Filmkritik: „The Raid 2“ (2014)

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Originaltitel: The Raid 2
Regie: Gareth Evans
Mit: Iko Uwais, Julie Estelle, Yayan Ruhian u.a.
Land: Indonesien
Laufzeit: ca. 150 Minuten
FSK: ab 18 freigegeben
Genre: Action
Tags: Martial-Arts | Einzelkämpfer | Undercover | Mafia | Blutig | Uncut

Ein Undercover-Einsatz mit ungewissem Ausgang.

Kurzinhalt: Nachdem sich Rama (Iko Uwais) hauptsächlich durch seine grandiose Kampfkunst aus den Fängen eines von Gangstern besetzten Hochhauses hat befreien können, sieht er sich als einziger Überlebender mit einer neuen Situation konfrontiert. Denn plötzlich wird er von einigen ominösen Ermittlern vor die Wahl gestellt ob er tatsächlich als Überlebender aus den Ereignissen hervorgehen, oder man seine Identität von nun an lieber geheim halten sollte. Rama entscheidet sich für die zweiteres – allein schon um die Sicherheit für seine Familie zu garantieren. Doch ist der Preis, den er dafür zahlen müsste ein entsprechender. Seine Aufgabe besteht schließlich darin, einen engen Kontakt zum Sohn eines namhaften Oberhauptes eines Syndikates herzustellen. Dass dies nicht ohne weiteres möglich wäre, ist allen klar – und so begeht Rama vorsätzlich eine Straftat, um in das selbe Gefängnis gesteckt zu werden in dem gerade auch der entsprechende Gangster-Sprössling verweilt. Tatsächlich schafft er es schnell, sich Respekt zu verschaffen – und wird somit zu einem Partner der einflussreichen Syndikats-Familie. Doch die ständige Angst, eines Tages möglicherweise doch noch als verdeckter Ermittler enttarnt zu werden, begleitet Rama auf Schritt und Tritt…

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Nach dem Überraschungserfolg THE RAID aus dem Jahre 2011 (Link zur Kritik) folgt gute 3 Jahre später der offizielle Nachfolger zum gradlinigen Haudrauf-Spektakel – der auch dieses Mal aus der Feder von Regisseur und Drehbuchautor Gareth Evans stammt. Der hatte sich vieles von dem, was nun im zweiten Teil des Franchise zu sehen ist; eigentlich schon für den ersten vorgenommen – doch hatten einige ernsthafte finanzielle Probleme dazu geführt, dass die Handlung des Films relativ überschaubar blieb und lediglich ein einzelnes Gebäude als Schauplatz herhalten musste. Dennoch war der erste Teil ein Erfolg – sodass es ihm in Bezug auf THE RAID 2 endlich möglich war, all seine Visionen umzusetzen. Die beziehen sich vor allem auf einen größeren Storyumfang im Sinne eines weitreichenden Gangster-Epos, eine breitere Schauplatzwahl und ganz allgemein etwas aufwendigeren Szenen.

So weit, so gut – doch würde THE RAID 2 wirklich mit dem Vorgänger mithalten können, der vielleicht sogar gerade deshalb so stimmig wirkte als dass ihm gewisse Schranken auferlegt wurden ? Jene Schranken wirkten sich schließlich nur auf den Umfang, die Bandbreite und vielleicht auch die Tiefe des Filmes aus – und nicht zwingend auf die letztendlich erzielte Wirkung, die stattdessen durch andere Stilmittel generiert wurde. Dass sich die Handlung beispielsweise in nur einem Gebäude abspielte, kam dem Film sogar zugute – die damit einhergehende klaustrophobische Atmosphäre und die Unmittelbarkeit der Action führten zu einem zwar überschaubaren, aber doch unvergleichlich packenden Gesamtergebnis. Fakt ist, dass Gareth Evans auch schon dem ersten Teil eine unverkennbare Identität verpasste – die vor allem aus der alles andere als handzahme Machart und allerlei kuriosen Einfällen entstanden ist. Aber, und um den Bogen zum kürzlich erschienen zweiten Teil zu schlagen: jene Ideen und gleichermaßen frischen wie rebellischen Einfälle sind glücklicherweise auch noch im Nachfolger vorhanden, und das nicht zu knapp.

Allein die Tatsache, dass in einem Film wie THE RAID seltener mit Feuerwaffen, dafür umso mehr mit den Fäusten – und allem was in einem Raum greifbar erscheint – gekämpft wird, macht ihn zu einem Action-Spektakel der etwas anderen Art. Und tatsächlich: gegen das, was dem hart gesottenen Actionfan hier präsentiert wird, sehen selbst alte Experten wie die EXPENDABLES alt aus. Der Begriff der Haudrauf-Action trifft es hier schließlich recht genau – und doch zeigt Gareth Evans auf, dass man diesen Begriff nicht automatisch mit einer gewissen Plattitüde assoziieren muss. Im Gegenteil: die Actionszenen in THE RAID 2 wirken wohl dosiert, werden geradezu virtuos in Szene gesetzt – und dabei niemals so zurechtgeschnitten dass der Überblick verloren geht. Vor allem aber macht sich bemerkbar, dass man hinsichtlich eines gewissen Gewalt-Faktors nicht sparte; so Szenen entstehen die so manchem Splatter-Film das Wasser reichen können (auch wenn diese hier deutlich anders wirken). Und, dass man einen enormen Zeitaufwand in die teils spektakulären Choreografien gesteckt hat.

Somit wird auch der Nachfolger problemlos all jene zufriedenstellen können, die sich schon an den Action-Elementen des ersten Teils nicht satt sehen konnten. Doch wäre THE RAID 2 nicht das vorliegende Sequel, wenn nicht auch neue Wege gegangen würden – die letztendlich in einer; man nenne es ausführlichen Umverpackung in Bezug auf die Actionszenen münden. THE RAID 2 präsentiert im Gegensatz zum ersten Teil eine wesentlich tiefere und komplexere Rahmenhandlung um verdeckte Ermittlungen im mafiösen Milieu – und stellt dabei hauptsächlich zwei sich gegenüberstehende Gruppierungen vor, zwischen den eine Art Waffenruhe vereinbart wurde. Dass es nicht dabei bleiben würde, war abzusehen – und so stellt THE RAID 2 dem Zuschauer einige markante Charaktere zur Seite, die entweder nach noch mehr Macht oder nach einer Form der unabhängigen Gerechtigkeit streben. Tatsächlich kann jene somit präsentierte Konstellation für einen gewissen Zündstoff, und vor allem einen erhöhten Spannungs-Faktor sorgen – zumal es sich so gut wie überhaupt nicht vorhersagen lässt, wer am Ende als Sieger hervorgehen geschweige denn die Ereignisse überleben würde.

Der Schritt, THE RAID 2 nun auch mit eine etwas ansprechenderen Rahmenhandlung zu versehen zahlt sich also aus – auch wenn Gareth Evans damit nicht der größte Wurf gelungen ist und sich letztendlich viele allseits bekannte Genre-Elemente entdecken lassen. Das Vorgehen bei einer ungewöhnlichen Undercover-Action, die Darstellung von Machtkämpfen, Familien- und Bandenkonflikten; von gesellschaftlicher Korruption und die Besinnung auf das, was zwischen all dem Machtgehabe wirklich wichtig ist – all das hat man so sicher schon in zahlreichen Filmen erleben dürfen. Immerhin hebt sich THE RAID allein durch seine weitaus rebellischere, sicher auch blutigere und unkonventionellere Machart von anderen Filmen ab – und streut immer wieder dann allerlei wahnwitzige Kampfszenen ein, wenn der Film droht etwas zu eintönig zu werden. Diese beeindrucken dann oft nicht nur durch die aufwendige Choreografie – sondern werden auch durch eine etwas andere, sehr erfrischende Art der Kameraführung gut in Szene gesetzt. Ebenfalls positiv hervorzuheben ist, dass das Tempo und die Spannung des Films anders generiert werden als beispielsweise in Hollywood üblich. Hektische Schnitte, zu dunkle Szenen oder einen nervtötender Soundtrack wird man bei THE RAID 2 also vergebens suchen.

Eines der großen Probleme des Films liegt aber ohnehin nicht darin begründet, dass sich Gareth Evans nun auch als dramatischer Geschichtenerzähler versucht – sondern darin, dass er es trotz etwaiger allgegenwärtiger guter Ideen schlicht verpasst; dem Zuschauer nachhaltige Charakterporträts zu präsentieren. Es ist merkwürdig, aber: die meisten in THE RAID 2 dargestellten Charaktere wirken derart austauschbar, dass man sie auch gleich wieder vergessen könnte. Lediglich der Hauptdarsteller Iko Uwais als Rama wird im Gedächtnis bleiben – aber wohl auch nur aufgrund seiner reinen Screentime und seiner schier atemberaubenden Kampfkunst. Interessante Dialoge, nennenswerte Ecken und Kanten von Charakteren, ein Gefühl der Empathie für die Charaktere oder schlicht eine Nachvollziehbarkeit der Situation – all diese Begriffe kennt THE RAID 2 nicht, und lässt den Zuschauer daher zumeist recht teilnahmslos auf das Geschehen blicken. Auch der Versuch, die Story noch ein wenig umfangreicher und komplexer darzustellen als sie eigentlich ist geht ehre nach hinten los: besonders der dezent wirre Auftakt mit seinen ständigen Zeit- und Ortssprüngen steht in keinem Verhältnis zum tatsächlichen Inhalt des Films.

Ein weiteres potentielles Problem wird ersichtlich, wenn man die vielen Kampfszenen einmal aneinandergereiht betrachtet und deren Eindruck mit dem des Storygerüsts vergleicht. Nicht selten wird man hier das Gefühl haben, dass Gareth Evans und Over-The-Top zwei untrennbare Begriffe sind – und selbst ein raubeiniger und schon reichlich strapazierfähiger Kollege wir RAMBO nur neidisch auf die hier dargestellten Anwandlungen der Charaktere dreinblicken wird. Dabei ist es nicht unbedingt die Tatsache, dass die hier Mitmischenden überhaupt zu allerlei hanebüchenen Aktionen imstande sind – sondern das der Versuch ausbleibt, diese Fähigkeiten auch nur ansatzweise inhaltlich zu untermauern. Ob und wie die hier kämpfenden eine Art Training unterlaufen, wie sie sich fit halten – davon ist im Film nur wenig zu sehen. Immerhin: weitere potentiell kritische Anhaltspunkte, wie etwa die Tatsache dass (in einem Milieu wie diesem) nur verdächtig wenig Feuerwaffen zum Einsatz kommen oder zumeist nur ein Gegner auf den anderen trifft während die anderen warten – lassen sich durch die Film-eigene und teilweise aus der fernöstlichen Kultur übernommen Logik erklären. Im Gegensatz zu so manchem Hollywoodfilm hat THE RAID 2 also diesbezüglich schon einmal die Nase vorn.

Fazit: THE RAID 2 ist ein kein perfekter oder so noch nie dagewesener Actionfilm – aber einer, der sich durchaus von einem Großteil der ähnlich aufgemachten Genrefilm abzuheben weiß. Der Versuch, die fulminanten Actionszenen nun auch mit einer ansprechenderen Rahmenhandlung zu versehen, geht größtenteils auf – trotz seiner relativ ausführlichen Spieldauer weist der Film kaum nennenswerte Längen auf. Umso ärgerlicher erscheint es, dass ausgerechnet die Charaktere des Films auf der Strecke bleiben – zumindest größtenteils, und unter Ausklammerung des viel Raum einnehmenden Hauptprotagonisten. Doch wird sich ein Großteil der Zuschauer THE RAID 2 nicht wegen seiner Story oder seiner Charaktere ansehen – sondern wegen seiner zahlreichen Actionszenen und seinem ungeschönten Gewaltgrad. Diesbezüglich kann man eigentlich nicht zu viel erwarten – wer den ersten Teil gesehen hat und mochte, wird auch dieses Mal voll auf seine Kosten kommen.

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„Optisch, handwerklich und choreografisch beeindruckender Martial-Arts-Actioner mit einer soliden Story und einem heftig Gewaltgrad – aber auch einem Hang zur Übertreibung und schwachen Charakterporträts.“

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