Filmkritik: „Basket Case – Der Unheimliche Zwilling“ (1982)

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Originaltitel: Basket Case
Regie: Frank Henenlotter
Mit: Robert Vogel, Ruth Neuman, Richard Pierce u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 91 Minuten
FSK: ab 18 freigegeben
Genre: Horror / Komödie
Tags: Geschwister | Brüder | Zwillinge | Trennung | Rache | Phänomen

Bruderliebe mal anders.

Kurzinhalt: Duane Bradley ist gerade dabei, ein möglichst günstiges Hotel in New York aufzusuchen. Was genau er in der Großstadt vorhat, bleibt abzuwarten – klar ist nur, dass er ständig einen großen Weidenkorb mit sich herumträgt und diesen niemals aus den Augen lässt. Von eben jenem Korb, und auch vom Bargeld welches Duane mit sich führt, werden allerlei Mitbewohner neugierig gemacht – und auch der Hotelbesitzer hat kein allzu leichtes Spiel mit seinem neuen Gast. Erst Recht nicht, als es plötzlich immer wieder zu heftigen Ruhestörungen kommt – und das, obwohl Duane außer Haus ist. Doch ist das, was er in seinem Weidenkorb zurückgelassen hat; eben alles andere als leicht zu kontrollieren… nach und nach wird klar, dass Duane hier seinen siamesischen Zwillingsbruder versteckt hält, von dem er in jungen Jahren getrennt wurde. Damit ist vor allem der Bruder, der seit dem ein trostloses Dasein im Verborgenen fristet; wenig zufrieden – sodass die beiden alle Ärzte aufsuchen wollen, die sie damals behandelt haben.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Einer der etwas kurioseren klassischen Horrorfilme ist BASKET CASE aus dem Jahre 1982 – ein Film, der durchaus eine Art Kultstatus genießt und vielen anderen als weiterführende Inspirationsquelle diente. Zwar waren auf die Leinwand gebrachte Geschichten von zwei sich auch biologisch nah stehenden, aber doch vollkommen unterschiedlichen Personen nicht wirklich neu – doch reichte allein die exploitative Darstellung der Hauptprotagonisten in BASKET CASE aus um für einen frischen, an Filmklassiker wie FREAKS angelehnten Wind zu sorgen. Der Unterschied zu vielen anderen Werken und sicher auch der Realität ist schließlich, dass der eine Zwilling nach der Trennung ein recht normales Leben führen kann – und dass der andere dazu verdammt ist, ein Dasein als furchteinflößend-missgestaltete Kreatur zu fristen. Da die beiden aber ein Schicksal verbindet, kümmert sich der gesunde Zwilling um seinen allein nur schwerlich lebensfähigen Bruder –  der nach dem Willen des Vaters schon früh in der Versenkung hätte verschwinden sollen. Auch ohne das Wissen, dass der eigentlich zum Tode verurteilte Zwilling später einmal selbst zu einem Mörder; oder zumindest einem mordenden Etwas werden und allein aufgrund seines Anblicks für Angst und Schrecken sorgen sollte. Das klingt zunächst nach einer gehörigen Portion Trash – zumal insbesondere die Gestaltung des, man nenne ihn weniger hübschen Zwillings für eine Einordnung in eine entsprechende Ecke des Horrorfilms sorgt. Überraschenderweise ist BASKET CASE aber nicht nur ein verdächtig unterhaltsamer und herrlich überzeichneter Trashfilm mit für das Genre typischen Elementen – sondern auch ein Film, der einer gewissen Substanz nicht entbehrt.

Worin diese begründet ist, liegt dabei trotz aller Überzeichnung auf der Hand: der missgestaltete Zwilling steht hier stellvertretend für ein ungewolltes, oder eher unbequemes Kind – das eine schwere Behinderung aufweist und allein aufgrund äußerer Merkmale weit unter den Wert des gesunden Bruders gestellt wird; sowohl aus elterlicher als auch gesellschaftlicher Sicht. Mit diesem vergleichsweise brisanten Hintergrundgedanken und der alles andere als einen Zeigefinger erhebenden, sondern vielmehr lockeren bis trashigen Machart entsteht so eine recht einzigartige Basis für die eigentliche Story von BASKET CASE. Die ist dann zwar schon nicht mehr ganz so genial wie die Prämisse – doch trägt auch sie zu einem erfrischenden Wechselspiel der Emotionen bei. So befinden sich die beiden Hauptprotagonisten eigentlich auf einer Art Rachefeldzug, den man als Zuschauer sogar ansatzweise nachvollziehen kann. Ein Rachefeldzug, der trotz nicht ganz so expliziter Splatter-Szenen hauptsächlich die unterhaltsame Seite des Films unterstreicht – aber in einer Konfrontation der ganz anderen, schon weitaus substanzielleren Art endet. Immer wieder fällt dabei auf, dass Regisseur Frank Henenlotter alles andere als unüberlegt vorgeht und einer jeden einzelnen Szene seinen ganz persönlichen Stempel aufdrückt. Im Zusammenspiel mit der treffenden Kulissenwahl, dem eher dezenten Soundtrack, der stimmigen Kameraführung und den engagierten Darstellern (die trotz der gegebenen Möglichkeit nicht dem Overacting verfallen) ergibt sich so ein stimmiges Gesamtwerk. Ein Werk, das ebenso vom Charme der Filmindustrie der 80er Jahre lebt wie von seinem etablierten, so selten vorzufindenden Wechselbad der Gefühle.

Fazit: BASKET CASE offeriert entgegen potentiell andersartiger Ersteindrücke und Vermutungen eine alles andere als uninteressante oder abwegige Prämisse – eine, die hier in zweierlei Hinsicht bemerkenswert ausgenutzt wird. Zum einen generiert man einen angenehm trashigen Charme, der mit einem hohen Unterhaltungswert einhergeht – und zum anderen spart man nicht an allerlei kritischen Seitenhieben, die zum Nachdenken anregen. So werden sowohl Zuschauer die das Ganze eher oberflächlich betrachten zufriedengestellt; als auch jene die sich auch von Horrorfilmen etwas mehr wünschen als nur platt geekelt oder erschreckt zu werden. Einzig in Bezug auf die handwerklichen Leistungen hat BASKET CASE dann doch verdächtig wenig zu bieten, selbst wenn man den (hier: positiven) Bonus des Trashfilms mit einfließen lässt: die Gestaltung des Monster-Zwillings und seine Bewegungen (hier wurde eine simpelste Stop-Motion-Technik verwendet) wirken viel zu plump und unausgegoren; die ohnehin rar gesäten Splatter-Szenen deutlich zu stümperhaft. Und selbst in der lange Zeit verteufelten Uncut-Version etwas unspektakulär und blutarm. Wer hier also ein makaberes Splatter-Fest erwartet, wird enttäuscht. Aber es scheint ohnehin, als hätte BASKET CASE keine eindeutige Zielgruppe – was sich in diesem Fall sogar positiv auswirkt.

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„Ein Film mit zwei außergewöhnlichen Charakteren – und zwei Gesichtern.“

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