Filmkritik: „Thor 2 – The Dark Kingdom“ (2013)

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Originaltitel: Thor: The Dark World
Regie: Alan Taylor
Mit: Chris Hemsworth, Natalie Portman, Tom Hiddleston u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 112 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Fantasy / Action
Tags: Asgard | Thor | Odin | Loki | Midgard | Krieg | Artefakt

Die Geschichte des entführten Äther.

Kurzinhalt: Gerade nachdem Thor (Chris Hemsworth) den Konflikt mit dem verfeindeten Königreich Jotunheim beilegen konnte, sehen sich er und sein Götter-Vater Odin mit einem neuen Problem konfrontiert. Schließlich taucht ein gleichermaßen altbekannter wie gefährlicher Erzfeind nicht nur der Menschen und Götter, sondern vermutlich des gesamten Univerums auf: der fürchterliche Makekith (Christopher Eccleston). Er, und alle anderen Anhänger seines Volkes der Dunkel-Elfen wollen die Galaxis in die Dunkelheit stürzen – eben so, wie es vor vielen Äonen schon einmal der Fall war; als die dunkle Materie jedes Fünkchen Licht verschlungen hat. Bei seinem letzten Versuch wurde er noch knapp von Asgards Helden geschlagen – woraufhin ein sagenhaftes Artefakt, der sogenannte Äther beschlagnahmt und sicher verwahrt werden konnte. Doch nun, und ganze 5000 Jahre später scheint die Zeit wieder Reif für einen erneuten Versuch, der nur durchzuführen ist wenn die verschiedenen Welten in einem bestimmten Verhältnis zueinander stehen. Sehr zum Nachteil von Thor, seiner irdischen Geliebten und seinen Kumpanen aber scheint Makekith dieses Mal wesentlich stärker…

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Es ist nun schon das zweite Mal, dass der legendäre THOR im Rahmen der Figuren-Erweiterung des beliebten AVENGER-Franchise (u.a. IRON MAN, CAPTAIN AMERICA) in einem eigenständigen Blockbuster auf der Leinwand erscheint. Das ist indes keine große Überraschung mehr, zumindest nicht nach dem durchschlagenden Erfolg des ersten THOR aus dem Jahr 2010 (siehe Review) – ein Erfolg, der vermutlich auch weitere Sequels nach sich ziehen wird. Doch so schön das insbesondere für eingefleischte MARVEL-Fans klingen mag, überwiegt doch ein eher gemischtes Gefühl. Schließlich ist es Marvel-Mastermind Kevin Feige und Regisseur Kenneth Branagh im ersten THOR noch sehr gut gelungen, ihre gleichermaßen heldenhafte wie dezent überirdische Action mit den Elementen der nordischen Götterwelt zu kombinieren – und ganz nebenbei noch allerlei angenehme Gags einzustreuen. Das Ergebnis war demnach ein fulminanter Blockbuster mit dem gewissen Etwas – der mit rundum sympathischen Figuren, einer satten Action und einem sehr hohen Unterhaltungswert punkten konnte. Die Frage; die sich alsbald stellt, ist aber folgende: würde jenes Konzept auch einer entsprechenden Ausdehnung auf mehrere Teile standhalten ?

Betrachtet man den Nachfolger, so ist an einer zufriedenstellenden Antwort zumindest stark zu zweifeln. THOR 2 lässt schließlich nicht nur jenen erfrischenden Überraschungseffekt vermissen, der den ersten Teil auszeichnete – sondern fühlt sich auch sonst an wie ein lauwarmer Neu-Aufguss eines sich nur allzu schnell abnutzenden Franchise. Gleichermaßen interessant wie kurios dabei ist, dass man sich dessen offenbar bewusst war – und bestrebt war, dem Sequel ebenfalls gewisse überraschende Alleinstellungsmerkmale zu verpassen. Das ist an und für sich eine gute Sache; doch wenn man erst einmal betrachtet wie genau die diesbezügliche Lösung ausgefallen ist, sollte eine jegliche voreilige Euphorie schnell wieder verfliegen. Denn: die nun wesentlich häufiger auftretenden Action-Sequenzen machen das Projekt THOR langsam aber sicher zu einem kunterbunten, wenig originellen Effekt-Gewitter der Marke Michael Bay. So wird die Atmosphäre des Films schon zu Beginn auf eine harte Probe gestellt: nicht nur, dass die gesamte Einführungssequenz etwas überhastet daherkommt; bald darauf folgen schon Szenen in denen die Dunkel-Elfen Asgard angreifen. Jene Ansichten erinnern dabei nicht von ungefähr an Szenen aus einem STAR WARS-Film – die Motive, Effekte und vor allem auch die Soundkulisse lassen mitunter überdeutliche Parallelen entstehen. Das wäre vielleicht noch gar nicht so wild, würden jene Elemente auch irgendwie zu THOR oder besser gesagt dem THOR-Universum passen; doch das ist eher nicht der Fall.

Vielmehr scheint es, als hätte man sich im Rahmen des zweiten Teils an anderen Werken der jüngeren Kinogeschichte bedient – was in einem recht makaberen Mix verschiedener Genres und Eindrücke mündet. Vorbei sind die Zeiten, in denen man einen Film wie THOR noch mit einem gewissen Augenzwinkern betrachten konnte – was nicht zuletzt ein nennenswerter Verdienst des ehemaligen Regisseurs Kenneth Branagh war. Das neue Autoren- und Regieteam von THOR 2 indes holt eher zu einem Action-Rundumschlag aus; und lässt dabei ein jegliches Fingerspitzengefühl vermissen. Das hat auch zur Folge, dass die ehemals gut funktionierenden Gags und Sidekicks viel aufgesetzter wirken; und im schlimmsten Fall auch mal etwas peinlich daherkommen und zum Fremdschämen animieren. Zusammenfassend kann man daher wohl unumstößlich behaupten, dass vieles in und an THOR 2 einfach unstimmig ausgefallen ist – wobei selbst die Hintergrundgeschichte nicht vor dieser Entwicklung gefeit bleibt. Dass dieses Mal das Ganze Universum auf dem Spiel stehen soll, macht sich beim Zuschauer schließlich kaum bemerkbar. Zudem wirkt eine Prämisse wie diese leicht übertrieben, selbst für einen MARVEL-Streifen – und die dabei benutzte Technologie, das Verhalten der Charaktere und die eingesetzten Fähigkeiten und Waffen wollen erst Recht nicht dazu passen. Wenn man schon das gesamte Universum auf die Waagschale legt, auch sonst gerne mal einen metaphysischen Begriff einwirft – warum lehnt man sich ausgerechnet hier nicht weiter aus dem Fenster; zeigt beispielsweise einen Welten-Umfassenden Widerstand oder zumindest mehr als relativ handelsübliche, dezent an HERR DER RINGE erinnernde Schlacht-Szenen ? Die eher peinliche Darstellung der Welten-Konvergenz aus Sicht der Erde, sowie die Maßnahmen die letztendlich zum Fall des größten Widersachers führen; runden das Ganze nach unten hin ab.

Auf der Haben-Seite lässt sich bei THOR 2 also schon wesentlich weniger verbuchen als noch zuvor und beim ersten Teil – hauptsächlich ist hier die noch immer gelungene und noch ansatzweise spannende Interaktion der beteiligten (Haupt-)Charaktere zu nennen. Charaktere, die alle von nicht nur namhaften; sondern auch durch und durch sympathischen Darstellern verkörpert werden – sodass zumindest diesbezüglich von einem gleichbleibenden Charme zu sprechen ist. Problematisch ist aber auch hier, dass insbesondere die Dialoge verdächtig wenig zu bieten haben; und ein Großteil der Nebenfiguren eher zu kläglichen Witzfiguren avanciert anstatt das abstruse Geschehen stimmig aufzulockern. Die Qualität der Effekt lässt sich bis auf wenige Ausnahmen durchaus sehen, viele Bilder erscheinen malerisch-opulent (im Friedensfall) oder schlicht bombastisch – vornehmlich dann, wenn mal wieder die Fetzen fliegen. Der Soundtrack lässt sich inmitten des allgemeinen Getöses (welches immerhin noch nicht ganz an Materialschlachten a’la TRANSFORMERS heranreicht) allerdings kaum heraushören.

Fazit: THOR 2 lässt viel des Charmes, der guten Ideen und auch der stimmigen Mischung aus Action und Comedy des Vorgängers vermissen. DAs mag vor allem am Besetzungswechsel nicht der Darsteller, aber doch hinsichtlich des Autoren- und Regiepostens liegen – und daran dass man krampfhaft versuchte, den Zuschauer zu überraschen. Dass ist den Verantwortlichen wohl auch gelungen, allerdings in einem eher negativen Sinne – schließlich sind die überbordenden Action-Elemente eher trivial, wollen nicht so Recht zum THOR-Universum passen und wirken nicht zuletzt auch noch dreist abgekupfert. Was bleibt, ist eine einigermaßen gelungene Interaktion der Charaktere; mit einem noch immer sympathischen THOR im Mittelpunkt – alles andere ist dann nur noch bloßes, relativ uninspiriertes Popcorn-Kino. Die Marschrichtung für die potentiellen nächsten Teile scheint jedenfalls schon vorgegeben. Tritt der schlimmste erdenkliche Fall ein kommt es wohl so, wie es ein Charakter gegen Ende des Films verlautbaren ließ. Ob der Menschheit aber tatsächlich noch fünf weitere THOR-Teile fehlen, bleibt zu bezweifeln…

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„Ein weiterer Verlierer des allgemeinen Sequel-Wahns der marke Hollywood.“

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