Metal-CD-Review: KALEDON – Antillius – The King Of Light (2014)

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Alben-Titel: Antillius: The King Of Light
Künstler / Band: Kaledon (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 18. November 2014
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Scarlet Records

Alben-Lineup:

Paolo Lezziroli – Bass, Vocals
Paolo Campitelli – Keyboards
Massimiliano Santori – Drums
Marco Palazzi – Vocals
Tommaso Nemesio – Guitars
Alex Mele – Guitars

Track-Liste:

1. In Aeternum (01:23)
2. The Calm Before the Storm (03:46)
3. Friends Will Be Enemies (06:18)
4. Elisabeth (05:51)
5. New Glory for the Kingdom (04:25)
6. The Party (04:24)
7. The Evil Conquest (05:50)
8. Light After Darkness (06:38)
9. The Angry Vengeance (05:14)
10. My Will (05:31)
11. The Glorious Blessing (06:06)
12. The Fallen King (08:53)

Vielleicht geht alles doch ein klein wenig zu schnell…

Nun also ist es da – das mittlerweile achte Studioalbum der fidelen Power Metaller von KALEDON. Dass die Italiener bei allen Höhen und Tiefen ihres bisherigen Werdegangs (der auch einige Besetzungswechsel vorsah) stets einen gewissen inhaltlichen Plan verfolgen, steht wohl außer Frage: auch ANTILLIUS ist ein Konzeptalbum geworden, dass auf der groß angelegten, eigens kreierten KALEDON-Sage basiert und die mit dem ersten Album begonnene Geschichte entsprechend fortführt. So kann man der Band zumindest eines schon einmal nicht absprechen – dass sie Ideen hat, sich gerne von fantastisch angehauchten Geschichten inspirieren lässt und mittlerweile eine Art Epos stemmt, dass diverse Analogien zu Genrevertretern wie RHAPSODY OF FIRE aufkommen lässt. Dementsprechend, und das ist einer der potentiellen Negativfaktoren; ist die Musik der feucht-fröhlichen Italiener aber auch alles andere als Kitsch- oder Klischeefrei. Vieles von dem, was dem Hörer nun auf ANTILLIUS geboten bekommt, hat man so oder in frappierend ähnlicher Form schon einmal gehört.

Dies ist gleichzeitig auch der größte Kritikpunkt am neuen Album, denn merkwürdigerweise scheint es, als hätten sich KALEDON noch mehr als je zuvor an gewisse Gepflogenheiten des Genres angepasst. Dort, wo früher noch ein gewisses Maß an Eigenständigkeit und auch Individualität zu spüren war, herrscht nun ein regelrechter musikalischer Einheitsbrei vor – der problemlos mit den Ergüssen zahlreicher anderer Genrevertreter zu verwechseln ist. Doch selbst diese Form des Neuaufgusses altbekannter Elemente klingt in diesem Fall nicht besonders gut, wie es bei mancher Newcomer- oder Nachahmer-Band noch der Fall sein mag – ANTILLIUS schafft es kaum, den geneigten Power Metal-Konsumenten auch nur ansatzweise zu fesseln. Dafür hapert es schlicht an viel zu vielen Stellen, die sich letztendlich in einem Oberbegriff zusammenfassen lassen: einer fehlenden Atmosphäre.

Denn so beliebig die Titel auf ANTILLIUS durcheinandergewürfelt scheinen, was keinerlei Spannungsbogen oder ein Entwicklungspotential zulässt – so fad und eintönig werden die einzelnen Nummern auch präsentiert. Das erscheint besonders insofern merkwürdig, als dass KALEDON mit ihrem Vorgänger ALTOR: THE KING’S BLACKSMITH (Review) doch schon die richtige Richtung eingeschlagen hatten – und sich nun weder auf dieses vergleichsweise gute Vorzeigewerk, noch auf ihre eigene Vergangenheit besinnen. Vielmehr scheint es, als wäre ANTILLIUS aus dem nichts aufgetaucht – ohne eine entsprechende Band-Vorgeschichte, ohne bereits etablierte Markenzeichen und mit dem Gefühl, als wäre hier eine x-beliebige Newcomer-Band am Start. Den Höhepunkt markiert hier sicher die leidlich auf Herzschmerz abzielende Ballade ELISABETH – die einfach nur peinlich ist, und kaum mit einer vergleichsweise guten wie LILIBETH verglichen werden kann

Die Folge sind grundsätzlich annehmbare Grundzutaten, doch im Endeffekt wenig effektive Gesamtkompositionen: speziell die Refrains wirken verdächtig kraftlos und ausgelutscht, das Keyboard ist viel zu präsent und trägt nicht unwesentlich zum allgemeinen Kitsch-Faktor des Albums bei; selbst in den kurzen Soli klingt es eher plump. Etwaige Instrumentalstrecken (wie im Intro oder zum Auftakt von THE EVIL CONQUEST) wirken eher dilettantisch als dass sie zur Atmosphäre beitragen würden. Nach wie vor ein kritischer Faktor ist der Leadgesang von Marco Palazzi, der noch nie als perfekt oder herausragend zu bezeichnen war – nun aber zusätzlich unter gewissen Faktoren wie dem der Eintönigkeit zu leiden hat. Seine Darbietung wirkt einfach viel zu starr, emotionslos und wenig inspiriert – vielleicht noch etwas deutlicher als auf den Vorgängern. Lediglich mit einigen halbwegs passablen Nummern wie FRIENDS WILL BE ENEMIES kann man für etwas Licht im Dunkel sorgen – auch wenn einem vor allen die Riffs verdächtig bekannt vorkommen sollten (man vergleiche den Titel einmal mit STEEL MAKER), denn wie gesagt: etwas neues machen KALEDON hier nicht.

Es erscheint reichlich schade, aber vielleicht haben sich KALEDON zu sehr in ihrer eigenen Fantasy-Geschichte vertieft und dabei mehr Wert auf die inhaltlichen als auf die musikalischen Faktoren gelegt. So interessant die Geschichte und das Konzept auch erscheinen, letztendlich hilft es nicht viel wenn es an der Präsentation hapert. Und das hat man von einer mittlerweile alteingesessenen Genre-Band wie KALEDON beileibe nicht erwarten können. ANTILLIUS serviert allen interessierten lediglich einen leicht zu verwechselnden Neuaufguss altbekannter Genre-Elemente ohne Aha-Momente oder markanten Einzelleistungen; ganz zu schweigen vom überhaupt nicht vorhanden Tiefgang. Fans der Band werden ohnehin zuschlagen – allen anderen sei aber eher davon abgeraten, eignet sich ALTOR – THE KING’S BLACKSMITH viel eher als Vorzeigewerk der Italiener. Und das nicht nur, weil Fabio Lione einen glanzvolle Gastbeitrag abgeliefert hat. Wenn KALEDON so weitermachen, wird man sie eher mit nicht ganz so guten Bands wie 4TH DIMENSION vergleichen – was sie noch weiter vom Genre-Thron distanzieren wird als je zuvor.

Absolute Anspieltipps: FRIENDS WILL BE ENEMIES, LIGHT AFTER DARKNESS


35button

„Nach dem soliden Vorgänger eine herbe Enttäuschung – trotz des scheinbar mächtigen Konzepts.“

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