Filmkritik: „Max Manus“ (2008)

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Originaltitel: Max Manus
Regie: Espen Sandberg, Joachim Rønning
Mit: Aksel Hennie, Agnes Kittelsen, Julia Bache-Wiig u.a.
Land: Norwegen, Dänemark, Deutschland
Laufzeit: ca. 118 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Kriegsfilm / Drama
Tags: Zweiter Weltkrieg | Nazi-Deutschland | Norwegen | Finnland | Besetzung

Die größten Helden sind die, die diesen Titel nicht für sich beanspruchen.

Kurzinhalt: Als der junge Frontsoldat Max Manus (Aksel Hennie) in den frühen 40er Jahren von einem Kriegseinsatz zurück in seine norwegische Heimat kommt, stellt er fest dass nunmehr auch sein eigenes Heimatland von den machthungrigen Nationalsozialisten besetzt ist. Auch wenn die Regierung dabei zu einer raschen Kapitulation bereit war, regt sich Widerstand – vor allem in der hiesigen Bevölkerung. Der Widerstand wird schnell zu einer immer größeren Bewegung – einer, zu der sich alsbald auch Max Manus zählt. Gemeinsam mit einigen sehr engen Freunden ist er Teil einer geheimen Untergrundorganisation, die Sabotageakte auf wichtige Ziele plant – auch unter Aufopferung des eigenen Lebens. Im weiteren Kriegsverlauf sind die Erlebnisse der Widerständler mal von durchschlagenden Erfolgen, mal von schweren Niederlagen geprägt – bis sich die Lage ein weiteres Mal zuspitzt. Schließlich hat es der findige Gestapo-Offizier Siegfried Fehmer (Ken Duken) auf den organisierten Widerstand abgesehen, und kommt mit seinem Spürsinn tatsächlich nah an die beteiligten Männer heran.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Filme über den Zweiten Weltkrieg gibt es bekanntlich wie Sand am Meer. Umso schwieriger ist es für Filmemacher, auch in der heutigen Zeit noch bisher unbeleuchtete Aspekte auf die Leinwand zu bringen, geschweige denn die Wichtigkeit und Intensität früherer Genre-Klassiker zu erreichen. Doch zumindest in Bezug auf den ersten Punkt scheint das Konzept des norwegischen Regisseur-Duos aus Espen Sandberg und Joachim Rønning aufgegangen zu sein: mit ihrem Porträt eines norwegischen Widerstandskämpfers zeigen sie eine sicherlich nicht allzu oft behandelte Kriegsgeschichte. Eine, die sich speziell mit den Bestrebungen des Nazi-Regimes befasst, das Dritte Reich auch möglichst weit gen Norden auszuweiten – und eine, die der hiesigen Bevölkerung und deren Durchhaltewillen einen verdienten Tribut zollt. Als Galionsfigur, und stellvertretend dafür dient die (auf wahren Begebenheiten beruhende) Lebensgeschichte des Norwegers Max Manus, der sein Leben dem Kampf für Freiheit verschrieben hat – und selbst in Zeiten schwerer persönlicher Schicksalsschläge nicht von seinen Vorhaben abzubringen ist.

Und auch wenn sich Espen Sandberg und Joachim Rønning in MAX MANUS eher auf die rekonstruierten Ereignisse während der aktiven Kriegsphase beziehen und die Biografie des Titelhelden auf eben diesen Zeitraum beschränken, haben sie eines ganz sicher erreicht. MAX MANUS ist einer der mitunter Charakter-intensivsten Kriegsfilme überhaupt geworden – was in Anbetracht der inhaltlichen Gewichtung des Films doch leicht überraschend ist. Die glaubwürdige Figurenzeichnung, der immer wieder auf das Innenleben der Protagonisten schwenkende Fokus, die Darstellung des freundschaftlichen bis brüderlichen Zusammenhaltes innerhalb der Widerstandsbewegung – hier stimmt nicht nur die eigentliche Qualität des offerierten, sondern auch das Timing und die Dramaturgie. So hat der Film neben seinem ohnehin und durch die Rekonstruktion einiger markanter Kriegsereignisse vorhandenen Spannungsbogen auch immer wieder bemerkenswerte Charaktermomente anzubieten. Solche, die jedoch nicht nur auf das gute Drehbuch zurückzuführen sind – sondern speziell auch auf die Leistung des Hauptdarstellers Axsel Hennie als MAX MANUS. Schließlich verkörpert der seine historische Figur derart glaubwürdig und intensiv, dass man glaubt er würde sich in seiner Rolle verlieren – sie scheint ihm wie auf den Leib geschneidert. Man kommt kaum umher, hier von einer mehr als nur gelungenen Leistung zu sprechen – einer, der die anderen Darsteller leider nicht mehr viel hinzuzufügen haben. Aber auch diese verkaufen sich glücklicherweise nicht unter Wert (Ken Duken beispielsweise überrascht als glaubwürdiger Gestapo-Spürhund mit zwei Gesichtern); und bestätigen den Eindruck des rundum perfekten Casts.

Was bleibt, ist die eigentliche Geschichte; respektive die Beleuchtung einiger markanter Kriegsereignisse aus der Sicht des norwegischen und finnischen Widerstandes. Zwar kann man hier nicht von einer ähnlich intensiven, aufrüttelnden oder auch schockierenden Wirkung sprechen wie bei anderen Kriegsfilmen, die beispielsweise auch den Holocaust mit einbeziehen und etliche Gräueltaten der Nazis noch expliziter aufzeigen – doch andererseits ist es eine willkommende Abwechslung und so gesehen auch eine Notwendigkeit, andere (und im schlimmsten Fall eher vergessene) Kriegsaspekte wie etwa die verschiedenen Widerstandsbewegungen genauer zu beleuchten. Im Falle des norwegischen Widerstandes jedenfalls ist dies den Regisseuren; auch wenn sie sicher alles andere als eine sich vollständig anfühlende Geschichte anbieten, durchaus gelungen – auch, da sie das nötige Gespür für die Gewichtung der einzelnen Erzähl-Elemente nicht vermissen lassen. Der solide Spannungsbogen wird somit nicht nur von den starken Charakterporträts untermauert, sondern auch von den immer wieder eingeschobenen dramatischeren Szenen und den durchaus fulminanten und stimmig inszenierten Action-Momenten.

Der positive Eindruck der inhaltlichen Schwerpunkte und das regelrechte Spiel mit verschiedensten Eindrücken und Emotionen setzt sich indes auch in Bezug auf die visuelle Ausarbeitung des Films fort. Diese vermag es trotz einer gewissen Opulenz eine dichte Atmosphäre zu generieren – und lässt dabei auch den nötigen Blick für Details nicht vermissen. Beeindruckend sind hier schließlich nicht nur die Kostüme und Kulissen, sondern auch der Aufbau der Sets und die Einbeziehung der Drehorte – sodass speziell die Hafenszenen (trotz teils ersichtlicher Trickserei) erstaunlich realistisch wirken. Einige Massenszenen mit unzähligen Statisten sprechen abermals dafür, dass man hier keinen allzu lieblosen oder auch beliebigen Kriegsfilm inszenieren wollte – sondern einen, dem man den investierten Aufwand auch ansieht.

Fazit: MAX MANUS ist nüchtern betrachtet keiner der spektakuläreren Kriegsfilme – und dennoch handelt es sich um ein vergleichsweise wertvolles Genrewerk. Zum einen, da die Nazi-Besetzung in Bezug auf die nördlichen Regionen vergleichsweise selten in bekannteren Kriegsfilmen mit größeren Budgets behandelt wird, analog dazu etliche Widerstandsbewegungen selten in den Fokus gerückt werden – und zum anderen, da er sowohl markante Qualitäten hinsichtlich seiner Charakterzeichnung als auch die rundum gelungene optische Gestaltungsarbeit anzubieten hat. Von allzu viel Kitsch und Pathos wird ebenso wie von einer sonst oft vorhandenen Oberflächlichkeit abgesehen, die etablierte Wirkung aus Spannung und Dramatik geht auf – und das sehr gute, wenn nicht gar auszeichnete Schauspiel rundet die Sache nach oben hin ab.

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„Ein charakterstarker, spannender und brillant in Szene gesetzter Kriegsfilm – eine echte Überraschung.“

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