Filmkritik: „Godzilla“ (2014)

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Originaltitel: Godzilla
Regie: Gareth Edwards (II)
Mit: Aaron Taylor-Johnson, Bryan Cranston, Ken Watanabe u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 123 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Sci-Fi / Fantasy / Action / Drama
Tags: Godzilla | Muto | San Francisco | Japan | Kreatur | Atomkraft

Der einzig wahre Kampf der Giganten… ?

Kurzinhalt: Bei Bohrungen auf den Philippinen kommt es im Jahre 1999 zu einem spektakulären Fund – man entdeckt ein uraltes, riesiges Skelett; welches man keinem bisher bekannten Lebewesen zuordnen kann. Auch zwei Kokons werden entdeckt – der eine ist offenbar noch intakt, der andere leer. Kurz darauf kommt es in einem japanischen Kernkraftwerk zu einem Super-Gau – wobei der dort arbeitende Amerikaner Joe Brody (Bryan Cranston) seine Frau verliert. Obwohl es unwahrscheinlich scheint, dass die beiden Ereignisse miteinander in Verbindung stehen; bleibt Joe skeptisch – und forscht auch 15 Jahre nach dem schlimmen Zwischenfall noch an den wahren Hintergründen der Katastrophe. Die Regierung hat das Gebiet um den alten Reaktor zwischenzeitlich verriegelt, angeblich aufgrund tödlicher Strahlung – doch auch davon lässt sich Joe nicht abhalten. Als sein nunmehr erwachsener Sohn ihn besuchen kommt, schafft Joe es ihn für seinen hoffentlich letzten Ausflug in das Gebiet zu gewinnen. Beide gelangen in das Sperrgebiet, werden gefangengenommen und bald darauf mit einer furchteinflößenden Kreatur konfrontiert – die sich offenbar von Kernkraft ernährt und somit schier unaufhörlich wächst. Joe hatte also doch recht – die Regierung versuchte offenbar, die Existenz dieser Kreatur zu verschleiern. Doch damit ist es spätestens jetzt vorbei: die Kreatur entkommt mit einem unbekannten Ziel, und auch auf der anderen Seite der Erde scheint sich etwas großes zusammenzubrauen…

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Zum wievielten Male das japanische Monster GODZILLA mit dem neuesten Hollywood-Erguss von Gareth Edwards tatsächlich auf der Bildfläche erscheint, ist kaum noch zu zählen. Aber: klammert man den fernen Osten als Ursprungsland des Franchise einmal gedanklich aus, wird die Auswahl schon wesentlich dünner. Letztendlich, und ohne die zahlreichen Nachahmungen oder ähnliche Genre-Filme mit Monsterbezug einzubeziehen; ist hier eigentlich nur die 1998’er Hollywood-Version von Roland Emmerich zu nennen – in der GODZILLA die US-Großstadt New York unsicher machte. Trotz der relativen Frische des Franchise in den USA, den über 100 Millionen Dollar Produktionskosten und den zahlreichen namhaften Darstellern aber blieb das Projekt eher uninspiriert, fand zu keiner eigenen Identität – und die expliziten komödiantischen Einschübe sorgten wenn überhaupt für einen erhöhten Unterhaltungswert, aber nicht für eine wie auch immer geartete Atmosphäre. Vor allem aber wirkte der dargestellte GODZILLA eher zahm, sein Auftreten relativ plump und kitschig – trotz oder gerade wegen seiner oberflächlichen Zerstörungswut. So kommt man nicht umher zu sagen, dass Emmerich’s Version nicht selten wie ein überdimensionales Puppenspiel wirkte – was ein sicherlich treffender Begriff in Anbetracht der entsprechenden Originale aus Japan ist, doch in der überteuerten und effektgeladenen Kinoversion a’la Hollywood ging viel vom Charme der legendären Monster-Geschichten verloren.

Der Weg, den der neue GODZILLA geht ist wiederum ein anderer; wenn auch nicht in Bezug auf finanzielle Zurückhaltung – schließlich übertreffen die Produktionskosten die des alten Hollywood-Godzillas um mehr als nur eine handvoll Millionen Dollar. Doch eines fällt dann doch recht schnell auf: der 2014’er Film ist wesentlich düsterer und wirkt wenn man so apokalyptischer als alles, was man jemals in Bezug auf das beliebte Riesenmonster gesehen hat. Und dass nicht nur, weil GODZILLA nicht allein unterwegs ist und gleich 2 beinahe ebenso mächtige Gegenspieler bekommt – was zu einer insgesamt deutlich Horror-lastigeren Atmosphäre führt. Doch letztendlich verpufft der Effekt relativ schnell – vornehmlich, da man ihn durch eine viel zu typische und klischeehafte Familiengeschichte mit reichlich Pathos konterkariert. So weiß der Film dem Zuschauer kaum nahezulegen, was nun schwerer wiegt – das einige Riesenmonster drohen die ganze Welt zu verwüsten; oder dass Mitglieder einer einzelnen Familie in Lebensgefahr schweben. Dieses Problem haben nicht wenige Hollywood-Filme, die dem Zuschauer stets nur eine handvoll Identifikationsfiguren an die Seite stellen; und ein weltumfassendes Problem eher in Bezug auf einen einzelnen Familienkosmos ausführen. In diesem Fall aber wirkt es besonders bezeichnend, zumal die Familie gleich 2 schwere Schicksalsschläge respektive Verluste erfährt und der erwachsene Sohn (der eigentliche Hauptprotagonist des Films) nun eine zusätzliche Verpflichtung durch den Tod seiner Eltern auf sich lädt. Doch wird der Film durch Elemente wie diese nicht gehaltvoller – zumal die Charakterzeichnungen bis auf wenige Ausnahmen viel zu statisch und uninteressant bleiben.

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Aber in erster Linie ist es gar nicht erst die reichlich typische, auf die Tränendrüse drückende und somit eher leidige Familiengeschichte, die die Wirkungskraft des Films zu schmälern weiß. Eines der größeren Probleme ist schließlich, dass die verantwortlichen Drehbuchautoren offenbar eine Art Würfelspiel veranstaltet haben – bei dem man aus einigen vorgefertigten Möglichkeiten gewählt hat, anstatt sich tatsächlich Gedanken über den Sinn oder Unsinn des Films zu machen. Man kennt es: viele Hollywood-Filme haben mal mehr und mal weniger offensichtliche Fehler, sind nicht immer logisch – doch was sich hier und im Kontext von GODZILLA abspielt, ist geradezu kultverdächtig. Im negativen Sinne, versteht sich – und unter Berücksichtigung dessen, dass sich der Film absolut ernst nimmt und somit auch keine begünstigenden Trash-Anleihen aufweist. Dabei sind es nicht einmal potentielle und / oder schwer zu entdeckende Logik-Fehler, die stören – sondern schlicht die schiere Ansammlungen von Zufällen. Zufälle, die mal wichtigen Charakteren das Leben retten, es ihnen nehmen, sie zusammenführen – oder es anders gesagt ermöglichen, dass das Drehbuch so weiterverfolgt werden kann wie geplant. Die Tatsache, dass sich die Ereignisse in GODZILLA über den gesamten Globus ausbreiten macht es da nicht besser; im Gegenteil – sie führen nur zu noch mehr unglaublichen Zufällen und wundersamen Begegnungen.

So kann man sich wahlweise darüber ärgern, dass im Sinne des geradezu fantastischen Drehbuchs immer alles perfekt zusammenpasst – oder über die zahlreichen weiteren Ungereimtheiten. Sei es, dass sich GODZILLA und die beiden anderen Kreaturen ausgerechnet in der Heimatstadt des Hauptprotagonisten treffen und somit dessen junge Familie in Gefahr bringen, sei es dass GODZILLA offenbar immer so taucht dass er möglichst wenig Menschenleben gefährdet (um gleich danach eine ganze Stadt zu zerlegen), sei es dass die Marine keinerlei Sicherheitsabstand zu einem schwimmenden GODZILLA einhält und stets mit ihm mithalten kann, sei es dass man die Monster eher gewähren lässt und die Hoffnung auf ein weiteres (GODZILLA selbst) anstatt auf eigene militärische Kräfte setzt… aber den riesigen GODZILLA wann immer es geht dennoch mit Raketen und handelsüblichen Projektilen beschießt. Die Liste ist lang, und grundsätzlich beliebig fortzuführen. Zwar nicht unendlich – doch wesentlicher ausführlicher als in so manch anderem Vergleichswerk, von denen selbst die Emmerich-Version eine wesentlich bessere Figur hinsichtlich der allgemeinen Glaubwürdigkeit und somit vielleicht auch der Übertragung eines gewissen Gefühls einer Bedrohung macht. Bereits diese Schwächen trüben den Blick auf das Projekt GODZILLA deutlich – der Fakt, dass es so gut wie keine neuartigen Enthüllungen oder inhaltliche Kniffe gibt (beispielsweise über den Ursprung der GODZILLA-Widersacher) spielt somit auch nur noch eine untergeordnete Rolle.

Es bleibt, GODZILLA als das zu betrachten was er vielleicht sein wollte; abzüglich seines stupiden Story-Gerüstes: ein bombastischer Actioner mit Monsterbezug, in dem die ganze Welt als Spielwiese dient und entsprechend auseinandergenommen werden kann. Doch mit Ausnahme dessen, dass jene Szenen einen Großteil der Produktionskosten verschlungen haben; kann man schlicht… nicht viel sehen. Dass der Film insgesamt eher düster gehalten ist, begünstigt diesen Eindruck – schlimmer wiegt da wohl nur die Tatsache, dass bis zur ersten handfesten Action eine gewaltige Vorlaufzeit anberaumt wird; und in früheren Kampfszenen plötzlich Schnitte gesetzt werden noch bevor diese richtig beginnen. Aber nicht nur das – selbst die seltenen Kampf- und Zerstörungsszenen sehen einfach nicht gut aus. Sie mögen teuer und aufwendig zu realisieren gewesen sein – doch der tatsächlich vermittelte Eindruck ist verdächtig flach und wenig atemberaubend. Hier und da stürzen ein paar Häuserzüge um, schlagen Raketen ein, wälzen sich beinahe vollständig in schwarz gehüllte Riesenmonster im Schutt der Großstadt – und drumherum sorgen sich die Hauptprotagonisten (oder eher der Hauptprotagonist) um das Wohl seiner Liebsten. Nicht nur, dass anspruchsvolles Kino anders aussieht – der neue GODZILLA funktioniert nicht einmal als sinnbefreite Monster-Mär mit einem exklusiven Fokus auf die Action; da diese eigentlich kaum vorhanden ist. Viele andere der technischen Aspekte schreien zudem förmlich danach, aus anderen Filmen übernommen worden zu sein – wie etwa der Soundtrack, der sich stellenweise anmaßt Stimmungen aus Kubrick’s 2001: ODYSSEE IM WELTRAUM zu kopieren. Oder das Monster-Design, welches vor allem eingefleischten Manga- und Animefans bekannt vorkommen sollte; beispielsweise in Bezug auf den Kokon auf dem alten Atomkraftwerk-Gelände (siehe DIEBUSTER).

Fazit: Autsch, das hat gesessen. Die Neuverfilmung oder eher Neuinterpretation von GODZILLA ist ein Reinfall in mehrerlei Hinsicht – und das in einem solchen Ausmaß, dass dagegen selbst eine krude Version wie die von Roland Emmerich geradezu glänzt. Vielleicht ja auch nur, weil sie einfach mehr GODZILLA beinhaltet. Von den argen inhaltlichen Missständen über die wenig zufriedenstellende Action bis hin zum katastrophal-konstruiert und zurechtgebogenen Gesamtkonzept vermag es der neue GODZILLA zwar durchaus für eine Form des Grauens zu sorgen – aber sicher nicht im eigentlich angedachten Sinne. Zwar erscheint es leicht fraglich, auf ebenfalls nicht durchweg gelungene Filme zwecks einer Alternative zu verweisen – doch da so gut wie jeder andere auch nur ansatzweise vergleichbare Film klar die Nase vorn hat, kann oder sollte man sich vielleicht sogar dazu hinreißen lassen. Deshalb: wer auf eine sagenumwobende Creature-Action mit markanten Effekten und ordentlich Wumms aus ist sollte eher zu PACIFIC RIM (Review) greifen. Wer dagegen auf überdimensionale Kreaturen verzichten kann, aber dennoch ein heroisch-bombastisches Weltrettungs-Szenario mit einer ordentlichen Portion US-Patriotismus erleben will – der sollte einen Blick auf BATTLESHIP (Review) riskieren. Wer dagegen noch mehr will, dem bleibt kaum etwas anderes übrig als nach Fernost zu schielen – speziell in Bezug auf das Ursprungsland der Geschichten um und mit GODZILLA.

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„Hier wurde nicht nur massig Potential verpulvert – sondern auch ein Budget, was mindestens 10 anständige Actionfilme ermöglicht hätte. Ob mit oder ohne GODZILLA…“

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