Filmkritik: „Transcendence“ (2014)

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Originaltitel: Transcendence
Regie: Wally Pfister
Mit: Johnny Depp, Rebecca Hall, Paul Bettany u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 113 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Science Fiction
Tags: Technologie | Internet | Vernetzung | Zukunft

Eine ganz neue Art der Vernetzung.

Kurzinhalt: Der gewiefte Dr. Will Caster (Johnny Depp) ist der derzeit führende Forscher auf dem Forschungsgebiet der künstlichen Intelligenz. Das macht sich nicht nur in seinen interessanten Vorträgen bemerkbar, sondern manifestiert sich vor allem in einem neuerlichen Computersystem – welches als erstes überhaupt mit der Fähigkeit ausgestattet wurde, Emotionen zu empfinden. Das bringt Dr. Caster aber nicht nur Freunde ein – eine radikale Gruppe von Forschungs-Gegnern hat es auf ihn abgesehen. Tatsächlich wird er bald zum Opfer eines Anschlages, den er nur knapp überlebt. Sein Körper jedoch scheint derart geschwächt, dass er zusammen mit seiner Frau Evelyn (Rebecca Hall) und seinem Kollegen Max (Paul Bettany) das schier unmögliche wagt: er will sein Bewusstsein in eine komplexe Maschinenstruktur übertragen. Das scheint auch zu funktionieren… wobei es fraglich bleibt ob es tatsächlich Will ist der nicht nur auf, sondern auch in den Computerbildschirmen auftaucht.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Sie werden auch in Zukunft noch eine große Rolle spielen – Filme, die sich intensiver mit dem Thema des technologischen Fortschritts beschäftigen. Gerade im Bereich der Wissenschaft und Technik wird sich die Menschheit schließlich auch weiterhin rasant entwickeln und immer neue Grenzen durchbrechen – eine Vorstellung, die mit so manchen Wunsch-, aber sicher auch Alptraum verbunden ist. Einen davon behandelt nun auch TRANSCENDENCE – ein Science-Fiction-Thriller von Wally Pfister (Regie) respektive Jack Paglen (Drehbuchautor), der nicht zuletzt durch das Star-Aufgebot und den Rummel um Johnny Depp schnell den Beigeschmack einer massentauglichen Hollywood-Hochglanzproduktion entwickelt. Dies ist natürlich immer dann der Fall, wenn dem Budget grundsätzlich keine Grenzen gesetzt sind und es sich nicht um eine möglicherweise freigeistigere Indie-Produktion handelt – auch wenn das noch nichts über den eigentlichen Inhalt oder die Qualität des entsprechenden Werkes aussagt. Tatsächlich sieht es diesbezüglich sogar recht gut aus für TRANSCENDENCE: von Star-Allüren oder einer One-Man-Darstellershow ist nichts zu sehen, Spezialeffekte und Blender-Szenen werden wenn überhaupt nur äußerst dezent verwendet, der gesamte Film wirkt eher düster und beklemmend als sich einem sonst gern in Hollywood anberaumten Bombast oder Pathos hinzugeben.

Und auch inhaltlich scheint der Film gute Voraussetzungen zu haben. Der Film treibt das Konzept der weltweiten Vernetzung mithilfe des Internets auf die Spitze – hauptsächlich, indem er künstliche Intelligenzen ins Spiel bringt. Zusätzlich bedient er sich einer weiteren Vorstellung: der, dass es eines Tages möglich sein könnte Menschen (beziehungsweise deren Geist) in dieses System zu speisen. Und wenn es keine Menschen sind, dann doch zumindest hoch entwickelte künstliche Intelligenzen – die ebenfalls über einen eigenen Willen verfügen und damit auch so manches Schindluder betreiben könnten. Das alles ist nun nicht unbedingt neu, weder in Hollywood noch im Bereich des Indie-Films – und doch sind die Möglichkeiten noch längst nicht ausgeschöpft. Wenn, ja wenn man es nur richtig macht. In Bezug auf TRANSCENDENCE kann das Urteil allerdings nicht – und wie von manchen erhofft – eindeutig ausfallen, weder im positiven noch im negativen.

Schließlich ist der Film nicht nur weit von einem totalen Reinfall entfernt, sondern mindestens ebenso weit von der Meisterklasse des Genres – was mehrere Gründe hat. Vor allem sind es derer aber zwei, wobei sich der eine eher auf das inhaltliche Konzept des Films bezieht, und der andere auf das Tempo und die Dramaturgie. Zunächst ist festzustellen, dass TRANSCENDENCE trotz der grundsätzlich interessanten Thematik ein relativ oberflächliches Genre-Werk bleibt – und vieles einfach geschehen lässt; ganz ohne Fragen zu stellen oder zumindest solche zu ermöglichen. Sicher wurde hier einiges im Sinne des hier etwas breiteren Zielpublikums angepasst – eine Maßnahme, die nicht selten schief gehen kann. Auch TRANSCENDENCE hat stark darunter zu leiden, dass man versucht möglichst viele Ansätze unter einen großen, für jedermann verständlichen Hut zu bringen – was zu einer gewissen Oberflächlichkeit auf der einen Seite, aber auch einer wenn man so will künstlichen Verwirrung auf der anderen sorgt. In jedem Fall hat der Film trotz seines ernsten, gegen Ende sogar apokalyptischen Grundtenors stark hinsichtlich seiner Glaubwürdig- und Nachvollziehbarkeit zu leiden. Vieles wirkt an den Haaren herbeigezogen, hanebüchen oder einfach nur lächerlich; spätestens wenn es darum geht wie die neue Superintelligenz ihren Einfluss auch weit außerhalb des begrenzten (virtuellen) Raumes des Internets geltend macht. Wie genau das funktionieren könnte versucht man erst gar nicht zu erläutern – denn, und wie gesagt: vieles in TRANSCENDENCE passiert eben einfach.

Einen ähnlich gravierenden Aspekt findet man, wenn man sich die Struktur des Films näher ansieht respektive ihn in seiner atmosphärischen Gesamtheit auf sich wirken lässt: offenbar ist den Verantwortlichen ein jegliches Gespür für ein sinnvolles Timing, Spannung und auch die Vermittlung eines in diesem Falle wichtigen Zeitgefühls abhanden gekommen. Sicher, den ein oder anderen unglücklichen Schauplatzwechsel kann man noch verzeihen. Doch wenn eine riesige ober- und unterirdische Forschungseinrichtung plötzlich wie aus dem Nichts erscheint, ist schlicht etwas schief gelaufen. Unglücklicherweise übertragt sich diese diffuse Darstellung von zeitlich undefinierbaren Entwicklungen auch auf andere, essentielle Bereiche des Films – wie etwa auf den Infiltrationsprozess des Internets oder auch diverse Anwandlungen von Charakteren; die hier stets so wirken als handelten sie spontan und impulsiv – selbst wenn es dabei auch mal um einen vollständigen Sinneswandel gehen kann.

Was bleibt, sind alle weiteren handwerklichen Aspekte des Films – die überraschenderweise über viele Zweifel erhaben sind. Eben weil man nicht allzu effektvoll und tösend agiert – sondern sich eher bodenständig gibt. Natürlich hat auch dieser Aspekt eine Kehrseite – die sich bei TRANSCENDENCE vor allem darin äußert, dass sich viele Einzelszenen eher zum Vergessen eignen. Wirklich Eyecatcher gibt es nicht, nachhaltig beeindruckt wird man allein aufgrund der visuellen Gestaltungsarbeit nicht – was umso ernüchternder ist, wenn man den bereits schwächelnden Inhalt oder auch die viel zu kargen Dialoge betrachtet.

Fazit: TRANSCENDENCE ist weder ein Totalausfall noch ein großer Wurf geworden. Für den Film spricht seine eher bodenständige Herangehensweise zumindest in Bezug auf die technischen Aspekte und das Schauspiel – doch inhaltlich und vor allem atmosphärisch sieht es recht düster aus. Wenn nicht gar erschreckend düster – was bei einer vielversprechenden Grundidee wie dieser einfach nicht hätte passieren dürfen. Die einzig mögliche Folgerung: TRANSCENDENCE findet sich im absoluten Mittelfeld wieder; und kann dabei weder Technologie-begeisterten noch jenen empfohlen werden, die sich aufgrund der ein oder anderen faszinierenden Idee mal wieder den Kopf zerbrechen wollen (siehe z.B. PREDESTINATION als jüngeres Filmbeispiel). Weniger schade und gewichtig, aber immerhin erwähnenswert dürfte auch der Fakt sein, dass eingefleischte Fans von Johnny Depp hier eher wenig von ihrem Idol zu sehen bekommen werden – da er sich geradezu im Film verliert; im wahrsten Sinne des Wortes.

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„Eine solide Idee trifft auf eine bodenständige Herangehensweise – und ein inhaltlich wie atmosphärisch gleichermaßen enttäuschendes Desaster.“

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