Metal-CD-Review: KAMELOT – Haven (2015)

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Alben-Titel: Haven
Künstler / Band: Kamelot (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 04. Mai 2015
Land: USA
Stil / Genre: Progressive / Melodic Power Metal
Label: Napalm Records

Alben-Lineup:

Oliver Palotai – Keyboards
Casey Grillo – Drums
Thomas Youngblood – Guitars
Sean Tibbetts – Bass
Tommy Karevik – Vocals

Track-Liste:

1. Fallen Star (04:39)
2. Insomnia (04:13)
3. Citizen Zero (05:49)
4. Veil of Elysium (03:54)
5. Under Grey Skies (04:52)
6. My Therapy (04:26)
7. Ecclesia (00:44)
8. End of Innocence (03:49)
9. Beautiful Apocalypse (04:25)
10. Liar Liar (Wasteland Monarchy) (05:54)
11. Here’™s to the Fall (04:04)
12. Revolution (04:49)
13. Haven (02:14)

Komm mit auf die… dunkle Seite des Power Metal.

Fans aller Herren Länder werden sich freuen – KAMELOT sind zurück, und haben mit HAVEN ihr bereits elftes offizielles Studioalbum im Gepäck. Das elfte – oder das zweite, betrachtet man die Zeit nach dem Weggang des ehemaligen Frontmanns Roy Khan (und damit alles nach 2011) als neuen Bandabschnitt. Auch wenn sich viele verständlicherweise empört über seinen Ausstieg zeigten; so schienen die Wogen alsbald geglättet als der neue Sänger Tommy Karevik erstmals zeigte, wie gut auch seine Stimme mit dem typischen KAMELOT-Sound harmonieren würde. Das erste Anschauungsbeispiel dafür war das 2012’er Studioalbum SILVERTHORN (Review) – und nun setzt man die neu begonnene Tradition mit HAVEN fort. Nach der langen Zeit beim Label STEAMHAMMER erscheint das neue KAMLOT-Werk nun erstmals bei NAPALM RECORDS – 13 Titel sind enthalten, wobei INSOMNIA bereits als erste Videosingle ausgekoppelt wurde und neben dem bereits angeteaserten VEIL OF ELYSIUM für entsprechende Ersteindrücke sorgen konnte.

Davon abgesehen hat das neue KAMELOT-Album vor allem wieder das zu bieten, was langjährige Fans der Band seit jeher schätzen: einen intensiv-düsteren, wenn man so will dramatischen Sound der im Genre durchaus einzigartig ist und eine nette Abwechslung zu dem der oftmals feucht-fröhlich und hymnisch agierenden Genrekollegen darstellt. Analog dazu gibt es auch auf HAVEN einen vergleichsweise schroffen Gitarrensound, viele Streicherparts und packende Soundtrack-Elemente – und einen Leadgesang, der sich wie kein zweiter in die Gehörgänge (und sogar noch weiter) zu bohren vermag. Und das, obwohl man Tommy Karevik respektive seine Stimme nicht unbedingt als außergewöhnlich bezeichnen kann – und doch schafft er es, seiner Darbietung nicht nur eine enorme Glaubwürdigkeit, sondern auch eine Riesenportion Emotionalität einzuverleiben. Diese springt im besten Fall direkt auf den Hörer über – und lädt ihn zu einer besonderen Entdeckungsreise der etwas düstereren Seite des Power Metal ein.

Der Alben-Auftakt fällt dementsprechend aus: FALLEN STAR und INSOMNIA sind zwei dramatische Stücke im Midtempo, die von einer gewissen inhaltlichen und musikalischen Schwere gekennzeichnet sind. Dass sie gelungen sind kann man wohl kaum abstreiten – nur ist es etwas schade, dass sie etwas weniger kräftig klingen als vermutet und eben doch typisch für KAMELOT sind. Erst mit dem dritten Titel im Bunde, CITIZIEN ZERO wird es schon deutlich spannender: hier liefern KAMELOT eine ihrer vielleicht eindringlichsten Nummern überhaupt ab, deren Wirkung man schon nicht mehr als dramatisch; sondern vielmehr als apokalyptisch bezeichnen könnte. Für ein Aufhorchen sorgt hier nicht nur die nunmehr noch düsterere Soundkulisse, sondern auch die markanten progressiven Ansätze inklusive der verschwörerischen Chorgesänge und mehrerer Instrumental- respektive Soli-Strecken. Was folgt ist die wohl flotteste und wenn man so will positiv geladenste Nummer des Albums – VEIL OF ELYSIUM. Trotz der abermals eine gewisse Sehnsucht transportierenden Textinhalte inszenieren KAMELOT hier doch noch eine eher antreibende Hymne für alle Genrefans, denen bereits SACRIMONY vom Vorgänger gefiel und nicht mehr aus dem Kopf geht. Gewisse Ähnlichkeiten sind speziell in Bezug auf den Refrain durchaus vorhanden, doch ändert das nichts an der markanten Wirkung und der dringend benötigten Abwechslung.

Schließlich folgt mit UNDER GREY SKIES wieder eine deutlich ruhigere Nummer oder auch Ballade, die mit Gastgesängen von Charlotte Wessels (DELAIN) garniert wird. Und mit einem ehe ungewöhnlichen Instrument – einem irischen Dudelsack, der allerdings eher dezent eingesetzt wird. Das Ergebnis ist eine emotional geladene Ballade, die durch ihren steten Wechsel aus sanft-akustischen und pompös-schmetternden Passagen durchaus überzeugt – aber auch ein wenig zu sehr an die Kollegen von AVANTASIA respektive deren eher weichgespülte Seite erinnert. Eine Nummer wie MY THERAPY ist dann schon eher auf KAMELOT zugeschnitten – wie auch alle folgenden. Dabei ist allerdings eines festzustellen: hier und da fehlt es HAVEN an; man nenne es musikalischer Durchschlagskraft. Die emotionale Komponente ist omnipräsent, wie auch der vergleichsweise düstere und apokalyptische Sound – doch ein paar markantere Momente, die sich ein wenig von den typischen Merkmalen der Band abheben (beispielsweise gleichen sich nicht wenige Refrains allein aufgrund der Gewichtung der Instrumente) hätten dem Album sicherlich gut getan.

Das kuriose: dieser Wunsch wird dem Hörer doch noch erfüllt, allerdings erst recht spät und mit der Nummer REVOLUTION. Aber auch die anberaumte Methode wird nicht jedermann gefallen – die heftig verzerrten, aggressiven Growl-Passagen und der noch düsterere Sound sind dann wohl doch etwas zuviel des Guten. Das Outro HAVEN dagegen gibt sich abermals in einem anderen Gewand – zumal es am ehesten so klingt, als handelte sich um ein Intro. Eines, dass sicher gut zum ein oder anderen Symphonic Power Metal-Konkurrenzwerk gepasst hätte – doch hier scheint es etwas fehl am Platze.

Fazit: Wirklich bahnbrechend ist HAVEN nicht ausgefallen – aber vielleicht muss es das auch gar nicht, um zumindest bei den eingefleischten KAMELOT-Fans gut anzukommen. Diese erwartet ein rundum solides Genrealbum mit einer ebenso soliden Gesangsleistung des erst zum zweiten Male auftretenden neuen KAMELOT-Leadsängers Tommy Karevik – und mit allen typischen Merkmalen, die den Sound der Band seit jeher auszeichnen. Für eine markantere Wirkung und letztendlich auch eine höhere Wertung hätte das Album aber insgesamt etwas mehr Kraft vertragen können (musikalische; nicht emotionale) – ebenso wie das ein oder andere zusätzliche Highlight. Denn so bleibt es vor allem an CITIZEN ZERO und VEIL OF ELYSIUM als grundverschiedene KAMELOT-Hymnen der ganz besonderen Art zu fungieren.

Absolute Anspieltipps: CITIZEN ZERO, VEIL OF ELYSIUM


70button

„Etwas zu unspektakulär und auf Nummer sicher – aber zweifelsohne solide.“

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