Filmkritik: „Basket Case 2 – Die Rückkehr“ (1990)

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Originaltitel: Basket Case 2
Regie: Frank Henenlotter
Mit: Annie Ross, Leonard Jackson, Beverly Bonner u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 90 Minuten
FSK: ab 18 freigegeben
Genre: Horror / Komödie
Tags: Geschwister | Brüder | Zwillinge | Trennung | Rache | Phänomen

Belial ist nicht länger allein…

Kurzinhalt: Nachdem sich die beiden ungleichen Zwillingsbrüder Duane Bradley und Belial an ihren einstigen Peinigern gerächt haben und in einem Streit beinahe selbst ums Leben gekommen wären, finden sich sich in einem Krankenhaus wieder. Da zu befürchten ist, dass die beiden für die Verbrechen belangt werden entschließen sie sich zu flüchten – und werden bald darauf von einer hilfsbereiten alten Dame namens Madame Ruth aufgenommen. Diese entpuppt sich als wahre Übermutter: nicht nur dass sie gleich mehrere Menschen in ihrem großen Anwesen betreut, sie alle sind wie Belial heftig entstellt und alleine kaum lebensfähig. Tatsächlich könnten Duane und Belial hier ein friedliches Leben unter Gleichgesinnten führen – was sie zunächst auch vorhaben, erst Recht als die Liebe ins Spiel kommt. Doch bald darauf bekommt eine dreiste Sensations-Reporterin Wind von dem Unterschlupf, und droht das Ganze durch einen Artikel auffliegen zu lassen. Das können Duane und Belial nicht zulassen…

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Ebenso kurios wie der zugrunde liegende Originalfilm BASKET CASE (siehe Review) ist die Tatsache, dass es überhaupt noch zu einem zweiten Teil der Horror-Mär um zwei eher ungewöhnliche Zwillingsbrüder kam. Einen Hinweis darauf liefert bereits die immerhin 8-jährige Zeitspanne zwischen den beiden Werken – die sich insofern erklären lässt, als dass Schöpfer Frank Henenlotter zunächst noch mit sich selbst und seinem Franchise haderte. Sicher auch, da BASKET CASE im Hinblick auf die Einspielergebnisse eine Enttäuschung war und wohl nicht allzu viele Kinogänger begeisterte. Doch im Laufe der Jahre, und mit der Veröffentlichung des Films auf dem Heimkinomarkt stellte sich plötzlich doch noch ein gewisser Erfolg ein – einer, den Frank Henenlotter offenbar als Ansporn verstand, aus dem lange Jahre alleinstehenden Original eine Trilogie zu formen. Und so knüpft BASKET CASE 2 trotz der vergangenen 8 Jahre direkt an den Vorgänger an – auch wenn am ehesten davon auszugehen war, dass beide Hauptdarsteller im großen Finale des ersten Teils das Zeitliche gesegnet hat.

Nun haben sie also doch überlebt – und werden entsprechend aufgepäppelt, um sich danach in einem ganz ähnlichen Szenario wie des ersten Teils wiederzufinden. Doch natürlich gibt es im Sinne der Fortsetzung einige markante Unterschiede: der entstellte Zwilling bleibt in BASKET CASE 2 nicht lange alleine und findet schnell ähnlich kurios anzuschauende Leidensgenossen, der gesunde Zwilling hadert (auch aufgrund dessen, und aufgrund einer Liebschaft) damit noch länger bei seinem Bruder zu bleiben – und wenn gemordet wird, geschieht dies in der Fortsetzung eher aus der Defensive heraus. Anders gesagt: dieses Mal vollführen die beiden ungleichen Brüder keinen Racheakt, sondern entschließen sich dazu ihre neu gefundene Familie gegen allzu neugierige Reporter und Störenfriede zu verteidigen. So weit, so gut – immerhin führt die ungewöhnliche Charakter-Konstellation wie schon im ersten Teil dazu, dass ein einstweilen erfrischendes Wechselbad der Gefühle entsteht. Einerseits vermag es BASKET CASE 2 auf eine merkwürdige Art und Weise zu unterhalten, hauptsächlich durch seine dezenten Grusel- und Trashanleihen – und andererseits könnte die Geschichte auch dieses Mal auf das reale Leben projiziert werden. Auch wenn derlei Seitenhiebe alles andere als versteckt oder geschickt verpackt daherkommen – irgendwie wirkt es charmant, wie Frank Henenlotter seine Monster-Mär immer wieder dazu benutzt, auf potentielle gesellschaftliche Missstände aufmerksam zu machen (z.B. in Bezug auf Menschen mit Behinderungen, auf Reporter mit einem vor nichts Halt machenden Sensationswahn und mehr).

Dennoch gibt es auch Aspekte, die das Sequel zu einem etwas anderen Film machen als das Original: nicht nur, dass man sich dieses Mal kaum noch gruseln oder zumindest wundern kann (beispielsweise wurde der entstellte Zwilling im ersten Teil lange nicht gezeigt); Frank Henenlotter geht im zweiten Teil einen weitaus direkter vor wenn es um die eher makabere Seite des Franchise geht. Dieses Mal soll es also nicht nur ein entstellter Zwilling sein, sondern gleich ein ganzes Haus voller merkwürdiger Kreaturen – die von einer Art Wohltäterin mit Mutter-Komplex über viele Jahre versteckt gehalten werden und nur durch sie ein halbwegs glückliches Leben führen können. Sicher, auch der erste Teil wirkte einstweilen etwas weit hergeholt – doch nun ist es endgültig vorbei mit einer wie auch immer gearteten Subtilität. BASKET CASE 2 ist deutlich verrückter, bunter und trashiger in seiner Gesamtwirkung – sodass man schnell geneigt ist, den Film in eine entsprechende Genre-Schublade zu stecken. Das war beim Vorgänger noch etwas anders – hier funktionierte das Konzept noch auf mehreren Ebenen. Die Folge ist ein nicht mal im Ansatz ernstzunehmender Trashfilm; der zumindest auf der reinen Unterhaltungsebene punkten müsste.

Doch auch hier sieht es dann eher durchwachsen aus – zumal einige Schwächen des ersten Teils in das Sequel übernommen worden. Sicher, die im Film herumwandelnden Gestalten sehen einstweilen kurios aus – doch hat das Ganze noch immer wenig Sinn (zumal viele Kreaturen rein gar nichts menschliches an sich haben), noch zeugt es von einer aufwendig erscheinenden Handarbeit. Und wenngleich man meinen müsste, dass Frank Henenlotter analog zum allgemein recht bunten Treiben den Grad der Brutalität erhöht hat und somit zumindest ausreichendes Futter für Splatter-Fans liefert – ist dem nicht so. Die wenigen expliziteren Szenen des Films sind derart abstrus und plump gemacht, dass man sich doch sehr wundern muss warum die Filmreihe hierzulande so lange verteufelt wurde. Immerhin wirkt das Ganze nun etwas professioneller inszeniert, wohl auch durch ein etwas höheres Budget – und auch die Leistungen der Darsteller sind als gelungen zu bezeichnen. Schließlich ist es ihnen abermals gelungen, auf einem schmalen Grat zwischen einer zweckdienlichen Überzeichnung und einem schieren Overacting zu balancieren. Die optischen Aspekte und der Soundtrack fallen ebenfalls zufriedenstellend aus – hinterlassen aber keinen Eindruck, der mit dem einstweilen kultig anmutendem Charme des ersten Teils zu vergleichen wäre.

Fazit: BASKET CASE 2 ist einerseits ein lauwarmer, nicht mehr ganz so bahnbrechender Neuaufguss vieler Elemente des ersten Teils der Kult-Reihe – andererseits aber ein kunterbuntes Freudenfest für alle Freunde des ungewöhnlichen und des makaberen. Problematisch ist nur, dass Frank Henenlotter hier eindeutig den Weg des heftig überzeichneten Trashs beschreitet; aber dennoch an seiner mit dem Original etablierten Wirkung festhält – was in einer nicht mehr ganz so stilsicheren Verbindung mündet. Dennoch macht es Spaß, das einstweilen bitter-ernste Spiel der Darsteller zu betrachten; die sich inmitten all der wunderbaren Erzeugnisse der Maskenbildner bewegen und dabei eine vollkommen abwegige, aber irgendwie doch unterhaltsame Geschichte erzählen. Wenn diese als Ansporn verstanden werden kann, dass jeder (und vielleicht auch jedes Etwas) vor dem Gesetz und der Gesellschaft gleich behandelt werden sollte; warum nicht…

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„Schon deutlich abgedroschener als das Original, aber noch immer unterhaltsam“.

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