Filmkritik: „Im Dutzend Billiger“ (2003)

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Originaltitel: Cheaper By The Dozen
Regie: Shawn Levy
Mit: Steve Martin, Bonnie Hunt, Tom Welling u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 99 Minuten
FSK: ab 0 freigegeben
Genre: Komödie
Tags: Familienvater | Familie | Chaos | Organisation | Kinder | Hausmann

Auch ein Dutzend Mal Trubel macht es nicht besser.

Kurzinhalt: Das Leben der Familie Baker ist ein turbulentes – was hauptsächlich daran liegt, dass Tom (Steve Martin) und Kate (Bonnie Hunt) Eltern von gleich zwölf Kindern sind. Das allein ist schon eine Herausforderung – und dennoch steht Familienvater Tom nicht nur fest zu seinen Kindern; sondern auch zu seinem Beruf als Football-Trainer. Dieser erfordert es dann eines Tages auch, dass die Familie umziehen müsste – von einem eher beschaulichen Landleben hinein in eine Großstadt. Hier fühlt sich jedoch keines der Kinder so recht wohl – zumal sie alle ihre gewohnte Umgebung und ihre Freunde zurücklassen mussten. Noch chaotischer wird es, als Kate auf eine Promo-Tour für ihr neues Buch geht – und Steve sowohl den Haushalt als auch die Kinder und seine Footballmannschaft betreuen muss. doch wann immer sich seine Ehefrau telefonisch erkundigt, macht er gute Miene zum bösen Spiel… und gibt weiterhin sein bestes, alles unter einen Hut zu bekommen.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! IM DUTZEND BILLIGER ist eine jener Familienkomödien, die grundsätzlich das Zeug dazu hätte den Zuschauer sowohl köstlich zu amüsieren als auch mit einigen eher ernsteren Gedankengängen zu konfrontieren. Eben so, wie man es auch im zugrunde liegenden, altehrwürdigen Original aus dem Jahre 1950 handhabte. Doch durch die Anpassung des Drehbuchs an die Moderne, dem nur wenige Freiheiten zugestanden Hauptdarsteller Steve Martin und dem Ausbleiben potentiell kritischer Ansätze gerät die Neuverfilmung weitestgehend zu einem handzahmen Projekt – einem, dass hie und da mit ein paar für alle Altersklassen geeigneten Blödeleien unterhält, aber weitestgehend substanzlos bleibt.

Das größte Problem offeriert dabei die Zeichnung der Charaktere. Zwar ist es ohnehin schwierig, einem Ensemble wie dem in IM DUTZEND BILLIGER aufgefahrenen auch nur ansatzweise gerecht zu werden – und doch sind es ausgerechnet die Kinder, die mit arg stereotypen Charakterzügen ausgestattet werden und nur grob ihre jeweils kurzen und anspruchslosen Rollen herunterzuspielen. Mehr Screentime bekommen dann nur die Hauptdarsteller Steve Martin und Bonnie Hunt – die ihre Figuren zwar weitestgehend sympathisch verkörpern, aber doch hinter ihren eigentlichen Möglichkeiten zurückbleiben. Entsprechend platt ist auch der dargebotene Humor – der stets auf das Dasein des Films als eine harmlose, möglichst viele erreichende Familienkomödie zugeschnitten ist und so gut wie überhaupt keine Bissigkeit an den Tag legt. So müssen einige vereinzelte Szenen, wie etwa die in denen das Bemühen der Kinder hinsichtlich des Loswerdens von Familienfreund Hank (Ashton Kutscher) gezeigt wird; über vieles hinwegtrösten.

Sobald Regisseur Shawn Levy dann aber alles auffährt und das Chaos der Familie perfekt macht – beispielsweise, wenn auch noch das gesamte Footballteam ins Haus der Bakers geholt wird – kann man sich nicht des Gefühls erwehren, dass IM DUTZEND BILLIGER eben doch nur eine dezent realitätsferne, übertrieben klamaukige Komödie um eine Großfamilie ist. Eine, die einstweilen bitter an auf modern getrimmte Unterhaltungsformate und hektisch-bunte Kinderserien erinnert – was mit einigen entsprechend klischeehaften Charakteren und einer peppigen, die Nerven aber einstweilen strapazierenden Musikauswahl einhergeht. Analog dazu fallen auch die enthaltenen Botschaften und vermeintlichen Weisheiten verdächtig platt aus – die berühmt-berüchtigte Moral von der Geschicht‘ ist vorhersehbar und extrem simplifiziert.

Fazit: Eine typisch US-Amerikanische Wertevermittlung selbst für die allerkleinsten, nicht wirklich zündende Gags, eine ärgerliche Figurenzeichnung und eine große Portion Konformität. IM DUTZEND BILLIGER bewegt sich meilenweit entfernt von einer stilvoll inszenierten, frechen, anspruchsvollen, möglicherweise sogar gesellschaftskritischen Familienkomödie – und ist auch als reiner, platter Unterhaltungsfilm kein allzu großer Wurf. Ein wenig Familientrubel hier, ein paar Kinderstreiche dort… das geht für ein paar Minuten gut; keinesfalls aber über eine letztendlich etwas anstrengende Spieldauer von knapp 100 Minuten. Die letzte Frechheit des Films folgt übrigens kurz vor Schluss – in jener Szene, in der die Kamera noch einmal kurz auf die wichtigen Charaktere des Films schwenkt. So sollte man meinen, dass zumindest alle zwölf Kinder eine entsprechende Würdigung erfahren – doch weit gefehlt, nach ein paar zufällig ausgewählten Personen folgt der Abspann. Wozu also hat man einen Familienfilm wie diesen gemacht – der letztendlich doch eine Art One-Man-Show von Steve Martin ist; der sich aber paradoxerweise nicht anständig verausgaben darf ?

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„Eine erschreckend platte, ärgerlich akzentuierte und größtenteils belanglose Komödie.“

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