Metal-CD-Review: ORATORY – Beyond Earth (2002)

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Alben-Titel: Beyond Earth
Künstler / Band: Oratory (mehr)
Veröffentlichungsdatum: April 2002
Land: Italien
Stil / Genre: Heavy Power Metal
Label: Dragonheart Records

Alben-Lineup:

Rui Santos – Bass
João Rodrigues – Drums
Ana Lara – Vocals
António Silva – Keyboards
Miguel Gomes – Guitars

Track-Liste:

1. Old Man’s Prophecy (03:35)
2. Living Wisdom (04:46)
3. Concilium (05:30)
4. Song of Lust (03:18)
5. Eternal (04:43)
6. Your Glory Won’t Last Forever (04:32)
7. Victory of Light (05:07)
8. Story of All Times (04:07)
9. Heroes From the Past (03:41)
10. Beyond Earth (04:00)
11. A New Quest (06:55)

Ein Schritt in die richtige Richtung ?

Man kennt sie nur allzu gut. Bands, die ein Debütalbum abgeliefert haben das vielversprechend war; aber etwaige musikalische Gelüste nicht vollständig stillen konnte – schlicht, da man weit hinter den eigentlich zu erwartenden Möglichkeiten zurückblieb. Das 2000’er Studioalbum ILLUSION DIMENSIONS (Review) der portugiesischen Power Metal-Combo ORATORY wäre in diesem Falle ein absolutes Paradebeispiel. Das Konzept war ansprechend, die Idee des zweistimmigen Leadgesangs gut; zahlreiche ansprechende Melodien fanden sich zuhauf – doch rein soundtechnisch sah es eher düster aus. Anders gesagt: dem Album fehlte es einfach an Bumms – sodass sich die angepeilte erhabene Gesamtwirkung einfach nicht besonders gut auf den Hörer übertragen konnte und vieles auf der Strecke blieb.

Und nun kommt der Nachfolger BEYOND EARTH daher – der in erster Linie wie eine Antwort auf entsprechend ins Universum gesandte Wünsche wirkt. Endlich haben ORATORY einen Sound geschaffen, der schön druckvoll durch die Boxen rauscht – schlicht, da sich alle Mitglieder noch einmal ein stückweit mehr ins zeug gelegt haben und vor allem die Abmischung und Produktion stimmen. Dass sich am Konzept der Band dagegen nicht allzu viel geändert hat, man noch immer auf kunterbunt-süße und leicht kitschig anmutende Melodien abzielt – das könnte den ein oder anderen nach wie vor dezent abschrecken. Fakt ist aber, dass die mit BEYOND EARTH erzielte Wirkung eine ganz andere ist als noch bei ILLUSION DIMENSIONS – da man die Refrains dieses Mal nicht nur heimlich mitsummen wird, sondern auch von einer grundsoliden schwermetallischen Kulisse unterstützt weiß. Besonders das Drumming profitiert von den neuen Ambitionen und dem aufgepeppten Klang der Band – sodass einer der kritischsten Faktoren des Debütalbums endlich der Vergangenheit angehört. Aber auch hinsichtlich der Gitarren hat man noch einmal ordentlich angezogen – während man das Keyboard gleichzeitig etwas weiter in den Hintergrund rückte.

Eine weitere, wenn nicht die größte Veränderung findet sich jedoch in Bezug auf den Leadgesang, an dem bereits auf dem Debüt nur wenig auszusetzen war: vorbei sind die Zeiten der Duette, Ana Lara (die auf dem Debüt eine eher untergeordnete Rolle zu spielen schien) avanciert hier zur vollwertigen Frontfrau und ersetzt somit auch ihren ehemaligen Kollegen Marco Alves. Hierbei handelt es sich um eine Maßnahme, der man gewiss mit gemischten Gefühlen gegenüberstehen wird – sorgte gerade der zweistimmige Leadgesang für einen weiteren Besonderheitsfaktor der Band. Andererseits hat es mit Ana Lara richtig getroffen; hat sie Marco Alves eine Nasenspitze voraus und vermag es sowohl mit den Ansätzen einer genretypischen Divenhaftigkeit als auch einer relativ geerdeten Stimme zu punkten. Schade ist nur, dass man im gleichen Atemzug auch die auf dem Debüt so markanten Chorgesänge nun etwas vernachlässigt – sodass das Album hauptsächlich von der weiblichen Gesangsstimme getragen wird. Was gut ist, aber den Wunsch nach etwas mehr Vielfalt zurücklässt – gerade da man auf dem Vorgänger entsprechend vorgelegt hatte.

Während man die Änderungen hinsichtlich des Sounds und der internen Neubesetzung also weitestgehend gutheissen kann, bleibt es letztendlich am typischen ORATORY-Sound, die Hörer zu begeistern. Und der ist nach wie vor dezent verträumt, hymnisch; wenn man so will poetisch – was sich in einigen besonders starken Nummern wie OLD MANS PROPHECY, SONG OF LUST oder YOUR GLORY WONT LAST FOREVER niederschlägt. Aber auch in den etwas langsameren, schön stampfenden Nummern schneiden ORATORY dieses Mal verdammt gut ab – wobei LIVING WISDOM den diesbezüglichen Höhepunkt markiert. In einige Titel scheint sie sich dann aber doch noch eingeschlichen zu haben, jene schiere Kraftlosigkeit die auch den Vorgänger betraf: besonders CONCILIUM und HEROES FROM THE PAST wirken eher verhalten und am ehesten so, als würde man hier erneut aus irgendeinem Grund hinter seinen eigentlichen Möglichkeiten zurückbleiben. Die obligatorische Ballade wird nach wie vor eine reine Geschmacksfrage sein – die STORY OF ALL TIMES ist nicht schlecht, aber gesanglich etwas merkwürdig vorgetragen. Kurios: der letzte Titel des Albums, A NEW QUEST ist nicht wirklich ein überlanges Epos – sondern beinhaltet einen Hidden Track. Doch eine soundtechnisch zusätzlich problematische Demo-Version eines halbgaren Titels des Debütalbums zu hören, dass ist in einem Fall wie diesem nun wirklich überflüssig.

Einen Großteil der mit dem Debütalbum von ORATORY einhergehenden Schwächen konnte die Band mit BEYOND EARTH zwar ausmerzen – aber leider nicht alle. Auch wenn der Sound insgesamt deutlich mehr Bumms hat als zuvor, bleibt auch dieses Mal das Gefühl nicht aus; als wäre die Band möglicherweise noch zu viel mehr imstande. Inbesondere die Keyboard-Elemente klingen noch immer viel zu unnatürlich und wie fremde Objekte in der musikalischen Szenerie. Dass der Leadgesang nun komplett von Ana Lara übernommen wird, ist ein zweischneidiges Schwert – sicherlich hat man den richtigen oder die richtige von den beiden ehemaligen Gesangskollegen erwählt, doch fehlt es dem Album so an Abwechslung und zusätzlich markanten Elementen. Dem hätte man locker entgegenwirken können, wenn man auf ähnliche Chorgesänge wie die aus dem Vorgänger gesetzt hätte – doch das ist leider nicht der Fall. Schlussendlich: man hat sich verbessert, ja – aber der Weg zum Genre-Thron ist noch lang und beschwerlich.

Absolute Anspieltipps: OLD MANS PROPHECY, YOUR GLORY WONT LAST FOREVER, BEYOND EARTH, A NEW QUEST


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„Die Verbesserungen sind spürbar, doch das Gesamtpaket stimmt noch immer nicht.“

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