Filmkritik: „300: Rise Of An Empire“ (2014)

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Originaltitel: 300: Rise Of An Empire
Regie: Noam Murro
Mit: Sullivan Stapleton, Eva Green, Lena Headey u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 102 Minuten
FSK: ab 18 freigegeben
Genre: Action
Tags: 300 | Griechenland | Sparta | Persien | Krieg | Schlacht | Armee

Die legendären 300 waren nur die Vorhut…

Kurzinhalt: Während König Leonidas mit seinen besten Kämpfern in den engen Felsschluchten der Thermopylen eine Niederlage gegen die angreifenden Perser ereilt, brodelt es im gesamten restlichen Griechenland. Obwohl das Land in Anbetracht der drohenden Gefahr längst vereint sein sollte, scheint es sich noch immer in einer Art Dämmerschlaf zu befinden – die teils autarken Stadt-Staaten arbeiten eher schlecht als recht zusammen. Dabei ist es vor allem auch der Verdienst des großen griechischen Generals Themistokles (Sullivan Stapleton), dass Griechenland inmitten der politischen Wirren und Zurückhaltung überhaupt so lange standhalten kann. Durch sein Geschick in der Kriegsführung kommt es immer wieder zu kleineren Siegen gegen die von der heimtückischen Artemisia (Eva Green) angeführten Perser – die die Vorhut von Xerxes‘ (Rodrigo Santoro) eigentlichem Heer bilden. Würde er es nur lange genug schaffen, die Perser zurückzuschlagen und sich auch noch mit den restlichen Kriegern aus Sparta zu verbünden, wären die Weichen gestellt – und das große Opfer von Leonidas nicht vergebens.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Dass historisch angehauchte Sandalen-Filme spätestens seit der großen Beliebtheit von Serien-Epen wie SPARTACUS eine wahre Renaissance feiern, ist bekannt. Ob das auch einer der Gründe ist, warum man satte sieben Jahre nach dem ersten 300 (Review) doch noch ein Sequel nachliefert, sei einmal dahingestellt – immerhin böte sich auch ein ganz anderer, schon deutlich nachvollziehbarer Grund für die Wiederauferstehung an. Denn: 300 war in erster Linie ein martialisches, entsprechend hochstilisiertes Porträt einer Gruppe von 300 Männern, die sich der gewaltigen Invasions-Armee des persischen Heerführers Xerxes in den Weg stellte. Eines, dass dabei eher weniger Wert auf weiterführende Inhalte oder ein ausgeschmücktes Setting legte – und somit tatsächlich dafür geeignet schien, irgendwann einmal einen Nachfolger möglich zu machen. Mit der Hoffnung sich nicht bloß zu wiederholen, versteht sich. Schließlich galt das Hauptaugenmerk der eigentlichen Schlacht der sogenannten 300, auf die eigentlich stattfindende Invasion und die politischen Hintergründe wurde wenn überhaupt nur marginal eingegangen. Und hier spring nun 300: RISE OF AN EMPIRE in die Bresche, und inszeniert sich nicht nur als direkt an den ersten Teil anschließendes Sequel – sondern liefert im ersten Drittel vor allem wichtige Informationen über das warum und wie der groß angelegten Invasion.

Und wie sich zeigt war dies der wohl einzig richtige Schritt – da man zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt. Zum einen umging man die bereits erwähnte Gefahr, sich mit dem Sequel stumpf zu wiederholen – und zum anderen liefert man den Kennern des ersten Teils entsprechende Randdaten und Informationen nach. Natürlich bleibt dabei auch 300: RISE OF AN EMPIRE ein recht martialisches, blutiges und actionorientiertes Werk, welches einen großen Wert auf die pompös inszenierten Schlachten und allerlei Gemetzel legt – doch fühlt es sich schon deutlich besser an, das Ganze auf ein entsprechendes inhaltliches Fundament gestützt zu wissen. Nicht zuletzt der Faktor der Glaubwürdigkeit hat so entsprechende Zugewinne zu verzeichnen – schlicht, da die Schlachten in einen besseren Kontext gesetzt werden.

Doch auch die potentiellen Probleme des ersten Teils werden mit in den Nachfolger übernommen – zusammen mit der für das Franchise so markanten Optik und Gesaltungsarbeit. Probleme, die allerdings nur dann welche sind, wenn man sie in ihrer Wichtigkeit über den Aspekt reiner Stilmittel setzt. So werden die leicht faschistoiden Tendenzen hauptsächlich in Bezug auf die Darstellung der unfehlbaren Griechen und ihre in diesem Sinne minderwertigeren Feinde auch dieses Mal den ein oder anderen abschrecken; wie auch die fantasievolle Interpretation historischer Daten und Fakten. Andererseits, und um den Bogen zum hauptsächlich angepeilten Film-Genre zu schlagen: eine möglichst akkurate und lehrreiche Geschichts-Stunde wird hier wohl ohnehin niemand erwarten.

Ärgerlicher als jene Aspekte, die man noch grob unter der einiges entschuldigenden Ägide der Stilmittel einordnen könnte; sind aber ohnehin eher andere. So gibt es beispielsweise nur wenige Charaktere oder auch Charakter-Momente, die in Erinnerung bleiben – selbst der eigentliche Held Themistokles (Sullivan Stapleton) bleibt verdächtig blass. Wohl auch, da hauptsächlich gezeigt wird wie er motivierende Reden schwingt – auf eine ausgefeilte Charakterzeichnung muss man verzichten. Das gleiche gilt wohl auch für Xerxes, jenem selbsternannten Gottkönig der Griechenland dem Erdboden gleichmachen will. Jene, die nach seinem eher kurzen Auftritt in 300 mehr Szenen erwartet hätten, werden abermals enttäuscht: gefühlt wird er gar zu einer bloßen Randfigur degradiert, auch wenn seinem Charaktere immerhin einen Rückblick auf seine; man nenne sie Feuertaufe spendiert hat. Das ist natürlich schade, hat aber auch einen ungeahnten Vorteil: denn an seiner statt nimmt Artemisia (Eva Green) das Zepter in die Hand. Von ganz ähnlichen Rachegelüsten geleitet, kommandiert sie einen Großteil der persischen Flotte und macht vor so gut wie keiner Manipulation oder Grausamkeit halt. Aber auch nicht vor einer Tuchfühlung der etwas anderen Art – wie es eine der wohl einprägsamsten Szenen des gesamten Films zeigt. Hier ist den Machern tatsächlich gelungen, aus dem Schema der sonst eher einseitigen Charakterporträts herauszubrechen.

Fazit: Als monumentales Action-Epos mit einem dezent fantastisch-hochstilisierten Anstrich gibt sich RISE OF AN EMPIRE kaum eine Blöße, und wird so vor allem Freunde des Genres und Fans des ersten teils zufriedenstellen. Auch wenn der Überraschungseffekt nicht mehr ganz so groß ist und der reine Akt der Gewalt trotz zahlreicher Zeitlupen, literweise Kunstblut  und Nahaufnahmen nicht mehr ganz so kunstvoll zelebriert wird (ein Punkt, der zur eigentliche Kontroverse des ersten Teils führte) kommt auch der Nachfolger alles andere als handzahm daher – und punktet vor allem mit einer ansprechenden inhaltlichen Unterminierung des Geschehens und grandiosen Seeschlachten. Anders gesagt: der Film kann sich sehen lassen, vielleicht sogar noch ein stückweit mehr als das Original. Allerdings nur, wenn man das vorgesehenen Mindestalter erreicht hat und nicht gerade zart besaitet ist.

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„Es ist überraschend und eine verdammt knappe Angelegenheit, aber: der Nachfolger schlägt das Original.“

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