Metal-CD-Review: ASTRALION – Astralion (2014)

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Alben-Titel: Astralion
Künstler / Band: Astralion (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 14. November 2014
Land: Finnland
Stil / Genre: Melodic Power Metal
Label: Limb Music GmbH

Alben-Lineup:

Dr. K. Lundell – Bass, Vocals (backing)
Arnold Hackman – Drums
Hank J. Newman – Guitars
Thomas Henry – Keyboards
Ian E. Highhill – Vocals

Track-Liste:

1. Mysterious & Victorious (05:22)
2. The Oracle (05:34)
3. At the Edge of the World (04:11)
4. When Death Comes Knocking (04:32)
5. We All Made Metal (05:41)
6. Black Sails (05:36)
7. To Isolde (05:26)
8. Computerized Love (05:26)
9. Mary Bloody (06:06)
10. Five Fallen Angels (05:14)
11. Last Man on Deck (13:16)

Nach langer Zeit endlich DAS lang erwartete Lebenszeichen von OLYMPOS MO… pardon, ASTRALION.

Wer hätte das gedacht ? Nachdem viele eingeschworene Genre-Fans mit Bedauern verfolgt hatten, dass sich die finnische Power Metal-Combo OLYMPOS MONS nach zwei sehr guten Alben auflösen sollte und die Zukunft der beteiligten Musiker ungewiss war; zeigten sich kurz darauf schon wieder unerwartete Lebenszeichen. Allerdings, und das muss man festhalten: eher im Dunkeln und ebenfalls dezent Ungewissen; denn viele werden erst gar nichts mitbekommen haben von der Gründung einer Genre-Band namens ASTRALION. Die fand im Jahre 2011 statt, und somit gute 4 Jahre nach dem letzten OLYMPOS MONS-Album MEDEVIL (Review) – doch bis auf eine wenig aussagekräftige Demo (ROADSIDE ROSE, 2011) und eine knappe Single (AT THE EDGE OF THE WORLD, 2012) haben ASTRALION bisher noch nicht allzu viel von sich hören lassen. Dass soll sich nun endlich ändern: ASTRALION ist das lang erwartete Debütalbum der neuen, musikalisch aber sicher alles andere als unbekannten gleichnamigen neuen Band aus Finnland; die prompt bei der Limb Music GmbH unter Vertrag genommen wurde.

Dass gewisse, einstweilen sogar überdeutliche Parallelen zur Vergangenheit von OLYMPOS MONS überhaupt entstehen, hat dabei zweierlei Gründe: zum einen sind der ehemalige OLMYPOS MONS-Frontmann Ian E. Highhill und Dr. K. Lundell am Bass auch in ASTRALION mit von der Partie. Und zum anderen scheint es deren, oder ein anderer halbwegs direkter Einfluss zu sein, der sich auf den allgemeinen Sound von ASTRALION auswirkt. Speziell natürlich in Bezug auf das Keyboard, die üppigen Refrains und die teils reichlich süßen, aber irgendwie doch faszinierenden Melodien. Wagt man sich daher an ein Album wie dieses heran, wird es kaum ausbleiben dass man ASTRALION auch mit den früheren OLYMPOS MONS vergleicht – ein Unterfangen welches dabei deutlich weniger negatives zu Tage bringt als eventuell erwartet.

Denn: auch ASTRALION klingen ähnlich frisch, aussagekräftig und vor allem zutiefst passioniert wie einst OLYMPOS MONS. Das ist sicher auch Ian E. Highhill zu verdanken, dessen Stimme man einfach gerne lauschte; und gewiss noch immer lauscht. Dabei erscheint es schon fast kurios, dass sich seine Auftritte bisher in Grenzen gehalten haben. Außer Frage steht, dass eine (Lead-)Stimme wie diese so manches Power Metal-Projekt nicht unwesentlich veredeln würde. Schließlich ist es vor allem seine, man nenne sie Geschmeidigkeit seiner Stimme die begeistert – und die dennoch nicht mit einem Verlust der Kraft einhergeht wie bei manch anderem. Aber vielleicht ist es auch ganz gut, dass er (s)eine gewisse Exklusivität wahrt – und sich nicht ausverkauft. So wird es vor allem sein Auftritt sein der einen mitunter Gänsehaut-auslösenden Effekt haben wird, insbesondere für alte OLYMPOS MONS-Anhänger.

Einen markanten Unterschied gibt es dann aber doch noch, betrachtet man das Konzept und das allgemeine Sound-Konstrukt von OLYMPOS MONS und ASTRALION: der Sound der erstgenannten Band ging wesentlich expliziter in die Richtung eines Fantasy-angehauchten, epischen Power Metals. ASTRALION gehen nun noch mehr über die melodische Schiene, scheinen sich von ganz alltäglichen Dingen inspirieren zu lassen; und behandeln sie auch immer wieder entsprechende Themen. Folglich lässt sich nun eher eine Vergleichsband wie SONATA ARCTICA zu Rate ziehen – aber, und das ist das schöne: mit der Kraft ihrer Anfangstage und dem inhaltlichen Schwergewicht ihrer neueren Werke. So kommt selbst eine stark balladeske oder vielleicht sogar poppig angehauchte Nummer wie AT THE EDGE OF THE WORLD vergleichsweise gut rüber – das Teil könnte man locker auf diversen Radiostationen spielen, ohne das etwaige Metal-Gegner gleich abgeschreckt werden. Und dennoch sind sie da, jene unverkennbaren Elemente die einst OLYMPOS MONS und nun auch ASTRALION auszeichnen und das Ganze stets weit weg von einem musikalischen Einheitsbrei driften lassen.

Aber auch wenn sie nun etwas anders wirken, sind vor allem drei Elemente nach wie vor mit von der Partie: eine ordentliche Portion Geschwindigkeit, satte Refrains und ein üppiger Keyboardeinsatz. Das führt dann zu diversen feucht-fröhlichen Nummern wie MYSTERIOUS & VICTORIOUS, WHEN DEATH COMES KNOCKING (trotz des Titels) oder FIVE FALLEN ANGELS – die einschlagen wie eine Bombe und sich sofort in den Gehörgängen festsetzen. Dass sie dort auch etwas länger verweilen werden, liegt zwar nicht allein an ihrer Eingängig- sondern mitunter auch schieren Klebrigkeit – doch das sollte eingefleischten Genre-Fans nicht abschrecken, im Gegenteil. Wer auch nur ansatzweise ein offenes Ohr für diverse, gern als kitschig abgestempelte Elemente hat wird bei ASTRALION voll auf seine Kosten kommen – und braucht sich dafür nicht einmal zu schämen. Warum auch ?

Es kommt schließlich ganz darauf an, wie man seine Musik verpackt und ob man ausschließlich auf Kitsch setzt oder dem auch etwas entgegenzusetzen hat. Als ausgleichende Elemente quasi, die für den nötigen schwermetallischen Faktor sorgen. Und diese finden sich auch bei ASTRALION – wenn auch etwas weniger als noch bei OLYMPOS MONS. Das Riffing ist knackig, die Soli sind furios, das Tempo zumeist angezogen; und auch der Drummer hat stets einiges zu tun. Besonders gut geht das Konzept von ASTRALION dann auf, wenn schier allgegenwärtige, aber im Metal nicht allzu oft behandelte Themen aufgegriffen werden – wie etwa in COMPUTERIZED LOVE, das die wohl genialsten Riff-Linien des gesamten Albums anzubieten vermag. Aber auch MARY BLOODY ist verdammt interessant – auch hier ist es erneut die Symbiose aus geradezu zuckersüßen und etwas härteren Elementen, und seien sie rein inhaltlicher Natur. Selbst Balladen wie TO ISOLDE wirken um ein vielfaches glaubwürdiger, ansprechender und intensiver als vieles; was in den letzten Jahren als obligatorisches Beiwerk auf diversen Genre-Alben Platz gefunden hat.

Und: wie auch immer es nun auch ASTRALION schaffen, manche verstehen es einfach gute Refrains zu schreiben. Solche, die derart hymnisch und pompös ausfallen dass man meint sie schon einmal gehört haben zu müssen – doch das ist wohl kaum der Fall. Trotz dessen, dass das Genre nicht gerade für Innovationen bekannt ist – nein, auch ASTRALION sind nicht wirklich als innovativ zu bezeichnen – gibt es noch immer Bands, die für frische Eindrücke sorgen können. Selbst, wenn sie vielleicht gar nicht mal so frisch sind wie angedacht. Wenn sie aber mit einer entsprechenden Spielfreude und Ausdruckskraft präsentiert werden, macht das vieles wieder wett – und das trifft auf so gut wie alle Nummern des vorliegenden Albums zu. Einzig und allein eine Nummer wie WE ALL MADE METAL löst dann leicht gemischte Gefühle aus. Ganz allgemein widmen sich schließlich allzu viele Bands solch einer Lobpreisung des Genres; und ob diese Form der Tributzollung (und sicher auch Beanspruchung) so gut zu ASTRALION passen will… man weiß es nicht. Andererseits ist die Nummer aber auch verdammt stark. Gerade da das Tempo ausnahmsweise mal schön stampfend ist, Ian e. Highhill hier einmal mehr seine Variabilität unter Beweis stellen kann – und eine Metal-Hymne über den Metal nicht immer durch und durch Metal sein muss. So oder so ähnlich…

Fazit: Genrevertreter des Power Metal zieht euch warm an – ASTRALION sind nicht nur die quasi-Reinkarnation von OLMYPOS MONS, sondern auch ganz allgemein eine ernstzunehmende Band, die es mit so gut wie jeder anderen aufnehmen kann. Den Beweis dafür liefert man mit dem vorliegenden, gleichnamigen Debütalbum ab – das zwar nicht wirklich als spektakulär im eigentlichen Sinne zu bezeichnen ist, aber einen Heidenspaß macht und vor allem handwerklich über alle Zweifel erhaben ist. Und das in diesem Fall sogar so sehr, dass man leicht über potentielle Schwächen hinwegsehen und dem weiteren Werdegang der Band nur allzu positiv gegenüberstehen kann. Fakt ist, dass man etwaige Konkurrenzprodukte des Jahres 2014 schon mit dem Debüt locker in seine Schranken verwiesen hat.

Absolute Anspieltipps: ALLE


90button

„Willkommen und… willkommen zurück, ASTRALION.“

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