Metal-CD-Review: ORATORY – Illusion Dimensions (2000)

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Alben-Titel: Illusion Dimensions
Künstler / Band: Oratory (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 17. Oktober 2000
Land: Portugal
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Limb Music GmbH

Alben-Lineup:

Rui Santos – Bass
Marco Alves – Vocals
João Rodrigues – Drums
Ana Lara – Vocals
António Silva – Keyboards
Miguel Gomes – Guitars

Track-Liste:

1. Illusion Dimensions (01:18)
2. With Glory and Melody (06:10)
3. Fight for the Light (04:03)
4. Kingdom’s Legacy (05:32)
5. Metal Messenger (04:22)
6. In the Sky (05:10)
7. Last Prophecy (00:15)
8. Life in Another Star (04:47)
9. Rising Land (04:37)
10. Choose Your Future (05:15)
11. World of Illusions (05:24)
12. Galaxy (08:59)

Irgendetwas fehlt… aber was ?

Power Metal-Alben, die sich explizit mit fantastischen Themen und Settings voller Drachen, Kämpfen zwischen Schwerter-klirrenden Helden und allerlei mehr befassen gibt es bekanntlich zuhauf – doch solche, die einen Schritt weitergehen und nicht weniger als den Kosmos selbst besingen; schon nicht mehr ganz so häufig. Einer der interessanten Kandidaten, auf dem man aber genau das macht, findet sich auch mit ILLUSION DIMENSIONS – dem vielversprechenden Debütalbum von einer Bandcombo namens ORATORY. Die bereits 1994 gegründete Band stammt dabei ausnahmsweise mal nicht aus Italien oder dem hohen Norden – sondern aus Portugal. Ebenfalls vielversprechend erscheint, dass die Band größtenteils auf einen zweistimmigen Leadgesang setzt – Marco Alves und seine Kollegin Ana Lara wechseln sich hier in Duett-artigen Passagen ab. Somit sollte eigentlich alles stimmen; doch letztendlich wirkt dem potentiell hochkarätigen Power Metal-Fest doch noch etwas entgegen.

So finden sich zahlreiche hymnisch-schwungvolle Melodien und grundsätzlich alle Zutaten, die Genre-Fans direkt ansprechen werden – sofern man denn geneigt ist, sich von einer gewissen Portion Kitsch nicht abschrecken zu lassen. Und doch gibt es ein Problem, welches sich schon vor dem ersten intensiven Hördurchlauf der insgesamt 12 Titel abzeichnet. Unglücklicherweise betrifft dieses nicht weniger als den Sound, oder eher die Soundqualität der Band. Schließlich merkt man recht schnell, dass ORATORY einiges in Petto haben; diese Inhalte aber einfach nicht so vermitteln können wie sie es vermutlich wollten. Denn während es am Gesang nur wenig zu mäkeln gibt (die Bodenständigkeit von Marco Alves ist sogar recht angenehm), sieht es in Bezug auf die Instrumente schon wesentlich schlechter aus.

Betroffen sind dann tatsächlich auch alle beteiligten Instrumente und Musiker – von den Drums über den Bass bis hin zu den Gitarren, überall finden sich Faktoren die den Hörgenuss doch merklich trüben. Dabei sei es einmal dahingestellt, welchen Anteil die Musiker selbst daran haben – und welchen die ungünstige Produktion. Denn gerade die beschreibt eines der schwächsten Merkmale des Albums; es fehlt schlicht an Druck und Rauhheit. Eine Rauhheit, die möglicherweise einen angenehmen Gegenpol zum im allgemeinen recht lieblichen Gesang gebildet hätte – stattdessen regiert eine gewisse Form der unspektakulären Gleichförmigkeit. Einstweilen scheint man das Ganze dann durch einen exzessiven Einsatz des Keyboards ausgleichen zu wollen – was nicht immer gut funktioniert. Besonders, wenn man es eindeutig übertreibt – wie in einigen markanten Passagen in WITH GLORY AND MELODY oder FIGHT FOR THE LIGHT. Überraschend gut gelungen sind dagegen die Chorgesänge, die vor allem in den Refrains immer mal wieder auftauchen – hier stellt sich dann doch noch die erhoffte, schmetternde Wirkung ein die dem Ganzen einen zusätzlichen Bumms verpasst.

Trotz dieser Schwierigkeit im Bereich des klanglichen Gesameindrucks könnte es das Album beileibe schaffen, seine Hörer in seinen Bann zu ziehen. Vor allem natürlich dann, wenn man gewissen melodischen Spielereien und einigen süffig-süßen Ansätzen nicht abgeneigt ist. So kommen auch die seit RHAPSODY beliebten Spinett-Klänge zum Einsatz – in diesem Sinne ist beispielsweise eine Nummer KINGDOM’S LEGACY schon fast zu schön um wahr zu sein. Fakt ist aber, dass Nummern wie diese im Gedächtnis bleiben und man sich schnell beim Mitsummen ertappt. Schade ist nur, dass es ILLUSION DIMENSION insgesamt (und aufgrund oben genannter Faktoren) insgesamt an Druck und Power zu fehlen scheint – was natürlich besonders fatal auswirkt, wenn man eine Nummer wie METAL MESSENGER schreibt und präsentiert. Hier ist also noch reichlich Luft nach oben vorhanden. Die eigentlich hochkarätigen Nummern verstecken sich aber ohnehin erst im weiteren Verlauf – spätestens ab dem schön stampfenden RISING LAND ist alles in bester Ordnung. So sehr, dass man fast geneigt ist über die Sound-technischen Schwächen hinwegzusehen.

Anders gesagt: ein wenig mehr Kraft hier, ein wenig mehr Druck dort – und schon wäre aus ILLUSION DIMENSIONS ein zeitlos gutes Genre-Album geworden. Dennoch reicht es auch so noch für eine (nur leicht eingeschränkte) Empfehlung. Wer über einen vergleichsweise schwachen Drumming-Part, einen einstweilen etwas zu überschwänglichen Keyboardeinsatz und eine gewisse; man nenne es musikalische Süße hinwegsehen kann – den erwarten hier einige überraschend atmosphärische Minuten vollgepackt mit ansprechenden Melodien. Es bleibt zu hoffen, dass ORATORY sich in Bezug auf ein nächstes Studioalbum noch markant verbessern.

Absolute Anspieltipps: KINGDOM’S LEGACY, METAL MESSENGER, RISING LAND, WORLD OF ILLUSION


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„Ein melodisches Fest für alle Genre-Fans mit viel Luft nach oben – vor allem soundtechnisch. Und dennoch besitzt das Album etwas… magisches.“

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