Filmkritik: „Black Sheep“ (2006)

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Originaltitel: Black Sheep
Regie: Jonathan King (II)
Mit: Nathan Meister, Peter Feeney, Tammy Davis u.a.
Land: Neuseeland
Laufzeit: ca. 97 Minuten
FSK: ab 18 freigegeben
Genre: Horror, Komödie
Tags: Schafe | Mutation | Virus | Splatter | Trash

Auf das Schaf gekommen.

Kurzinhalt: Ein neuseeländischer Schafzüchter namens Angus Oldfield (Peter Feeney) plant, mithilfe neuerliche Experimente eine völlig neue und bessere Spezies des beliebten Nutztieres zu erschaffen. Dumm nur, dass ihn  zwei findige Öko-Aktivisten (Oliver Driver, Danielle Mason) daran hindern wollen – sie stehlen eine der fürchterlich entstellten, augenscheinlich toten Versuchstiere um die Öffentlichkeit aufzuklären. Aber auch Angus‘ Bruder Henry (Nathan Meister) taucht plötzlich auf, um mit seiner Vergangenheit abzuschließen. Dazu will der einst vom seinem Bruder heftig traumatisierte Schafs-Phobiker eigentlich nur seinen Anteil an der Farm verkaufen – doch alsbald kommt er den kruden Machenschaften seines machthungrigen und sich kaum veränderten Bruders auf die Schliche. Während die Zahl-Uhr des auf ihn wartenden Taxis unaufhörlich weiter läuft; ereignen sich indes noch ganz andere, überaus merkwürdige Dinge. Es scheint, als würden die sonst so friedlichen Schafe der Gegend plötzlich zu tollwütigen Bestien mutieren…

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Als etwas anderer, da auffallend tierischer Horrorfilm präsentiert sich Jonathan King’s BLACK SHEEP – ein Film, der gleich in mehrerlei Hinsicht besonders ist. Schließlich wird schnell klar, dass der neuseeländische Regisseur in seiner ersten Regie-Arbeit (zu der er auch das Drehbuch schrieb) weniger auf einen größtmöglichen Grusel aus ist; als vielmehr auf allerlei Schenkelklopfer. Etwaige Parallelen zu Peter Jackson’s früheren Werken a’la BAD TASTE oder BRAINDEAD (Review) kommen also nicht von ungefähr. Nicht nur, dass die beiden Regisseure dasselbe Herkunftsland teilen; BLACK SHEEP konnte als eine Art Hommage an frühere, das Genre der Horrorkomödie prägenden Werke betrachtet werden. Umso passender erscheint es da, dass Jonathan King nicht nur dem Genre und anderen großen Künstlern Tribut zollt – sondern gleichzeitig auch dem quasi-Nationaltier Neuseelands. Und das ist auch der eigentliche Clou des ansonsten nicht unbedingt als bahnbrechend zu bezeichnenden Films, der es als einer der ersten überhaupt schafft die plauschigen, viele der hiesigen Hügellandschaften prägenden Wollknäuel geradezu bedrohlich erscheinen zu lassen.

Allerdings schlägt sein BLACK SHEEP zu keinem Zeitpunkt düsterere Töne an. Selbst die vergleichsweise harten Splatter-Szenen sorgen in ihrem Kontext vor allem für eines: für einen immensen Unterhaltungswert. Eine der größten Kuriositäten findet sich schließlich in Bezug auf die inszenatorischen Kniffe des Filmteams: sofern es sich anbietet und im Sinne der jeweiligen Szene ausreicht, werden schlicht etwaige in der Landschaft herumstehende Schafe oder auch mal aufgescheuchte Herden gefilmt – und sobald die Tiere ihre eher angriffslustige Ader durchscheinen lassen, greift man auf Puppen zurück. Die sehen nicht nur herrlich grotesk aus, sondern bieten in den entscheidenden Momenten genau das richtige Futter für etwaige Trash- und Creaturefans, die die Protagonisten einmal mehr mit einem etwas anderen Gegner beschäftigt wissen wollen. Allein aus der reichlich kruden Prämisse der wildgewordenen Schafe und der soliden, gerne mal an BRAINDEAD erinnernden Handwerksarbeit ergibt sich somit ein Film, den man zumindest als eingefleischter Fan des Genres einmal gesehen haben sollte.

Alles andere (sowie sicherlich auch die eher weniger vorhandene Story) kann dann als Zusatz gesehen werden. Als Zusatz, den man trotz der geradezu gewaltigen Grundidee ebenfalls nicht vernachlässigte – denn auch in den vielen kleineren Nebengeschichten ist ein gewisses Engagement der Verantwortlichen, sowie eine Vorliebe für allerlei kuriose Details immer spürbar. Gerade deshalb wirkt BLACK SHEEP auch niemals wie ein plumper Abklatsch etwaiger Genre-Vorbilder – sondern wie ein eigenständiger, durchaus professionell gemachter Film mit vielen Seitenhieben; der sich schnell im Sinne einer eigenen Identität profilieren kann. Stellvertretend dafür stehen beispielsweise die zahlreichen Neben- respektive Hintergrundgeschichten; wie  die zur (begründeten) Schafs-Phobie des Hauptcharakters. Desweiteren ist man sich auch nicht zu schade einen Grund für die eigentliche, aggressive Invasion der Schafe abzuliefern. Der ist zwar wenig überraschend, im Gegensatz zu vielen anderen Filmen einer ähnlichen Machart aber zumindest überhaupt vorhanden.

Natürlich ist BLACK SHEEP dabei – und trotz dessen, dass man ihn wohl bestens als Anschauungsmaterial zwecks der Fragwürdigkeit von tierischen Experimenten einsetzen könnte – alles andere als ein fordernder oder gehaltvoller Film. Das muss, und will er aber auch gar nicht sein – was sich ebenfalls sehr gut an den arg oberflächlichen, für den Filmfluss aber dienlichen Charakterporträts festmachen lässt. Diese sorgen ebenfalls für den ein oder anderen Lacher, den ein oder anderen Sympathiepunkt – auch wenn keine allzu markante Figur (wie beispielsweise ein altehrwürdiger Lionel) mit von der Partie ist. Am ehesten sorgt hier noch der quasi-Bösewicht und gemeine Bruder Angus für Aufsehen – der von Peter Feeney mit einer Leidenschaft und Eigentümlichkeit verkörpert wird, dass es eine Freude ist.

Fazit: In Anbetracht eines Films wie BLACK SHEEP gilt es eigentlich nur, eines zu beachten – man sollte schon ein Fan des Genres, legendären Film-Vorbildern wie BRAINDEAD oder zumindest eher unkonventioneller Horror-Komödien sein um in den vollen Genuss dieses herrlich makaberen und durchtriebenen Werkes zu kommen. Trifft diese Notwendigkeit zu, so steht einem gelungenen Filmabend nichts im Wege: BLACK SHEEP wirkt trotz seiner Flachheit durchdacht, trifft hinsichtlich seiner handwerklichen Aspekte exakt den richtigen Nerv und präsentiert sich als angenehme Mischung aus einem wohlwollenden Genre-Tribut und einem doch überraschend eigenständigem Werk. Als kleines Schmankerl gibt es noch einen kuriosen Soundtrack von Victoria Kelly obendrauf – der eben deshalb so kurios wirkt, weil er so gar nicht mit dem trashigen Gesamteindruck des Films harmonieren will und sich bestens für den ein oder anderen (ernst gemeinten) Blockbuster geeignet hätte.

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„Ein einzigartig tierisches Vergnügen für alle Genre-Fans.“

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