Filmkritik: „Glanz & Gloria – Der Film“ (2012)

glanz-und-gloria_500

Originaltitel: Glanz & Gloria
Regie: Andreas Coupon
Mit: Alexander Marcus, Ines Aniol, Aykut Kayacik u.a.
Land: Deutschland
Laufzeit: ca. 104 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Komödie
Tags: Alexander Marcus | Electrolore | Musikvideo | Pop | Schlager | Satire

Überlanges Musikvideo oder der erste Elektrolore-Blockbuster ?

Kurzinhalt: Der junge Künstler Alexander Marcus lebt das wilde Leben eines erfolgreichen Popstars. Seine Beliebtheit bei den Fans ist groß, zu Auftritten wird er regelmäßig gebucht – doch der Erfolg hat auch Schattenseiten. So scheint er bei seinen Konzerten kaum noch richtig in Stimmung zu kommen, ohne Drogen zu nehmen – was seine geldgierige Managerin immer wieder ausnutzt. Eines Tages dann hat er einen Anfall und wird in ein Krankenhaus eingeliefert, wo er einen harten Entzug durchmacht. In dieser Phase erkennt Alexander auch, dass es möglicherweise wichtigeres gibt im Leben als stur dem Erfolg und dem Geld hinterherzujagen – er beschließt, seinen treuen Fans etwas zurückzugeben. Und dieses etwas ist so groß, wertvoll aber auch durch und durch ehrlich; dass vor allem seine Managerin um ihre Position fürchtet. Es ist wie es ist: die meisten wollen eben doch nur Glanz und Gloria

glanz-und-gloria_00

Kritik: Achtung, Spoiler ! Vom selbsternannten König der Elektrolore Alexander Marcus (oder bürgerlich: Felix Rennefeld) gibt es nicht nur Tonträger und etliche kuriose Musikvideos – sondern auch einen Spielfilm. Dieser ist sowohl als quasi-Autobiografie der Kunstfigur Alexander Marcus; als auch als Aneinanderreihung von verschiedenen musikalischen Darbietungen zu verstehen – und damit alles andere als ein gewöhnliches Projekt. Dennoch wurde der Versuch unternommen, das Ganze mit einer Handlung auszuschmücken – die ebenfalls deutliche stilistische Züge des musikalischen Schaffens des Künstlers annimmt. Regie führte ein gewisser Andreas Coupon, der zusammen mit Alexander Marcus auch das Drehbuch zu GLANZ & GLORIA – so der hochtrabende Name des Projekts – schrieb. Das Ergebnis, und deshalb auch die Erwähnung der Parallelen zur Musik von Alexander Marcus; fühlt sich dann in etwa so an als hörte man eine CD des Künstlers – mehrmals hintereinander, und vielleicht auch nicht ganz nüchtern.

GLANZ & GLORIA erweitert das Repertoire von ALEXANDER MARCUS schließlich um nicht weniger die Komponente der Leinwand – die noch einmal einen anderen, noch expliziteren Blick auf das teilweise absurde Schaffen des Künstlers ermöglicht. Doch wie schon bei seinen Studioaufnahmen geht es in GLANZ & GLORIA weniger um die Zurschaustellung der potentiellen Qualität seiner Musik, sondern eher um ein kunterbuntes Unterhaltungsprogramm – das beileibe nicht jedermanns Geschmack treffen wird. Seinen Fans aber wird es gefallen – ein anderes Ziel als eben jene Zufriedenstellung kann man dem Projekt wohl auch kaum unterstellen. In diesem Sinne ist der gesamte Film mit all seinen Elementen auch mit einem deutlichen Augenzwinkern zu betrachten. Lässt man sich einmal darauf ein, gibt es durchaus substantielle und querverweisende Inhalte zu entdecken; die sich vor allem mit den oftmals entgleisenden Leben von Rock- und Popstars beschäftigen. Drogenkonsum, Egoismus und die Bedeutung von Freundschaften – all diese Themen werden in GLANZ & GLORIA behandelt; wenn auch auf eine reichlich makabere, dafür umso unterhaltsamere Art und Weise. So ist die im Film eingenommene Droge eine namens Egoin (welches mithilfe einer Pipette ins Ohr geträufelt wird), der entsprechende beste Freund ein kleiner Globus – und die Kommerz-orientierte Marketingmaschine wird von einer besonders dreisten Managerin verkörpert.

Schade dabei ist nur, dass der Film einige Durststrecken aufweist – und die Handlung, die Dialoge und vor allem auch die darstellerischen Leistungen schlicht unter aller Kanone sind. Sicher war dies in einem gewissen Sinne beabsichtigt, nicht zuletzt um den (positiven) Trash-Faktor des Films noch zu erhöhen – doch scheint es, als hätte man es hier stellenweise etwas übertrieben. Und so sorgen vor allem jene Szenen für den größten Unterhaltungswert, die man auch für entsprechende Musikvideos verwendet hat – alles andere wird entweder zu sehr in Richtung Satire gedrängt oder bleibt erschreckend platt. Viele gute Szenen beinhaltet der Film tatsächlich nicht – wobei das gut ohnehin Definitionssache ist und eher durch ein wohliges kurios zu ersetzen wäre. Aber selbst dann bleibt es eigentlich nur bei einer seltsamen Liebelei mit einer Holzkiste (aus bestimmten Grund wie sich zeigt), einer frechen Infiltration eines Kinderzimmers und eventuell noch einem (hungrigen) Besuch bei einem angehenden Freund – der von Musiker-Kollege BELA B. gespielt wird. Alles andere; insbesondere der Zwist der Managerin mit einer alten Freundin oder die Jagd der Polizei auf den nunmehr flüchtigen Alexander kann man dann wohl wirklich nur unter dem Einfluss gewisser Stimulanzien für gut oder unterhaltsam befinden. So wie eventuell auch die musikalischen Darbietungen, die sicher ein stückweit einfallsloser und weniger wirksam sind als noch auf den Vorgängeralben ELECTROLORE und MEGA – aber sei es drum.

Fazit: Manche Filme sind nach gängigen Maßstäben so schlecht, dass sie schon wieder gut sind. Auch GLANZ & GLORIA ordnet sich in jene spezielle Sparte des Trashfilms ein; muss sich dabei aber die Frage gefallen lassen, ob er vielleicht nicht einfach nur schlecht ist. Dies gilt insbesondere dann, wenn man den Film als eigenständiges Werk behandelt. Ist man dagegen eingefleischter Fan und betrachtet GLANZ & GLORIA eher als überlanges Musikvideo mit vielen Zwischenszenen, dann steht dem dezent wahnsinnigen Film- und Musikvergnügen nichts mehr im Weg. Allen, die nach dem Film noch immer nicht genug haben von Alexander Marcus sei noch der passende Soundtrack ans Herz gelegt – das Album GLANZ & GLORIA, ebenfalls aus dem Jahr 2012.

border_01
65button

„Elektrolore auf der großen Leinwand – Träume werden wahr. Oder waren es Alpträume ?“

filmkritikborder

Advertisements

Über Kommentare Freut Sich Jeder.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s