Filmkritik: „Singam“ (2010)

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Originaltitel: Singam
Regie: Hari
Mit: Suriya, Anushka Shetty, Prakash Raj u.a.
Land: Indien (Tamilisch)
Laufzeit: ca. 160 Minuten
FSK: unbekannt / nicht geprüft
Genre: Action / Komödie
Tags: Indien | Dorf | Polizist | Kampf | Verbrecher

Fürchte die barmherzige Pranke des Löwen.

Kurzinhalt: Ein junger Mann namens Duraisingam (Suriya) scheint einer der wenigen Polizisten zu sein, die es mit ihrem Beruf wirklich ernst meinen. In seinem Dorf Nallur in Indien sorgt er bereits für Recht und Ordnung – bis er eines Tages zwei neue Bekanntschaften macht. So lernt er die hübsche Kavja (Anushka Shetty) kennen, die ihm gehörig den Kopf verdreht – aber auch einen dubiosen Mafioso namens Mayil Vaaganam (Prakash Raj), der dazu angehalten wird in das Dorf zu kommen um für mehrere Tage ein Dokument zu unterzeichnen. Damit wird sichergestellt, dass er zumindest während dieser Zeit keine Dummheiten anstellen könnte – doch der Mafioso schickt einfach einen seiner Männer vor, um weiterhin seinen zwielichtigen Geschäften nachgehen zu können. Ein Kniff, mit dem sich die meisten Dorfpolizisten wohl aus Furcht arrangiert hätten – nicht jedoch Singam. Der versteht das Ganze als Affront und beharrt darauf, dass der Beschuldigte stets selbst zu erscheinen hat. Das macht er dann auch, und plant bereits den aufmüpfigen Polizisten zu eliminieren – was nur daran scheitert, dass das gesamte Dorf hinter ihrem treuen Gesetzeshüter steht. Also sorgt Mayil Vaaganam kurzerhand dafür, dass Singam in die Großstadt Chennai versetzt wird… wo er die Kontrolle hat. Damit tritt er jedoch eine Lawine los. Als Singam mehr und mehr Einblick in die fragwürdigen Geschäfte des Verbrechers erhält, beschließt er den skrupellosen Machenschaften ein für allemal ein Ende zu setzen. Auch wenn er damit sich, seine Familie und auch seine neu gewonnene Liebe in Gefahr bringen würde…

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Wenn man schon Klischees bedienen möchte, so müsste man feststellen dass die Inder nicht nur eine Vorliebe für opulente Love-Storys mit allerlei Tanz und Singsang hegen – sondern auch für mitunter hanebüchene Actionfilme respektive Action-Komödien. Diese teilen sich oftmals eine simple, aber durchaus zweckdienliche Story-Prämisse: irgendwo wird eine einzelne und besonders rechtschaffene Person dazu angehalten gegen das Böse zu kämpfen – um dabei nicht nur sich selbst, sondern auch seine Ehre und die des gesamten Volkes zu verteidigen. Auch die 2010’er Actionkomödie SINGAM setzt auf eben dieses Prinzip – und präsentiert mit dem Titelhelden Durai Singam (gespielt von Suriya) einen der wohl abgebrühtesten, körperlich wie mental fittesten und gleichzeitig warmherzigsten Dorf-Polizisten der Welt.

Der vergleichsweise explizite Fokus auf den schnell alle Aufmerksamkeit auf sich ziehenden Hauptcharakter kommt dabei allerdings nicht von ungefähr: rein inhaltlich hat SINGAM nicht viel mehr zu bieten als jede x-beliebige Actionkomödie aus dem Westen. Nur, dass man diese man noch zusätzlich mit einer möglichst klischeehaften Love-Story garnieren sowie den US-Patriotismus durch eine etwas angenehmere Form eines universellen Zusammenhalts der; man nenne sie guten Seelen eines Landes ersetzen müsste. Immerhin sorgen das Setting, die beteiligten Charaktere und der hie und da zu erhaschende Blick auf indische Traditionen dafür, dass das Ganze zumindest aus westlicher Sicht unverbraucht erscheint – was nichts daran ändert, dass das Drehbuch zu SINGAM arg simpel konstruiert ist und nur wenige Überraschungen bereithält. Letztendlich läuft eben doch alles nach einem altbekannten Muster ab: das personifizierte Gute kämpft mit allen Mitteln gegen das personifizierte Böse – wobei es natürlich nicht sofort zu einer direkten Konfrontation kommt, sondern erst diverse Machtspielchen gespielt werden.

Doch dafür macht der Film mit seinem mitunter erfrischend-eigentümlichen Charme und einem angenehmen (da bewussten) Hang zum Trash einiges wieder wett. Einiges – aber eben auch nicht alles. Schließlich war es in Anbetracht eines Projektes wie diesem abzusehen, dass man weniger Wert auf eine ausgedehnte Story oder ausgefeilte Charakterporträts legen würde. Nicht aber, dass auch die Actionszenen und die technischen Aspekte zu stark gewöhnungsbedürftigen Elementen avancieren. Dafür, dass es beispielsweise längst nicht so viele und vor allem aufwendigere Actionszenen gibt als man bei einer Spieldauer von satten 160 Minuten hätte erwarten können; sind diese auch noch vergleichsweise schlecht choreographiert und mit hanebüchenen Zeitlupen-Effekten versehen – was einfach nur abgrundtief komisch wirkt. Das war im Sinne des Daseins des Films als abgedrehte Actionkomödie sicher auch genau so beabsichtigt; wobei man sich besser allein auf die ohnehin schon herrlich trashige Gesamtwirkung der Actionszenen verlassen hätte.

Stattdessen setzt man analog zu den ohnehin schon irritierenden Zeitlupeneffekten auch immer wieder auf künstliche Beschleunigungen in Form von regelrechten Zeitraffern (beispielsweise wenn mal wieder eine Kolonne von Autos vorfährt, aber eigentlich so gut wie immer) und einen nervenaufreibend-hektischen Schnitt inklusive zahlreicher schwindelerregender Kamerafahrten. In Bezug auf diese etwas überbordende Verquickung diverser Stilmittel werden sich die Geister definitiv scheiden – Fakt ist nur, dass man es einstweilen deutlich übertreibt und dem Zuschauer kaum Verschnaufpausen gönnt. Nicht, da das Geschehen allzu spannend wäre – sondern schlicht; da Kamera, Schnitt und Effekte in etwa der Wirkung eines tosenden US-Pendants a’la TRANSFORMERS entsprechen; nur ohne die futuristische Szenerie und das immense Budget.

Diese grundsätzlich den Kern des Films ausmachenden Aspekte des auf pure Unterhaltung abzielenden Films – der trotz einiger typischer musikalischer Einlagen erst Recht über die visuelle Ebene funktioniert – stellen so eine harte Geduldsprobe an den Zuschauer. Eine, in Anbetracht derer man durchaus verzweifeln könnte; wenn man dies nicht bereits aufgrund der inhaltlichen Aspekte getan hat. Kurioserweise vermag es SINGAM dann aber doch, seine satten 160 Minuten Laufzeit halbwegs sinnig zu füllen – oder zumindest so, dass kaum Langeweile aufkommt. Sicher sind viele der komödiantischen Elemente des SINGAM-Sidekicks Erimalai (Vivek) bestenfalls dem platten Slapstick zuzuordnen, und die hitzigen Dialoge gehören auch nicht zum Besten was der Film zu bieten hat – und dennoch steckt in SINGAM eine größere Seele, eine bemerkenswertere Liebe zum Detail als in vielen US-Vergleichsfilmen. Vielen, aber natürlich längst nicht allen – doch speziell in Anbetracht des kleinen Budgets von gerade einmal 2 Millionen US-Dollar und des daraus entstandenen Ergebnisses wäre SINGAM gleich in mehrerlei Hinsicht konkurrenzfähig.

Fazit: In welchem Genre oder Subgenre des Films sich SINGAM am ehesten zuhause fühlt, ist schwer zu sagen. Irgendwo zwischen dem Dasein einer furiosen Action-Komödie mit einer flotten Gangart, einem platten Trashfilm mit hanebüchenen Kampfszenen, einer unerträglich schnulzigen Romanze und einem wahren Frust-Werk mit vielen fehlgeleiteten technischen Kniffen vermag es dieses indische Werk immerhin für eine ordentliche Portion Unterhaltung zu sorgen. Zumindest theoretisch, und wenn man gewillt ist viele der sonst gängigen Kriterien für eine gute Action-Komödie über Bord zu werfen.

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„Chuck Norris meets Bollywood.“

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