Filmkritik: „Project: Almanac“ (2014)

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Originaltitel: Project Almanac
Regie: Dean Israelite
Mit: Jonny Weston, Sofia Black D’Elia, Michelle DeFraites u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 107 Minuten
FSK: ab 6 freigegeben
Genre: Science Fiction
Tags: Zeitreisen | Jugendliche | Teenager | Technologie

Da hat wohl einer zu viele Science Fiction-Filme geschaut…

Kurzinhalt: Als der Teenager David (Johnny Weston) eines seiner alten Geburtstagsvideos ansieht, macht er eine verstörende Entdeckung: es scheint, als wäre nicht nur sein erwartetes kindliches Ich auf den Bildern zu sehen; sondern auch sein heutiges, erwachsenes. Auch seine Freunde können nur wenig mit der schier unglaublichen Beobachtung anfangen – bis die Clique weitere Nachforschungen anstellt und im heimischen Keller sowohl auf eine merkwürdige Apparatur als auch einige wissenschaftliche Notizen stößt. Offenbar hatte sich David’s Vater mit dem Prinzip der Zeitreisen auseinandergesetzt – und es dabei sogar bis zu einer funktionierenden Maschine gebracht. Die Clique zögert nicht lange, das Gerät instand zu setzen und es auszuprobieren… mit zunächst noch harmlosen, bald darauf aber eklatanten Folgen. Und das nicht nur für sie selbst – sondern auch ihre Umwelt.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Es mag nicht unbedingt alltäglich sein, aber: manche Filme schreien geradezu danach, mit anderen verglichen zu werden. Im Falle des Science-Fiction-Films PROJECT ALAMANAC von Regisseur Dean Israelite scheint der geistige Bruder tatsächlich schnell gefunden: es ist CHRONICLE (Review) aus dem Jahre 2012 – ein Film, der durchaus frappierende Ähnlichkeiten mit der von Michael Bay mitproduzierten Zeitreise-Hatz hat. Einer Hatz, die trotz der metaphysischen Thematik eher auf eine jüngere Zielgruppe ausgelegt zu sein scheint – mindestens aber deutlich weniger universell wirkt als CHRONICLE. Wie auch in besagtem Vergleichswerk gibt es in PROJECT ALMANAC eine handvoll jugendlicher Protagonisten, die durch eine eher zufällige Entdeckung eine besondere Fähigkeit erlangen – und diese erst spielerisch-experimentell einsetzen. Wie auch in CHRONICLE geht man erst später wesentlich zielgerichteter vor – etwa, um sich persönliche Vorteile zu verschaffen oder sich mit dem Versuch konfrontiert zu sehen, bereits begangene Fehler wieder zu korrigieren. Und wie auch CHRONICLE ist PROJECT ALMANAC als Found-Footage-Film ausgelegt – die gute alte wackelige Handkamera hat trotz einer gewissen Überreizung in vielen Genres also noch lange nicht ausgedient.

Immerhin: PROJECT ALMANAC kopiert nicht bloß potentielle Vorbilder wie beispielsweise auch LOOPER (Review), TERMINATOR oder andere Werke mit einer mehr oder weniger vordergründigen Zeitreise-Thematik. Im Gegenteil, solche werden im Film sogar immer wieder von den Protagonisten selbst erwähnt – was am ehesten als Hommage zu verstehen ist und die möglichst authentische Wirkung der Found Footage unterstreicht. Hinsichtlich seiner anberaumten metaphysischen Thematik um Zeitreisen und die daraus resultierenden Probleme geht der Film sogar vergleichsweise tief – sodass vor allem Genre-Fans schnell Gefallen darin finden werden, sich mit allerlei typischen Fachbegriffen und der wie immer anstrengenden Überlegung über die einstweilen schwer nachvollziehbare Mechanik der Zeitreisen konfrontiert zu sehen.

Doch PROJECT ALMANAC wäre nicht PROJECT ALMANAC, wenn man nicht doch etwas ganz anders machen würde. Etwas, das mitunter auch zum größten Streitpunkt des Films führen könnte. Die Rede ist hier speziell von der inhaltlichen und atmosphärischen Auslegung von PROJECT ALMANAC – eine, deren Stimmung irgendwo zwischen dem Trivial-Programm einer allzu bunten TV-Sendung für Jugendliche, einem familiären Disney-Werk und einem grundsoliden Science Fiction-Thriller liegt. So wäre es kaum verwunderlich, wenn sich viele eingefleischte Cineasten an der lapidaren, eher an ein Hobbyprojekt erinnernde Art der Inszenierung stören könnten – im Zusammenspiel mit der eingespielten modernen Filmmusik und vor allem der wackeligen Handkamera entsteht zumindest nur selten ein wirklich intensives Filmgefühl. Dieses ist vor allem zu Beginn und am Ende des Films präsent; während dazwischen immer wieder einige markante atmosphärische Durststrecken zu verzeichnen sind.

Erst Recht, wenn es um eine weitere vergleichsweise besondere Verquickung innerhalb des Filmkontexts geht. PROJECT ALMANAC balanciert ständig zwischen einer lockeren, beinahe spaßigen Atmosphäre – inklusive nicht weniger Szenen, in denen die Jugendlichen ausgelassen feiern und sich mit Liebesproblemen konfrontiert sehen – und einer eher düsteren Stimmung der Marke TWILIGHT ZONE. Dies dürfte vor allem der nicht wirklich eindeutigen Zielgruppe geschuldet sein; für die die Zeitreise-Thematik im schlimmsten Fall eine eher untergeordnete Rolle spielen wird – die aber auch entsprechend bedient werden will. Doch gerade in den ernsteren, mysteriöseren Momenten entfaltet PROJECT ALMANAC seine Stärken – was auch erklärt, warum der Auftakt und das Finale deutlich besser abschneiden als der etwas zu längliche, sich letztendlich entbehrlich anfühlende Mittelteil.

Was bleibt, sind die Figuren – die in PROJECT ALMANAC tatsächlich einige Sympathien für sich verbuchen können. Zum einen, da die Darsteller eher unbekannt sind und dies die allgemeine Glaubwürdigkeit steigert – und zum anderen, da man von allzu ärgerlichen Charakter-Klischees abgesehen hat. Die einzige Ausnahme bilden hier die eher krampfhaften Liebesszenen, die nicht so recht in den Kontext passen wollen und den Zuschauer eher anstrengen als emotional binden. Dennoch entfaltet der Film gerade aufgrund der Konstellation der Charaktere eine gewisse Spannung – zumal die jungen Darsteller ihnen tatsächlich eine gewisse Eigenständigkeit einhauchen und man kaum das Gefühl hat, als würden sie nur stumpf nach dem Drehbuch agieren.

Fazit: PROJECT ALMANAC, oder: PROJECT X trifft auf CHRONICLE trifft auf LOOPER. Rein inhaltlich hat der atmosphärisch etwas instabile Science-Fictioner wenig neues zu bieten; doch dafür erscheinen die Figuren und die Art der Inszenierung erfrischend – auch, wenn man sich dabei nicht immer in eine allgemein begrüßenswerte Richtung bewegt. Anders gesagt: wer bereits vor dem Film genug hatte von etwaigen Found Footage-Projekten, wird auch durch PROJECT ALMANAC nicht mehr bekehrt werden. Doch irgendwo zwischen den partywütigen und liebestollen Teenagern, der Dramatik der Zeitreisen und dem berühmt-berüchtigten was-wäre-wenn Gedanken versteckt sich durchaus ein gewisser Unterhaltungswert. Ob dieser aufgrund der Ausrichtung hin zu einer eher jungen Zielgruppe nun zwingend oberflächlicher ist als in anderen Genre-Werken, muss jeder für sich selbst entscheiden. Fakt ist nur, dass es wesentlich schlimmer hätte kommen können – so peinlich und stupide wie eventuell von manchen befürchtet ist PROJECT ALAMANAC keineswegs.

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„Shaky-Cam und jugendliche Ausgelassenheit treffen auf Metaphysik – ein etwas anderer, im Endeffekt aber überraschend solider Zeitreise-Thriller.“

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