Metal-CD-Review: CARDIANT – Tomorrow’s Daylight (2009)

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Alben-Titel: Tomorrow’s Daylight
Künstler / Band: Cardiant (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 25. November 2009
Land: Finnland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Avalon Online

Alben-Lineup:

Mikko Mänttäri – Bass
Erik Karhatsu – Vocals
Marko Lindroos – Keyboards
Antti Hänninen – Guitars
Lauri Hänninen – Drums

Track-Liste:

1. Tomorrow’s Daylight (04:10)
2. Stars Upon Your Life (03:48)
3. Illusion Game (04:08)
4. Diamondstar (03:31)
5. Yesterday to Come (04:00)
6. Shine (03:42)
7. Fire on Ice (03:38)
8. Somehow (03:47)
9. Morning Here No More (04:05)
10. Broken Lifeline (03:53)
11. Pledge (03:55)
12. Gone Tomorrow (02:08)

Das Licht von morgen, oder nur ein Schatten der Vergangenheit ?

Und es ward ein weiteres Mal zur berühmt-berüchtigten CARDIANT-Diskografie gegriffen – jener finnischen Band, die nicht nur eine bunte Riege an Veröffentlichungen vorzuweisen hat (einiges wurde hier rezensiert); sondern auch eine bewegte Geschichte mit zahlreichen Besetzungsschwierigkeiten. Das 2009’er Werk TOMORROW’S DAYLIGHT ist dabei insofern eine Besonderheit, als dass es sich um das zweite Studioalbum der im Jahre 2000 gegründeten Band handelt – und somit um eines der greifbareren, bekannteren Releases; dass sich am ehesten einer breiteren Kritik stellen musste und muss. Dass CARDIANT nur zwei Alben innerhalb eines langen Zeitraums von 8 oder 9 Jahren veröffentlicht haben, klingt dabei zunächst etwas mau – tatsächlich aber handelt es sich um das bereits zehnte offizielle Release; rechnet mit alle bisherigen Demos und Promos mit ein. Und so könnte TOMORROW’S DAYLIGHT einen im besten Fall alle bisherigen Schwierigkeiten vergessen lassen, den Posten des erst kurz zuvor angeheuerten neuen Leadsängers Erik Karhatsu festigen – und schlicht alle Genre-Fans begeistern. Im besten Fall.

Unglücklicherweise gelingt das CARDIANT hier aber nicht wirklich – denn TOMORROW’S DALIGHT wirkt trotz der guten Randdaten eher etwas halbgar und abermals unentschlossen. Bereits die vorangegangenen Kleinveröffentlichungen (Promos und EP’s) zeigten auf, dass sich CARDIANT in einer Art experimentellen Phase befanden – und ihre Spielart auch hinsichtlich der etwas weicheren Bereiche des Power Metal ausloteten. Ein Experiment, mit dem man offenbar noch immer nicht vollständig abgeschlossen hat – sodass viele der auf dem Album enthaltenen Titel kaum noch mit den Vorstellungen vereinbar sind, die man möglicherweise von einem guten Power Metal-Act aus dem hohen Norden oder explizit Finnland hat. Vor allem aber kann es kaum mit dem sensationellen Vorgänger MIDDAY MOON mithalten – ein Album das auch heute noch einschlägt wie eine Bombe, und zu dem sich kaum Vergleichsmöglichkeiten anberaumen lassen. Ganz anders sieht es dann schon mit TOMORROW’S DAYLIGHT aus – viele Kompositionen wirken weichgespült, generisch und einstweilen sogar komplett verwechsel- oder austauschbar.

Analog zum herausgenommenen Tempo haben CARDIANT aber auch einige ihrer Trademarks fallengelassen, oder zumindest explizit in den Hintergrund gerückt. Die absolut unverkennbaren Gitarren und das mächtig variable Drumming von einst sind passé – man gibt sich eher angepasst und mit deutlich weniger Alleinstellungsmerkmalen. Es scheint sogar, als orientierte man sich einstweilen in den Gefilden des Pop – so harmlos und unspektakulär klingen manche Nummern. Denkt man an die alten, irgendwie ehrlicher wirkenden Anfangszeiten der Band (und insbesondere MIDDAY MOON) zurück; verkommen viele der immerhin 12 enthaltenen Titel so zu recht glattgeschliffen wirkenden Nummern ohne großartige Ecken oder Kanten. Besonders arg hat es dann ausgerechnet die Single-Auskopplung STARS UPON YOUR LIFE getroffen. Da können selbst die hintergründigen; wenn sie lauter wären sicher an CELESTY erinnernden Chor-Elemente nicht viel reißen – die Nummer bleibt ein Langweiler mit einem flachen, emotional überhaupt nicht wirksamen Refrain.

Doch glücklicherweise trifft das nicht auf alle Titel zu, zumindest nicht in einer vergleichbaren Schwere. Doch selbst im Falle des Titeltracks oder ILLUSION GAME will trotz des schon angezogenen Tempos und der lebendigen Instrumentalkulisse keine so rechte Stimmung aufkommen.Viel eher werden Erinnerungen an die nunmehr aufgelöste Combo DYONISUS wach – mit einer im vorliegenden Fall etwas schwächeren Gesangsleistung. Überhaupt scheint Erik Karhatsu nicht wirklich in seinem Element; beziehungsweise scheint er zumindest meilenweit hinter seinem quasi-Vorgänger Janne Saksa zurückzubleiben, dem man viel lieber lauschte als dieser etwas zu gleichförmigen Darbietung. Sicher kann er singen, das hat er das ein ums andere Mal bewiesen – doch was hilft ein guter Sänger, wenn man genauso gut einen außergewöhnlich guten hätte verpflichten können ? Einen, den man auch zweifelsfrei wiedererkennt. Immerhin kommen die gesanglichen Aspekte so auf eine Ebene mit den instrumentalen – einer verdächtig mittelprächtigen, unspektakulären.

Überhaupt erscheint es unverständlich, wieso CARDIANT nicht doch noch die ein oder andere kräftigere Nummer eingeschoben haben – der gesamte Alben-Auftakt gerät so recht fad. Erst mit YESTERDAY TO COME wird es wieder interessanter, zumal hier einige der früheren CARDIANT-Erkennungsmerkmale in Form der schroffen Riffs und stimmiger Keyboard-Elemente zurückkommen. Danach überwiegt dann wieder die pure Mittelmäßigkeit – wirklich herausstehende Nummern tauchen nicht auf. Selbst das bereits auf der vorherigen EP enthaltene Stück SOMEHOW wirkt in der fertigen Fassung noch ein stückweit geschliffener und kitschiger als ohnehin schon – insbesondere der Refrain mit seinem stampfenden Elektro-Beat sollte hier nicht jedermann bekommen. Selbst einer potentiell hochkarätigen, da etwas kräftigeren Nummer wie MORNING HERE NO MORE kommt irgendetwas abhanden – und sei es aufgrund des künstlich aufgeblasenen Refrains.

Fazit: Der ganz große Wurf ist CARDIANT mit TOMMOROW’S DAYLIGHT nicht gelungen – das zweite Studioalbum der Finnen hinterlässt einen zwiegespaltenen Gesamteindruck. Einerseits ist es schön, nach MIDDAY MOON endlich wieder ein komplettes Studioalbum der offensichtlich talentierten und ideenreichen Band in der Hand halten zu können, den Leadgesangsposten endlich fest besetzt zu wissen – andererseits aber scheint es, als sich CARDIANT hier aus irgendeinem Grund zurück. Das Album ist schließlich nicht nur weitaus schwerfälliger und langatmiger, als alles was die Band zuvor veröffentlicht hatte – es klingt auch generischer und typischer; erst Recht wenn man sich im allgemeinen nicht nur dem Power- sondern auch mal dem Melodic Metal widmet. Das erleichtert dann zwar den allgemeinen Zugang – garantiert aber kein unverbrauchtes und intensives Hörerlebnis wie einst MIDDAY MOON. Auf der Haben-Seite bleiben so die noch immer schmackigen Riffs und eine potentiell angenehme Singstimme, aus der man noch so viel mehr hätte herausholen können – leider Gottes überwiegen aber die negativen Faktoren, so dass keine durchschnittliche Wertung mehr drin ist.

Absolute Anspieltipps: YESTERDAY TO COME, SHINE, BROKEN LIFELINE


40button

„Das offensichtlich vorhandene Potential wurde aus irgendeinem Grund nicht oder zumindest nicht ausreichend ausgenutzt.“

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