Filmkritik: „Project Arbiter“ (2014)

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Originaltitel: Project Arbiter
Regie: Michael Chance
Mit: Alexis Cassar, Jake Lyall, Tim Coyne u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 22 Minuten
FSK: unbekannt / nicht geprüft
Genre: Action, Thriller, Science Fiction
Tags: Deutschland | Zweiter Weltkrieg  | Nazis | Experimente

Die Nazis und ihre sagenumwobenen Experimente.

Kurzinhalt: Im Jahre 1943 wird eine Spezialeinheit des US-Nachrichtendienstes OSS ausgesandt, um eine geheimnisvolle Villa der Nazis an der deutsch-polnischen Grenze unter die Lupe zu nehmen. Die Vermutung: die Nazis führen hier grausame Experimente durch, und könnten breits jetzt schon an Technologien gekommen sein die den Ausgang des Krieges noch maßgeblich beeinflussen könnten. Doch auch die Amerikaner sind in diesem Fall gut ausgerüstet: insbesondere der leitende Offizier Special Fields Op. Captain Joseph Colburn (Alexis Cassar) – der einen speziellen Anzug trägt der ihn nicht nur widerstandsfähiger machen soll – sondern es ihm gar ermöglicht, unsichtbar zu werden.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! PROJECT ARBITER ist ein knapp 20-minütiger Kurz- oder auch Konzeptfilm von Michael Chance, der sich wie so viele andere einer besonders beliebten respektive oftmals behandelten und vielfältig interpretierten Thematik annimmt – einer, die der Einfachheit halber mit dem Terminus Nazi-Deutschland umschrieben werden kann. Jedoch handelt es sich nicht um einen Historienfilm oder ein weiteres der unzähligen Weltkriegs-Dramen – PROJECT ARBITER ist grundsätzlich als Action-Thriller mit Elementen der Science Fiction ausgelegt. Elementen, die sich explizit an diversen Theorien über den Nazi-Okkultimus nähren und eine ganz und gar sagenhafte Technologie vorstellen – ein Gerät, das es dem Träger ermöglicht unsichtbar zu werden. Dabei geht es dem Film gar nicht erst darum, das Ganze möglichst glaubwürdig erscheinen zu lassen – es reicht, dass auf die (durchaus reellen) geheimen Forschungen der Nazis während des Zweiten Weltkriegs angespielt wird und dem Zuschauer die Frage nach dem was wäre wenn entlockt wird.

So wird zumindest das Konzept ausgesehen haben, in der Theorie – im fertigen Kurzfilm wird dagegen schnell eine gänzlich differente Wirkung etabliert. Eine, die leider nur herzlich wenig mit den oftmals und glücklicherweise aus diversen Independent-Produktionen resultierenden Vorteilen (wie dem der künstlerischen Freiheit) einhergeht – und abermals klarstellt, dass nicht alles glänzen muss was allerlei ungebundene kreative Köpfe weltweit in Form eines Hobbyfilmprojektes auf die Beine stellen. So versagt PROJECT ARBITER hauptsächlich und vornehmlich auf einer besonders wichtigen Ebene – der des Inhalts. Wobei fraglich bleibt, was eigentlich schlimmer wiegt: das, was im Film gezeigt wurde – oder das, was die Macher (ob beabsichtigt oder nicht) ausgelassen haben. Sicher ist das Ganze als Kurzfilm ausgelegt der ganz automatisch viele Dinge offenlassen muss – doch kommt es auch immer auf die Gewichtung an, die hier beispielsweise deutlich fehlschlägt indem man einen längeren Anfangsdialog in einem Flugzeug zeigt – später aber an entscheidenden Stellen potentiell spannendere Szenen streichen muss.

Doch macht es PROJECT ARBITER in Bezug auf das was gezeigt wird nicht wirklich besser – im Gegenteil. Die Story ist trotz der interessant erscheinenden, fantastischen Technologie alles andere als neu – und bemerkenswert schlecht umgesetzt. Dies beginnt bereits mit dem Bedienen von unzähligen Klischees – die nicht einmal in so weit konsequent fortgeführt werden, als dass ein Soldat der Wehrmacht über die Technologie verfügt. Der erste Blick auf den Film lässt aber genau das vermuten – und damit etwas, dass eher der unterhaltsamen Trash-Sparte im Sinne eines hierzulande indizierten PC-Spiels zuzuordnen wäre. Und so geht es den (mächtigeren) Amerikanischen Titelhelden um die Infiltration eines geheimen Labors, welches einmal die Technologie hervorbringen könnte die sie bereits besitzen – natürlich nicht ohne grausame Menschenversuche. Diese Idee hätte im Sinne eines Teasers, der Lust auf mehr macht durchaus funktionieren können – zumal bereits diverse Verstrickungen, die – inhaltlich einmal ausgearbeitet – spannendes hätten zu Tage fördern können. Wie beispielsweise in Bezug auf die Verstrickungen des deutschen Wissenschaftlers, der offenbar am Bau des Anzugs beteiligt war und nun dem Amerikaner helfen will.

Doch ist die Wahrscheinlichkeit weitaus höher, dass man sich gar nicht erst mit derlei Fragen beschäftigen möchte – da der Weg zu diesem Ziel ein eher unangenehmer ist; vor allem im cineastischen Sinne. Der einzige Vorteil, den PROJECT ARBITER in dieser Hinsicht zu bieten hat ist seine gelungene Optik – durch die spezielle Farbgebung, der erstaunlich soliden Kameraführung, den gar nicht mal schlechten CGI-Effekten und die Kostüme sowie allerlei Gadgets (in Form von halbwegs authentisch wirkenden deutschem Kriegsgerät) sieht der Film zweifelsohne nach mehr aus als einer weiteren No-Budget-Billigproduktion. Wenn dies nur auch auf den Soundtrack und die Darsteller zu beziehen wäre – der erstere ist nichtssagend, die Darsteller absolut hölzern; ebenso wie die gesamte Sprachausgabe und die Dialoge. Ob diese Aspekte nun schlimmer wiegen als die inhaltlichen, sei einmal dahingestellt. Sei es die hanebüchene Kampfszene auf einem Berghügel zu Beginn, die fehlschlagende Rettung einer Versuchsperson; die Tatsache, dass das geheime Versuchslabor erstaunlich schlecht bewacht wird oder sich der Kommandant trotz ungewissem Verlaufs des erstgenannten Kampfes merkwürdig sicher fühlt – man kann sich nicht des Gefühls erwehren, als wären hier ein einige Fehlentscheidungen getroffen worden.

Fazit: PROJECT ARBITER bietet ein zwar verbrauchtes, durch den Zusatz einer speziellen Technologie aber durchaus interessant erscheinendes Setting im Sinne eines Teasers für einen potentiell folgenden Komplettfilm. Jedoch scheinen sich die Vorteile dieses Werkes vor allem in seiner Theorie entdecken zu lassen – und nicht im fertigen, immerhin 20-minütigen endprodukt. Dieses überzeugt zwar durch gewisse technische Raffinessen, ist inhaltlich aber eine Katastrophe – vor allem was den eigentlichen Sinn von beinahe allen Einzelszenen betrifft.

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„Optisch angenehm – darstellerisch, inszenatorisch und inhaltlich ein Reinfall.“

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