CD-Review: THE DARK TENOR – Symphony Of Light (2014)

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Alben-Titel: Symphony Of Light
Künstler / Band: The Dark Tenor (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 10. Oktober 2014
Land: Deutschland
Stil / Genre: Stilübergreifend
Label: Polydor / Universal Music

Alben-Lineup:

The Dark Tenor – Gesang, Gitarre, Bass, Violine, Chor, Hintergrundgesang
Bernd Wendtland – Percussion, Keyboard, Programmierung, Chor
Thomas Stolle – Gitarre
Tina Volk – Violine
Andreas Nowak – Schlagzeug
Esther Puzak – Sopran
Angelzoom – Gesang, Chor
Yiruma, Richter – Piano
Dresdner Kreuzchor – Chor
The Risc Symphonic Orchestra – Orchester
Nadine Bader, Carsten Görner, Kati Hegewald, Aline Lessner, Andy Love, Dirk Michaelis, Maschine, Tom Olbrich, Christian Reich, Felix Räuber, Phil Schardt, Billy Volk, Marcus Winther-John, Kris Wolf, Thomas Godoj – Chor

Track-Liste:

01. The Beginning
02. Heart Of Gold
03. River Flows On The Edge
04. Love Is Light
05. River Of Life
06. Haunted Hearts
07. Miserere
08. The Hunger
09. Ode an die Freude
10. Like A Hero
11. After The Nightmare
12. A Stranger Like You
13. Lascia Ch´io Pianga
14. Tag des Zorns – Lakme/Dies Irae

Ist das noch Kunst – oder schon Ausverkauf ?

Die Chancen, bereits etwas vom sogenannten DARK TENOR gehört zu haben; sind vergleichsweise groß. Besonders dann, wenn man den deutschen Musikmarkt zumindest grob im Blick hat – oder aber einen gewissen TV-Sender bei sich hat laufen lassen. In den kurzen Clips, die während der Werbeblöcke eingespielt wurden (und es noch immer werden); tritt eine mysteriös anmutende Gestalt mit einer Maske auf – die mal am Klavier sitzt, mal erhaben auf einem Boot durch das Wasser schwebt. Wichtiger als der visuelle Effekt ist jedoch jener, der von den akustischen Faktoren ausgeht – schließlich ist der Spot mit Musik des DARK TENOR-Albums SYMPHONY OF LIGHT unterlegt.

Dieses bereits am 10. Oktober 2014 veröffentlichte Album sieht dabei ein nicht gänzlich neues, aber sicher immer wieder aufregendes Konzept vor: altbekannte Klassik-Klänge werden mit Elementen der Pop-Musik und einer großen Portion Bombast vermengt. Aber: so schön eine wie auch immer geartete Bereicherung des Musik-Marktes ist, stellt sich ganz unabhängig vom eigentlichen Sinn oder Unsinn eines solchen Konzeptes vor allem eine Frage: aus welcher Motivation heraus werden Projekte wie dieses geboren ? Werden die teils legendären Klassik-Nummern ansprechend interpretiert, auf das im besten Fall sowohl der Geist des Originals als auch die persönlichen Nuancen des interpretierenden Künstlers zum Tragen kommen ? Oder verpasst man den altehrwürdigen Kompositionen einen fehlgeleiteten, modernen, vielleicht auch massenkompatiblen Anstrich – im schlimmsten Fall allein mit dem Ziel, möglichst hohe Verkaufszahlen zu erreichen ?

Sicher sollte man diesbezüglich nicht allzu vorschnell urteilen – doch leider Gottes scheint das Konzept von und hinter der SYMPHONY OF LIGHT-CD eher in Richtung der zweiten Möglichkeit zu tendieren. Eine Feststellung, die sich bereits mit der reinen Art der Präsentation untermauern ließe. Etwaige vom Lifestyle der Gothic-Szene angehauchten Projekte sind aktuell schließlich recht beliebt, zumindest wenn sie entsprechend zurechtgebogen und auf eine größere Masse zugeschnitten werden – man bedenke nur den (etwas merkwürdigen) Erfolg der Band UNHEILIG. Auf einen ganz ähnlichen Zug springt man nun auch mit THE DARK TENOR auf – mit dem Unterschied, dass die Identität des Künstlers geheimgehalten oder zumindest nicht explizit erwähnt wird; was die Sache zusätzlich geheimnisvoll erscheinen lässt. Das Problem: so vielversprechend es wäre, wenn auf diese Weise tatsächlich ein unbekannter (und im besten Falle guter) Künstler zu mehr Publicity käme, hinter dem DARK TENOR-Projekt steckt eine gewaltige Marketing-Maschine. Eine, die mit einem gewissen Kalkül an die Sache geht und bei der man wohl nichts dem Zufall überlässt – was der Idee des Geheimnisvollen doch dezent entgegenwirkt.

Wenn man dann erst einmal die Namen der Verantwortlichen ließt, wird einem zusätzlich offenbar was es mit dem DARK TENOR auf sich hat oder haben könnte. Der Producer der CD ist ein gewisser Bernd Wendlandt, der sonst Künstler wie SILBERMOND oder LENA MEYER-LANDRUT bereteut. Aber auch die anderen Namen lassen sich schneller mit eher unliebsamen Acts in Verbindungen bringen, als es einem (der vielleicht auch dem geneigten Goth) lieb wäre: Tom Olbrich arbeite zusammen mit ANDREAS BOURANI am WM-Lied AUF UNS, Thomas Remm mit Künstlern wie EISBLUME oder JEANETTE BIEDERMANN. Beinahe unumstößlich erscheint somit die Tatsache, dass THE DARK TENOR ein rein auf einen größtmöglichen kommerziellen Erfolg ausgelegtes Projekt ist – ein Projekt, das schlussendlich und immerhin noch mit der Qualität der dargebotenen Musik glänzen könnte.

Diesbezüglich sieht es dann zunächst recht durchwachsen aus. Immerhin kann man der Platte, respektive dem hauptsächlich agierenden Künstler eines nicht absprechen: rein gesanglich gibt es nichts zu mäkeln. Im Gegenteil, die Stimme des DARK TENORs (die irgendwo zwischen einem Tenor und einem Countertenor pendelt) ist angenehm und lädt zum Zuhören ein. Auch das Wechselspiel aus eher bedächtig und wuchtig vorgetragenen Passagen funktioniert sehr gut, ebenso wie der Wechsel vom englischen (der Hauptsprache des Albums) ins deutsche – mit einem Titel wie dem Bonustrack HEIDENRÖSLEIN als Paradebeispiel. Ausgerechnet dieser Titel ist es dann auch, den man im Endeffekt als eine der gelungenere Interpretationen bezeichnen kann – schließlich geht es hier hauptsächlich um den Gesang, die Instrumentalkulisse bleibt weitestgehend minimalistisch. Bis, ja bis es dann zu einer Art Explosion des symphonischen oder auch des Bombast kommt – ein Umstand, der bei so gut wie allen Titeln des Albums zum Tragen kommt, hier aber noch recht gut funktioniert.

Etwas anders sieht es dann schließlich schon bei einem Großteil der anderen Nummern aus. Denn sie alle haben ein Problem: sie orientieren sich nur grob an den jeweiligen Originalen, und verlieren durch den einstweilen arg poppigen Anstrich einen Großteil ihrer Wirkungskraft. Davon sind dann besonders Nummern wie HEART OF GOLD (mit seinem merkwürdigen Drumming), HAUNTED HEARTS (mit seiner Rhythmik und den ungünstigen Verzerr-Effekten) oder AFTER THE NIGHTMARE mit seinen alles niederwalzenden Pop-Anleihen betroffen. Andere Stücke, wie LIKE A HERO haben wiederum andere Probleme – sicher auch solche, die mit der Abmischung zu tun haben und den Sänger nicht immer von seiner besten Seite zeigen.Und auf andere, arg fehlgeleitete Interpretationen wie beispielsweise in Form eines (tatsächlich etwas zornig stimmenden) TAG DES ZORNS braucht man wohl gar nicht erst einzugehen.

Deutlich besser schneiden dann folglich auch jene Nummern ab, bei denen man nicht ganz so weit – und im Sinne einer neumodischen Ausschmückung – ausholt. RIVER FLOWS ON THE EDGE oder LOVE IS LIGHT beispielsweise gehen größtenteils als angenehme Interpretationen durch. Die wohl größten Streitpunkte offerieren dann aber hauptsächlich zwei Nummern: MISERE und ODE AN DIE FREUDE. Während sich erste recht nah an andere klassische Interpretationen lehnt (allerdings und leider: nur im Mittelteil), dabei aber niemals deren Klasse erreicht; ist die ODE AN DIE FREUDE tatsächlich eine eben solche – eine, die zwar nicht mit den gewohnten Interpretationen mithalten kann, aber einen ganz anderen Blick auf Beethoven’s berühmte Sinfonie zulässt. Und: insbesondere der Refrain klingt tatsächlich mehr als annehmbar. Hier kommt der auf SYMPHONY OF LIGHT anberaumte Bombast erstmals richtig gut zur Geltung – auch ohne zusätzliche Pop-Elemente.

Fazit: Man kann noch lange nicht von einem Freifahrtschein sprechen, aber: ganz so schlimm wie eventuell befürchtet ist das auf SYMPHONY OF LIGHT dargebotene Material nicht. Sicher erscheinen die hier aufgefahrenen Interpretationen nicht immer stilsicher, triefen einstweilen vor Pathos und Kitsch, zeugen nicht gerade von einem unbedingten Willen sich mit den jeweiligen Quellen und den ursprünglichen Ambitionen der Künstler auseinanderzusetzen – aber dennoch kann die Scheibe einen gewissen Charme entfalten. Einen rein musikalischen, versteht sich. Denn vom Hören allein bekommt man noch lange keinen Ohrenkrebs – vielmehr ist es der gesamte hinter dem Mann mit der Maske stehende Marketing-Apparat, welcher einen mehr als nachdenklich stimmen sollte. Doch da es im Sinne einer CD-Rezension vornehmlich um das gehen sollte was geboten wird – und nicht um etwaige weiterführende Umstände – sollte an dieser Stelle vornehmlich das Material selbst bewertet werden. Das ist wie immer eine arg subjektive Angelegenheit, über die sich besonders in diesem Falle streiten ließe – über die Attribuierung einer mindestens mittelmäßigen Leistung kommt man letztendlich aber kaum herum. Lediglich eine Kaufempfehlung kann aufgrund der doch etwas speziellen Umstände nicht ausgesprochen werden. Auch wenn viele das Projekt ohnehin als absolut unterirdischen abstempeln, so könnte man ihm schlussendlich noch eines zugute halten: im besten Fall werden Klassik-Verneiner durch Kost wie diese an die entsprechenden Originale herangeführt.

Absolute Anspieltipps: RIVER FLOWS ON THE EDGE, LOVE IS LIGHT, ODE AN DIE FREUDE, HEIDENRÖSLEIN


65button

„Ein vor allem theoretisch arg bedenkliches Projekt von einer insgesamt durchwachsenen musikalischen Qualität.“

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