TV-Kritik / Serien-Review: FALLING SKIES (Staffel 4)

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Land: USA, Kanada – Idee & Produktion: Robert Rodat, John Ryan – Stil: Science Fiction TV-Serie

Die Liste der Episoden aus Staffel 4 (Länge je ca. 45 Minuten):

01 – (22.06.2014) Ghost in the Machine | Der Geist des Widerstands
02 – (29.06.14) The Eye | Das Auge
03 – (06.07.14) Exodus | Exodus
04 – (13.07.14) Evolve or Die | Evolution oder Auslöschung
05 – (20.07.14) Mind Wars | Verhandlungssache
06 – (27.07.14) Door Number Three | Angstzustände
07 – (03.08.14) Saturday Night Massacre | Eine dunkle Nacht
08 – (10.08.14) A Thing With Feathers | Begrabene Hoffnung
09 – (17.08.14) Till Death Do Us Part | Bis dass der Tod uns scheidet
10 – (24.08.14) Drawing Straws | Das Los entscheidet
11 – (31.08.14) Space Oddity (1) | Himmelfahrtskommando
12 – (31.08.14) Shoot The Moon (2) | Mitten ins Herz

Ob der Himmel nun fällt oder nicht – es geht in die vorletzte Runde.

Inhalt: Nachdem jene, die die groß angelegte Alien-Invasion überlebten es abgelehnt haben sich unter der Beaufsichtigung der Volm in ein geschütztes Areal in Brasilien zurückziehen; geht der tagtägliche Überlebenskampf weiter. Doch sind es längst nicht mehr nur die krabbelnden Skidder, die der Gruppe um Tom Mason und dessen Familie das Leben schwer machen – die sogenannten Overlords trauen sich immer öfter aus ihren Verstecken; und versuchen den letzten Überlebenswillen der Menschen endgültig zu brechen. Um das zu erreichen haben sie große Lager eingerichtet – in die man die gefangengenommenen Menschen bringt und bis auf weiteres ausharren lässt. Derweil planen die Overlords eine neue Strategie um den Sieg der Espheni unausweichlich zu machen: neben den plötzlich auftauchenden Umerziehungscamps für Kinder setzen sie alles daran, ihre Technologie zur Umwandlung der Menschen zu perfektionieren. Demnach würden die Überlebenden ihren freien Willen verlieren, zu unmenschlichen Bestien mutieren und den Espheni dienen. Doch noch sind die Volm – trotz der Abwesenheit ihrer Hauptstreitkräfte – nicht aus dem Spiel, und auch die genetisch veränderte Mason-Tochter Lexi scheint eine wichtige Rolle im weiteren Verlauf des zermürbenden Krieges zu spielen. Doch bleibt es weiterhin unklar, auf welcher Seite sie steht…

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Kritik: Wie auch immer man die neue, mittlerweile vierte Staffel der US-Amerikanischen Sci-Fi-Serie FALLING KIES angeht; eines erscheint dabei fast sicher: zu einem großen und unverzichtbaren Hit würde die Serie nicht mehr avancieren. Insgesamt betrachtet, und unter Einbeziehung aller vorheriger Staffeln (siehe Link) versteht sich – die allesamt mit ähnlich grundsätzlichen Problemen zu kämpfen hatten. Nur die allererste Staffel schnitt als noch relativ erfrischender Serien-Auftakt überdurchschnittlich gut ab – ein Auftakt, der zunächst vieles versprach und den Zuschauer somit auch über einige der offensichtlich vorhandenen Schwächen hinwegsehen ließ. Danach jedoch sah es eher düster aus für das Franchise mit seinem ständig schwankenden, nicht immer dem Begriff der Science Fiction gerecht werdenden Fokus: ein wirkliches Gefühl für die groß postulierte Bedrohung durch die Espheni respektive Skidder entstand nicht. Und obwohl der Fokus stark auf die Charaktere und deren Interaktionen ausgelegt war, blieben viele jener Porträts eher uninteressant und wurden vor allem nicht immer glaubwürdig ausgeführt. Die eher mittelmäßigen Special-Effects und die unspektakulären Schauplätze, zahlreiche Logik-Löcher, gänzlich unbeantwortete oder dreist verschobene Fragen sowie ein insgesamt eher hölzernes Schauspiel rundeten das Ganze hinsichtlich eines leicht unterminierten Mittelmaßes ab.

Doch nun folgte die vierte Staffel – die einerseits die altbekannten Schwächen der Serie übernimmt, andererseits aber auch für einen dezent frischen Wind sorgt. Und das ist eine Überraschung, die auf mindestens zwei Aspekte zu beziehen ist: zum einen geht es inhaltlich etwas anders zu als noch in den Staffeln zuvor, und zum anderen wurde angekündigt dass es im Anschluss nur noch eine fünfte Staffel geben wird – danach würde erst einmal Schluss sein mit FALLING SKIES. Gerade das erscheint dann gleich in doppelter Hinsicht erleichternd: weder wird die Serie endlos und somit belanglos fortgesetzt (was eventuell zu befürchten war), noch wird sie ein urplötzliches Ende aufgrund einer frühzeitigen Absetzung finden. Die Verantwortlichen haben also durchaus noch die Chance, einiges zu reißen. Auch wenn sie FALLING KIES zusammenfassend betrachtet sicher nicht mehr auf den Thron der Science Fiction-Serien hieven können, sollten sie zumindest noch für ein rundes, eventuell überraschendes und nicht zuletzt zufriedenstellendes Ende sorgen. Denn das sind sie den Zuschauern schuldig – vor allem all jenen, die während der zweiten und dritten Staffel reichlich zu kämpfen hatten und immer wieder auf einen späteren Zeitpunkt vertröstet wurden.

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Zu Beginn der Staffel ist Lexi noch ein Kind…

Immerhin: die vierte Staffel scheint als Auftakt des nun bereits greifbaren, großen Serien-Finales einen Schritt in die richtige Richtung zu gehen. Das liegt nicht unbedingt daran, dass sich im Hinblick auf die typischen Problemfelder des Franchise wesentliches getan hat – sondern vielmehr daran, dass aufgrund einiger inhaltlicher Experimente und Ansätze ein vergleichsweise hoher Unterhaltungsfaktor entsteht. Das Ergebnis ist dabei nicht zwingend qualitativer als das, was man bereits zuvor in FALLING SKIES gesehen hat – doch fühlt es sicher allemal besser an als ein allgemeiner inhaltlicher Stillstand oder eine Ansammlung von bloßen Filler-Episoden. Anders gesagt: man wagt es kaum einzuschätzen welche der neuen Ansätze tatsächlich gut zu FALLING SKIES passen, doch allein dass sie da sind und sich die verantwortlichen Drehbuchschreiber mal etwas weiter aus dem Fenster gelehnt haben als sonst; sorgt überhaupt erst für neuen Diskussionsstoff.

Die eine große Neuerung findet sich demnach in einer, man nenne es überspitzten Weltkriegs-Analogie: die überlebenden Menschen in der vierten Staffel von FALLING SKIES finden sich eingepfercht in umzäunten Arealen wieder, die nicht von ungefähr an die Konzentrationslager aus dem Dritten Reich erinnern. Doch bleibt es nicht allein dabei, denn auch nach der (leider sehr unglaubwürdig inszenierten) Befreiung geht es weiter mit auffälligen Parallelen: die Espheni versuchen eine neue Taktik in Form von Umerziehungslagern um junge Menschen zu instrumentalisieren, die anderen verbleibenden Menschen verschanzen sich in einem halbwegs sichereren und strategisch gut gelegenen Gebiet; während die Aggressoren immer wieder versuchen es entweder einzunehmen oder alle sich hier aufhaltenden zu bombardieren. Die Alliierten (in diesem Falle die Volm) wollen zwar helfen, können es aber nicht; noch nicht – da ein Großteil der Streitkräfte momentan anderswo im Einsatz ist. Hierbei handelt es sich um einen Ansatz, der nicht immer wirklich gut mit dem Serien-Universum von FALLINK SKIES zu harmonieren scheint, nicht sehr originell ist und stellenweise etwas abgedroschen wirkt. Dennoch: betrachtet man das Ganze nüchtern, erscheint ein Konzept wie dieses gar nicht mal so abwegig im Serien-internen Kontext.

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Wohl aber auch nur, und das ist die große Einschränkung – da die wahren Beweggründe der Espheni schleierhaft bleiben und ausgerechnet diese wichtige Partei reichlich planlos vorzugehen scheint. Sie probiert in akuten Feldsituationen eher Taktiken aus, als dass sie das Gefühl einer umfassenden Strategie vermittelt. Demnach bleibt auch dieses Mal ein Faktor aus, der die Wirkungskraft der Serie schon länger schmälert: die Außerirdischen treten zwar als Bedrohung auf, wirken respektive verhalten sich aber nicht so. Wenn es selbst eine kleine Gruppe von Menschen schafft, einen derartigen Widerstand zu leisten; muss man sich doch fragen wieso die Invasion überhaupt erfolgreich war. Der Einschub, dass man die Menschen vorsorglich dezimieren wollte, um mit den Überlebenden entsprechende Schindluder zu treiben; wirkt dabei auch nicht wirklich sinnig. Wenn die Espheni die Menschen kontrollieren oder gar zu willenlosen Sklaven machen wollen – offenbar setzen sie alles daran, sonst würden sie alle restlichen Überlebenden einfach eliminieren – dann haben sie selbst auf einen Großteil ihrer neuen Armee verzichtet; schlicht indem sie so radikal vorgegangen sind.

Überhaupt scheint eines der größten Probleme der Serie weiterhin darin zu liegen – in den Hintergründen bezüglich der Invasion, und auch im Hinblick auf die Interaktion der auftretenden Alien-Rassen. Anders gesagt: die Crux liegt in nicht weniger als dem eigentlichen Kern der Serie begraben. Offenbar scheinen nicht einmal die Macher selbst zu wissen, woraufhin das Ganze letztendlich hinauslaufen wird – und so befinden sich die verschiedenen Strategien und Motivationen weiterhin in einem munteren Wechselbad der Entwicklungen. Doch nicht nur dass der Serie der rote Faden somit beinahe vollständig abhanden kommt und man sich jedes mal ob eines neuen inhaltlichen Schwerpunktes wundern muss – vieles wirkt einfach nur an den Haaren herbeigezogen und derart konstruiert, dass man sich fragen muss ob die Verantwortlichen tatsächlich ein ungefähres Bild vor Augen haben – oder stets eine Art Würfelspiel über den weiteren Verlauf der Handlung anberaumen. Die Tatsache, dass FALLING SKIES seinen Charakteren auch weiterhin schier unmöglich zu lösende Probleme serviert (die dann natürlich relativ unbeschwert gelöst werden, wenn man nur stark genug an sich und seine Nation glaubt) macht es nicht unbedingt besser oder glaubwürdiger.

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Neben der Nazi-Analogie findet sich dann noch eine weitere potentielle Offenbarung; die sich dieses Mal eher auf einen einzelnen Charakter bezieht. Wirklich überraschend ist das nicht, denn dass mit Lexi irgendetwas nicht stimmen könnte wurde bereits zuvor angedeutet. Dennoch postuliert FALLING SKIES gerade diese charakterliche Entwicklung als einen der Höhepunkte der vierten Staffel – das entstandene Ergebnis ist aber erneut mit einem recht zwiespältigen Gefühl zu betrachten. Eher nicht, weil der gesamte Auftritt der genetisch veränderten Mason-Tocher oberflächlich an einen gewissen weiblichen Charakter aus GAME OF THRONES erinnert – sondern vielmehr, da er mindestens ebenso viele inhaltliche Vor- als auch Nachteile mit sich bringt. Beispielsweise ist es nur gut und sinnig, dass Lexi für einige der vielleicht Charakter-intensivsten Momente sorgen kann, ihr zunächst undurchsichtiges Spiel für allerhand spannende Interaktionen sorgt – andererseits aber erscheint auch hier vieles nicht wirklich durchdacht und in einem regelrechten Schnellschuss-Verfahren inszeniert. Ihr kaum zu kontrollierendes Innenleben, ihre scheinbar plötzlich wechselnden Ansichten – hier wurde schlicht massenhaft Potential verspielt; indem man auch hier vieles genau so zurechtgebogen und vereinfacht hat, auf dass es möglichst problemlos in den weiteren Kontext des Drehbuchs zu adaptieren wäre.

Einen weiteren Hinweis auf das hin- und her oder auch weder-noch Verfahren der Macher findet sich dann in Bezug auf das große Staffelfinale, in dem jener für die Staffel repräsentative Auftritt von Lexi sich auch schon wieder dem Ende neigt. Zumindest offenbar, aber solange nichts anderes ersichtlich ist sollte man davon ausgehen. Dass ihr Ableben nach all den charakterlichen Aufbauphasen wenig sinnig erscheint – erst Recht nicht in Form einer merkwürdigen Kamikaze-Aktion – ist das eine; immerhin bekommt man hier die ersten handfesten Weltraum-Szenen der Serie zu sehen. Dass die Macher so eine potentielle Schwierigkeit (die schier mannigfaltigen Kräfte von Lexi, die Kriegs-entscheidend sein könnten) aus dem Weg räumen wollten, das andere. Wie man es auch dreht und wendet; es scheint als ginge man in FALLING SKIES immer den einfachsten aller Wege – so hanebüchen oder konturiert das im Endeffekt auch anmuten würde. Immerhin kann man der Serie eines nicht abschlagen: ihren Spannungsfaktor. Der ist zwar irgendwo primitiv, aber auch enorm; wofür vor allem einige inhaltlichen Andeutungen verantwortlich sind. Wird tatsächlich noch eine weitere, vielleicht noch mächtigere Alien-Rasse erscheinen ? Wie wird der Kampf der Menschen und der Espheni ausgehen, welche Rolle werden die Volm dabei spielen (deren Mutterschiff man frecherweise für eine gefühlte Sekunde zu sehen bekommt) ? Somit ist die eigentliche Stärke der Serie schnell gefunden: die Macher schaffen es trotz aller Widrigkeiten und Ärgernisse, den Zuschauer bei Laune zu halten und ihn auch in Zukunft an da Franchise zu binden. Immerhin erscheint da nun nicht mehr ganz so dreist wie eventuell noch zuvor – schlicht, da man nun weiß dass nach der fünften Staffel von FALLING SKIES das Licht ausgehen wird. Dennoch: die vielen Ungereimtheiten (wie in Bezug auf die Espheni als gefühlt machtlose Aggressoren), Unglaubwürdigkeiten (wie in Bezug auf das weiterhin gesicherte Überleben der nicht selten kopflos agierenden Hauptcharaktere) und diskutablen Ideen (die Weltkriegs-Analogien, die deutlichen Parallelen zu Werken von Stephen King oder nun auch Stanley Kubrick) werden den Zuschauer auch weiterhin anstrengen.

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Es wäre schön, wenn die Weltraumszenen aus dem Staffelfinale nicht die letzten sein würden…

Fazit: Auch die vierte Staffel von FALLING SKIES reißt das qualitative Serien-Ruder nicht so drastisch herum, wie es nötig gewesen wäre – doch immerhin steigert man sich im Vergleich zu den schier endlosen beiden vorherigen Staffeln. Das macht sich vor allem im in Bezug auf den allgemein erhöhten Unterhaltungswert bemerkbar, der im Vergleich zu den beiden vorherigen Staffeln deutlich besser abschneidet. Neue inhaltliche Ansätze, ein stärkerer Sci-Fi-Bezug in Form neuer Technologien und insgesamt intensivere Charakterporträts sorgen dafür, dass es nicht mehr ganz so langatmig und uninspiriert zugeht wie noch zuvor. Leider bleibt es trotz allem und noch immer bei den alten Schwächen – die sich vor allem in Bezug auf hanebüchene Anwandlungen der Charaktere, das stellenweise hölzerne Schauspiel und ein zutiefst glattgeschliffenes Drehbuch ohne großartige inhaltliche Kniffe widerspiegeln. Auch wenn man in Anbetracht der zweiten und dritten Staffel geneigt war nicht mehr daran zu glauben: FALLING SKIES hätte als neuerliche Sci-Fi-Serie mit Charakterbezug tatsächlich ein enormes Potential gehabt. Ein Potential, des letztendlich verschenkt wurde – doch die Chance, es sich nicht auch noch vollständig mit den tapferen, immer wieder auf Besserung hoffenden Stammzuschauern zu verscherzen; hat man im Zuge der fünften Staffel noch. Der Weg ist jedenfalls geebnet…

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„Weiterhin meilenweit von einer Sci-Fi-Offenbarung entfernt – doch nicht mehr ganz so ärgerlich wie zuvor.“

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