Filmkritik: „Das Ende Der Geduld“ (2014)

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Originaltitel: Das Ende Der Geduld
Regie: Christian Wagner

Mit: Martina Gedeck, Mohamed Issa, Hassan Issa u.a.
Land: Deutschland
Laufzeit: ca. 90 Minuten
FSK: ab 6 freigegeben
Genre: Drama / Thriller
Tags: Kirsten Heisig | Gericht | Jugendliche | Neukölln | Straftäter

Irgendwann ist es erreicht, das Ende der Geduld…

Kurzinhalt: Die Jugendrichterin Corinna Kleist (Martina Gedeck) ist konsequent, wenn es um die Ahndung von Fällen jugendlicher Gewalt geht. Mit ihrem neuen Konzept, welches eine noch schnellere und transparentere Bestrafung innerhalb des unübersichtlichen Juristen-Dschungels vorsieht; macht sie sich aber nicht nur Freunde – und stößt auf teils heftigen Widerstand. Dennoch hält sie eisern an ihrer Vision fest – und will so auch dem bald 14-jährigen Rafiq (Mohamed Issa), der als Drogenkurier für seinen älteren Bruder unterwegs war; eine Chance in Form einer gerechten Strafe geben. Doch auch wenn Rafiq grundsätzlich einsieht dass er einen Denkzettel wie diesen verdient hat; mischt sich sein großer Bruder, der libanesische Clanboss Nazir (Hassan Issa) immer wieder in den Prozess ein – und versucht einen Teil der begangenen Straftaten zu vertuschen. Der immer heftigere Konflikt scheint sich dabei auch immer deutlicher im Privatleben der Beteiligten zu manifestieren. Nicht zuletzt Corinna Kleist muss so – und trotz ihrer guten Absichten – beginnen, um ihr eigenes Leben zu fürchten.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! DAS ENDE DER GEDULD ist ein Spielfilm, der teilweise auf einer wahren Begebenheit basiert – und grob das Leben und Wirken der Berliner Juristin Kirsten Heisig beleuchtet, die sich im Jahre 2010 unter seltsamen Umständen das Leben nahm. Ihr zuvor veröffentlichtes, gleichnamiges Buch diente dabei ebenfalls als Grundlage für die heute vorgestellte ARD-Produktion. Ein großer Teil der Aufmerksamkeit des Buches, und folglich auch des Films gilt dem sogenannten Neuköllner Modell; ein Konzept, welches eine härtere und vor allem schnellere Strafverfolgung von jugendlichen Intensiv-Tätern vorsieht. Genau hier setzt der Film auch an – und zeigt nicht nur wie es zu jenem neuerlichen Konzept kam; sondern schildert auch anhand eines (fiktiven) Präzedenzfalles, welche Schwierigkeiten aber auch potentielle Vorteile das knapp 4 Jahre alte Modell in seiner anfänglichen Anwendung offenbarte. Bemerkenswert dabei ist, dass die nicht selten verloren wirkende Position der Juristin im Zusammenspiel mit den jugendlichen Kriminellen und dem trägen Räderwerk der Politik ein interessantes gesellschaftliches Spannungsfeld offenbart. Eines, das nichts von seiner Aktualität und Brisanz verloren hat – und trotz des anberaumten Fokus nicht ausschließlich auf Jugendliche mit einem Migrationshintergrund festzunageln ist.

So kann der Spielfilm DAS ENDE DER GEDULD den Zuschauer im besten Fall für ein eher unangenehmes und sich bestenfalls hinter verschlossenen Türen behandeltes Thema sensibilisieren, und zu Diskussionen über den Sinn oder Unsinn einer vergleichsweise frühen und harten Strafe für junge Intensivtäter anregen. Abgesehen von dieser potentiellen Stärke sieht es dann aber vergleichsweise düster aus: wer erwartet einen expliziten Blick auf das Leben und Wirken von Kirsten Heisig werfen zu können wird ebenso enttäuscht wie alle, die sich in Bezug auf eine wie auch immer geartete Ursachenforschung etwas mehr gewünscht hätten als das Bedienen gängiger Klischees. DAS ENDE DER GEDULD bleibt in dieser Hinsicht verdächtig oberflächlich, und macht es dem Zuschauer mit seinem schwankenden und niemals wirklich tiefgreifenden Fokus vergleichsweise leicht – vielleicht auch ein stückweit zu leicht. Ein noch stärkeres Herausarbeiten der ursprünglichen Intention von Kirsten Heisig sowie eine noch kritischere Herangehensweise an das Thema hätten dem Film so noch weitaus mehr Zündstoff geben können.

Fazit: DAS ENDE DER GEDULD ist eine solide Produktion des Öffentlich-Rechtlichen Fernsehens im Rahmen der Themenwoche Toleranz – mit inhaltlichen Schwächen, einem Hang zur Vereinfachung und einem unspektakulären, aber insgesamt zufriedenstellenden handwerklichen Part. Allen, die auch nur ansatzweise an der Thematik interessiert oder vielleicht sogar direkt involviert sind, kann der Film als zusätzliches und leicht verständliches respektive oberflächliches Anschauungsmaterial dienen – doch ob er auch den zufällig zuschaltenden Gelegenheitszuschauer sinnig abholt, ist eine andere Frage.

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„Ein quasi-Biopic welches zum Nachdenken anregt und ein ungutes Gefühl hinterlässt – berechtigterweise.“

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