Spieletest: THE BUREAU: XCOM DECLASSIFIED (2013, PC)

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Originaltitel: THE BUREAU: XCOM DECLASSIFIED
Veröffentlichungsdatum: 23. August 2013
Entwickler: 2K Marin
Publisher: 2K Games / Sports
USK: Ab 18 / keine Jugendfreigabe
Genre: Action / Taktik-Shooter
Tags: X-Com | Aliens | Invasion | USA | Agenten | Technologie | Kampf

Diese Special Agents haben einiges auf dem Kasten.

Inhalt: Im Jahre 1962 steht die geheime X-COM-Organisation vor einer Herausforderung nie dagewesenen Ausmaßes – Außerirdische haben es offenbar auf die Erde abgesehen und machen sich in vielen Städten breit. Doch nicht nur das, die fremden Wesen planen außerdem, die überlebenden Menschen zu transformieren – und als potentielle Arbeitskräfte mit in ihre Heimatwelt zu nehmen. Was genau die Invasoren vorhaben soll Agent William Carter herausfinden – ein grundsätzlich enorm fähiger Mann mit einer tragischen Vergangenheit. Dabei enthüllt er nach und nach einen Plan, der nicht nur ihn beunruhigt – und der alle Beteiligten schnell andere akute Probleme wie das des Kalten Krieges vergessen lässt. Es geht um nicht weniger als die Rettung der Welt – und die Vertreibung der Außerirdischen Mächte. Und auch wenn William Carter dabei nicht allein vorgehen muss, wird das eine alles andere als leichte Angelegenheit…

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Nach BIOSHOCK 2 ist THE BUREAU: XCOM DECLASSIFIED das erst zweite Spiel aus dem Hause des Entwicklerstudios 2K MARIN. Als Auskopplung der X-COM-Reihe, die bereits im Jahre 1994 und unter MICROPROSE ihren Ursprung nahm; wurde das Projekt zunächst als reiner Ego-Shooter angekündigt – bevor man einen Kurswechsel vollzog und das Ganze deutlicher in Richtung eines Taktik-Shooters mit dezenten Rollenspiel-Elementen bewegte. Das Ergebnis ist ein Spiel, welches vor allem hinsichtlich seiner Storyline interessant erscheint – ob man sich nun als Kenner der X-COM-Reihe bezeichnen würde oder nicht. Denn: X-COM steht in diesem Fall für Extraterrestrial Combat Force; eine Organisation, die aus dem Verborgenen heraus weltweite Einsätze zwecks der Verhinderung einer Alien-Invasion durchführt. Und so startet auch THE BUREAU: XCOM DECLASSIFIED recht schnell durch, was seine inhaltlichen Ansätze betrifft: zunächst als unkoordinierte und zufällige Zwischenfälle eingestufte Vorfälle entpuppen sich schnell als groß angelegte Invasion von feindlichen Außerirdischen. Das klingt zunächst ein wenig abgedroschen und ist sicher auch nichts neues, gerade im Bereich der PC-Spiele – doch mindestens zweierlei Aspekte sorgen dafür, dass die Story von THE BUREAU: XCOM DECLASSIFIED zu einer der ersten und klarsten Stärken des Spiels avanciert.

Zum einen wirkt das vorgestellte Setting erfrischend – da man nicht auf eine Handlung in der Zukunft setzt; sondern eine die im Jahre 1962, und damit inmitten der Wirren des Kalten Krieges stattfindet. Dies gepaart mit dem Aufkommen von Außerirdischen, die sich einer sehr fortschrittlichen Technologie bedienen sorgt für eine interessante Atmosphäre – und einem ansprechenden Spiel aus alten und absolut futuristischen Elementen. So ist es beispielsweise bezeichnend, wenn die Protagonisten des Spiels allesamt der typischen Mode der 60er-Jahre frönen – aber hochtechnisierte Waffen und Gerätschaften von Außerirdischen in der Hand halten. Der zweite Aspekt für die gelungene Handlung liegt in der großzügigen Ausstaffierung derselben begründet: die Alien-Invasion bleibt alles andere als vorhersehbar und wird nicht wirklich nach einem Schema F erzählt. Ohne an dieser Stelle zu spoilern, kann das in etwa bedeuten dass sich Feinde als Freunde oder zumindest eigentlich Unbeteiligte herausstellen können, die Drahtzieher der Invasion gänzlich andere sind als erwartet – oder, dass der Hauptprotagonist des Spiels möglicherweise nicht immer er selbst war und ist. Diese Form der Science Fiction in einem PC-Spiel zu erleben, ist beileibe angenehm – erst Recht, wenn dabei auch noch die beteiligten Charaktere vergleichsweise gut abschneiden und alle ihre Profilierungs-Momente erhalten. Zahlreiche Zwischensequenzen lockern das Ganze dann nicht nur auf, sondern liefern weitere Informationen und treiben die Handlung voran.

Das hört sich nicht von ungefähr nach einem soliden Aufbau, nach einer guten Voraussetzung für ein gelungenes Spiel an – wären da nicht die Probleme mit dem Spiel, oder eher gesagt dem Spiel-Erlebnis an sich. Tatsächlich ist THE BUREAU: XCOM DECLASSIFIED nur rein inhaltlich ein potentieller Hochkaräter – sobald man als Spieler selbst Hand anlegen muss, steht schnell fest dass das Spiel hinsichtlich des Gameplays teils erhebliche Defizite aufzuweisen hat. Und das liegt gar nicht mal am Taktik-Part des Spiels, der insgesamt eine gute Figur macht und den Titel angenehm von gradlinigen Haudrauf-Shootern distanziert. Doch bereits mit eben jenen Gefechten (die man stets mithilfe der Leertaste unterbrechen respektive stark verlangsamen kann, um seinen beiden Mitstreitern Befehle zu geben) fangen die Probleme auch schon an. Denn was müsste ein Spiel wie THE BUREAU: XCOM DECLASSIFIED mit Sicherheit haben, um auch in diesen Situationen (die immerhin das eigentliche Aushängeschild des Spiels sind) brillieren zu können ? Richtig, eine ausgefeilte KI. Doch genau daran scheint es teilweise erheblich zu hapern. Noch zu verzeihen ist, dass sich viele der Gegner eher schlecht als recht Deckung suchen – und einzelne Körperteile so gut wie immer ein Stückchen hervorragen. Viel schlimmer wiegt der Fakt, dass sich ausgerechnet die eigenen Kameraden das ein ums andere mal absolut kopflos verhalten – ob man ihnen nun einen Befehl erteilt hat oder nicht.

Von daher ist es fast schon wieder vorteilhaft, dass man lediglich zwei seiner rekrutierten Pappkameraden befehligen kann – denn die allein sorgen stellenweise schon für ein regelrechtes Durcheinander. Nur selten suchen sie sich eine vernünftige Deckung, sie reagieren kaum wenn sie direkt vor einem Gegner stehen – und kommen so auch des öfteren um. Das heißt, nur fast – denn THE BUREAU: XCOM DECLASSIFIED sieht vor, dass man kurz vor dem Tod aus einer Art Schwächezustand wiederbelebt werden kann. Das geschieht mit einer Art Riechsalz, was an sich gut funktioniert und das Spiel etwas fairer erscheinen lässt – doch auch wenn man seine Kameraden (oder auch sich selbst) so gut wie immer vor dem sicheren Tod retten kann, stimmt es etwas nachdenklich dass viele dieser Ausfälle hätten vermieden werden können – würde die KI nur etwas besser reagieren. Denn auch jene Riechsalz-Situationen sind nicht immer glaubwürdig inszeniert – wenn ein Kamerad beispielsweise direkt von einem vor ihm stehenden Gegner niedergestreckt wird und man ihm zur Hilfe eilt, kann es vorkommen dass der Gegner seine Angriffe kurz pausiert – eben so lange, bis beide wieder auf den Beinen sind.

Dennoch macht der Taktik-Part des Spiels Spaß – auch wenn die Momente, in denen man die Leertaste bemühen wird stets recht vorhersehbar sind. Das Problem ist nur, dass sich die Kämpfe im Endeffekt zu stark ähneln – und man eigentlich gar keine besondere Taktik anberaumen muss, um zum Erfolg zu kommen. Oftmals gilt es eben doch nur, stupide auf ein Ziel draufzuhalten – für etwas Abwechslung sorgen dann nur die verschiedenen Methoden. Beispielsweise können Geschütztürme installiert, mechanische Helfer ins Leben gerufen, Artellerieschläge oder Präzisionsschüsse angeordnet und Selbstschutz-Maßnahmen anberaumt werden – alles inmitten des Kampfes und mit einer recht unkomplizierten Handhabung. Aufgrund des teilweise etwas merkwürdigen Waffen-Verhaltens wird man auch nur selten eine direkte Konfrontation suchen – zumindest das Zielen mit der rechten Maustaste ist unabdinglich, wenn man überhaupt etwas treffen möchte.

So ausgewogen das Verhältnis aus der guten Story, dem insgesamt als durchschnittlich zu betrachtenden Taktik-Shooter-Part auch scheint – es gibt ein weiteres Problem. Und das offenbart sich immer dann, wenn man gerade nicht an Gefechten beteiligt ist und die Levels erkundet. Diese sind nämlich alles andere als interessant – und dienen eigentlich nur dazu, den Spieler von Gefechtspunkt A nach Gefechtspunkt B zu bewegen. Denn zu entdecken gibt es hier – mit Ausnahme einiger verstreuter, seltsam blinkender Fotos, Briefe oder Audioaufnahmen nichts – es sei denn, man zählt die überall herumliegenden Waffen und Munition dazu. Diese wird man aber ohnehin nur selten aufnehmen – ist man erst einmal gut bestückt, wird man kaum zu einer schlechteren Waffe greifen, und da es nur zwei Munitionstypen gibt (konventionelle und außerirdische) ist eigentlich immer für ausreichend Nachschub gesorgt. Alles andere, was zumindest einen rein optischen Reiz entfachen könnte, ist dann schnell aufgezählt. Einige herumstreunende ‚Hypnotisierte‘ (mit denen man nicht interagieren kann), hier und da mal einige betretbare Gebäude, ein Abschnitt in dem man durch knietiefes Wasser waten muss – und das war es dann auch schon gewesen.

Die Folge: das Leveldesign bleibt katastrophal, auch wenn besonders einige der späteren Abschnitte (in Alien-Umgebungen) schon wesentlich interessanter erscheinen. Zu schlauchig und beengt ist die Gesamtgestaltung, es gibt keine alternativen Routen, viele Gebäude bleiben ein bloßes Zierwerk, die Umgebung ist nicht zerstörbar, man kann weder Fahrzeuge benutzen noch bereits bestehende Geschütztürme bemannen. Ja, nicht einmal springen oder klettern kann man – nur hinter allerlei Mauern in Deckung gehen. Im Zusammenspiel mit anderen fehlenden Möglichkeiten entsteht so ein recht nüchterner Eindruck – warum man nicht beispielsweise allerlei Materialien aufsammeln kann um sich eine Waffe oder eine Gerätschaft zu bauen, bleibt schleierhaft. So ist man eigentlich nur mit sich selbst und seinem Inventar beschäftigt – dass auch nicht wirklich als solches zu bezeichnen ist, sondern eher als Befehls-Feld. So gibt es zum Beispiel auch keine Medipacks, sondern eine Heil-Funktion – die nach einer entsprechenden Abklingzeit immer wieder verfügbar ist, ebenso wie alle anderen Spezialfähigkeiten der Spielfiguren. Immerhin: die Figuren können durch gesammelte Erfahrungspunkte leveln, sodass sich nach und nach neue und stärkere Fähigkeiten freischalten lassen, was zumindest teilweise für einen gewissen Motivationsschub sorgen kann. Einen weiteren Überblick über alle potentiellen Positiv- und Negativaspekte versucht die folgende Aufstellung zu geben:

Handlung und Präsentation
  • Interessante, gut ausgearbeite Grundgeschichte
  • Markantes Zusammenspiel von verschiedenen Eindrücken (zeitlich, technologisch)
  • Markante Haupt- und Nebencharaktere
  • Auflockernde, teils gehaltvolle Zwischensequenzen
  • Guter Spannungsbogen, es bleibt furios bis zum Finale
  • Andeutung von politischen & gesellschaftlichen Hintergründen
  • Verschiedene Enden möglich
  • Hauptquartier als Sammelpunkt und Rückzugsort…
  • … in dem es nicht immer spannend zugeht

9.0/10

Grafik und Design
  • Allgemein erfrischender Eindruck
  • Hübsche Effekte und Partikel
  • Gute Trefferanimationen
  • Gesten der Figuren wiederholen sich
  • Gegner-Design wiederholt sich
  • Teilweise für das Jahr 2013 deutlich altbacken wirkende Grafik
  • Schlauchiges Leveldesign
  • Lippenbewegungen stark asynchron
  • Keine zerstörbaren Umgebungen oder Elemente

6.5/10

Sound
  • Gut vertonte Figuren
  • Stimmiger Soundtrack mit 60er-Jahre-Flair
  • Teilweise etwas zu wenig / zurückhaltende Umgebungsgeräusche

8.5/10

Spielwelt, Umfang und Atmosphäre
  • Interessanter Taktik-Part
  • Spannende Hauptquests
  • Gefühl des Vorankommens
  • Rekrutierung / Ausrüstung / Anpassen von Agenten mit verschiedenen Klassen
  • Einige Dialog-Optionen und sammelbare Informationen in Form von Texten…
  • … bei denen es letztlich keine Rolle spielt, was man wählt / sich ansieht oder auch nicht, es sei denn man möchte alle Hintergrundinformationen erfahren
  • Eher nutzlose Agenten-Quests
  • Etwas lieblose Nebenquests
  • Waffen unterscheiden sich nicht wirklich
  • Insgesamt schwache KI
  • Nur vorgetäuschte Entscheidungsfreiheit
  • Spezialfähigkeiten nutzen sich schnell ab
  • Beengtes Spielgefühl, wenige Möglichkeiten

4.0/10

Bedienung, Balance, Bugs
  • Fordernder Grundschwierigkeitsgrad
  • Unkomplizierte Menüs
  • Überspringbare Dialoge und Zwischensequenzen
  • Spiel ist an Steam gebunden
  • Maue Grafikoptionen
  • Kein freies Speichern, nicht immer faire automatische Speicherpunkte
  • Nur zwei Waffen gleichzeitig tragbar, bei Kameraden nur eine

7.5/10

Ungefähre Spielzeit in Stunden: 15

Fazit: Die Grundidee, der gesamte Handlungsverlauf und die ansprechende Komponente des Taktik-Parts machen eines klar – dass aus THE BUREAU: XCOM DECLASSIFIED locker ein Top-Titel hätte werden können. Dieses Ziel wurde aber letztendlich klar verfehlt – und das aus scheinbar schludrigen Gründen. Während man über kleinere Schwächen hinsichtlich der etwas kargen Grafik (wenn es mal nicht effektreich kracht oder in Alien-Gebiete geht) oder dem Wiederholungs-Effekt der taktischen Gefechte noch hinwegsehen kann, sieht es in Bezug auf die für das Spiel so wichtige KI und die offerierten Möglichkeiten schon wesentlich schlechter aus. Denn: abseits der sich einstweilen etwas hakelig spielende Gefechte, in denen die Kameraden manchmal mehr zu einer Belastung denn zu einer Hilfe werden; gibt es einfach nicht viel zu entdecken. Insbesondere das enorm schlauchige, beengte Leveldesign mit seinen mal sichtbaren, mal unsichtbaren Grenzen und die vielen ungenutzten Möglichkeiten (Gebäude bestehen nur aus Fassaden, mann kann kaum mit der Umwelt interagieren) schmälert das Spielvergnügen teils enorm – und drückt die grundsätzlich dichte Atmosphäre. Das ist besonders ärgerlich, da man mit einigen wenigen Handgriffen wesentlich mehr aus dem Spiel hätte herausholen können – sodass es seiner interessanten Story zumindest ansatzweise gerecht wird. Das aber ist nicht geschehen – sodass es bei einer eingeschränkten Empfehlung für alle Freunde der Science Fiction und dezent taktisch angehauchten Shooter bleibt.


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„Ein Fest der verspielten Chancen.“

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