Filmkritik: „Upside Down“ (2012)

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Originaltitel: Upside Down
Regie: Juan Solanas
Mit: Jim Sturgess, Kirsten Dunst, Timothy Spall u.a.
Land: Kanada, Frankreich
Laufzeit: ca. 109 Minuten
FSK: ab 6 freigegeben
Genre: Science Fiction / Drama
Tags: Zwei Welten | Schwerkraft | Oben Und Unten | Beziehung | Einzigartig

Es kommt eben doch auf den… Schwerpunkt an.

Kurzinhalt: Der junge Adam (Jim Sturgess) lebt in einem Universum, welches im wahrsten Sinne des Wortes einzigartig ist. Anstatt in den blauen Himmel schauen zu können, sieht er bei einem Blick nach oben eine andere, zweite Welt – die scheinbar über seiner schwebt und zum Greifen nah erscheint. Das Problem ist nur, dass die beiden nebeneinander existierenden Welten über eine jeweils eigene Schwerkraft verfügen – und so nicht möglich ist, von der einen zur anderen zu wechseln. Und doch plant Adam, genau das zu tun – er hat sich in eine dort lebende Frau (Kirsten Dunst) verliebt. Um sie nach vielen Jahren wieder  sehen zu können, bewirbt sich Adam bei dem einzigen Unternehmen, welches die beiden Welten miteinander verbindet – und geht bei der Kontaktaufnahme so manches Risiko ein. Denn nicht nur, dass es verboten ist nicht-beruflichen Kontakt zu einem anderen Bewohner der jeweils anderen Welt aufzunehmen – gelangt Materie von der einen in die andere Welt droht sie dort innerhalb weniger Stunden zu verbrennen…

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Es war einmal ein groß angekündigter Blockbuster, der neben einer hübschen und fantasievollen Optik auch noch etwas ganz anderes zu bieten hatte. Natürlich ist die Rede von Juan Solanas Mammutprojekt UPSIDE DOWN, und jener den Film gewissermaßen auszeichnenden Prämisse – die nicht weniger als ein spektakuläres Weltbild vorsieht, in der sich zwei gegenüberliegende Welten in einer seltsamen Form der Koexistenz befinden. Doch nicht nur, dass die beiden Welten in einem äußerst geringen Abstand zueinander stehen, eine Umlaufbahn und so gesehen auch eine gemeinsame Atmosphäre teilen – es gilt ein spezielles Gesetz der Schwerkraft. Dieses sieht vor, dass sich Welt A und Welt B trotz aller anderen Gemeinsamkeiten keine gemeinsame Schwerkraft teilen, die jeweiligen Bewohner also nur von ihrer Seite aus von der Gravitation angezogen werden. Das bedeutet auch, dass man nur schwerlich auf die jeweils andere Seite wechseln kann – von dessen Oberfläche man folglich herunterfallen würde. Es sei denn natürlich, man bedient sich der Materie der anderen Seite; und beschwert sich damit. Dann ist man zwar dort – steht aber im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Kopf, wie es auch der Haupt-Protagonist des Films des öfteren macht.

Das klingt nach einer gleichermaßen interessanten wie verwirrenden Prämisse – wobei man derlei Atttribuierungen vornehmlich zu Beginn des Films in den Raum werfen kann. Schließlich beginnt der UPSIDE DOWN noch im Vorspann mit gewissen Erklärungsansätzen zur Welt und deren Funktionsweise, bevor es auch relativ schnell hinübergeht zu einer ersten, offenbar verbotenen Kontaktaufnahme zweier Kinder die durch das seltsame Welten-Konstrukt voneinander getrennt sind. Dabei sorgt nicht nur der inhaltliche Ansatz für einen reichlich fantastischen und erfrischenden Eindruck – auch die geradezu malerischen Bilder schaffen es, auch wenn sie komplett aus dem Computer stammen; eine markante Form des Interesses zu entfachen. Und sei es allein darin begründet, dass man einfach wissen möchte was die Ideengeber und ausführenden verantwortlichen aus einer Idee wie dieser gemacht haben; ein entsprechendes Budget natürlich mit eingeschlossen. Doch dann geschieht es – zunächst nur Stück für Stück, und später in einem schier unerträglichen Maße.

Die Rede ist von nicht weniger als der eigentlichen Gewichtung des Films – der überraschenderweise nur wenig von einem Science Fiction-Werk hat. Ja, nicht einmal die Zeichnung der angedeuteten, dystopischen Gesellschaft mit einem Zwei-Klassen-System (welches sich praktischerweise auch gleich räumlich trennen lässt) wird nennenswert ausgeführt – sodass es eigentlich nur bei den wenigen bereits zu Beginn des Films eingestreuten Informationen bleibt, die man über die Welt erhalten wird. Sicher, über das wie, wo und warum einer solchen Doppel-Welt hätte man nicht unbedingt eine nähere Ausführung erwarten können – schlicht, da es sich viele Filme vergleichsweise einfach machen mit derartigen Prämissen, und nur noch selten gewagte Geniestreiche abgeliefert werden. Verständlicherweise führt eben diese Vorgehensweise auch dazu, dass der Film nicht wenige Logikfehler respektive ungeklärte Angelegenheiten in den Raum wirft – bei denen man des öfteren nur den Kopf schütteln wird. Aber all das wäre vielleicht noch gar kein so großer Beinbruch, nicht nur weil man vergleichbares gewohnt ist – sondern auch, da der Film noch ganz andere Stärken hätte etablieren können.

Doch bleibt es auch hier bei einem schlichten hätte – denn ausgerechnet hinsichtlich seiner Zeichnung der vorgestellten Welt versagt UPSIDE DOWN völlig. Zwar sind einige der Bilder respektive Stillleben – die auch noch von einem entsprechend atmosphärischen Soundtrack untermalt werden – nett anzusehen, doch inhaltlich untermauert werden sie zu keinem Zeitpunkt. Schließlich werden nicht einmal die einfachsten, einigen automatisch auf den Fingern brennende Fragen behandelt – in Bezug auf das vorherrschende Gesellschaftssystem, der regelrechte Hass auf die jeweils andere Welt und vieles mehr. Die eigentliche Frechheit aber folgt erst, denn es stellt sich alsbald heraus warum der Film auf diesen – und nicht wenigen anderen – Gebieten versagt. Denn: es ist genau so gewollt. UPSIDE DOWN ist vordergründig eine schlichte Romanze, die eine eher gewöhnliche Liebesgeschichte unter außergewöhnlichen, letztendlich aber vollkommen unwichtigen Umständen erzählt. Ob diese Tatsache aber ausreicht, um die teils gravierenden Missstände zu rechtfertigen – das muss wohl ein jeder für sich selbst entscheiden.

Hinzu kommt, dass die darstellerischen Leistungen bestenfalls als solide zu bezeichnen sind – wobei auch die eher schmerzliche Figurenzeichnung ein Wörtchen mitzureden hat. Sowohl die im Film geäußerten Dialoge, als auch einige höchst unglaubwürdige Reaktionen und Verhaltensweisen der Charaktere führen schließlich eher zu weiterem Kopfschütteln – und nicht zu einem Aufkommen von Empathie. Davon abgesehen bleibt UPSIDE DOWN zwar recht bildgewaltig – bietet insgesamt aber weniger optische Raffinessen als erwartet. Vielmehr steht die eine oder die andere Welt Kopf – was zunächst noch ungewöhnlich und faszinierend anmuten mag, doch irgendwann nutzt sich auch dieser Effekt ab.

Fazit: Der hinter UPSIDE DOWN stehende Gedanke ist zwar nachzuvollziehen –  warum die Verantwortlichen sich aber erdreistet haben und die vermeintliche Kernbotschaft des Films (ungefähr: Liebe überwindet alle Grenzen) hinsichtlich ihrer Wichtigkeit über alle anderen Aspekte gehievt haben, bleibt ein Mysterium. So muss man sich spätestens im Verlauf des Abspanns ernsthaft fragen, wozu man sich überhaupt die Mühe gemacht hat; wenn die Botschaft eine explizit universelle ist und es eigentlich gar keine Rolle spielt, wo und unter welchen Umständen sich das Ganze zugetragen hat. Wahrlich, die hier investierte Zeit hätte man sich sparen können – passenderweise gleich im doppelten Sinne. Zum aus der Sicht des Zuschauers, der sicher weit mehr erwartet hätte als eine simple bis krude Love-Story in einem oberflächlichen Sci-Fi-Gewand – und zum anderen aus der Sicht der Macher, die die gleiche Wirkung mit einem Kurzfilm etablieren können. Zumindest wäre man in einem solchen Fall weniger verschwenderisch mit einer eigentlichen spannenden Prämisse wie dieser umgegangen, hätte nicht so viel potentiell interessantes angeschnitten respektive offengelassen (in Bezug auf alles, was die beiden Welten betrifft) – und die Zuschauer somit auch weniger verärgert. Es ist schade, aber – bis auf ein paar schöne Bilder und eine überraschend typische Liebelei (die weder der Einfall des frühen Unfalls inklusive Gedächtnisverlust noch das schier katastrophale Ende aufwertet, im Gegenteil) gibt es in UPSIDE DOWN nicht viel zu holen.

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„Neben vielen enthaltenen Peinlichkeiten wurde schlicht zu viel Potential verschenkt.“

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