Metal-CD-Review: HAMKA – Unearth (2005)

hamka-unearth_500

Alben-Titel: Unearth
Künstler / Band: Hamka (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 26. Dezember 2005
Land: Frankreich
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Scarecrow Records

Alben-Lineup:

Damien Rainaud – Drums
Yann Mouhad – Guitars (lead)
Willdric Lievin – Guitars (rhythm)
Elisa C. Martín – Vocals
Hugues Lefebvre – Bass

Track-Liste:

1. Buried Roots (02:00)
2. Ignition (04:56)
3. Ghosts of Desert (07:02)
4. Sand Glass (04:44)
5. Eyes of Twilight part 1 (01:35)
6. Eyes of Twilight part 2 (05:10)
7. Rising Atlantis (05:26)
8. Eden Garden (04:01)
9. Seven Sea’s Sky (07:08)
10. Legend’s Empire part 1 (00:59)
11. Legend’s Empire part 2 (05:19)
12. Re-Vo-Lu-Ti-On (04:11)
13. An End on Earth? (08:33)

Aus der Erde geboren.

Als besonderes Power Metal-Schmankerl insbesondere für Fans der markanten Sängerin Elisa C. Martin gilt HAMKA’s Debütalbum UNEARTH aus dem Jahre 2005 – das bis heute einzige offizielle Komplettwerk der Band, die später nur noch einmal mit einer Single-Veröffentlichung aus dem Jahre 2013 in Erscheinung treten sollte. Was in Zukunft noch folgen mag, bleibt ungewiss – Fakt ist wohl nur, dass HAMKA eher ungewöhnliche Genre-Vertreter sind. Schließlich lässt die aus Frankreich kommende Band um Frontmann Willdric Lievin (der eines Zeichens ein ehemaliges FAIRYLAND-Mitglied ist) auch allerlei ethnische Elemente in ihre Musik einfließen. Einstweilen entsteht so ein recht reichhaltiger und vielfältiger Klangeindruck, der zwar zu keinem Zeitpunkt Ausmaße einer explizit geschichts- und traditionsbeeinflussten Spielart a’la Bands wie TIERRA MYSTICA annimmt – aber dennoch markant und schlicht anders klingt. Überhaupt ist die Musik von HAMKA kaum mit den ethnischen Einflüssen allein zu beschreiben – über allem schwebt der Begriff des symphonischen Power Metals, hinzu kommen dezent progressive Ansätze. Auch darf es hie und da mal etwas härter zugehen – wofür hauptsächlich die eingestreuten Growls von Gastsänger Frederic Magnante verantwortlich sind.

Und wie klingt ein solch ambitioniertes Werk, welches zweifelsohne von einigen talentierten Musikern eingespielt wurde; tatsächlich ? Zuallererst ist hier klar der Faktor des Andersartigen zu benennen – wer ein leicht zugängliches Genre-Album voll eingängiger Hymnen erwartet; wird vermutlich eher enttäuscht sein. Ebenso werden all jene, die in Anbetracht des übergeordneten Genres des Symphonic Power Metals eine besonders bombastische Aufmachung erwarten, ein für sie ernüchterndes Ergebnis vorfinden – UNEARTH ist weitaus weniger symphonisch als man es annehmen könnte, und klingt über weite Strecken sogar auffällig bodenständig. Das bedeutet noch nichts schlechtes, nur sollte man sich dessen gewiss sein – und trotz der Bandbesetzung kein ähnlich hymnisch angehauchtes Werk wie OF WARS IN OSHYRIA oder gar einen Nachfolger jenes legendären FAIRYLAND-Debütalbums erwarten. Aber auch sonst unterscheidet sich insbesondere die von Elisa C. Martin dargebotene Performance von allem, was sie bisher gemacht hat. Schlicht, da der Aufbau der Instrumentierungen vergleichsweise komplex, mit vielen Tempiwechseln und zahlreichen Soundelementen gespickt ist – und sich die stimmkräftige Frontfrau entsprechend anpasst. Das ist nur gut und richtig, und hat sogar einen Vorteil: ihre Aussprache fällt schon weitaus klarer und verständlicher aus als beispielsweise noch auf DARK MOOR’s THE GATES OF OBLIVION.

Letztendlich ist es aber auch gar nicht der in diesem Fall wieder erneut starke (und somit für Elisa C. Martin typische) Gesang, der über ein Gefallen oder Nichtgefallen im Sinne von UNEARTH entscheiden wird – sondern vielmehr der gesamte instrumentale Aufbau, die einstweilen gewöhnungsbedürftige Struktur und der Inhalt. Zugegeben, diesbezüglich fällt insbesondere der Einstieg vergleichsweise schwer – sofort ins Ohr gehende Highlights sind vor allem in den ersten Durchläufen kaum auszumachen. So wird es vermutlich einiges an Zeit kosten, bis man die einzelnen Titel für sich erschlossen hat – mit dem Vorteil einer theoretisch größeren Belohnung, wenn es denn einmal so weit ist. Die Frage ist nur, in wie vielen es denn auch dazu kommen wird – einigen dürfte das Album dann doch etwas zu experimentell oder gar fremdartig vorkommen. Weiterhin ist es gut möglich, dass man sich – um einmal einen etwas anderen, ethnisch beeinflussten Power Metal zu hören – eher in entsprechenden Herkunftsländern wie Brasilien umsieht, die beispielsweise mit den nunmehr aufgelösten AQUARIA (siehe vor allem SHAMBALA) einen guten Vorzeigekandiaten haben. Und eben nicht in Frankreich, einem Land von dem man erst Recht in Verbindung mit ehemaligen FAIRYLAND-Mitgliedern kaum ein solches Produkt wie UNEARTH hat erwarten können. Und tatsächlich: sobald der erste Überraschungseffekt verpufft, stellt sich das besagte Werk nicht unbedingt als eines heraus, dass auch auf internationaler Ebene gut mit anderen konkurrieren könnte.

Schuld daran sind dann nicht einmal die immer wieder eingespielten Soundelemente, die einen an ferne Länder und Geschichten um die Mayas und Azteken denken lassen – sondern vielmehr der vergleichsweise unspektakuläre, wenig intensive Gesamteindruck. Es scheint fast, als würden sich die HAMKA-Mitglieder hier aus irgendeinem Grund zurückhalten – ein fesselnder, interner Alben-Kosmos dem man sich immer wieder gerne widmet entsteht mit diesem Werk nicht. Dennoch sollte man abwarten, und sich vor allem auf die zweite Albenhälfte fokussieren – die schon weitaus bessere Titel bereithält. Selbst das balladeske EDEN GARDEN kann hier nicht zuletzt aufgrund der starken Gesangsleistung überzeugen, und mit vergleichsweise gradlinigen (und wenn nicht gar schlichtweg epischen) Titeln wie SEVENTH SEA’S SKY und LEGENDS EMPIRE PART 2 reißt man das Ruder dann doch noch rum – bis es mit dem Rausschmeißer in Form eines äußerst lebendigen Instrumentals zu einem runden Abschluss kommt.

HAMKA’S UNEARTH ist so ein vergleichsweise ungewöhnliches und dezent experimentelles Power Metal-Album geworden, dass man zumindest gefühlt eher den progressiven denn den symphonischen Untergenres zuordnen könnte. So gesehen bietet es neben dem schieren Aha-Effekt vor allem zu Beginn der Hörphase immer wieder angenehme Überraschungen und ständig wechselnde Stimmungen – die sich aber leider Gottes nicht zu einem großen Ganzen; das Album als solches auszeichnenden vereinen wollen. Auch das einstweilen etwas zu eintönige Riffing, der ständige Keyboardeinsatz und Chöre, die nur noch vage an den Bombast eines OF WARS IN OSHYRIA erinnern (wie beispielweise in RISING ATLANTIS) könnten einigen Probleme bereiten – dafür schneiden aber insbesondere das von Hugues Lefebvre gespielte Bass und der Leadgeasang von Elisa C. Martín sehr gut ab.

Absolute Anspieltipps: EYES OF TWILIGHT II, EDEN GARDEN, SEVENTH SEA’S SKY, LEGENDS EMPIRE II, AN END ON EARTH


75button

„Für Freunde des ungewöhnlichen, experimentellen; aber keinesfalls bombastischen – wobei erst die zweite Albenhälfte das Potential voll ausschöpft.“

Über Kommentare Freut Sich Jeder.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.