Filmkritik: „Hammer Of The Gods“ (2013)

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Originaltitel: Hammer Of The Gods
Regie: Farren Blackburn
Mit: Charlie Bewley, Clive Standen, James Cosmo u.a.
Land: Großbritannien
Laufzeit: ca. 97 Minuten
FSK: ab 18 freigegeben
Genre: Abenteuer, Action
Tags: König | Thronerbe | Sohn | Wikinger | Sachsen

Der blutige Kampf um den Thron der Wikinger.

Kurzinhalt: Im mittelalterlichen Britannien führen die Wikinger und Sachsen einen erbitterten Kampf um die Vorherrschaft auf der Insel. Als der hiesige Wikinger-König Bagsec (James Cosmo) durch eine schwere Verwundung dem Tod entgegensieht, schickt er nach seinem Sohn Steinar (Charlie Bewley). Der ist zwar nicht sein Erstgeborener und damit Thronfolger, doch soll er eben diesen suchen: seinen vor langer zeit verbannten und seitdem untergetauchten Bruder Hakan (Elliot Cowan). Doch die Suche erweist sich als schwierig: auf dem langen Weg ins Ungewisse begegnen Steinar und seiner handvoll Männer zahlreiche feindliche Truppen. Und auch innerhalb der Wikinger-Schar scheinen sich mehr und mehr unterschiedliche Meinungen darüber zu etablieren, wie die Zukunft des Wikinger-Volkes am ehesten auszusehen hätte…

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Kritik: Achtung, Spoiler ! In den letzten Jahren, und sicherlich auch durch Serien-Erfolge wie SPARTACUS feiern allerlei historisch inspirierte Kriegs-Epen eine wahre Renaissance auf den Kinoleinwänden und heimischen Bildschirmen. Einer der Gründe dafür ist sicherlich, dass die Zuschauer nach wie vor auf aufopferungsvolle und sich jeglichem Widerstand entgegenstellende Titel-Helden setzen – das Ganze aber durch eine gewisse Priese Glaubwürdigkeit gewürzt wissen wollen. Eine Glaubwürdigkeit, die zweifelsohne nicht durch historische Fakten oder wissenschaftlichen Beistand generiert wird – sondern vielmehr durch einen hohen, ungeschönten Brutalitätsgrad und eine gewisse Grobheit. Vielleicht liegt die Faszination in diesen Werken aber auch darin begründet, dass sie sich dezent gegen den Mainstream stellen und einige der beispielsweise in Hollywood geltenden Film-Regeln gekonnt ignorieren. Ein Film wie nun auch HAMMER OF THE GODS muss eben nicht in 3D oder einer satten Hochglanzoptik präsentiert werden; zunächst wichtig erscheinende Figuren kann plötzlich das zeitliche segnen – und auch ein Soundtrack muss nicht immer aus der theatralischen Klassik- und Bombast-Konserve a’la Hans Zimmer kommen. So gesehen hat HAMMER OF THE GODS bereits einen klaren Vorteil gegenüber unzähligen ähnlich aufgemachten Hollywood-Filmen: er kommt eher rebellisch daher, und sorgt so für einen vergleichsweise frischen Eindruck.

Interessanterweise liegt der Fokus des Films aber nicht auf den zwar zahlreichen, aber niemals wirklich vordergründig inszenierten Gemetzeln – die sich ohnehin nur im kleinen abspielen, üppige Schlachten gibt es nicht. Vielmehr wird man mit dem durchaus mutigen Unterfangen konfrontiert, sich mit einer etwas anderen Story um die Thronfolge eines Wikinger-Volkes auseinanderzusetzen. Eine Story, die zunächst relativ typisch erscheint und gerade zum Mittelteil hin geradezu hanebüchene Auswüchse offeriert (hauptsächlich wenn es darum geht, den richtigen Weg zur eigentlichen Zielperson zu finden) – gegen Ende hin aber noch einmal deutlich in Sachen Spannung anzieht und mit einer Auflösung daherkommt, mit der so wohl niemand gerechnet hätte. Sicher, im Prinzip macht es sich auch HAMMER OF THE GODS relativ einfach. Schließlich ist die Thronfolge-Story eine, die hier im Detail etwas andersartig daherkommt – in Bezug auf das große Ganze aber kaum spannendes zutage fördert. Am Ende geht es eben doch nur darum, wer überlebt – und wer somit das Recht erhält, über den Wikinger-Stamm zu herrschen; auch wenn dies nicht mit dem ursprünglichen Geburtsrecht vereinbar ist. Alle weiterführenden Elemente und Ansichten, wie beispielsweise in Bezug auf das vor und nach der Suche; werden indes gleich vollständig ausgeblendet – von einem Epos sollte man also nicht ausgehen, sondern eher von einer kurz angerissenen abenteuerlichen reise.

Eine, die trotz des geringen Budgets und den teilweise verbesserungswürdigen darstellerischen Leistungen reichlich Laune macht und atmosphärisch relativ dicht inszeniert wurde – was nicht nur den immer wieder stattfindenden kleineren, halbwegs glaubhaft inszenierten Scharmützeln; sondern auch den grundsympatischen Charakteren zu verdanken ist. Viel erfährt man zwar nicht über sie – doch genügt es in diesem Falle schon, dass ihr Handeln eben nicht komplett vorhersehbar ist. Rein handwerklich macht HAMMER OF THE GODS ebenfalls eine ansprechende Figur, wobei vor allem die bildhübschen Landschaftsaufnahmen Aufsehen erregen. Aber auch die Kostüme sowie die Schauplatzwahl (die die Gestaltung von künstlichen Kulissen so gut wie überflüssig macht) sprechen für sich. Einzig in Bezug auf die Ausleuchtung und den Einsatz von Kunstnebel hat man es einstweilen übertrieben – wohl auch, da der Film ohnehin gern mit der Tendenz spielt, in Bereiche des fantastischen abzudriften. Dass das trotz aller Andeutung nicht der Fall sein würde ist nur konsequent – schließlich handelt es sich nüchtern betrachtet um eine durchaus glaubwürdige Story. Keine historische akkurate oder in anderer Weise tiefschürfende – aber wer will das schon von einem Film wie diesem ? Einen weiteren potentiellen Knackpunkt offeriert dann noch der Soundtrack, der wie bereits erwähnt recht untypisch ist – und neben eher gediegenen Elementen auch mal durch Anleihen aus dem Ambient-Bereich, dem Symphonic Metal und dem Drum & Bass glänzt. Das ist eventuell gar nicht mal das Problem; sondern nur dass er die malerischen Bilder einstweilen etwas zu vordergründig und aufdringlich untermalt.

Fazit: Wer ein tiefgreifendes Wikinger-Epos mit Symbolkraft und einer nachhaltigen Wirkung erwartet, sollte um HAMMER OF THE GODS einen großen Bogen machen. Wer dagegen einem unterhaltsamen Action-Intermezzo vor einem historisch inspirierten Hintergrund entgegensieht; wird eventuell sogar positiv überrascht – vor allem dadurch, dass die Action eben nicht pausenlos serviert wird. Wermutstropfen gibt es dennoch zur Genüge, denn vor allem die Enthüllungen in Bezug auf den verschollenen Bruder und seine (tot geglaubte) Mutter kommen etwas merkwürdig, wenn nicht gar abenteuerlich konstruiert daher – und werden kaum hinterfragt. Auch die Tatsache, dass der Konflikt zwischen Wikingern und Sachsen (beziehungsweise eher der dahinter stehende Glaubenskrieg) kaum behandelt wird, ist schade. Hier hätte HAMMER OF THE GODS vielleicht doch noch eine etwas andere Richtung einschlagen sollen. Kurz gesagt: gäbe es weniger von den kruden Ereignissen in der Höhle, und mehr vom großen Drumherum – wäre eine höhere Wertung zweifelsohne drin gewesen.

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„Für Genrefans – aber nicht unbedingt solche, die es werden wollen.“

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