Metal-CD-Review: WATERLAND – Virtual Time (2011)

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Alben-Titel: Virtual Time
Künstler / Band: Waterland (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 2011
Land: Portugal
Stil / Genre: Melodic Power Metal
Label:
Keins / Independent

Alben-Lineup:

Miguel Gomes – Guitars
Tó Silva – Keyboards
Bruno Gomes – Vocals
Marco Alves – Vocals

Track-Liste:

1. Destiny II (04:58)
2. Wait Forever (04:29)
3. Virtual Time (05:00)
4. New Winds of Time (05:45)
5. Queen of Light (03:14)
6. A Passage to Eternity (05:30)
7. Carry On (03:41)
8. The Prophecy (05:41)
9. New World (06:09)
10. A Rainbow in the Night (04:58)
11. You and I (04:01)

Die Neuerfindung eines Genres.

Nanu, wen haben wir denn da – eine Metal-Band mit dem Namen WATERLAND ? Dieser einfache, aber immerhin unverwechselbare Name klingt irgendwie sympathisch. Handelt es sich hier tatsächlich um eine markante Newcomer-Band, die sich wie so viele im Bereich der fantastischen Sagen und Erzählungen bewegt; und es dabei vielleicht sogar vermag, neue Maßstäbe zu setzen ? Im besten Fall versteht sich, doch vielleicht sollte man sich in Anbetracht derart junger und aufstrebender Bands erst einmal in Zurückhaltung üben und der Dinge harren, die da kommen. Schließlich ist beileibe noch kein Meister vom Himmel gefallen…

Beginnen wir also mit einer Aufstellung des Unvermeidbaren, also dessen was WATERLAND eher nicht so gut können – aufgegliedert in Bezug auf einzelne Elemente und das große Ganze. Bei den einzelnen Elementen macht sich vor allem eines bemerkbar: keines der Mitglieder schafft es, auch nur ansatzweise eine herausragende Performance abzuliefern. Im Gegenteil: insbesondere der Leadgesang erweist sich als schwach, wenn nicht gar auffällig kraft- und emotionslos. Der Begriff des Herunterleierns trifft es hier schon recht genau – unglaublicherweise unterstützen die Backgroundgesänge diesen Eindruck noch. Anders gesagt: sie kaschieren die markanten Schwächen nicht, sondern unterstützen die Vermutung; dass die Mitglieder bei den Aufnahmen in einer Form des Halbschlafs gewesen sein müssen. Die finale Überraschung ist dann wohl nur noch, dass es ausgerechnet Marco Aleves (Ex-ORATORY, und das gar nicht mal schlecht) sein soll, der hier neben einem gewissen Bruno Gomez singt.

Doch auch bei den Kollegen und ihren Instrumenten sieht es nicht viel besser aus – wobei die Gitarren noch am besten abschneiden. Der gesamte Drumming-Part klingt nach der Leistung eines wild gewordenen Drum-Programms, womit man gar nicht mal so falsch liegt – einen Drummer hat die Band schließlich (noch) nicht im Lineup. Der Bass ist zu vernachlässigen, das Keyboard extrem überstrapaziert – sicher, irgendwie gehört es zu Bands wie WATERLAND ja dazu. Fakt ist aber auch, dass es bisher noch keine Band gab, die so explizit auf kunterbunt-kitschige Klänge gesetzt hat – zu jeder Zeit, und in jedem Titel. So entsteht ein insgesamt etwas merkwürdiger Eindruck, der das Ganze nur noch schwerlich unter dem Oberbegriff des Power Metal fungieren lässt. Ein (offiziell noch nicht erschaffenes) Genre wie das des melodisch-elektronischen Pop-Metals könnte hier schon eher Pate stehen.

Zu diesen an speziellen Elementen festzumachenden Schwächen gesellen sich allerdings noch weitere – die vor allem im Kontext des gesamten Albums auffallen. So wird beispielsweise schnell klar, dass WATERLAND eine extreme Schwäche haben, wenn es um ihre eher balladesken Nummern geht. Diese werden nicht nur arg ungünstig vorgetragen, sie sind auch inhaltlich unter aller Kanone und animieren eher zum Fremdschämen denn zu emotionalen Ausbrüchen. Das diesbezügliche Highlight markiert dann sicherlich der Rausschmeißer YOU AND I – schlimmer geht es nimmer. Was bleibt, sind schließlich noch zwei Arten von Titeln. Die einen – zu denen auch der fast schon hanebüchen klingende Opener DESTINY II oder das ähnlich aufgemachte QUEEN OF LIGHT gehören – setzen auf eine Gangart im Midtempo, klingen aber des öfteren so als müsste der Band jeden Moment der Saft ausgehen; im wahrsten Sinne des Wortes. Die viel zu exzessiven Keyboardelemente, die nur hintergründig agierenden Gitarren und die mehr als schmerzlichen Lead- und Backgroundgesänge machen Titel wie diese zu einer Qual. Die zweite Art von Titeln findet sich dann in Nummern wie WAIT FOREVER, A PASSAGE TO ETERNITY oder RAINBOW IN THE NIGHT. Und was diese Titel alle gemeinsam haben, das liegt dann schnell auf der Hand.

Es ist ein schier wahnwitziges Tempo, vor allem der (aus dem Computer stammenden) Drums – was einen im Zusammenspiel mit den elektronisch angehauchten Keyboardklängen eher an eine ausufernde Techno-Party denn an eine atmosphärische Metal-Stunde denken lässt; eben weil auch die Uptempo-Nummern verdammt stumpf dargeboten werden. Auch hier schlägt dann, wie sollte es anders sein; der leierige Gesang zu – was einmal mehr dazu führt, dass extreme Disharmonien entstehen und so gut wie kein Element zu dem anderen passt. Das einzige, was man diesem Release von WATERLAND also zugestehen könnte wäre, dass die Band ein Gespür für Melodien hat – für extrem kitschige, sicher eher in Bereichen des Pop oder Technos zuhause fühlende.

Fazit: Ein Album wie VIRTUAL TIME zu hören ist nicht weniger als eine Herausforderung. Nicht nur, dass die Band die gängigen Genre-Grenzen des ohnehin schon als dezent verkitscht verschrieenen Power Metals in einem unerträglichen Maße auslotet, die hier dargebotene Kost hält wahrlich keiner qualitativen Prüfung stand. Vom kärglichen Leadgesang über die ungünstige Handhabung der Instrumente inklusive der unmöglichen Keyboard-Eskapaden bis hin zur schwachbrüstigen und unvorteilhaften Produktion – WATERLAND beckleckern sich hier wahrlich nicht mit Ruhm. Ungewiss ist, wie sich die Band in Zukunft entwickeln wird – fest steht nur, dass es so nicht bleiben kann.

Absolute Anspieltipps: /


25button

„Eine dezente, aber kaum nennenswerte Verbesserung in Bezug auf die vorherige Demo. Dann doch lieber die frühen ORATORY.“

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