alten Glanzzeiten können ULTIMATIUM mit ihrem VIS VIRES INFINITUS nicht mehr wirklich anknüpfen – doch immerhin geben sie sich nicht die Blöße, und legen ein überdurchschnittliches Genre-Album mit gewissen Wiedererkennungsmerkmalen vor. Gerade die werden derweil nicht jedermann zusagen. Speziell der Leadgesang von Tomi Viiltola ist und bleibt ein besonderes Phänomen, das hier und da seine Wirkung nicht verfehlt – manchmal aber auch völlig deplatziert klingt. Dafür sollten aber alle Gitarrenliebhaber und Freunde eines satten, druckvollen Sounds nicht enttäuscht werden – zumindest, wenn man keine Revolution erwartet. ULTIMATIUM teilen wohl das Schicksal ihrer schwedischen Vergleichscombo THE STORYTELLER (Link). Früher Hui, heute zwar nicht Pfui – aber doch seltsam kraftlos.

Absolute Anspieltipps: DEPARTURE, WHO STOLE MY WINTER, CURTAIN OF DARKNESS


60button

„Starke Gitarren, starker Sound – aber dennoch kein allzu einschneidendes Erlebnis, wohl auch aufgrund des diskutablen Leadgesangs.“

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