Metal-CD-Review: RHAPSODY – Tales From The Emerald Sword Saga (Compilation, 2004)

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Alben-Titel: Tales From The Emerald Sword Saga
Künstler / Band: Rhapsody (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 23. Februar 2004
Land: Italien
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Limb Music GmbH

Alben-Lineup:

Limb Schnoor – Executive Producer
Sascha Paeth – Producer
Miro – Producer
Michael Tibes – Remastering

Track-Liste:

1. Warrior of Ice (05:59)
2. Rage of the Winter (Symphonic Version) (04:49)
3. Forest of Unicorns (03:24)
4. Land of Immortals (Remix) (04:51)
5. Emerald Sword (04:21)
6. Wisdom of the Kings (04:30)
7. Wings of Destiny (04:32)
8. Riding the Winds of Eternity (Edit) (03:48)
9. Dawn of Victory (04:49)
10. Holy Thunderforce (Remix) (04:17)
11. The Village of Dwarves (03:51)
12. Rain of a Thousand Flames (03:42)
13. Knightrider of Doom (03:59)
14. March of the Swordmaster (05:02)
15. Power of the Dragonflame (04:25)
16. Lamento Eroico (04:38)

Eine wegweisende Band verdient eine Compilation – oder ?

Ein jeder Power Metal-Konsument dürfte sie kennen – die Italiener von RHAPSODY OF FIRE, die bis 2006 noch ohne das OF FIRE unterwegs waren. Aus jener Zeit stammen auch einige der wohl bemerkenswertesten Alben der Band, die bis heute eine Art Kultstatus genießen und auch schon des öfteren auf diesem Blog hier behandelt wurden (siehe Schlagwort-Link). Vor allem für eingefleischte Fans interessant dürften dabei auch die bis dahin nur sehr spärlichen Zwischen-Releases sein – von denen man im allgemeinen weniger hört; und die nicht zuletzt etwas schwieriger zu ergattern sind. Vor allem, wenn es um die beiden Singles aus den Jahren 1998 (EMERALD SWORD) und 2000 (HOLY THUNDERFORCE) geht – heute aber soll die erste und einzige offizielle RHAPSODY-Compilation behandelt werden. Diese stammt aus dem Jahre 2004, trägt den Namen TALES FROM THE EMERALD SWORD SAGA – und beinhaltet; wie es der Name bereits verrät; einige hochkarätige Nummern der ersten fünf Alben der Band.

Sicher, über den Sinn oder Unsinn von solchen Compilations oder auch Best-Of’s kann man sich streiten – gerade im Falle einer Band wie RHAPSPODY, deren erste fünf Alben sich eigentlich bestens für eine Komplett-Verköstigung eignen. Insbesondere das Debütalbum LEGENDARY TAALES mit seiner wegweisenden, und der Nachfolger SYMPHONY OF ENCHANTED LANDS mit seiner schier revolutionellen Funktion machen es theoretisch unmöglich, einige auch alleisntehend funtkionierenden Highlights herauszupicken – und dennoch ist es geschehen. So könnte man meinen, dass die Compilation darauf ausgelegt ist das Schaffen der Italiener auch RHAPSODY-Neulingen schmackhaft zu machen, auf dass sie einen ersten und dafür gleich recht umfangreichen Einblick erhalten können. Das Problem ist jedoch, dass TALES FROM THE EMERALD SWORD SAGA diese Vorraussetzung nur schwerlich erfüllt.

Und das liegt zweifelsohne daran, dass im Rahmen der Compilation teils weniger, teils deutlicher an den einzelnen Titeln geschraubt wurde. Sie wurden nicht neu aufgenommen, das nicht – aber durch einen neuen Mastering-Prozess (der übrigens von Michael Tibes durchgeführt wurde, der zuvor nur für andere Künstler gearbeitet hat) bekommen die Nummern doch noch einen etwas anderen Schliff. Dies gepaart mit der Tatsache, dass einige Titel nicht direkt übernommen; sondern stattdessen durch Alternativ-Versionen ersetzt wurden lässt eigentlich nur einen Schluss zu: die Compilation richtet sich nicht an Neueinsteiger, sondern vielmehr an langjährige Fans der Band. Diese kommen in diesem Fall tatsächlich in den Genuss, altes RHAPSODY-Material in einer etwas anderen Art und Weise dargeboten zu bekommen. Ob sich es aber lohnt in diese Compilation zu investieren, ist eine andere Frage. Denn: bis auf den regelrechten Überraschungs-Effekt hinsichtlich des allgemeinen Sounds, einigen veränderten Auftakten (die dazu führen dass die Titel mal eine Sekunde länger, mal 1 Sekunde kürzer sind als die Originale) und den 4 alternativen Titeln hat das Werk nicht viel zu bieten. 4 alternative Titel, von denen eigentlich nur einer gerechtfertigt erscheint – doch dazu gleich mehr.

Zunächst zum Sound. Es fällt auf, dass das Mastering darauf ausgelegt war mögliche Differenzen hinsichtlich der Lautstärken auszugleichen; und die Titel auch sonst etwas näher zusammenrücken sollte. Immerhin stammen die Nummern von 5 verschiedenen Alben aus einem Zeitraum von 5 Jahren, und besonders das Debütalbum konnte noch nicht mit einem technisch rundum perfekten Eindruck punkten. Das Ergebnis allerdings ist – obwohl die Titel tatsächlich gut aufeinander abgestimmt wurden – eine mittelprächtige Katastrophe. Denn offenbar wurde nicht nur die Lautstärke angepasst, sondern auch andere Elemente – was dazu führt, dass sich einige ehemalige Kracher-Nummern merkwürdig verwaschen und teilweise etwas kraftlos anhören. Das trifft besonders auf die Beiträge vom grandiosen SYMPHONY OF ENCHATNED LANDS zu. Wenn man die Vorgängeralben noch nicht allzu gut kennt, fällt das vielleicht gar nicht mal direkt auf – ein Vergleichshören, oder besser noch eine Analyse in einem entsprechenden Audio-Programm zeigt auf, dass die Unterschiede doch recht markant sind. Die Schlussfolgerung: vielleicht hätte man die Nummern doch lieber unverändert übernommen, selbst wenn dies für einen nicht ganz so gleichförmigen Eindruck gesorgt hätte.

Es bleiben noch die Titel, die das Album vor allem für Fans schmackhaft machen, zumindest theoretisch – die alternativen Versionen. Den Anfang mach hier sogleich ein Titel, bei dem es sich wahrlich gelohnt hat. Die symphonische Version von RAGE OF THE WINTER klingt deutlich anders als das Original, und etabliert eine entsprechend differente Wirkung. Durch einen zusätzlichen Einsatz von klassischen Elementen und einem wuchtigeren Chor rückt die eigentlich auf dem Debüt enthaltene Nummer so eher an SYMPHONY OF ENCHANTED LANDS heran – was allemal interessant ist. Unglücklicherweise schneiden die anderen 3 Alternativ-Versionen längst nicht so gut, geschweige denn interessant ab: der Remix von LAND OF IMMORTALS klingt kaum anders als das Original (lediglich etwas professioneller und sauberer, was nicht unbedingt gut ist), RIDING THE WINDS OF ETERNITY ist schlicht eine verkürzte Version des Originals, und der Remix von HOLY THUNDERFORCE hat die gleichen Probleme wie LAND OF IMMORTALS.

Fazit: RHAPSODY-Neueinsteiger sollten einen großen Bogen um diese Compilation machen – sie bekommen die Musik der Italiener möglicherweise nicht so präsentiert, wie es ursprünglich gedacht war. Dafür ist nicht nur die etwas verhackstückelte Ansammlung von Titeln verantwortlich (über dessen Auswahl man sich streiten könnte), sondern auch der neue Mastering-Prozess. Dieser führt zu einem insgesamt deutlich verwascheneren Sound auf der einen, und einem technisch glattgeschliffeneren Eindruck auf der anderen Seite – was keinem dienlich ist. Somit bleiben nur eingefleischte RHAPSODY-Fans als potentielle Interessenten – doch letztendlich bekommen auch diese nur mit der symphonischen Version von RAGE OF THE WINTER etwas wirklich interessantes (und hörbares) auf die Lauscher. Die anderen Nummern klingen alle etwas anders, was für einen kurzen Moment interessant ist – doch nie kommt man um das Gefühl herum, dass hier irgendetwas nicht stimmt, nicht richtig klingt – weshalb man ebenso schnell wieder zu den Original greift. Eine Wertung anzuberaumen ist also schwierig. Wenn die Originale allesamt Klassiker sind, was sind dann die leicht veränderten Titel auf der Compilation ? Eine Frage, die einen beschäftigen könnte – aber keinesfalls zu einer Wertung führen sollte, die mit denen der Originale zu vergleichen ist. Immerhin: das Ganze ziert ein schmuckes Artwork, und zur Vervollständigung der Sammlung gehört es einfach dazu.

Absolute Anspieltipps: RAGE OF THE WINTER


60button

„Ein zutiefst ungewöhnliches Release, aber beileibe keines der besseren.“

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