TV-Kritik / Serien-Review: THE WALKING DEAD (Staffel 5) + Zukunftsgedanken Zur Serie

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Originaltitel: The Walking Dead Season 5
Relation: Fortsetzung der vierten Staffel
Typ: TV-Serie
Umfang / Laufzeit: 16 Folgen (je ca. 45 Minuten)
Land: USA
Produktion: Circle of Confusion, Valhalla Motion Pictures
Idee: Frank Darabont, Robert Kirkman (Comic), Tony Moore (Comic)
Genre: Drama / Horror / Endzeit
Tags: The Walking Dead | Rick Grimes | Gefängnis | Zombies | Kampf

Staffel 5 | Episodenliste (Deutsche & Englische Titel)

1 – No Sanctuary | Keine Zuflucht
2 – Strangers | Gabriel
3 – Four Walls and a Roof | Vier Wände und ein Dach
4 – Slabtown | Slabtown
5 – Self Help | Selbsthilfe
6 – Consumed | Verschwunden
7 – Crossed | Zug um Zug
8 – Coda | Coda
9 – What Happened and What’s Going On | Der hohe Preis fürs Leben
10 – Them | Lebende Tote
11 – The Distance | Akrasia
12 – Remember | Erinnerung
13 – Forget | Vergessen
14 – Spend | Falsches Licht
15 – Try | Helfer
16 – Conquer | Herrsche

Wer sind die Lebenden, wer die Toten ?

Vorwort: Es bleibt spannend im WALKING DEAD-Universum – zumindest für alle jene, die der Serie nach wie vor die Treue halten. Gründe, dies auch weiterhin zu tun gibt es mindestens ebenso viele wie für Gegenteiliges – Gründe, die wie so oft zum streiten einladen. Dennoch gilt es speziell einen Aspekt zu bedenken – nämlich den, dass vielen irgendwann einmal die Lust am großen WALKING DEAD-Projekt vergehen könnte. Erst Recht, wenn die Serie im wahrsten Sinne des Wortes kein Ende nimmt und sie; respektive die dahinterstehende Idee noch expliziter als zuvor für das TV-Format ausgeschlachtet wird. Das hieße beispielsweise; dass es noch mehr Filler-Episoden und noch mehr Elemente die nicht in den Comics vorkommen geben könnte – und auch eine gewisse, damit einhergehende Form der Ideenlosigkeit sollte man grundsätzlich nicht verschweigen. Doch wie immer gilt es, erst einmal gemächlich abzuwarten. Vielleicht wäre es aber tatsächlich ein gelungener Kniff, die Serie relativ bald enden zu lassen. Ähnlich wie im Falle von FALLING SKIES – auf dass man die potentiell noch vorhandenen guten Ideen schnell ausspielen kann und alles auf ein furioses Finale hinauslaufen lässt. Momentan sieht es aber noch nicht danach aus – mit der abgeschlossenen fünften Staffel gibt es bereits 80 Episoden der Zombie-Hatz. 80 Episoden, die mitunter starken qualitativen Schwankungen ausgesetzt sind – in erster Linie inhaltlichen, denn handwerklich und rein inszenatorisch bleibt das bereits mit der ersten Staffel etablierte Niveau weiterhin konstant.

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Inhalt: Nachdem die Gruppe der Überlebenden um den ehemaligen Sheriff Rick Grimes an einen vielversprechenden, potentiell sicheren Ort namens Terminus gelangt ist; zerplatzen ihre Träume wie Seifenblasen. So müssen Rick und seine Gefolgsleute feststellen; dass es sich einige selbst in dieser schwierigen Zeit zur Aufgabe gemacht haben die Schwäche von anderen auszunutzen – und dabei nicht nur das einst gültige Gesetz, sondern auch mit den bisherigen Werte- und Moralvorstellungen zu brechen. Und so lassen sie einen weiteren Ort hinter sich, der ihnen Sicherheit versprochen hatte – die Suche nach einer Zuflucht wird fortgesetzt. Auch dieses Mal begegnet die Gruppe dabei immer wieder anderen Überlebenden, die sich mehr oder weniger gut mit der regelrechten Apokalypse arrangiert haben. Doch welcher Ort bringt ihnen tatsächlich die lang ersehnte Erlösung in Form einer beständigen Sicherheit ? Liegt die Lösung weiterhin in der langwierigen und hürdenreichen Reise nach Washington D.C. begründet ? Oder könnte ein altes Krankenhaus Sicherheit bieten – immerhin wird es von einer größeren Truppe von Polizisten kontrolliert ? Ist eine mit großen Mauern geschützte Kleinstadt, deren Bewohner ein offenbar recht friedliches Leben führen tatsächlich eine Option – oder sollte die Truppe weiterhin durch die menschenleeren, aber von Zombies gepflasterten Straßen ziehen ?

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„Die Grenze zwischen den Lebenden und den Toten verschwimmt immer mehr“ (Quelle foxchannel.de)

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Kritik: Es ist schon so eine Sache mit THE WALKING DEAD. Sicher bietet das Franchise theoretisch unendliche Möglichkeiten – die Frage ist nur, in wie weit sich das Ganze auch in einem erträglichen Maße nutzen lässt. Schließlich würde sich niemand eine Serie wünschen die entweder auf eine unbestimmt lange Laufzeit ausgelegt ist, sich immer wieder wiederholt – oder schlicht eines Tages abgesetzt wird. Ein rundes Ende könnte der Serie also durchaus gut tun. Eben so, wie es schon beim kürzlich abgeschlossenen SPARTACUS-Franchise der Fall gewesen ist oder demnächst auch bei FALLING SKIES eintreten wird. In Bezug auf THE WALKING DEAD würde dies zwar längst nicht mehr dazu führen, dass die Serie als eine der herausragendsten, vor Schwächen komplett gefeiten zu bezeichnen wäre (im Gesamten versteht sich) – aber immerhin würde man noch schlimmeres verhindern. Es gilt folgender Denkanstoß: welche derjenigen Zuschauer, die die Serie aktuell nicht sehen können oder wollen; würden später noch einmal auf sie zurückkommen wenn sie nicht 50, nicht 100; sondern vielleicht 500 Episoden umfassen würde ?

Natürlich ist das alles noch Zukunftsmusik und so lange nicht entschieden, bis die Showrunner ein offizielles Ende verkünden. Momentan, und mit der kompletten fünften Staffel; scheint man indes wieder vermehrt in die richtige Richtung zu gehen. Das bedeutet zwar nicht, dass das Rad neu erfunden wird; geschweige denn die einstige zum Schneiden dichte Atmosphäre der ersten und eventuell noch zweiten Staffel erneut aufgegriffen wird – dennoch weiß es zu gefallen, dass sich die Macher wieder vermehrt an den Ursprüngen orientiert haben. Hauptsächlich ist das darauf zurückzuführen, dass die Gruppe um Rick Grimes wieder öfter in Bewegung ist, die Umgebung erkundet, zwischen verschiedenen Reisezielen abwägt – und auch, dass eher grundlegende Elemente wie in Bezug auf die Nahrungssuche wieder vermehrt in den Fokus gerückt werden. Auch hier sind natürlich nach wie vor Abstriche zu machen, beispielsweise wenn es darum geht die Nahrungsbeschaffung für den Säugling der Gruppe glaubhaft darzustellen, oder aber bei der Handhabung der Versorgung bei längeren Wegstrecken. Trotzdem fühlt es sich einfach besser und sinniger an, die Gruppe auf einem im wahrsten Sinne des Wortes bewegten Trip zu begleiten – anstatt sie in einer Situation zu beobachten, von der man ohnehin weiß dass sie nur temporärer Natur wären (siehe Woodbury, Das Gefängnis).

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Gerade diesbezüglich sorgt die fünfte Staffel auch wieder für einen frischen Wind. Die Gruppe der Überlebenden entdeckt nun häufiger potentielle Zufluchtsorte, kehrt ihnen aber mindestens ebenso schnell wieder den Rücken – aus unterschiedlichen Gründen. Wobei, ganz so sehr unterscheiden sie sich vielleicht doch nicht; womit auch der Bogen zu einem aktuellen Werbetext vom Fox-Channel geschlagen wird: die Grenzen zwischen den Lebenden und Toten drohen immer mehr zu verschwimmen. Das heißt, dass die wenigen Überlebenden oftmals eine größere Gefahr für sich und ihre Mitmenschen sind – größer als die eigentliche Bedrohung durch die Untoten. Aber so erfrischend die neue Stimmung auch ist, so spannend die immer häufigeren Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Überlebenden anmuten – hat THE WALKING DEAD in Bezug auf die fünfte Staffel mit anderen Schwächen zu kämpfen. Diese waren mitunter auch schon Teil der vorherigen Staffeln, doch erreichen sie nun einen neuen Höhepunkt. Die Rede ist von einzelnen, kleinen Fehlentscheidungen; die zwar keine allzu große Auswirkung auf die Gesamt-Atmosphäre haben, alleinstehend betrachtet aber umso ärgerlicher sind. Dabei geht es ausnahmsweise einmal nicht um etwaige Charakter-Fragen oder dargestellte Verhaltensweisen, die dem Zuschauer aus verschiedenen Gründen merkwürdig vorkommen könnten (und sei es, dass er denkt er würde sich in dieser oder jener Situation anders verhalten) – sondern um einzelne Ereignisse.

Das können mal eher nebensächliche sein, oder aber solche die den weiteren Handlungsablauf markant beeinflussen – doch haben sie alle eines gemeinsam. Sie wirken schlicht unglaubwürdig, oder besser gesagt im Sinne der Kontinuität des Drehbuchs konstruiert. Beispiele dafür finden sich dann sogar zuhauf. Bereits in der ersten Folge der fünften Staffel sieht man, wie Carol dafür sorgt dass die Umzäunung von Terminus auf eine eher abstruse Art und Weise zerstört wird – zu jenem hier durchaus angebrachte Kopfschütteln wird auch im weiteren Verlauf der späteren Episoden des öfteren animiert. Sei es, dass sich ein von einer Brücke stürzendes Fahrzeug (nachweislich) falsch bewegt respektive fällt, sei es dass die Gruppe einen völlig unnötigen Unfall hat während sie in einem Bus unterwegs ist, sei es dass die Gruppe trotz bester Vorbereitungen in einem Lagerhaus eingekesselt wird und dabei manche ihr Leben lassen müssen – während zwei andere fast zeitgleich in einem Wagen sitzen, der von Zombies umzingelt ist und es dennoch schaffen, dieser Misere zu entkommen. Sicher soll hier das kleine Fünkchen Glück (oder eben auch Pech) eine Rolle spielen – doch sieht es danach nicht aus, sondern vielmehr nach einer reinen Willkür seitens der Drehbuchautoren. Das gleiche gilt selbstverständlich für die immer wieder ablebenden (Haupt-)Charaktere, ein Umstand der auch schon die zugrunde liegenden Comics beschrieb – doch wenn einer der erfahrensten Mitglieder der Gruppe in einem noch nicht vollständig gesicherten Haus von einem sich anschleichenden Zombie (Achtung, das ist ein Widerspruch in sich) attackiert und infiziert wird; dann ist das durchaus ärgerlich. Und vor allem unglaubwürdig – es sei denn, der betroffene Charakter hätte eine Hörschwäche gehabt.

Das mag etwas platt klingen, und ist auch nicht wirklich ein ausschlaggebendes Element der Kritik – und doch sei es erwähnt. Schlicht, um auf eine mögliche; man nenne es Ungeschicklichkeit der Verantwortlichen hinzuweisen, die eigentlich darauf bedacht sein müssten eine jede einzelne Szene so glaubwürdig und nachvollziehbar wie möglich zu gestalten. Glücklicherweise gelingt ihnen das in Bezug auf die Anwandlungen der verschiedenen Charaktere schon wesentlich besser – vor allem in jenen finalen Momenten der Staffel, die zu den spannendsten seit der ersten gehören. Was hier in Alexandria geschieht und sich anbahnt, wird dann doch überraschend stilsicher inszeniert – denn hier spürt man es wieder; jenes Engagement und Fingerspitzengefühl der Macher, die offenbar und ausgerechnet besonders für all jene Szenen ein Gespür haben, in denen keine Untoten vorkommen. Was nur gut und richtig ist, und die Serie so gesehen vor einem weiteren qualitativen Abfall rettet. Denn an den immer wieder auftauchenden Zombie-Horden (oder eher: den kleineren Grüppchen) hat man sich trotz der nach wie vor gelungen Arbeit der Maskenbildner nunmehr satt gesehen, selbst die hie und da noch anberaumten, expliziteren Splatter-Szenen schocken längst nicht mehr. Was es diesbezüglich dringend bräuchte, um es in THE WALKING DEAD auch Zombie-technisch wieder ordentlich knistern zu lassen wäre entweder eine bedeutend größere Zombie-Horde, die rund um Alexandria ihr Unwesen treibt – oder gar eine Art Evolution der Untoten, die dann markantere Mutationen aufweisen, andere Verhaltensweisen an den Tag legen et cetera. Doch wahrscheinlicher ist, dass hier alles beim alten bleibt – sodass der Fokus klar auf die überlebenden Menschen gerichtet werden wird um überhaupt noch jemanden hinter dem Ofen hervorzulocken. Dann eben nicht mit einer reißerischen Zombie-Action – sondern aus einer eher soziologisch-analytischen Sicht heraus.

Fazit: Die große Frage, um die sich die Zukunft von THE WALKING DEAD drehen wird; ist die nach der maximal herauszuholenden, oder auch maximal erträglichen Länge des Franchise. Entweder, das Ganze wird eine Art Endlos-Serie mit sich ständig wiederholenden Elementen, bei denen die Untoten nur noch eine absolut untergeordnete Rolle spielen – oder aber man entscheidet sich doch noch für ein rundes (nicht unbedingt sofortiges, aber doch baldiges) Ende. Eines, dass sich noch einmal explizit mit der Zombie-Apokalypse selbst befasst – ganz unabhängig davon, ob es nun offen, hoffnungsvolles oder emotional niederschmetternd ausfällt. Die fünfte Staffel jedenfalls lässt auf gutes hoffen und ist im direkten Vergleich mit der dritten und vierten (die besser zu einer hätten zusammengefasst werden müssen) ein geradezu im Flug vergehender Genuss.

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„Mit THE WALKING DEAD geht es wieder bergauf. Es stellen sich nur zwei Fragen. Wie lange noch, und: reicht  das aus, um die bisherige Flaute auszugleichen ?“

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