Metal-CD-Review: JUPITER – The History Of Genesis (2015)

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Alben-Titel: History Of Genesis
Künstler / Band: Jupiter (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 07. Januar 2015
Land: Japan
Stil / Genre: Neoclassical Power Metal
Label: Universal Music Group

Alben-Lineup:

Masashi – Bass
Yuki – Drums
Teru – Guitars
Hizaki – Guitars
Zin – Vocals

Track-Liste:

1. The Birth of Venus (06:28)
2. Last Moment (05:48)
3. Darkness (04:34)
4. B.L.A.S.T (03:27)
5. The Moon (05:18)
6. 氷の中の少女 (04:00)
7. Church Candle (04:13)
8. Red Carnation (04:22)
9. 絶望ラビリンス (04:39)
10. Shining (04:55)
11. Arcadia (04:20)
12. Luminous (05:34)
13. The History of Genesis (07:55)
14. Sacred Altar (04:39)

JUPITER Ascending ? Hoffen wir’s.

Das ging aber schnell. Nach dem gleichermaßen überraschenden wie überraschend guten Debütalbum der japanischen Pwoer Metal-Band JUPITER (CLASSICAL ELEMENT von 2013, Review) folgt mit HISTORY OF GENESIS schon der zweite Silberling der markanten Combo. Einer Combo, die in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich ist – besonders aus der Sicht des Westens und aufgrund des damit verbundenen Aufeinandertreffens verschiedener Kulturen. Schließlich sind JUPITER neben allen anderen Zuordnungen auch ein Act, der dem Phänomen des Visual Kei frönt – und das nicht zu knapp; was man vor allem dann erahnen kann wenn man einmal ein Musikvideo der Band zu Gesicht bekommt. Doch wäre es allemal schade der Band allein deswegen keine Chance zu geben. Denn wie sich zeigt, stecken unter der oberflächlichen Fassade auch noch ganz andere Qualitäten. Qualitäten, die wesentlich weniger gekünstelt oder exotisch daherkommen als es vielleicht anzunehmen wäre – sondern bestens in den Bereich des symphonischen oder auch neoklassischen Power Metals einzuordnen sind.

Dabei wäre es jedoch kaum ausreichend, von einem wie auch immer gearteten Mittelfeld zu sprechen – JUPITER sind eine der markantesten und erfolgreichsten Genrebands aus und in Japan, die dort sogar von Universal Music unter Vertrag genommen wurden. Das hat sicherlich auch mit der Vergangenheit der einzelnen Mitglieder zu tun – die bis auf eine Ausnahme bei VERSAILLES tätig waren – einer Band, von der man selbst als nicht-Verköster japanischer Musik schon einmal gehört haben sollte. Die Tatsache, dass die Band ein Major-Label im Rücken hat scheint sich dabei kaum negativ auszuwirken – zumal in Japan ohnehin ganz andere Gesetze auf dem Musik-Markt gelten. Wer also befürchtet, hier eine Art lauwarmes Chart-Produkt vorzufinden, wird schnell eines besseren belehrt. THE HISTORY OF GENESIS ist wie sein Vorgänger ein typisches JUPITER-Album – das heißt vor allem ein eigenwilliges und buntes. Eben diese Tatsache könnte dabei auch (und zu Recht) zu einem gemischten Gefühl führen; schließlich ist der Oberbegriff des symphonischen Power Metals tatsächlich nur ein Oberbegriff.

Dennoch: wenn sich JUPITER eben dieser Stilrichtung hingeben, zaubern sie so manch kultverdächtige Nummer auf das Parkett. Bereits der Auftakt des Albums kann diesbezüglich mit dem prächtigen THE BIRTH OF VENUS und dem etwas emotionaleren LAST MOMENT punkten – und das nicht zu knapp. Was allerdings danach und beispielsweise in Form von DARKNESS, BLAST oder auch SACRED ALTAR folgt ist dann wohl ein weiteres Zeichen dessen, das man bei JUPITER so gut wie keine Genre-Grenzen kennt und einfach das macht worauf man gerade Lust hat. Das könnte man als Zugewinn in Bezug auf die musikalische Vielfalt werten – oder aber auch als Fehlgriff. Tatsächlich klingen JUPITER in dieser deutlich härteren Variante (die sich vor allem durch schwerere Riffs, heftige Growls und auch mal dezent neumodische Elemente aus nicht unbedingten beliebten Subgenres des Metals auszeichnet) bei weitem nicht so gut wie sonst – aber man entscheide selbst. Immerhin: das letzte über das man sich bei einem Album wie diesem beschweren könnte, wäre die Vielfalt.

Denn die wird weiterhin auffällig zelebriert, wofür völlig unterschiedliche Nummern wie THE MOON, CHURCH CANDLE oder SHINING stehen. Erstere ist eine eher andächtige Ballade, zweite ein rein instrumentales Gitarren-Intermezzo; und die dritte eine die man am ehesten im Bereich des J Rocks einordnen könnte. So wird man sich plötzlich in Anbetracht des anberaumten musikalischen und atmosphärischen Frohsinns wundern – wo vorher noch gradlinige Power Metal-Nummern und düster-diabolische Stücke mit Elementen des Death Metal das Klangbild dominierten, zeigen sich JUPITER einmal mehr von ihrer wandelbarsten Seite. Bei allen Geschmacksfragen ist eines aber stets offensichtlich: JUPITER verstehen ihr Handwerk nicht zuletzt aufgrund der jeweils langjährigen Erfahrung der Bandmitglieder, was im Zusammenspiel mit der druckvollen Soundkulisse zu einem technisch rundum gelungenen Silberling führt.

Schlussendlich: wie man ein Album wie THE HISTORY OF GENESIS behandelt, liegt ganz am Horizont und der Bereitwilligkeit des Hörers, sich neuen musikalischen Erfahrungen zu stellen. Sicher trifft das nicht auf jedermann zu, was nur allzu verständlich ist. Doch glücklicherweise bietet das Album auch genügend Material für jene, die sich eher als Power Metal-Puristen bezeichnen würden – und diesbezüglich auch gerne mal einen Blick nach Fernost riskieren. In diesem Zusammenhang liefern JUPITER hier einige hochkarätige Titel ab, die ganz locker das Zeug haben mit dem Material von ebenfalls bekannten Combos a’la GALNERYUS zu konkurrieren. Allein deshalb lohnt es sich, THE HISTORY OF GENESIS für sich zu entdecken – wer dann zwischendurch auch gerne mal zusätzlich überrascht wird (ob positiv oder negativ sei einmal dahingestellt); für den könnte das Album gar zu einer Art Offenbarung werden. Als eine Art Bereicherung kann das Ganze auf jeden Fall gesehen werden – da ein solches Misch-Album (auf dem man glaubt mindestens drei verschiedene Interpreten zu hören) wohl kaum hierzulande oder überhaupt außerhalb von Japan entstehen wird.

Absolute Anspieltipps: THE BIRTH OF VENUS, LASTM MOMENT, CHURCH CANDLE, RED CARNATION


80button

„The History Of Genesis, oder: die Frage des Geschmacks könnte keine größere Rolle spielen.“

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