Filmkritik: „Oblivion“ (2013)

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Originaltitel: Oblivion
Regie: Joseph Kosinski
Mit: Tom Cruise, Olga Kurylenko, Morgan Freeman u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 126 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Science Fiction
Tags: Invasion | Krieg | Kampf | Technologie | Held

Zu vernachlässigende One-Man-Show – oder gute Sci-Fi ?

Kurzinhalt: In einer nahen Zukunft ist die Erde beinahe komplett zerstört. Der Grund dafür sind außerirdische Invasoren, die offenbar auf der Suche nach Rohstoffen waren und dabei zunächst den Mond bearbeiteten. Danach, und nachdem sich die Auswirkungen dieser Katastrophe auch auf die Erde übertragen haben; griffen sie die restliche Überlebenden an – und wären beinahe siegreich gewesen. Doch schaffte man es mit Ach und Krach, die Invasion doch noch zurückzuschlagen – mit verheerenden folgen für die Erde, die grundsätzlich unbewohnbar geworden ist. Deshalb errichtete man eine Art Raumstation, die als Zwischenstopp für Überlebende auf ihrem Weg zu einem anderen bewohnbaren Planten in unserem Sonnensystem dienen soll. Diese benötigt jedoch Unmengen von Energie – die aus Fördertürmen in den Weltmeeren erzeugt wird. Eben jene Fördertürme bewacht der Techniker Jack (Tom Cruise) mit seiner weiblichen Begleitung – und sorgt dafür, dass diese nicht von überlebenden Außerirdischen attackiert werden. Die beiden, die ihre Befehle direkt von der Raumstation erhalten; sind somit die einzigen überlebenden Menschen, die noch auf der Erde zurückgeblieben sind – doch auch sie fiebern dem Ende ihrer Dienstzeit und dem Moment entgegen, in dem sie der Erde endlich den Rücken kehren und ihr Glück auf dem neuen Planten finden könnten. Bis etwas merkwürdiges passiert – und sich speziell Jack nicht mehr sicher ist, ob die Anweisungen denen er bisher Folge geleistet hat tatsächlich die richtigen sind…

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Und schon wieder schlägt es zu – ein vermeintliches Geheimrezept der Marke Hollywood, welches eigentlich recht simpel ist. Schließlich basiert es vor allem auf einer Zutat in Darstellerform – und die nennt sich Tom Cruise. Es scheint, als würde man den hauptsächlich aus MISSION IMPOSSIBLE bekannten Action-Helden aktuell auch immer wieder für etwas fantasiereichere Kost buchen – wie nun auch für OBLIVION, einem Sci-Fi-Film vor der apokalyptischen Kulisse einer Alien-Invasion. Zugegeben, das klingt zunächst wenig erfrischend – doch bereits der Produktionshintergrund des Films lässt einen dann doch aufhorchen. Schließlich handelte es sich bei OBLIVION ursprünglich um eine Grafik-Novel, die nie fertiggestellt wurde; was allein noch nicht allzu viele Schlüsse zulässt. Doch dass eben jene Grafik-Novel von Arvid Nelson sowie insbesondere Joseph Kosinski (TRON LEGACY) kreiert wurde, schon eher. Joseph Kosinski ist schließlich nicht nur einer der Produzenten von OBLIVION, sondern auch der Regisseur – dem somit die Chance gegeben wurde, seine Grafik-Novel auf etwas andere Weise zu vervollständigen.

Und tatsächlich: das letztendliche Ergebnis in Form des auf rund 2 Stunden Laufzeit ausgelegten Sci-Fi-Werks kann sich durchaus sehen lassen – was nach der Betrachtung der entsprechenden Eckdaten mit denen man dezent auf Nummer sicher geht (in kommerzieller Hinsicht – eine weitere Story um eine Alien-Invasion und Tom Cruise als Hauptdarsteller verkaufen sich schließlich gut) umso überraschender ist. Die positive Wirkung resultiert im Falle von OBLIVION demnach weniger aus der grundsätzlich überschaubaren Story, den beteiligten Darstellern oder den vergleichsweise gut ausgearbeiteten Charakterporträts – sondern hauptsächlich aus seiner dichten Atmosphäre. Die entsteht vornehmlich durch eine hervorragende Symbiose aus stimmig eingefangenen Endzeit-Bildern, den hie und da vorgestellten, zweifelsohne interessanten Technologien (wie speziellen Flugschiffen, Kampfdrohnen oder größeren futuristischen Objekten), dem Soundtrack (der einen dann doch dezent an den aus TRON erinnert) und den guten Kulissen und Kostümen. OBLIVION ist so gesehen vor allem in handwerklicher Hinsicht ein echter Hingucker und Atmosphäre-Garant, denn hier wurde vieles – wenn nicht gar alles – richtig gemacht. Selbst der Fakt, dass der nicht unbedingt bei jedermann beliebte Tom Cruise die Hauptrolle innehat, sollte sich hier nicht negativ auswirken – zumal er seine Rolle trotz eines gewissen Draufgängertums eher zurückhaltend spielt und man vor allem gegen Ende sogar echte Sympathien für ihn respektive seine Figur entwickelt.

Was bleibt, ist somit nur noch die Story – die, wenn sie nur etwas besser ausgearbeitet gewesen wäre; vielleicht sogar dafür gesorgt hätte dass sich ein vergleichsweise massentauglicher Sci-Fi-Film wie OBLIVION auf den Genre-Thron setzt. Letztendlich aber weiß der Film vor allem in dieser Hinsicht zu enttäuschend – was gar nicht mal am gut inszenierten Mittelteil liegt, in dem man noch ebenso unwissend wie der Hauptcharakter ist und sich nach und nach alle wichtigen Zusammenhänge erarbeitet. Das macht einstweilen sogar richtig Spaß, sorgt für Spannung und mindestens eine große Überraschung – Elemente wie das der Klon-Technologie und einer höheren, alles kontrollierenden Macht werden stimmig in die Szenerie eingebracht; beziehungsweise erklären sie schlussendlich alle der während des Films entstandenen Fragen. Die Crux liegt dagegen im großen Ganzen begraben. Denn wie so oft findet zwar eine Alien-Invasion statt, wobei die Aggressoren dieses Mal sogar etwas anders daherkommen als man es gewohnt ist – doch verzichtet man auch bei OBLIVION auf einen weiterführenden Hintergrund oder Erklärungen. Schreckliche Dinge wie die im Film dargestellten… passieren eben. Warum, sollte man nicht hinterfragen – ein Aspekt, der so durchaus schon nach dem recht flotten Auftakt und der schnellen Zusammenfassung der Prämisse zu vermuten gewesen wäre. Das ist zwar kein KO-Kriterium für den Film im gesamten – doch wenn er die Genre-Krone hätte erreichen wollen; wären definitiv noch mehr Ideen erforderlich gewesen.

Fazit: OBLIVION ist ein überraschend guter Science Fiction-Film mit einem nicht eindeutigen Zielpublikum – was die Sache umso angenehmer macht. Schließlich ist der Film im großen und ganzen zwar wie ein handelsüblicher Blockbuster aufgemacht, doch speziell die späteren inhaltlichen Entwicklungen könnten dem ein oder anderen Mainstream-Kinogänger dann doch etwas zu sperrig daherkommen. Was nur gut ist, denn so können vor allem all jene von OBLIVION profitieren; die sonst nie in einem Film mit Tom Cruise gegangen wären. Abgesehen von dezenten Parallelen zu Kult-Werken wie 2001 – ODYSSEE IM WELTRAUM (Review) wirkt der Film eben doch wie ein Original – und nicht wie das Produkt einer verkaufsorientierten Hollywood-Fließbandproduktion. Eine andere Parallele ergibt sich letztendlich nur, wenn man den Film im Jahre 2015 rückwirkend betrachtet. Schließlich folgte ein gutes Jahr später EDGE OF TOMORROW (Review), ein von der grundsätzlich Thematik her verdächtig ähnlich aufgemachter Film; ebenfalls mit Tom Cruise in der Hauptrolle. Welchem von beiden Filmen man den Vorzug geben sollte, steht dabei allerdings ausser Frage: OBLIVION hat hier klar die Nase vorn. Und das nicht nur, da er satte 60.000.000 US-Dollar weniger gekostet hat – sondern vor allem, da er eine viel dichtere (und nicht ganz so plumpe) Atmosphäre etabliert.

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„OBLIVION sieht nicht nur gut aus – sondern überzeugt auch sonst.“

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