Filmkritik: „12 And Holding – Das Ende Der Unschuld“ (2005)

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Originaltitel: Twelve And Holding
Regie: Michael Cuesta
Mit: Conor Donovan, Jesse Camacho, Jeremy Renner u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 94 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Drama
Tags: Unschuld | Kindheit | Aufwachsen | Schicksal | Freundschaft

Wer hat gesagt dass es leicht ist, erwachsen zu werden ?

Inhalt: Der Weg ins Erwachsenendasein ist nicht leicht – erst recht nicht, wenn man bereits in der Kindheit mit gewissen Problemen belastet ist. Und so stehen auch die jeweils 12-jährigen Kinder Jacob (Conor Donovan), Leonard (Jesse Camacho) und Malee (Zoe Weizenbaum) vor ganz unterschiedlichen Herausforderungen. Leonard war wie viele andere Mitglieder seiner Familie schon immer etwas dicker und wird deswegen von seinen Mitschülern gehänselt, Malee sucht – obwohl es für Außenstehende befremdlich wirkt – eine Art Vaterersatz im alleinstehenden Gus (Jeremy Renner); und Jacob musste mit ansehen wie sein Zwillingsbruder Rudy in einer verhängnisvollen Nacht durch einen von Jugendlichen geworfenen Brandsatz getötet wurde. Auch wenn ihre Schicksale nicht direkt miteinander in Verbindung stehen, so haben sie doch alle mit einer verlorenen Unschuld zu tun – die hoffentlich später, manchmal aber eben auch deutlich früher eintritt und das Leben der weder kindlichen noch erwachsenen Freunde gehörig auf den Kopf stellt.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Michael Cuesta’s DAS ENDE DER UNSCHULD ist ein Coming-Of-Age-Drama wie es im Buche steht – und gleich drei gleichermaßen bemerkenswerte wie emotional aufwühlende Geschichten von vom Schicksal gebeutelten Heranwachsenden porträtiert. Tatsächlich funktioniert die bodenständige Inszenierung, und hauptsächlich auch die recht zunächst geschickt anmutende Verwebung der einzelnen Geschichten anständig – wenn auch nicht perfekt. Das wiederum hat mehrere Gründe, von denen sich ein wichtiger auf den Status des Projekts als Low-Budget-Produktion bezieht. Denn: dass dem Film ein Budget von angeblich 400.000 US-Dollar zur Verfügung stand sieht man nicht wirklich, im Gegenteil. Die gesamte Aufmachung von DAS ENDE DER UNSCHULD erinnert eher an ein aus einem Hobby heraus entstandenes B-Movie-Projekt als an ein leinwandtauglich inszeniertes Drama. Dabei bleibt fraglich, in wie weit dies den produktionsrelevanten Aspekten allein geschuldet ist – und welchen Anteil die Verantwortlichen selbst an der regelrechten kinematografischen Tristesse tragen. Schließlich fallen auch Dinge als eher amateurhaft auf, die wenig mit zur Verfügung stehenden Mitteln; als vielmehr der eigenen Inspiration in Verbindung gebracht werden können. Sei es das ständige Bedienen von allgemeinen Klischees, die schwachen Dialoge oder der kritische Faktor der kaum aufkommenden Empathie – vieles in und an DAS ENDE DER GEDULD wirkt in einem regelrechten Schnellschuss-Verfahren durchgeboxt und nur selten so, als hätte man sich wirklich Gedanken über das wie und was gemacht.

Doch nicht nur bezüglich der optischen und handwerklichen Aspekte (von denen eigentlich nur die Kameraführung und der Schnitt überzeugen können) kommt der Film einstweilen ins Stottern, auch inhaltlich scheint man sich nicht wirklich im klaren darüber gewesen zu sein; wohin die Reise letztendlich gehen sollte. Zu den 3 präsentierten Haupt-Geschichten kommen schließlich noch einige weitere Nebengeschichten hinzu – die man jedoch allesamt wieder mit einer gewissen Irrelevanz attribuiert, wenn es am Ende doch eine der eingangs erwähnen Geschichten ist, die man deutlicher in den Fokus rückt. Dabei sind die behandelten Themen die man in DAS ENDE DER UNSCHULD letztendlich behandelt, relativ deutlich erkennbar: es geht nicht nur um den Faktor der Pubertät als ‚Erwachen‘ der Kinder aus ihrer Unschuld, es geht um Schicksalsschläge und was man aus ihnen macht; es geht um einen Versuch für etwaige persönliche und gesellschaftliche Missstände einen schuldigen zu finden. Anders gesagt: der Film spielt mit der Frage was als unausweichliches Schicksal abzustempeln ist, und welchen Einfluss man als einzelner auf sein und das Leben anderer nehmen kann – oder vielleicht auch sollte. Zu einer greifbaren Quintessenz bringt es der Film jedoch nicht – hinsichtlich seiner Interpretationsansätze bleibt er ebenso vage wie in Bezug auf den eigentlichen Schwerpunkt der Geschichte.

Fazit: DAS ENDE DER UNSCHULD mag ein ambitioniertes Drama über den Prozess des Erwachsen-werdens und die Wirren des Lebens an sich sein – doch ein Großteil seiner potentiellen Wirkungskraft verpufft aufgrund zahlreicher, grundsätzlich vermeidbarer Aspekte. Vielleicht hat man sich in diesem Fall einfach zu viel vorgenommen – die vermeintliche Komplexität der Geschichten und deren Vernetzung sowie der eins ums andere Mal doch deutlich erhobene Zeigefinger jedenfalls sprechen dafür. Hätte man sich nur auf eine der vorgestellten Geschichten fokussiert, inhaltlich nicht ganz so weit ausgeholt und sich dafür handwerklich mehr verausgabt – dann hätte hier ein solides Drama entstehen können, welches den Zuschauer auch entsprechend mitreißt. So bleibt es bei einer stark eingeschränkten Empfehlung – und einer Wertung im Mittelfeld.

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„Die (wesentlich unspektakulärere) Coming-Of-Age-Version von Iñárritu’s BABEL.“

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