Filmkritik: „Edge Of Tomorrow“ (2014)

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Originaltitel: Edge Of Tomorrow
Regie: Doug Liman
Mit: Tom Cruise, Emily Blunt, Bill Paxton u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 113 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Action, Science Fiction
Tags: Invasion | Krieg | Kampf | Technologie | Held

Wer sollte die Welt retten, wenn nicht Tom Cruise.

Kurzinhalt: In einer nahen Zukunft wird die Erde von feindlich gesinnten Außerirdischen angegriffen und zu weiten Teilen komplett übernommen. Der große Vorteil der Invasoren ist, dass sie über hoch entwickelte Technologien verfügen – und sogar in der Lage sind, die Zeit zu manipulieren. So gesehen haben die Verteidiger der Erde, mit den USA an vorderster Front; kaum noch aussagekräftige Argumente gegen die vollständige Vernichtung der Menschheit. Dennoch ist man siegessicher, und glaubt die Aggressoren in Frankreich zurückzuschlagen und vielleicht sogar besiegen zu können. An diese Front wird auch Major Bill Cage (Tom Cruise) beordert – der das Geschehen eigentlich filmisch dokumentieren sollte, durch seine Weigerung aber in den Infanteriedienst zwangsversetzt wird. Tatsächlich verläuft der Einsatz dann aber eher schlecht als recht – und zahlreiche Soldaten werden getötet. Unter ihnen auch Bill – doch plötzlich geschieht etwas merkwürdiges. Kurz nachdem er dem Tod ins Auge geblickt hat, erwacht er wieder an jenem Ort, an dem er sich einige Stunden zuvor aufgehalten hat. Es scheint, als wäre er in der Zeit zurückgereist – wie und warum, bleibt indes schleierhaft. In jedem Fall hätte er nun die Chance, den Einsatz noch einmal anzugehen und es dieses Mal vielleicht etwas besser zu machen…

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Von Tom Cruise kann man sicherlich halten was man will. Aber ganz gleich, wie das jeweilige persönliche Urteil auch ausfällt; manchmal kann es hilfreich sein ihn nur als Teil eines Projektes zu betrachten – und nicht als eigentlichen Strippenzieher. Das fällt natürlich nicht immer leicht; insbesondere nicht im Falle der regelrechten One-Man-Show von EDGE OF TOMORROW – jenem Sci-Fi-Actioner von Doug Liman, der sich seinerseits und durch die Mitwirkung an eher kläglichen Projekten wie JUMPER (Review) ebenfalls nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat. EDGE OF TOMORROW ist dabei insofern ein Meilenstein ins einer Karriere, als dass ihm erstmals ein Budget von knapp 180.000.000 US-Dollar zur Verfügung stand – was man zweifelsfrei als rekordverdächtige Summe bezeichnen kann. Die Frage ist nur, wie sinnvoll dieses Budget genutzt wurde – und was Doug Liman und seine Drehbuchschreiber aus der Romanvorlage eines gewissen Hiroshi Sakurazaka (ALL YOU NEED IS KILL) gemacht haben.

Dabei fällt speziell der Ersteindruck eher ernüchternd aus – EDGE OF TOMORROW inszeniert sich zunächst als absolut typischer; das heißt vor allen inhaltsloser, effektgeladener und Star-besetzter Actioner vor der apokalyptischen Kulisse einer Alien-Invasion. Für Aufsehen sorgt in diesen Momenten nur verdächtig wenig: der gesamte Auftakt des Films, in denen kurz auf die Prämisse von EDGE OF TOMORROW eingegangen wird, wirkt trotz der auf authentisch getrimmten News-Schnippsel relativ hektisch und oberflächlich. Ebenso schnell, wie sich das grobe Szenario des Films erahnen lässt kristallisiert sich dann auch der Hauptcharakter heraus – der eher unfreiwillig an die Front zwischen Menschen und Außerirdischen gerät, sich aber dennoch zu einem echten Helden mausern würde. Ganz so falsch liegt man mit diesen Einschätzungen dann tatsächlich nicht – doch immerhin ist der Weg, den EDGE OF TOMORROW nach dem ersten Aufeinandertreffen mit den Außerirdischen zeichnet; ein eher ungewöhnlicher.

Der hier eintretende Effekt wirkt natürlich umso stärker, je weniger man sich im Voraus mit dem Film befasst hat – sieht man ihn völlig unvorbelastet, so wird man aller Wahrscheinlichkeit nach überrascht sein. Ob positiv oder negativ, sei einmal dahingestellt – Fakt ist nur, dass EDGE OF TOMORROW nach seinem etwas sperrigen Auftakt, der nicht ganz nachvollziehbaren Verschiffung des Hauptcharakters und den ersten satten Action-Szenen an einem nicht mehr ganz so malerisch anzuschauenden Strand plötzlich intensiver in die anberaumte Sci-Fi-Thematik einsteigt. Das macht er jedoch nicht, indem er näher auf die Alien-Invasion und mögliche Hintergründe eingeht – sondern vielmehr, indem er dezent metaphysische Element einstreut. Als grobes Stichwort kann man hier den Begriff der Zeitreisen verwenden – der Hauptcharakter macht jedes mal, wenn ihn auf dem Schlachtfeld das zeitliche segnet einen Zeitsprung und findet sich in seiner Ausgangssituation (das heißt, kurz vor der Aufnahme in der die Außerirdischen bekämpfenden Einheit) wieder. Das erinnert natürlich nicht von ungefähr an potentielle Vorbilder wie UND TÄGLICH GRÜSST DAS MURMELTIER – ist in diesem Fall aber eher die actionreiche und sicher auch düsterere Variante der Erzählung.

Der Grund für die seltsamen Ereignisse ist dann auch vergleichsweise schnell gefunden – sodass sich der Film im weiteren Verlauf vor allem damit beschäftigt, wie man das Prinzip der Zeitschleife durchbrechen kann. Aber so konfus das auch klingen mag – im Endeffekt geht EDGE OF TOMORROW trotz allem als eher leichte Kost durch. Komplexe Verschachtelungen im Sinne eines eher anstrengenden Filmes wie PREDESTINATION (Review) muss man also nicht befürchten – die Zusammenhänge liegen schnell auf der Hand, und potentielle Logik-Lücken gibt es aufgrund der recht oberflächlichen Herangehensweise auch keine; oder zumindest kaum. Denn gerade das Ende des Films wirft dann doch die ein oder andere Frage auf, beziehungsweise wirkt vergleichsweise wenig zufriedenstellend. Nicht nur, dass es sich um ein Happy-End durch und durch handelt (was im Falle eines Sci-Fi-Films dann doch der eher konventionelle Weg ist), der Aspekt der Zeitreisen wird schlussendlich gar völlig unter den Tisch gekehrt. So kann man zwar von einer mutigen Idee (im Sinne eines Blockbusters wie diesem) sprechen – doch von einer eher müden Umsetzung. Beispielsweise nutzt der Hauptcharakter zu keinem Zeitpunkt die offensichtlich hinzugewonnene (Narren-)Freiheit, sondern versucht sich immer und immer wieder an derselben Mission – die aufgrund des Lerneffekts irgendwann einfach klappen muss. Auch nach der eigentlichen Lösung scheint es ihn nicht mehr zu kümmern, was der entsprechende General mit ihm angestellt hat respektive normalerweise noch angestellt hätte – eine mögliche Konfrontation hätte das Finale dann wohl doch etwas zu kritisch ausfallen lassen.

Ebenfalls kurios (und als regelrechter Fehlgriff) erweist sich eine Entscheidung; die sich auf den Gewinn und der Verlust der eigentlichen ‚Macht‘ des Films bezieht. So unsinnig es erscheinen mag, diese hinzugewonnene Fähigkeit allein am Blutkreislauf eines Charakters festzumachen, kann man darüber noch hinwegsehen – doch bei der plötzlich doch verdächtig glücklich ausfallend Missionsentwicklung (eben, wenn kein Reset mehr möglich ist) im Vergleich mit den ständigen Fehlschlägen zuvor fühlt man sich doch etwas veräppelt. Ebenso kritisch ist der Film dann auch im Gesamten zu betrachten – schlicht, da die horrenden Produktionskosten das Ergebnis nicht wirklich zu rechtfertigen scheinen. Sicher, die Actionszenen am Strand sowie das Alien-Design machen durchaus etwas her; doch gibt es beispielsweise keine aufwendigeren Materialschlachten oder Kulissen. Sicher musste insbesondere Tom Cruise entsprechend entlohnt werden – doch hätte es in diesem Fall auch ein anderer Darsteller getan; und das vielleicht sogar noch besser. Immerhin spielt er seine Rolle so weit wie möglich entfernt vom ultracoolen Spiel eines Agenten in MISSION IMPOSSIBLE – doch ein etwas fader Beigeschmack bleibt.

Fazit: EDGE OF TOMORROW ist trotz der grundsätzlich angenehmen Vermengung typischer Hollywood-Elemente mit einer weiterführenden Sci-Fi-Thematik kein allzu großer Wurf geworden. Denn: so interessant das hier dargestellte auch anmuten mag, so viele Möglichkeiten sich durch die Zeitsprünge ergeben hätten – der Film bleibt über weite Strecken verdächtig oberflächlich, vorhersehbar und eben doch nur reines Popcorn-Kino.  Doch selbst unter diesen Maßstäben schneidet er nicht besser ab als unzählige Vergleichswerke – hinsichtlich der humoristischen Elemente, der angebotenen Charaktere und des reinen Action-Futters enttäuscht EDGE OF TOMORROW sogar. In Sachen Innovation sieht es dann ganz ähnlich aus… die Außerirdischen könnten einem aus der Spielereihe CRYSIS bekannt vorkommen, die Anzüge der Soldaten aus ELYSIUM, das Innenleben der Armee-Basis aus PACIFIC RIM – und so weiter.

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„Interessante Idee, aber müde Umsetzung.“

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