Filmkritik: „Maniac“ (1980)

maniac_1980_500

Originaltitel: Maniac
Regie: William Lustig
Mit: Joe Spinell, Caroline Munro, Abigail Clayton u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 88 Minuten
FSK: ab 18 freigegeben
Genre: Thriller
Tags: Mörder | Gewalt | Wahnsinn | Amoklauf | Psychose

Die wahnsinnige Welt eines Serienkillers.

Kurzinhalt: Frank (Joe Spinell) ist ein zurückgezogen lebender Mann, der sich auf einen mörderischen Feldzug durch New York City begibt und dabei vor allem Jagd auf junge Frauen macht. Der offenbar verwirrte und mit diversen psychischen Problemen behaftete Killer hatte offenbar keine leichte Kindheit – und macht seine Mutter für die nun von ihm begangenen Taten verantwortlich. Doch ist abzusehen, dass sein Treiben eines Tages ein Ende nehmen würde… in welcher Form bleibt jedoch offen.

maniac_1980_00

Kritik: Achtung, Spoiler ! MANIAC, ein Psycho-Thriller respektive Psycho-Slasher aus dem Jahre 1980 gilt als einer der verstörendsten und einflussreichsten Genrefilme überhaupt. Tatsächlich wird die Wirkung, die der von William Lustig inszenierte Spielfilm etabliert; besonders im Rahmen der ursprünglichen Ausstrahlungen in den frühen 80ern für Furore gesorgt haben – und für allerlei erhitzte Gemüter. Schließlich geht es in MANIAC um nicht weniger als das Porträt eines wahnhaften Serienmörders, der sich aufgrund des gestörten Verhältnisses zu seiner Mutter scheinbar wahllos junge Frauen aussucht und sie auf bestialische Weise tötet. Doch damit nicht genug: er skalpiert seine Opfer, und nutzt die jeweilige Haarpracht zur Verzierung seiner zahlreichen Schaufensterpuppen; mit denen er auch den ein oder anderen einseitigen Dialog führt. Das allein ist schon harter Tobak – doch erst die Art der Inszenierung macht MANIAC zu einem auch heute noch durchaus diskutablen Film, dessen Schockwirkung zwar auch aus den heftigen Gewaltszenen resultiert – hauptsächlich aber aus dem verstörenden Porträt des Hauptprotagonisten. Vornehmlich, da es so gut wie überhaupt nicht überzeichnet wirkt und der Film trotz etwaiger Andeutungen kaum Nähe zum Horror- oder auch Trashfilmgenre hat – vielmehr handelt es sich um einen möglichst glaubhaft inszenierten Psycho-Thriller.

Dabei wird auch die die eigene (Film-)Vergangenheit des Regisseurs William Lustig eine Rolle gespielt haben, die ihn zusätzlich für das Projekt zu qualifizieren schien – auch wenn das in Anbetracht des zuvor hauptsächlich von ihm bedienten Genres etwas merkwürdig anmuten mag. In der Tat war der besagte Regisseur vor allem in der Pornoindustrie unterwegs – was gar nicht mal allzu verwunderlich ist, besieht man die vergleichsweise voyeuristische Aufmachung von MANIAC und seine weiterführenden Kern-Elemente; die sich zumindest ansatzweise auch um eine gestörte Sexualität drehen. Schließlich wird man als Zuschauer geladen, einen wahrhaftigen Einblick in einen Lebensabschnitt eines soziopathischen Mörders zu erhalten – wobei Andeutungen allein nicht ausreichen, selbst die Tötungen und vor allem die Vorbereitungen und der Nachgang des jeweiligen Aktes werden explizit gezeigt und ausgeführt. Diese Vorgehensweise ist es auch, die den Film auszeichnet respektive ihm eine eigene Identität verleiht – eine, die man durchaus als fragwürdig bezeichnen könnte.

So lohnt sich damals wie heute die Diskussion über das, was in Filmen gezeigt werden kann – und über das, was man trotz aller künstlerischen Freiheiten und der Möglichkeiten der Kunstform des Films an sich eventuell lieber auslassen sollte. Die Meinungen werden hier verständlicherweise auseinandergehen – doch sollte man sich, speziell bevor man sich mit einem Film wie MANIAC befasst; selbst die Frage stellen ob man wirklich intensiv in die Gedankenwelt eines zwar fiktionalen, aber durchaus glaubhaft dargestellten krankhaften Charakters abtauchen möchte. Ein Porträt, das zudem kaum bewertet; sondern eher nüchtern und emotionslos dargestellt wird – was MANIAC abermals von handelsüblichen Thrillern oder gar Krimis mit einer klar zu verortenden guten und schlechten Seite distanziert.

Lässt man sich aber dennoch auf den Film, seine herausfordernde Prämisse und die heftigen Gewaltdarstellungen ein – so erwartet einen immerhin kein allzu oberflächliches Gemetzel. Noch unangenehmer als die nur sporadisch auftretenden Mordszenen sind schließlich die Darstellungen der Lebensgewohnheiten und der Gedankenwelt des Täters – der trotz aller Barbarei hinter verschlossenen Türen noch immer seinen gesellschaftlichen Umgang wahrt. Schade ist nur, dass der eigentliche Grund für die Taten (sofern man denn einen sucht) eher beiläufig behandelt und recht klischeehaft im Sinne einer gestörten Mutter-Kind-Beziehung ausgeführt wird. Was wirklich im Kopf des Protagonisten vorgeht bleibt abstrakt – was sicherlich auch so gewollt ist.

Was bleibt, sind die handwerklichen und inszenatorischen Aspekte – denn auch ein Film wie MANIAC kann nicht allein von seiner gewagten Grundidee leben respektive sich auf dieser ausruhen. Glücklicherweise gelingt William Lustig in diesem Zusammenhang vieles – was sich insbesondere auf höchst gelungene, vor Spannung schier platzende Szenen wie der in einer U-Bahn-Toilette niederschlägt. Aber auch sonst gehen die meisten der handwerklichen Kniffe auf – wie in Bezug auf die Kameraführung, den Schnitt und die Darstellungen der drastischeren Szenen. Eine eventuell noch etwas gewichtigere Position nimmt dann aber der Soundtrack ein. Der wartet mit allerlei verstörenden Klängen auf; die manchmal etwas zu vordergründig und laut platziert werden – was aber alles andere als unüblich ist für einen Film der frühen 80er Kinojahre.

Fazit: Letztendlich scheint MANIAC seinem Kultstatus nicht ganz gerecht zu werden – wirklich neu war die Idee schon damals nicht, und allein die drastischen Gewaltszenen machen aus ihm noch lange keinen Hingucker. Das ungeschönte, erschreckende und perverse Porträt des Hauptprotagonisten sowohl während der Tötungsakte als auch in den ruhigeren Momenten schon eher – im Zusammenspiel mit der schier wahnwitzigen Leistung von Joe Spinell entstehen so durchaus einige unvergessen-intensive Momente. Doch hat man nicht selten das Gefühl, als würde MANIAC nicht wirklich vorankommen – das grundsätzliche Tempo ist eher gemäßigt, eine wie auch immer geartete Entwicklungen oder einen Spannungsbogen gibt es nicht. So könnte man ihn trotz der handwerklich zufriedenstellenden Arbeit und der markanten Wirkung des Soundtracks doch nur als pervers-voyeuristisches Machwerk abstempeln – eines, das der eher krankhaften Seite der Menschen auch noch eine Bühne gibt und nicht viel mehr als genau das will. Und tatsächlich scheinen Parallelen zu in ähnlichen Genres aktiven, künstlerischen Größen wie Dario Argento etwas weit hergeholt. Man entscheide selbst…

border_01
50button

„Ein verstörender, brutaler und handwerklich solider Psycho-Slasher – allerdings ein eher fragwürdiger und ohne die Klasse anderer Genre-Pioniere.“

filmkritikborder

Advertisements

Ein Gedanke zu “Filmkritik: „Maniac“ (1980)

  1. Nein, also vom inszenatorischen Stil und Machart hat der Streifen recht wenig mit Dario Argento zu tun (das Remake erinnerte mich dann schon irgendwie eher an die Filme des Italieners), wenn man aber in die Tiefe geht, scheinen die Welten aber nicht sooo weit auseinanderzuliegen. ^^ Mir sind zwar die Streifen des Italo-Edelhorrorfilmemachers (bis Anfang des 2000er Jahres, danach kam leider – auch für mich – nichts mehr verwertbares) um einiges lieber, aber Maniac fand ich (insgesamt) nicht schlecht.

    Er ist unangenehm, brutal, dreckig gedreht und ernst, aber auf einer verstörenden Art irgendwie auch faszinierend. Ich will mich zwar nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber eine gewisse Parallele zu einem Hitchcock Klassiker scheint der Film schon zu haben, nur in einer verdammt dreckigen 80er Jahre Variante. Und ich bin mir sicher, dass Psycho damals mindestens ein so genauso großer Schock war, wie Maniac ca. 20 Jahre später. Ich würde dem Streifen mind. 2 Wertungspunkte mehr schenken. Ich weiß, ich bin krank. 😀

    U.a. dieser Film löste die damalige 80er Jahre Beschlagnahmewelle von Videokassetten und die Zensurfreudigkeit von Horrorveröffentlichungen in Deutschland aus und wurde somit erst recht bekannt. ^^ (man schreibt ihm zu, dass es der erste Film war, der in Deutschland aufgrund von Gewaltverherrlichung beschlagnahmt wurde)

    Erst vor kurzem lief der Streifen in einer total verstümmelten Fassung auf Tele 5, aus eben den genannten Gründen hab ich mir den Film nicht im Fernsehen angetan, ist aber durchaus eine Randbemerkung wert, da es eine kleine Sensation ist, dass so ein Film nach all den Jahren überhaupt im Fernsehen gezeigt wird. Mittlerweile gibt es verabscheuungswürdigere Produktionen, die nicht solche Probleme bei der Vermarktung haben. Ender’s Game z.B. hahaha…kleiner Scherz. ^^

    PS: Joe Spinell > Elijah Wood … Sorry, Frodo. 🙂

    Gefällt mir

Zögert bitte nicht, einen Kommentar zu hinterlassen.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s