Filmkritik: „Darkest Hour“ (2011)

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Originaltitel: The Darkest Hour
Regie: Chris Gorak
Mit: Emile Hirsch, Rachael Taylor, Olivia Thirlby u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 89 Minuten
FSK: ab 12
freigegeben
Genre: Science Fiction / Action
Tags: Außerirdische | Kampf | Invasion | Russland | Unsichtbar

Der Menschheit geht’s an den Kragen… mal wieder.

Kurzinhalt: Eigentlich wollten die beiden Freunde und Software-Entwickler Sean (Emile Hirsch) und Ben (Max Minghella) nur nach Moskau, um eine von ihnen programmierte Software zu verkaufen. Doch nicht nur, dass ihnen die Idee kurzerhand von einem alten Freund namens Skyler (Joel Kinnaman) geklaut wird – während einer ausgiebigen Party-Nacht kommt es zu einem weitaus gravierenderen Zwischenfall. Merkwürdige Objekte aus Licht regnen vom Himmel, die sich als außerirdische Wesen entpuppen – Wesen, die für das menschliche Auge vollkommen unsichtbar sind und die offenbar nicht mit friedlichen Absichten auf der Erde gelandet sind. Zusammen mit zwei jungen Frauen (Olivia Thirlby, Rachael Taylor) verstecken sich die beiden Männer in einer Speisekammer – woraufhin auch Skyler dazu stößt. Nach einigen Tagen des Ausharrens wagen sich die fünf wieder aus ihrem Versteck heraus – und finden sich inmitten einer völlig zerstörten und menschenleeren Stadt wieder. Sie beschließen den Versuch zu unternehmen, sich zumindest zur US-Amerikanischen Botschaft durchzuschlagen…

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Filme über wie-auch-immer geartete Alien-Invasionen gibt es bekanntlich reichlich – woran sich vermutlich auch in naher Zukunft nicht allzu viel ändern wird. Fremde Gefahren aus dem Weltall werden eben nicht alt, beziehungsweise schaffen es nach wie vor, ein ausreichendes Interesse beim Zuschauer zu generieren. Vor allem in Anbetracht der großen, eigentlich seit Anbeginn des Medium Films bestehende Historie des Genres stellt sich dabei aber immer häufiger eine Frage: fällt den jeweils verantwortlichen Autoren, Drehbuchschreibern und Regisseuren überhaupt noch etwas neues ein; oder schaffen sie es zumindest ihren Werken eine gewisse Identität zu verpassen ? Unzählige Beispiele der jüngeren Vergangenheit sprechen eher dagegen – und doch gibt es hie und da Projekte, die vor allem hinsichtlich ihres Ersteindrucks interessant erscheinen. Wie nun auch der Action-Thriller DARKEST HOUR des amerikanischen Regisseurs Chris Gorak, der immerhin an berühmt-berüchtigten Projekten wie FEAR AND LOATHING IN LAS VEGAS oder FIGHT CLUB beteiligt war. Während sich die zugrundeliegende Geschichte zunächst etwas unspektakulär liest, so waren zumindest die Trailer ein Augenschmaus. Die Idee, die Invasoren als unsichtbare und recht skrupellos vorgehende Gestalten zu zeigen; die zudem noch über nett anzusehende Fertigkeiten wie Lichtfesseln oder molekulare Desintegratoren verfügen, verspricht jedenfalls ganz großes Kino.

Unglücklicherweise kommt es erst gar nicht dazu, dass sich DARKEST HOUR einer Beurteilung eben jener durchaus erfrischenden Idee stellen muss – da es grundsätzlich bei der einen bleibt und der Film bereits lange vor den ersten handfesten Action-Szenen massive Chancen verspielt. Tatsächlich sind es der Probleme gar nicht mal so wenige – und doch lassen sie sich grob unter einem Begriff zusammenfassen: dem berüchtigten Schema F. Abgesehen von der reinen Gestaltung und Vorgehensweise der Invasoren bewegt sich der Film schließlich auf einem allseits bekannten Terrain. Nicht nur, dass er so gut wie kaum neues wagt und einem viele Elemente vorkommen werden als seien sie direkt aus anderen Genre-Filmen übernommen – DARKEST HOUR bedient selbst die ärgerlichsten Klischees, und das ganz ohne dabei rot zu werden. Seien es die schablonenhaften Charaktere, die vielen unglaubwürdigen Vereinfachungen (alle wichtigen Charaktere, auf denen die Urlauber treffen sprechen zufällig auch ausreichend englisch), die nicht vorhandenen Survival-Elemente… spätestens, wenn vor allem die weiblichen Charaktere auch nach mehreren Tagen der Apokalypse noch immer perfekt geschminkt vor den Invasoren flüchten; kann man nicht anders als die Hände über dem Kopf zusammenzuschlagen. Das gleiche gilt sicher auch für jene Momente, in denen eine Schwachstelle der Invasoren entdeckt wird und diese im besten Fall nach kurzem Projektil-Beschuss explodieren. Dies, oder das eigentliche Design der wandelnden Bio-Bomben ist einfach nur peinlich.

Eine Peinlichkeit, über die man allerdings nur erschreckend wenig lachen kann. Tatsächlich wiesen einige Poster und Promo-Bilder darauf hin, dass DARKEST HOUR am ehesten ein Film a’la ATTACK THE BLOCK (Review) sein müsste – ein Film, der mit einem deutlichen Augenzwinkern zu betrachten ist. Das wäre vielleicht auch die bessere Lösung gewesen, aber letztendlich hat keine Form der Ironie ihren Weg in den Film gefunden. Auch die Hoffnung, dass DARKEST HOUR zumindest inhaltlich etwas mehr zu bieten hat; kann recht schnell zerschlagen werden. Spätestens aber wird es nach etwa zwei Dritteln des Films offenbar – in denen kaum mehr passiert, als dass die Protagonisten durch eine nunmehr menschenleere Großstadt ziehen. Mit der ständigen Gefahr im Rücken, versteht sich – oder auch nicht. Schließlich scheint es nicht wirklich so als hätten die Invasoren – trotz der fortschrittlichen Technologie – einen Plan; geschweige den die Mittel mögliche Überlebende aufzuspüren und auszuschalten. Somit wird DARKEST HOUR auch niemals wirklich spannend – mit Ausnahme der ersten Momente, in denen die Invasoren zum ersten Mal auftauchen. Dass dennoch einige jener Charaktere ihr Leben lassen, von denen man eigentlich annahm dass sie sicher durchkommen würden; ist zwar nett gemeint – ändert aber nichts an der allgemein reichlich konstruierten Wirkung des Films.

Die eigentliche Frechheit aber liegt dann (wie eventuell auch schon bei ähnlichen Filmen wie SKYLINE, Review) darin begründet, dass die Invasion stattfindet – mehr aber auch nicht. Folglich gab es auch keinerlei (oder zumindest wenig) Anstrengungen auf Seiten der Macher, das Ganze auch inhaltlich zu untermauern oder halbwegs glaubwürdig auszuschmücken. Wer genau hier überhaupt angreift und warum bleibt weitestgehend offen – und die Erkenntnisse zu denen man gelangt, sind ebenfalls eher nüchtern zu betrachten. Im besten – oder schlimmsten – Fall machen sie einen zweiten Teil möglich; auf den man nach einem Werk wie diesem aber sicher verzichten könnte.

Fazit: Im Falle von DARKEST HOUR stehen unsympathische und wenig glaubwürdig agierende Charaktere, miese Dialoge, eine kaum vorhandene Survival-Atmosphäre und ein riesiges inhaltliches Loch eigentlich nur einer Sehenswürdigkeit (im wahrsten Sinne des Wortes) gegenüber – dem allgemeinen Look des Films. Denn zumindest der kann ansatzweise begeistern. Durch nette Kamerafahrten, zahlreiche Ortswechsel, flotte Action-Einlagen, eine gut eingefangene Atmosphäre und nicht zuletzt die ansehnlichen und gut dosierten Spezialeffekte entsteht ein Eindruck, der kaum mit den inhaltlichen Aspekten harmonieren will. Das ist reichlich schade – erklärt aber auch, warum der Trailer einen vergleichsweise guten Eindruck hinterlassen hat. Letztendlich fallen die wenigen Vorzüge von DARKEST HOUR kaum ins Gewicht, was dazu führt dass es sich um einen vermeidbaren Invasions-Thriller handelt.

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„Ersteindruck und Endergebnis driften meilenweit auseinander.“

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2 Gedanken zu “Filmkritik: „Darkest Hour“ (2011)

  1. Grüß dich, warum nennst du im Fazit den Film DARK SKIES, du meinst wohl eher
    The Darkest Hour, war etwas später geworden gestern, was?
    na ja kann malpassieren….
    hab gesehen du bist mit einem best of PM auf youtube unterwegs. 100 bis 1 aha
    bis Mi. dann tel. noch
    CB

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