Filmkritik: „Evil Dead“ (2013)

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Originaltitel: Evil Dead
Regie: Fede Alvarez
Mit: Jane Levy, Shiloh Fernandez, Lou Taylor Pucci
Land: USA
Laufzeit: ca. 90 Minuten
FSK: ab 18 freigegeben
Genre: Horror
Tags: Wald | Haus | Teenager | Dämonen | Buch | Fluch

Mach’s uns noch einmal, Sam Raimi.

Kurzinhalt: Die junge Mia (Jane Levy) ist mit ihren Freunden und ihrem Bruder David (Shiloh Fernandez) in eine entlegene Waldhütte aufgebrochen, um endlich von den Drogen wegzukommen. Tatsächlich scheinen die Abgeschiedenheit der Hütte und die klare Zielsetzung aller Beteiligten diesem Projekt dienlich zu sein – doch zeichnet sich während der ersten Tage des kalten Entzugs noch etwas ganz anderes ab. Es scheint, als würde etwas ganz und gar unheimliches in den umliegenden Wäldern leben – etwas, dass man unwissentlich und mithilfe eines in der Hütte gefundenen Buches auch noch anlockt… fortan geht es den Teenagern nicht mehr um einen erfolgreichen Entzug ihrer Schwester und besten Freundin, sondern nur noch um das nackte Überleben.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Es war einmal in den 70er und 80er Kinojahren… als einige Filmemacher die Grenzen des klassischen Horrorfilms neu ausloteten, und essentielle Genre-Elemente wie Spannung und Grusel durch eine etwas andere Zugabe aufwerteten oder gar gänzlich ersetzten. Die Rede ist von einem hohen, nicht unbedingt subtilen Gewaltgrad – der seitdem so manchem Splatter-Film eine eigene Note verlieh und den Zuschauern mal mehr, mal weniger Magenkrämpfe bescherte. Dabei galt es seit jeher zu unterscheiden, ob man das Ganze eher in Richtung einer Horror-Komödie driften lassen würde (mit einem Film wie BRAINDEAD als Paradebeispiel), oder ob man nicht doch merklich ernstere respektive verstörendere Töne anschlagen würde. Im Falle der Kulthorror-Reihe TANZ DER TEUFEL fällt diese Unterscheidung nicht ganz so leicht – schließlich wandelte der erste Teil (Review) noch am ehesten auf klassischen Horrorpfaden, während man sich mit dem zweiten (Review) sich schon wesentlich weiter aus dem Fenster lehnte und sowohl den Ekel- als auch Spaßfaktor erhöhte. Der dritte Teil (ARMEE DER FINSTERNIS, Review) ist dann bekanntlich Geschichte – hier wurden vornehmlich nur noch die Lachmuskeln strapaziert, auch wenn das Szenario noch dezente gruselige Elemente mit sich brachte.

Und nun kommt ein Film wie EVIL DEAD daher – ein Remake des ersten (und quasi auch zweiten) Teils der Reihe, bei dem sich wie bei so vielen anderen Neuauflagen die Frage stellen wird, in wie weit vergleichsweise einfach zu realisierende Projekte wie diese eine Daseinsberechtigung haben. Und, wie man mit dem entsprechenden Originalstoff umgehen würde – zollt man ihm Tribut oder lässt ihn doch eher links liegen ? Eine Frage, bei sich der in Bezug auf EVIL DEAD zumindest alle einig schienen – das Remake hat den offiziellen Segen von mindestens zwei der beim Original beteiligten Künstler, Sam Raimi (der damalige Regisseur, der nun als Produzent fungiert) und Bruce Campbell (der damalige Hauptdarsteller, der nun ebenfalls als Produzent fungiert und einen kleinen Gastauftritt hat). Auch ist festzustellen, dass am grundsätzlichen Setting wenig geändert wurde – noch immer geht es um dämonische Kräfte die sich vor allem in einem speziellen Buch zu manifestieren scheinen; noch immer findet das Geschehen größtenteils in einer abgeschiedenen Hütte statt, noch immer müssen die beteiligten Protagonisten nicht nur um ihr Leben fürchten – sondern auch mit diesem bezahlen.

Und doch gibt es einen markanten Unterschied: das Remake kennt keine der damals eventuell noch vorhandenen Probleme wie in Bezug auf das geringe Budget oder etwaige Entscheidungsschwierigkeiten. Stattdessen präsentiert sich der Film als handwerklich keine Wünsche offen lassender, atmosphärisch eindeutiger Horror-Schocker – der endgültig mit allen ironischen Ansätzen des Franchise bricht und damit auch all jene Faktoren ins Abseits bugsiert, die dem Original (oder den Originalen) einen dezent trashigen Anstrich verpassten. Dies ist auch einer der Aspekte den man bedenken sollte, wenn man sich dem Remake nähert. Erwartet man einen Film der den Geist und die Atmosphäre der Originale konserviert, ist man definitiv falsch beraten. Das bedeutet allerdings nicht, dass das Remake im allgemeinen zu vernachlässigen wäre – denn gerade jene Unterschiede führen überhaupt erst dazu, dass EVIL DEAD tatsächlich wie ein durchdachtes, mit einer eigenen Identität versehenes Remake wirkt. Eines, dass sich trotz aller drastischen Elemente nicht zu schade ist, diverse Querverweise einzustreuen – vor allem natürlich in Bezug auf das Original. Beispielsweise wird der, man nenne ihn Flug des Dämons (aus der Ich-Perspektive, nah über dem Waldboden) fast eins zu eins übernommen – was aufzeigt, dass viele der damals verwendeten Szenen durchaus von einer gewissen Zeitlosigkeit leben und auch noch nach Jahren genau so funktionieren wie sie es sollten.

Und noch einmal zurück zum Inhalt, beziehungsweise eher der Art der Inszenierung von EVIL DEAD als Remake und als vergleichsweise brutaler Horror- respektive Splatterfilm. Während der zugrundeliegenden Story wie im Original gar nicht erst allzu viel Aufmerksamkeit geschenkt wird – es reicht, dass man von einem mysteriösen Buch weiß, welches in der Lage ist dämonische Gestalten zu erwecken – geht es in EVIL DEAD wesentlich heftiger zu als in TANZ DER TEUFEL 1 und 2. Und das nicht nur, da jegliche humoristische Ansätze wie bereits erwähnt komplett verneint werden – sondern auch, da die punktierten Splatter-Szenen tatsächlich so gut wie alles überbieten, was man in den letzten Jahren und Jahrzehnten auf der Leinwand gesehen hat. Teilweise sind sie so heftig, dass man doch wieder geneigt ist an Übertreibungen im Sinne diverser Splatter-Komödien zu denken – andererseits aber bleibt einem das Lachen aufgrund des ganz und gar nicht komischen Zusammenhangs und der erschreckend realistischen Maskenarbeit (der Film kommt gänzlich ohne CGI-Effekte aus) wieder im Halse stecken. Wie auch in Bezug auf die Tatsache, dass eine der Beteiligten eigentlich einen kalten Entzug durchmacht – ihr sobald der Dämon in Erscheinung tritt aber zunächst niemand glaubt. Eine Wirkung kann EVIL DEAD also zweifelsohne erzielen – ob die im Sinne des jeweiligen Zuschauers ist, sei einmal dahingestellt.

Zumal es auch nicht zwangsläufig die expliziten Splatter-Szenen sind, die den Film auszeichnen – sondern vielmehr die neue, perfekt inszenierte Atmosphäre irgendwo zwischen klassischem Horror und modernen Torture-Streifen der Marke HOSTEL. Der Unterschied, der das Ganze ein stückweit angenehmer und weniger grenzwertig erscheinen lässt liegt dabei auf der Hand: in EVIL DEAD sind es Dämonen die für allerlei Unheil Sorgen – was dem Film eine dezent fantastische, übernatürliche Komponente verleiht und nicht dazu führt, dass dem Zuschauer eine als Stilmittel zusätzlich streitbare (da von Menschen verursachte) Gewalt bis ins Detail veranschaulicht wird. Die Folge ist ein atmosphärisch geladener Film der einen von der ersten bis zur letzten Minute fesseln wird – ob er nun gruselig, spannend oder einfach nur ekelig ist. Tatsächlich ist es wohl eine zündende Mischung aus allen drei Elementen.

Bleibt der handwerklich-technische Part – der mit Bravour gestemmt wurde, und dem Original abermals voraus ist. Trotz dessen, dass dem Original ein gewisser Charme anhaftet und eben nicht alles perfekt war, überzeugt das Remake mit seinen perfekt in Szene gesetzten Sets, der schaurig-schönen Arbeit der Masken- und Kostümbildner; sowie einem gelungenen Schnitt und einem passenden Soundtrack.

Fazit: Remakes, Reboots oder Spin-Offs erscheinen nicht immer sinnvoll und sollten immer diskutabel bleiben, zumal man sich als Filmemacher niemals allzu sehr auf die Vorarbeit diverser Kollegen verlassen und stattdessen lieber etwas neues und eigenständiges kreieren sollte – doch im Falle von TANZ DER TEUFEL beziehungsweise nun EVIL DEAD stehen die Zeichen auf grün. Trotz oder gerade wegen des enormen Splatter- und Ekelfaktors, der das Remake deutlich vom Original abzuheben vermag – im Zusammenspiel mit der um 180 Grad gedrehten Atmosphäre, den Vorteilen der modernen Art der Inszenierung und weiteren Raffinessen wie dem Soundtrack. Natürlich bleibt die Innovation auf der Strecke, erst Recht da das Remake fast schon noch weniger Anstalten macht, das Geschehene auf irgendeine Art und Weise inhaltlich zu untermauern – doch davon abgesehen gibt es nichts zu mäkeln. Nur zwei Dinge bleiben erwähnens- und empfehlenswert: zum einen sollte man nicht zu zimperlich sein wenn es etwaige Gewaltdarstellungen in Filmen geht (die trotz ihrer Heftigkeit noch eher zu vertreten sind als solche in HOSTEL oder A SERBIAN FILM) – und  zum anderen, was den eben genannten Punkt voraussetzt; sollte man sich wenn überhaupt nur die ungeschnittene Fassung ansehen.

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„Ein Remake wie ein Schlag in die Magengrube – und eines dass dem Original Tribut zollt, aber sich dennoch markant abhebt.“

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