Filmkritik: „Der Kleine Nick Macht Ferien“ (2014)

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Originaltitel: Les Vacances Du Petit Nicolas
Regie: Laurent Tirard
Mit: Valérie Lemercier, Kad Merad, Mathéo Boisselier u.a.
Land: Frankreich
Laufzeit: ca. 97 Munuten
FSK: ab 0 freigegeben
Genre: Komödie
Tags: Ferien | Urlaub | Meer | Strand | Familie | Erste Liebe

Der kleine Nick ist verliebt… und das gleich zweimal.

Kurzinhalt: Alle Jahre wieder sehen sich Nick (Mathéo Boisselier) und seine Eltern mit der Frage konfrontiert, wohin es in den großen Sommerferien gehen würde. Dieses Mal fällt die Wahl auf einen stilechten Strandurlaub, an dem auch die Oma (Dominique Lavanant) teilnimmt – sehr zum Verdruss des Vaters (Kad Merad). Doch die Sorgen scheinen alsbald verflogen, als man in das heimelige Hotel einzieht und zum ersten Mal die herrliche Aussicht und den weiten Sandstrand genießt. Auch Nick scheint sich hier schnell wohl zu fühlen – trotz seines leichten Liebeskummers. Er findet schnell neue Freunde, mit denen er fortan die Gegend unsicher macht. Um die Tochter eines mit seinem Vater befreundeten Kumpels aus der Schulzeit macht er aber einen großen Bogen – sie erscheint ihm regelrecht unheimlich. Bis, ja bis sie doch noch ins Gespräch kommen und sich etwaige anfängliche Befürchtungen in Luft auflösen. Es scheint, als hätte sich Nick in Isabelle (Erja Malatier) verguckt – doch wie sollte er das seiner eigentlichen Angebeteten erklären, mit der er sich schon eine gemeinsame Hochzeit ausgemalt hatte… ?

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Kritik: Achtung, Spoiler ! DER KLEINE NICK MACHT FERIEN ist die quasi-Fortsetzung des 2009’er Films DER KLEINE NICK – und ein weitere Adaption der entsprechenden Textvorlagen von ASTERIX-Erfinder René Goscinny. Diese sind vor allem in Frankreich äußerst beliebt, wenn nicht gar ein allgemeines Kulturgut – sodass es abzusehen war, dass das Franchise in Zukunft weitere Früchte tragen würde. Spätestens nach dem einschlagenden Erfolg des ersten Kinofilms schien der Weg für ein Sequel geebnet, welches erneut unter der Führung des französischen Regisseurs Laurent Tirard verwirklicht wurde – und den kleinen Nick nun erstmals auf einen größeren Abenteuer-Urlaub schickt. Ob man den Film nun als direktes Sequel betrachtet oder nicht, spielt dabei kaum eine Rolle – beide Filme gehören zwar unverkennbar zu einer Reihe, funktionieren aber auch bestens alleinstehend.

Oder eben nicht – denn schließlich kommt es ganz darauf an, mit welcher Erwartungshaltung man an Filme wie diese herangeht. Die größte Aussicht auf ein zufriedenstellendes Film-Erlebnis besteht vornehmlich dann, wenn man die beiden DER KLEINE NICK-Filme zwecks eines unterhaltsamen Filmabends im Kreise der Familie anberaumt – und sowohl die Erwachsenen als auch die jüngeren entsprechende Abstriche machen. Denn: auch wenn das Franchise aus dem Herzen Frankreichs stammt und somit schon einmal vor etwaigen Einflüssen der Pop-Kultur aus den USA gefeit ist, macht sich eine gewisse Anpassung an den Mainstream durchaus bemerkbar. Im Falle von DER KLEINE NICK MACHT FERIEN vielleicht sogar noch ein stückweit mehr als in Bezug auf den Vorgänger – die allgemeine Verträglichkeit der Gags, die Wahl der Schauplätze und die Auswüchse der (überraschend harmlosen) Lausbubenstreiche sprechen jedenfalls eher dafür. Dennoch spielt der Film seine Vorzüge auf dem Bereich der reinen Unterhaltungsebene aus – und sorgt für den ein oder anderen Schmunzler. Etwas schade erscheint dabei nur, dass es vornehmlich die Geschichten und Anwandlungen der Eltern sind, die einen Großteil der gelungenen Szenen ausmachen – und die eigentlich für die Hauptrollen vorgesehenen Kinder auch mal dezent in den Hintergrund gedrängt werden. Dass das Geschehen dabei stets aus der Perspektive des kleinen Nick erzählt wird, vermag diesen Umstand kaum aufzufangen – aber immerhin entsteht so, und durch das Porträt eines reichlich quirligen Ferienlebens der Generation der 60er-Jahre tatsächlich eine Art Urlaubsgefühl.

Besonders interessant erscheint dann vor allem ein weiterer Kniff in Bezug auf die Besetzung: der Darsteller des ersten Kino-Nicks (Maxime Godart) wurde für das Sequel nicht mehr verpflichtet; was am ehesten auf sein mittlerweile fortgeschrittenes Alter zurückzuführen ist. Stattdessen wurde ein gewisser Mathéo Boisselier für die Hauptrolle gecastet – der den Nick zwar ebenfalls recht glaubhaft verkörpert, aber schon nicht mehr ganz so charmant und lausbubenhaft wirkt wie sein Vorgänger. Die anderen Kinderdarsteller haben im Gegensatz zum Vorgänger nur noch kleinere Nebenrollen inne – in denen lediglich ein oder zwei Charakterzüge zwecks eines Porträts herhalten müssen; was etwas schade ist. Noch nachdenklicher stimmt dann wohl nur noch die Tatsache, dass selbst der eigentliche Hauptprotagonist Nick eher zurechtgestutzt wirkt – auf einen kindlichen Charmeur, der bereits über eine Heirat nachdenkt und sich dabei zwischen zwei Mädchen entscheiden muss. Allein aus dieser Tatsache heraus entstehen einige der besten und witzigsten Szenen des Films – aber dennoch, ein wenig mehr Vielseitigkeit wäre hier sicher nicht verkehrt gewesen. Das gilt indes kaum für die erwachsenen Darsteller, die ihre Rollen derart sympathisch verkörpern dass es eine Freude ist: ob Kad Merad als dezent chaotischer Familienvater, Valérie Lemercier als Mutter mit verborgenen Sehnsüchten oder Luca Zingaretti als übereifriger Filmregisseur – sie alle machen ihre Sache gut, und lassen in Anbetracht des Genres und des Daseins des Films als luftig-leichte Komödie keine Wünsche offen.

Fazit: Wie auch schon sein Vorgänger kann DER KLEINE NICK MACHT FERIEN nicht die Position eines uneingeschränkt empfehlenswerten, generationsübergreifend funktionierenden und zeitlosen Kinderfilms einnehmen. Dass er keine magischen Elemente hat oder zumindest eine dezent fantastische Wirkung entfalten kann ist dabei noch am ehesten zu verschmerzen, schließlich muss man sich hier auf eine eher bodenständige Film-Erfahrung einstellen. Eine, die wie direkt aus dem Leben gegriffen scheint und gerade deshalb mit zahlreichen Identifikationsmöglichkeiten punkten kann. Dennoch reichen das aufkommende Nostalgie-Gefühl, der französische Charme und die allgemeine Leichtigkeit nicht aus, um den Film mit einem durch und durch wertvollen Prädikat auszuzeichnen. Es bleibt bei einer seichten, einstweilen etwas zu harmlosen Familienkomödie – die immerhin für einige Lacher sorgen wird und bei der man auch in Anbetracht der FSK 0 keine Sorgen haben muss, dass das Ganze für die kleinsten ungeeignet wäre.

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„Eine qualitativ solide und inhaltlich quirlige Familienkomödie für alle Altersklassen – die das gewisse Etwas aber vermissen lässt.“

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