Filmkritik: „Der Kleine Nick“ (2010)

der-kleine-nick-500

Originaltitel: Le Petit Nicolas
Regie: Laurent Tirard
Mit: Maxime Godart, Valérie Lemercier, Kad Merad u.a.
Land: Frankreich
Laufzeit: ca. 90 Minuten
FSK: ab 0 freigegeben
Genre: Komödie
Tags: Familie | Kinder | Kindheit | Streiche | Abenteuer | Trubel

Das Spiel mit dem französischem Charme.

Kurzinhalt: Wie so viele Kinder seines Alters soll DER KLEINE NICK (Maxime Godart) im Frankreich der 60er Jahre einen Aufsatz darüber schreiben, was er später einmal werden möchte. Doch eigentlich will er darüber gar nicht erst nachdenken – er ist glücklich und findet, dass alles so bleiben sollte wie es ist. Plötzlich beginnen aber ausgerechnet seine Eltern (Kad Merad, Valérie Lemercier) sich anders als sonst zu verhalten. Die beiden notorischen Streithähne sind plötzlich handzahm – was Nick zu der Vermutung führt, dass er einen kleinen Bruder bekommen könnte. Darüber ist er als eifrig umsorgtes Einzelkind allerdings nicht sonderlich begeistert. Nicht nur, dass sich dadurch einiges ändern würde – er befürchtet sogar, von seinen Eltern als nunmehr ungeliebtes Kind im Wald ausgesetzt zu werden. Gemeinsam mit seinen Schulfreunden diskutiert er über das Für und Wider eines kleinen Geschwisterchens – auf das eines Tages möglicherweise Gegenmaßnahmen ergriffen werden müssen.

der-kleine-nick_00

Kritik: Achtung, Spoiler ! Was für die meisten deutschen Zuschauer nach einer weiteren beliebigen Familienkomödie klingt, ist zumindest in Frankreich ein großer Hit: Laurent Tirard’s DER KLEINE NICK basiert auf einem sehr erfolgreichen Kinderbuch-Franchise, das bis heute nichts von seiner Popularität und Beliebtheit eingebüßt hat. Umso weniger verwunderlich ist es, dass irgendwann auch eine Leinwand-Adaption der Geschichten um den liebenswerten Lausbuben Nick erscheinen sollte – eine, die überraschenderweise angenehm zeitlos ist und ausnahmsweise mal nicht hinsichtlich eines modernen Mainstream-Publikums angepasst wurde. Dafür spricht schließlich nicht nur das kunterbunte, in den 60er Jahren angesiedelte Setting mit all seinem Detailreichtum – sondern auch die Tatsache dass Laurent Tirard auf stumpfe Blödeleien, allzu spektakuläre technische Kniffe und eine falsche Gewichtung des Charaktere verzichtet. DER KLEINE NICK ist ein eher bodenständiger, warmherziger Film, der von einer gewissen Situationskomik durchzogen ist – und wie kein zweiter von seinen Charakteren lebt.

Dabei, und das ist keine Selbstverständlichkeit; sind es dann auch tatsächlich die Kinder denen die größte Aufmerksamkeit gebührt. So fungiert der Titel-gebende NICK nicht nur als Hauptdarsteller und perfekte Identifikationsfigur, sondern auch als Erzähler der Geschichte – der durch sein charmantes Porträt sowohl Kinder als auch Erwachsene (und sei es aufgrund eines gewissen Nostalgie-Faktors) an die Hand nimmt und als Zuschauer begleitet. Im Mittelpunkt der Geschichte steht dabei vordergründig die Angst, dass die von Eltern entgegengebrachte Liebe irgendwann einmal schwinden könnte – erst Recht, wenn sich Nachwuchs ankündigt, der einen Großteil der elterlichen Aufmerksamkeit auf sich ziehen würde. Laurent Tirard geht dabei nicht wirklich mit der Holzhammer-Methode vor – sondern verpackt seine für jedermann verständlichen Botschaften stets in einem abenteuerlich-unterhaltsamen Gesamtpaket, das auch die allerkleinsten ansprechen sollte.

Schließlich bekommen sie mit NICK respektive Nicolas (wie er im Original heißt) eine vergleichsweise gut ausgearbeitete und glaubwürdig dargestellte Figur präsentiert, mit der sie entsprechend mitfühlen können – um am Ende trotz all der makaberen Ansätze (die Kinder planen sogar, einen Auftragskiller für das ungeborene Kind zu engagieren) vielleicht zu einem ganz ähnlichen; eher konservativen aber doch durch und durch vernünftigen Schluss zu kommen. Eingebettet ist das Ganze in gut eingefangene, malerische Bilder – die zwar immer in den 60er Jahren zu verorten sind, durch die satten Farben und den immensen Detailreichtum aber dennoch eine zeitlose Wirkung entfalten. Ein guter und nicht zu reißerischer Soundtrack sowie die Leistungen aller beteiligten Darsteller (auch die des charmanten Eltern-Paares aus Kad Merad und Valérie Lemercier) runden das Ganze hinsichtlich eines charmanten Kinder- respektive Familienfilms nach oben hin ab.

Fazit: Die entsprechende Kinderbuchvorlage hin oder her – DER KLEINE NICK ist einer der charmanteren Genre-Filme, die einen Großteil ihrer Aufmerksamkeit auf eine gleichermaßen absurde wie glaubwürdige Familiensituation mit einem kleinen Jungen als Hauptfigur und Erzähler legen. Der Unterschied zu vielen vergleichbaren deutschen Produktionen ist schließlich der, dass man stets das Gefühl hat als würden die Verantwortlichen wirklich wissen, was sie da tun. In Anbetracht dessen, dass entsprechende Erwartungen an Laurent Tirard gestellt wurden kann man also nur von einer respektablen Leistung ausgehen. DER KLEINE NICK ist witzig; aber nicht blödelnd oder gänzlich substanzlos, glänzt mit einer liebevoll gestalteten Optik, einem sympathischen Darsteller-Ensemble und einer Hingabe, die sich selbst in einer Nebensache wie dem charmanten Intro bemerkbar macht.

border_01
90button

„Ein rundum gelungener Kinderfilm für die ganze Familie.“

filmkritikborder

Advertisements

Zögert bitte nicht, einen Kommentar zu hinterlassen.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s