Metal-CD-Review: FINSTERFORST – Mach Dich Frei (2015)

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Alben-Titel: Mach Dich Frei
Künstler / Band: Finsterforst (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 23. Januar 2015
Land: Deutschland
Stil / Genre: Folk Metal
Label: Napalm Records

Alben-Lineup:

Tobias Weinreich – Bass
Oliver Berlin – Vocals (harsh, clean, choirs)
Cornelius Heck – Drums
David Schuldis – Guitars (rhythm), Bagpipes
Johannes Joseph – Vocals (clean, choirs), Accordion
Sebastian Scherrer – Keyboards
Simon Schillinger – Guitars (lead, rhythm, acoustic), Vocals (shamanic, choirs)

Track-Liste:

1. Abfahrt (00:58)
2. Schicksals End‘ (14:48)
3. Zeit für Hass (09:43)
4. Im Auge des Sturms (01:38)
5. Mach dich frei! (07:49)
6. Mann gegen Mensch (09:32)
7. Reise zum… (05:32)
8. Finsterforst (23:53)

Grüße aus dem finst’ren Forst.

Wer Ende des Jahres 2014 bereits einen Blick auf die neue FINSTERFORST-Videosingle MACH DICH FREI hat erhaschen können; der wird das gleichnamige, kürzlich veröffentlichte vierte Studiowerk der Schwarzwälder Folk-Metaller voller Vorfreude erwartet haben. Und tatsächlich scheint die Band einen erneuten Schritt nach vorn gemacht zu haben, geht es sowohl um die musikalische Weiterentwicklung als auch die inhaltliche Ausrichtung des Projekts FINSTERFORST. Wer schon die ersten Outputs der Band verköstigt hat weiß schließlich um den durchaus bemerkenswerten Werdegang der Combo – der zwar nicht jedermann gefallen wird, aber vor allem in Bezug auf MACH DICH FREI eindeutig erkennbare Vorzüge mit sich bringt. Anders gesagt: FINSTERFORST klingen heute schlicht deutlich weniger; man nenne es schroff als damals. Im gleichen Atemzug wurde auch das Tempo vermehrt zurückgefahren, die Aggressivität zurückgeschraubt – was eventuell fatal wäre, würde man nicht einen entsprechenden Ausgleich liefern. Doch gibt es den vor allem mit MACH DICH FREI quasi frei Haus geliefert: in Form einer drastischen musikalischen Schwere, episch angelegten Instrumentalkulissen, gut eingebundenen Klar- und Chorgesängen und einer Riesenportion Atmosphäre.

Das führt in erster Linie dazu, dass das Album wie ein sprichwörtlicher musikalischer Brocken daherkommt – und schnell eine entsprechende Wirkung beim Hörer zu hinterlassen vermag. Das gute dabei ist, dass sich FINSTERFORST trotz der nunmehr versprühten Frische und des einstweilen wahrhaftig epischen Bombasts treu geblieben sind – man hört die typischen Trademarks der Band, die vor allem in Form der melodischen Akkordeonklänge repräsentiert werden; noch immer zweifelsfrei heraus. Auch fungiert das Ganze nach wie vor unter dem Oberbegriff des Folk Metal – der; und das ist der Clou, mit der neuen FISNTERFORST auch nicht ganz so eingefleischten Fans des Genres schmackhaft gemacht werden könnte. Schließlich stehen in diesem Fall die für das Genre typischen rauen Elemente in Form des (keine Wünsche offen lassenden) Leadgesangs von Oliver Berlin immer wieder überraschend zugänglichen und weit über die Grenzen des grundsätzlich eher aggressiven Genres hinaus wirkenden Elementen gegenüber. Vor allem der Einsatz des Keyboards sollte in diesem Fall gelobt werden – wo bei anderen Combos schnell ein allzu künstlicher oder klischeehafter Eindruck entstehen kann, nimmt man FINSTERFORST einfach alles ab, was hier durch einige besonders gut ausgewählte Samples und das entsprechende Timing bewerkstelligt wurde.

Ein weiteres Augenmerk gilt den nunmehr verstärkt auftretenden Klargesangs-Passagen, die der einstigen (und zumeist durchgängigen) Härte der Band erneut dezent entgegenwirken; dem musikalischen Eindruck im Gesamten aber verdächtig gut bekommen. Schließlich sind neben den von Oliver Berlin auch die Gesangskünste einiger anderer Mitglieder gefragt – was sich in Form eines deutlichen Zugewinns auf die Reichhaltigkeit und den Abwechslungsfaktor des Albums auswirkt. Auch die schiere Länge der Titel vermag es nicht, den Hörgenuss zu trüben. Im Gegenteil: es passiert stets so viel, dass man niemals geneigt ist den Finger auch nur in die Nähe der Skip-Taste zu bewegen – und doch kann man keinesfalls von überladenen Kompositionen sprechen. Hier wurde schlicht das exakte Mittelmaß gefunden. Einstweilen fühlt man sich so auch an die Thüringer Jungs von FJOERGYN und ihren Avantgarde-Metal  erinnert – nur das FINSTERFORST eben doch die größere Portion Schwermetall im Gepäck haben. Überhaupt sollte man wenn überhaupt Vergleiche zu ähnlichen Genrebands a’la MOONSORROW ziehen – die mit einigen anderen für den Eindruck sorgten, dass guter Folk Metal offenbar stets aus dem hohen Norden kam. Doch speziell in Anbetracht einer Combo wie FINSTERFORST sollte man derlei geografische Einschränkungen vielleicht einmal überdenken.

Fazit: MACH DICH FREI ist nicht nur das vierte Studio-Album von FINSTERFORST, sondern auch eine auf CD verewigte musikalische Wucht die ihresgleichen sucht. Zumindest innerhalb des gerne auch mal etwas festgefahrenen Genres des Folk Metal, dessen Grenzen in diesem Fall angenehm ausgelotet werden und mit gleichermaßen auflockernden wie atmosphärischen symphonischen Zwischenspielen versehen werden. Der Leadgesang ist stark und liefert die nötige Härte, die Klargesänge und das Akkordeon werden perfekt in Szene gesetzt; die etwas andere Alben-Struktur unterstützt den rundum schmackigen Gesamteindruck. Für Freunde des Genres ist das Album ein Muss – aber auch jene, die sich bisher noch nicht in derlei vergleichsweise harsche musikalische Gefilde vorgewagt haben; sollten einen Blick riskieren.

Absolute Anspieltipps: SCHICKSALS END, MACH DICH FREI


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„Keine Revolution, aber ein wuchtig inszeniertes musikalisches Freudenfest – nicht nur für eingefleischte Folk Metaller.“

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