Filmkritik: „Family Man – Eine Himmlische Entscheidung“ (2000)

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Originaltitel: The Family Man
Regie: Brett Ratner
Mit: Nicolas Cage, Tea Leoni, Makenzie Vega u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 125 Minuten
FSK: ab 6 freigegeben
Genre: Familienfilm / Komödie
Tags: Weihnachten | Börse | Familie | Kinder | Alternative

Weihnachten – die Zeit der Chancen.

Kurzinhalt: Der eifrige Jack (Nicolas Cage) steht im Verlauf seines Lebens vor einer schwerwiegenden Entscheidung. Sollte er die Chance nutzen und sich seiner Karriere widmen, oder aber die Beziehung mit seiner Jugendfreundin Kate (Tea Leoni) ausweiten ? Jack entscheidet sich für ersteres – und verdrängt jegliche Gefühle, die er noch für Kate hegt. Tatsächlich wird er so ein recht erfolgreicher, wohlhabender Börsenmakler – doch gerade in der Weihnachtszeit plagen ihn Zweifel. Dann plötzlich will es eine Fügung des Schicksals, dass Jack eine eher ungewöhnliche Chance erhält: er soll für eine unbestimmte Zeit in ein alternatives Leben schlüpfen. Eines, in dem er sich nicht für die Karriere, sondern für seine Freundin Kate entschieden hat. Und so findet sich der reichlich verwunderte Jack nach dem Aufwachen in einem ihm fremden Haus wieder… mit einer bekannten, aber immerhin 13 Jahre gealterten Frau an seiner Seite. Anstatt eines schicken Wagens und einer Börse voll Geld findet er dann auch noch 2 Kinder vor – seine Kinder…

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Im selben Jahr, in dem Nicolas Cage einen eher raubeinigen Auto-Experten in NUR NOCH 60 SEKUNDEN verkörperte, erschien noch ein anderer Film mit ihm in einer Hauptrolle – FAMILY MAN. Wie es der Titel bereits impliziert, spielt er hier einmal nicht den abgebrühten Helden – sondern vielmehr einen erfolgreichen aber innerlich zerrissenen Wallstreet-Broker, der durch einen Wink des Schicksals einen Blick in eine alternative Version seines Lebens werfen kann. Und auch wenn das zunächst nach einem eher typischen Werk der Marke was-wäre-wenn und nach einer weiteren Version des Kult-Klassikers IST DAS LEBEN NICHT SCHÖN klingt, funktioniert das Konzept überraschenderweise gleich auf mehreren Ebenen. Schließlich ist FAMILY MAN nicht nur eine unterhaltsame bis tragische Familienkomödie, die mit ihrem skurrilen Selbstfindungsprozess perfekt in die Weihnachts-Saison passt – sondern auch eine Art Abrechnung mit den Auswüchsen des Kapitalismus. Eine vergleichsweise simpel gestrickte, eher auf Unterhaltung denn auf tiefgreifende inhaltliche Ansätze zurückgreifende zwar – aber dennoch fühlt es sich gut an, einmal einen quasi-Weihnachtsfilm zu sehen der nicht unbedingt nur auf die menschlichen Fehler eines einzelnen hinweist. Stattdessen fungiert der Hauptcharakter als zeitloses Fallbeispiel für einen rein Erfolgs-orientierten Menschen der vergessen oder verdrängt hat; dass es möglicherweise auch noch andere, wichtigere Werte im Leben eines einzelnen geben sollte.

Rein inszenatorisch wirkt FAMILY MAN dabei wie eine abgespeckte Version eines Klassikers wie UND TÄGLICH GRÜSST DAS MURMELTIER – mit einem nicht ganz so markanten Hauptdarsteller, etwas weniger originellen Ideen und sicherlich auch einigen kleineren Durststrecken. Diese entstehen vor allem zu Beginn des Films respektive der wundersamen Reise ins andere ich – wo man viel Zeit verbringt, einen reichlich verdutzt dreinschauenden Nicolas Cage zu zeigen; der nicht so recht glauben will was da um ihn herum geschieht. Erst im weiteren Verlauf nimmt der Film dann an Fahrt auf, wird deutlich emotionaler – und auch witziger; schließlich verfügt der Hauptcharakter noch immer über allerlei Wissen über Menschen, die ihn nun nicht mehr kennen. Schade ist nur, dass dieser Fakt nur selten ausgenutzt wird – eigentlich bleibt es nur bei einer Szene mit seinem eigentlichen Chef, die in dieser Hinsicht punkten kann. Immerhin sieht es in Bezug auf die gar nicht mal so typischen und damit sicher auch wieder situationsgerechten Dialoge schon wieder deutlich besser aus.

Rein technisch und handwerklich braucht sich das Projekt dann ebenfalls nicht zu verstecken – eben weil es so bodenständig daherkommt und statt auf Spezialeffekte eher auf hübsche Szenenaufbauten und ein gewisses Gefühl der Heimeligkeit setzt. Fraglich bleibt nur, ob man mit Nicolas Cage tatsächlich den Richtigen für diese Rolle verpflichtet hat – sein Spiel wirkt einstweilen etwas starr und hölzern. So bleibt es hauptsächlich an seinem weiblichen Gegenpart Tea Leoni, einen Großteil des Charmes zu versprühen. Weitere Höhepunkte finden sich immer dann, wenn die junge Makenzie Vega (die wohl für die größten Empathien sorgen kann) Szenen mit ihrem Film-Vater hat – wobei es fast schon wieder schade ist, dass er derer nur so wenige sind. Der gelungene Soundtrack von Altmeister Danny Elfman rundet das Ganze dann in emotionaler Hinsicht ab – mit der Gefahr, dass doch mal die ein oder andere Träne fließt; auch wenn es sicher wesentlich eindringlichere, magischere Weihnachtsfilme gibt. Dennoch: ein klein wenig von eben jener Magie schimmert auch hier durch.

Fazit: FAMILY MAN ist ein gelungener, überraschend substanzieller Weihnachtsfilm. Einer, der zwar keine nennenswerten qualitativen Spitzen aufweist; sich aber dennoch sehen lassen kann – vor allem natürlich in der Weihnachts-Sasion, wo die Sensibilität für das behandelte Thema noch einmal deutlich präsenter ist. So vermag es FAMILY MAN mit seinem ansprechenden Mix aus emotional-anrührenden und dezent komödiantischen Elementen nicht nur über weite Strecken gut zu unterhalten – sondern vermittelt auch eine wichtige und zeitlose Botschaft. Diese sollte im vorliegenden Fall verständlich genug ausfallen, dass der Film auch im Kreise der gesamten Familie verköstigt werden kann oder sollte.

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„Ein rundum solides, dezent anrührendes Werk zur Weihnachtszeit.“

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