Filmkritik: „Alexandre Ajas Maniac“ (2012)

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Originaltitel: Maniac
Regie: Franck Khalfoun
Mit: Elijah Wood, Nora Arnezeder, America Olivo u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 89 Minuten
FSK: ab 18 freigegeben
Genre: Thriller
Tags: Mörder | Gewalt | Wahnsinn | Amoklauf | Psychose

Die wahnsinnige Welt eines Serienkillers – Teil 2.

Kurzinhalt: Frank (Elijah Wood) ist von Beruf Restaurator, der sein Leben seinem Geschäft und den zahlreichen darin enthaltenen Schaufensterpuppen gewidmet hat. Doch offenbar geht diese Vorliebe dann doch etwas zu weit – in seinem verwahrlosten Hinterzimmer haust Frank nicht nur mit weiteren Schaufensterpuppen, sondern auch solchen die eine echte Haarpracht ziert. Diese hat er von seinen regelrechten Beutezügen als brutaler Mörder – der es allein auf Frauen abgesehen hat und diese nach deren Tod skrupellos skalpiert. Offenbar hat er als Kind zahlreiche traumatische Erlebnisse durchmachen müssen – die sich stets auf seine Mutter beziehen, was er nun in einer wahnhaft-kranken Art und Weise aufarbeitet. Eines Tages begegnet er der Fotografin Anna (Nora Arnezeder), in der er mehr zu sehen scheint als ein weiteres Opfer – doch wie lange er seine krankhaften Triebe zurückhalten könnte, bleibt ungewiss…

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Man kann dem allgemeinen Remake-Wahn gegenüberstehen wie man will. Fakt ist wohl nur, dass auch in Zukunft zahlreiche frühere Werke zwecks einer Neuverfilmung aus der Mottenkiste geholt werden – mit einem mal mehr, mal weniger verständlichen Hintergedanken. Denn wie so oft stellt sich die Frage, in wie weit ein Remake eines potentiellen Kultfilms tatsächlich Sinn ergibt – und aus welchen Gründen man überhaupt eines anstrebt. Von allzu perfiden, rein marketing-orientierten Gründen über eine zeitliche, geografische und / oder optische Anpassung bis hin zu inhaltlichen Neuinterpretationen kann alles vertreten sein – wobei es eigentlich nur zwei einzuhaltende Ziele gibt.

Zum einen sollte sich das Remake auch vom jeweiligen Original unterscheiden – und zum anderen; und das ist die Schwierigkeit, sollte es dem Originalstoff und der ursprünglichen Intention der Schöpfer dennoch treu bleiben. Trifft beides nicht zu, so sollte das Original entweder gleich unangetastet lassen – oder aber ein eigenes Werk erschaffen, dass sich nicht auf potentiell große Namen und einen vorangegangenen Erfolg stützt. Doch wie passt ALEXANDRE AJAS MANIAC nun in dieses Schema ? Wobei der deutsche Titel etwas verwirrend ist,  schließlich führt eben nicht Alexdandre Aja Regie, sondern sein Kollege Franck Khalfoun. Immerhin haben beide am Drehbuch geschrieben; und zur Produktionsriege gesellt sich noch ein weiterer spannender Name: William Lustig, seines Zeichens der Regisseur des originalen MANIAC von 1980 (Review), der hier als Produzent auftritt und dem Remake so offenbar seinen Segen gab.

Doch zurück zum Status von ALEXANDRE AJAS MANIAC als Remake eines seinerzeit durchaus umstrittenen Psycho-Thrillers mit dem authentisch-schockierenden Porträt eines wahnsinnigen Serienkillers. Zunächst fällt auf, dass sich das Remake rein inhaltlich und inszenatorisch nah am Original bewegt – von den offensichtlicheren Maßnahmen einmal abgesehen. Schließlich sieht der neue MANIAC gemäß seines Produktionsjahres entsprechend frisch aus, und bewegt sich mit seinen Bildern irgendwo zwischen Hochglanzoptik, durch diverse Licht- und Kulissenspiele auf alt getrimmte Ansichten und einer dezent kunstvollen Art der Inszenierung. Eine, die ein wenig an Nicolas Winding Refn’s DRIVE (Review) erinnert, aber natürlich niemals dessen poetische Kraft erreicht – zumal es ohnehin eher die spezielle Kameraführung ist, mit der sich das MANIAC-Remake profilieren möchte. Tatsächlich gelingt das Spiel mit der Ego-Perspektive gut – und sorgt dafür, dass man noch mehr Einblicke in die Seelenwelt des Hauptprotagonisten erhält. Sofern man diesen Aspekt als eine der Stärken des Franchise ansieht, versteht sich. Denn abermals stellt sich die Frage, wie weit man innerhalb des Mediums Film als Kunstform überhaupt gehen darf oder sollte. Diese Frage wird schließlich auch direkt an den Zuschauer weitergeleitet, wenn auch in etwas anderer Form: möchte ich mir wirklich einen Film ansehen, in dem mir ein möglichst authentisches Porträt eines Serienmörders ohne eine jegliche Wertung dargeboten wird ? Sollte diese Sorte von Menschen, respektive deren kranken Gedankenwelten tatsächlich eine Bühne erhalten, auf dass diese Elemente eine möglichst große Schockwirkung entfalten ?

Doch da sich bereits das Original mit diesen Fragen konfrontiert sah, soll es an dieser Stelle nicht vordergründig darum gehen, in wie weit das Gezeigte möglicherweise moralisch bedenklich ist (noch nicht einmal explizit auf das Ergebnis bezogen, sondern vor allem auf die dahinterstehende Theorie) oder nicht. Vielmehr geht es darum, ob das Remake tatsächlich einen Mehrwert besitzt, oder das Original sogar zu übertreffen vermag – wie es offenbar laut einiger Kritiker der Fall sein soll.

Warum genau, bleibt allerdings fraglich – denn tatsächlich bleibt das Remake in vielerlei Hinsicht hinter dem Original zurück. Dass die Optik nun ein wenig stimmiger und vor allem stilvoller (erst Recht durch die Ego-Perspektive, mit der aber auch das ein oder anderen Mal gebrochen wird) ausfällt, reicht schließlich nicht aus. Doch auch wenn sich das Remake nah am Original orientiert, lässt es ausgerechnet jene Szenen vermissen die dieses so auszeichnen – wie etwa eine spannungsgeladene Szene auf einer U-Bahn-Toilette. Im Remake gibt es zwar auch eine entsprechende U-Bahn-Station zu sehen – doch kann hier kaum das beklemmende Gefühl des Originals eingefangen werden. Ähnliches gilt auch für die heftigen Gewalt- bzw. Splatterszenen: bereits im Original waren sie schon nicht ohne, doch nun bewegt sich das Gezeigte trotz fehlender Kopfschuss-Szene bar einer jeden Kunst und erinnert so an perverse Gewaltorgien a’la HUMAN CENTIPEDE 2 (Review). Natürlich kommen derlei Szenen in MANIAC nur vereinzelt vor – aber dennoch bleibt es fraglich, ob es tatsächlich eine inszenatorische Raffinesse ist das Leid der Protagonisten explizit zur Schau zu stellen und dabei auch noch mit einer möglichst glaubhaften Anatomie (wer wollte nicht schon immer mal wissen, wie so eine Kopfhaut von unten aussieht) zu glänzen.

Dass MANIAC dann doch noch einige neue inhaltliche Elemente einstreut, respektive die Vergangenheit des Hauptprotagonisten zum einen, und seine verqueren Gedankengänge in Bezug auf Frauen zum anderen näher beleuchtet, fällt dabei eigentlich kaum ins Gewicht. Trotz dessen, dass das Original nicht immer derart explizit vorgegangen ist, hat man sich in etwa einen Reim auf das machen können, was im Kopf des Mörders vorgeht – andererseits will man es vielleicht auch gar nicht so genau wissen. Somit bleibt dem Remake eigentlich nur eine Stärke, oder auch ein Faktor der locker mit dem Original mithalten kann: die darstellerischen Leistungen. Beziehungsweise die eine, damals von Joe Spinell und heute von Elijah Wood. Der spielt hier nicht nur alle anderen im Film auftretenden Darsteller an die Wand, sondern überzeugt auch generell mit seiner Darbietung des wahnsinnigen Psycho-Killers – der im Grunde ganz harmlos aussieht. Hier sogar noch mehr als im Original – das Alter und die vergleichsweise zierliche Erscheinung von Wood passen einfach perfekt auf die Rolle, und machen sie eventuell zu einer der stärksten und glaubwürdigsten, die er je gespielt hat. Zumindest aber eine der eindringlichsten, im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut gehenden…

Fazit: Es sie immer wieder – Remakes, deren Sinn sich nicht wirklich erschließt; so oft und aus welchen Perspektiven man das Ergebnis auch betrachtet. Und MANIAC ist weiteres ein Paradebeispiel dafür, wie schlimm es eine solche Produktion treffen kann. Auch wenn das Projekt handwerklich über viele Zweifel erhaben ist und vor allem darstellerisch überzeugen kann, scheint es wenig sinnig eine Handlung wie diese beinahe deckungsgleich zu wiederholen – mit einem Ergebnis, dass sogar weitaus weniger effektiv ist als das Original. Und das nicht nur, da man einige Szenen so bereits voraussehen kann – sondern vor allem, da dem Remake schlicht eine jegliche Spannung abhanden kommt und das Ganze im schlimmsten Fall sogar unfreiwillig komische Züge annehmen kann.

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„Optisch verständlicherweise wertiger als das Original – ansonsten aber eine blosse, reichlich sinnfreie und mitunter abstoßende Wiederholung eines umstrittenen Genre-Films.“

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Ein Gedanke zu “Filmkritik: „Alexandre Ajas Maniac“ (2012)

  1. Nicht ganz neu, vor allem in diesem Genre, da wird gerne mal ein „Wes Craven’s (R.I.P. 😦 ), „John Carpenter’s, „Dario Argento’s“, „Clive Barker’s“, „Stephen King’s“ etc… davor gestellt, denn wer kennt Franck – wie hieß er nochmal – eigentlich? Eben.

    Naja kurz zum Film, inhaltlich braucht man ja nichts mehr zu sagen. Die düstere Optik ist Klasse, was mir sofort gefallen hat war der Soundtrackt. Was mir nicht zusagt ist der fast ausschließliche Einsatz der POV-Kamera und ich L*I*E*B*E normalerweise gekonnt und clever eingesetzte POV-Shots, hier aber hasse ich sie wie die Pest. Nach spätestens ner Viertelstunde nervt das ganze nur noch und es ist einem fast schon zum Kotzen zu mute. Tja, also ich kann mich mit einer 99% Umsetzung in diesem Stil nicht anfreunden. Too much.

    Überhaupt ist das einer der Filme wo ich gespaltener Meinung bin, einerseits gefällt mir die stilistische Umsetzung schon irgendwie, andererseits ist mir der Film vom Grundtonus zu deprimierend und verdammt derbe gedreht, dass ich ihn kein weiteres Mal sehen muss. Der Film überschreitet eine Schwelle weg vom Film hin zu einem fast schon realistischen Doku-Stil, der aufgrund der krassen und brutalen Szenen auch einem hartgessottenen Genrefreund wie mir irgendwie Unbehagen bereitet. (wobei es für mich schlimmeres gibt)

    Unbehagen steht für mich im krassen Gegensatz zur Unterhaltung und da stellt sich die Frage nach dem Sinn, warum man sich einen Film überhaupt ansieht. (Vergleiche „A Serbian Film“, „Human Centipede“, „Cradle will Fall“, „Funny Games“ usw…) Das Original macht irgendwie mehr „Spaß“. Das Remake ist ein gekonnter „Blender“, bei dem ich nicht weiß wie ich zu ihm stehen soll. Einerseits könnte ich ihm eine 7/10 wie dem Original geben, andererseits auch nur eine 3/10 weil er nicht wirklich unterhaltsam ist und sich rein auf seine psychische Schockwirkung konzentriert. Mit Alexandre Ajas Filmen bzw. Produktionen tue ich mich generell etwas schwer, das war bei „High Tension“ schon der Fall. Mag vielleicht ein guter Genrebeitrag gewesen sein, ich persönlich mochte ihn jedenfalls nicht. Das Remake von „The Hills have Eyes“ hat mir – glaube ich – gefallen.

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