Filmkritik: „Flying Dagger“ (1993)

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Originaltitel: Shen Jing Dao Yu Fei Tian Mao
Regie: Yen-Ping Chu
Mit: Tony Ka Fai Leung, Sharla Cheung, Jimmy Lin u.a.
Land: China
Laufzeit: ca. 86 Minuten
FSK: ab 16 / 18 freigegeben
Genre: Martial Arts / Komödie / Fantasy
Tags: Kampf | Dolche | Diebe | Kopfgeldjäger | Kung-Fu

Hier fliegen nicht nur Dolche durch die Luft…

Kurzinhalt: Als ein riesiges Kopfgeld auf einen hochgradig kriminellen ausgesetzt wird, geraten zwei verfeindete Kopfgeldjäger-Banden aneinander. Beide wollen die Belohnung einheimsen, doch werden ihnen derart viele Steine in den Weg gelegt dass sie kaum darum herumkommen sich doch noch zu verbünden. Tatsächlich scheinen die ungleichen Kämpfer dann so gut miteinander zu harmonieren, dass sich sogar zwei kleine Liebesgeschichten anbahnen. Doch selbst als der gesuchte Übeltäter, der sogenannte neunschwänzige Fuchs dann endlich gefasst wird, scheint die Odyssee noch lange nicht vorbei:der Auftraggeber stellt sich als perfider Lügner heraus, der mit der Bezichtigung eines unschuldigen nur von einem viel größeren Problem ablenken wollte. Und das kann keiner der Beteiligten auf sich sitzen lassen…

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Müsste man wie-auch-immer geartete Martial-Arts-Streifen aus Fernost zusätzlich zur vordergründigen Genre-Attribuierung kategorisieren, ergäben sich sicher zwei grobe Marschrichtungen. So gibt es viele Werke mit einem eher seriösen Anstrich – sei es in Form einer tiefgreifenden Geschichte, historischen Bezugnahmen oder intensiven Charakterporträts; wobei etwaige Kampfszenen meist kunstvoll-ästhetisch und am ehesten als verzierendes Element in Szene gesetzt werden. Mindestens ebenso stark vertreten sind indes jene Genrevertreter, die es vielleicht nicht ganz so ernst meinen – und vordergründig auf reine Unterhaltung abzielen; ob durch fulminante Actionszenen oder eine gewisse Witzigkeit. Zwar gibt es nicht wenige Werke, die aus eher unfreiwilligen Gründen für eine gewisse Erheiterung gerade bei Zuschauern aus dem Westen sorgen können – doch gibt es auch solche, die explizit als überdrehte Komödien aufgemacht sind. FLYING DAGGER ist ein eben solcher Kandidat – ein Film, der es darauf anlegt die Lachmuskeln der Zuschauer zu strapazieren; um ganz nebenbei auch noch mit einigen völlig abstrusen, aber dennoch sehenswerten Kampf-Choreografien zu glänzen.

Dementsprechend fällt auch die Gewichtung der inhaltlichen Aspekte aus: die Story ist schnell erzählt und ist aus der Sicht aller Weltanschauungen heraus verständlich, auf (ernsthafte) Charakterentwicklung legt man keinen Wert – und der Spannungsbogen des Films baut allein auf eine schablonenhafte Aneinanderreihung von immer heftigeren Kämpfen auf. Analog dazu bewegen sich die Darsteller stets an der Grenze zum Overacting oder haben diese bereits deutlich überschritten, während die Dialoge nur einen Zweck verfolgen: den Zuschauer mit allerlei abstrusem Witz (der stets irgendwo zwischen Situationskomik, schwarzem Humor und auch eher unter der Gürtellinie anzusiedelndem Fäkalien-Geplapper angesiedelt ist) dazu zu bringen, die Hände über dem Kopf zusammenzuschlagen. Das klingt eigentlich nach einem Totalausfall, tatsächlich aber schafft es FLYING DAGGER auf seine ganz eigene Art und Weise zu unterhalten, auch wenn dies nur selten auf einem hohen Niveau geschieht.

Dennoch sind gerade die Kampfszenen ein echter Hingucker, zumal sie für den investierten Aufwand sprechen. In FLYING DAGGER wird schließlich nicht nur wild herumgewirbelt und mit den Titel-gebenden Dolchen Schindluder getrieben – auch fliegt man des öfteren der Schwerkraft trotzend durch die Luft oder bewerkstelligt andere ähnlich-übermenschliche Leistungen. Dabei ist es nicht nur die relativ hohe Frequenz dieser Actionszenen, die es so gut wie unmöglich macht dass Langeweile entsteht – auch sind die Kämpfe äußerst variabel, und im weiteren Verlauf gesellen sich immer neue und mächtigere Widersacher hinzu. Wann immer mal nicht die Fäuste oder Dolche gekreuzt werden oder sich elegant über Baumwipfel bewegt wird; greifen dann die überzogenen Dialoge – die vor allem zu Beginn des Films den ein oder anderen Lacher garantieren. Lediglich im späteren Verlauf scheint man es dann doch etwas zu übertreiben – FLYING DAGGER funktioniert immer noch am besten, wenn etwaige Witzeleien zumindest von ihrer Wirkung her als bloße Zufallsprodukte durchgehen könnten; man den Witz also nicht explizit forciert.

Fazit: FLYING DAGGER ist zweifelsohne ein Film-Fest der besonderen Art – allerdings nur für vergleichsweise hart gesottene. Denn nicht nur die relativ kitschige Aufmachung könnte einige verschrecken; auch der einstweilen hanebüchene (und schnelle) Schnitt sowie ein besonders zu Beginn extrem verwaschener Bildeindruck könnten hier und da Probleme bereiten. Dennoch ist es angenehm geradezu zu spüren, mit welchem Spaß einerseits; und mit welchem Ehrgeiz andererseits alle Beteiligten hier ans Werk gegangen sind. Über etwaige Stil- oder Niveaufragen könnte man sich sicherlich streiten – doch haben die Macher offenbar genau das erreicht, was sie sich vorgenommen hatten. Da man sich ohnehin nicht sonderlich viel von einer Filmperle wie dieser hier versprechen wird, ist das Ergebnis umso überraschender – da der Unterhaltungswert durchaus gewisse Rahmen sprengt und FLYING DAGGER damit mehr von einer Komödie hat als so manches US-Pendant.

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„Eine wahrhaft fulminante Martial-Arts-Komödie mit einem hohen Unterhaltungswert und Kampfeinlagen, die jeder Beschreibung spotten.“

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