Metal-CD-Review: DRAKKAR – Razorblade God (2002)

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Alben-Titel: Razorblade God
Künstler / Band: Drakkar (mehr)
Veröffentlichungsdatum: April 2002
Land: Italien
Stil / Genre: Heavy Power Metal
Label: Dragonheart Records

Alben-Lineup:

Dario Beretta – Guitars
Corrado Solarino – Keyboards
Davide Dell’Orto – Vocals
Christian Fiorani – Drums
Daniele Persoglio – Bass

Track-Liste:

1. Razorblade God (05:23)
2. Man and Machine (04:36)
3. To the Future (04:49)
4. Inferno (04:55)
5. The Matrix (05:18)
6. Galadriel‘ Song (04:22)
7. Lo Shan Shen Long Pa (05:05)
8. The Next Generation (05:08)
9. Witches‘ Dance (05:56)
10. Kingdom of Madness (Magnum cover) (06:09)

Die Verpackung ist noch lange kein Hinweis auf den Inhalt. Oder… ?

Wahrlich, mit dem Cover-Artwork zu RAZORBLADE GOD werden die italienischen Power Metaller von DRAKKAR definitiv keinen Blumentopf gewinnen. Doch es sollte bekanntlich eher um das gehen, was drin ist – und das ist in erster Linie ein Sound, der sich im Vergleich zum direkten Vorgängeralbum GEMINI (Review) weiterentwickelt; oder zumindest hörbar verändert hat. Das wiederum liegt vor allem an einem einschneidenden Besetzungswechsel, denn: für den ehemaligen Leadsänger Luca Cappellari kam Davide Dell’Orto, der so ziemlich das absolute Gegenteil von dem darstellt was sein Vorgänger verkörperte. Das waren vor allem Genre-typische Gesänge in den höchsten Lagen, endlose Power Screams – und auch mal so manch wackelige Darbietung in etwaigen ruhigeren Momenten. All das waren Elemente die zweifelsohne nicht jedermann zugesagt; aber immerhin maßgeblich zum bisherigen Gesamtbild der Band im qualitativ oberen Mittelfeld beigetragen haben.

Nun aber sieht es etwas anders aus: Davide Dell’Orto hat eine wesentliche tiefere, rauere und wenn man so will auch männlichere Stimme – was an und für sich gut ist und dem neuen DRAKKAR-Sound eine schön geerdete Note verpasst. Doch scheint es, als würde auch er noch nicht so (stil-)sicher vorgehen wie er es vermutlich könnte – bereits der Opener und Titeltrack RAZORBLADE GOD ist ein gutes Beispiel dafür. Während im Refrain alles stimmt (auch, da es erfrischend klingt einmal einen tieferen Leadsänger von einem mehrstimmigen Gesang begleitet zu wissen) sieht es in den Strophen eher düster aus – er scheint die einzelnen Noten geradezu aus sich herauszupressen, was eher nach einer merkwürdigen Form der Anstrengung als nach einer sicheren Gesangsleistung klingt. Das ist auch der Fall, wenn er sich (seltenerweise) einmal in höhere Lagen vorwagt – dann wirkt das Ganze noch gezwungener. Glücklicherweise gilt das nicht unbedingt für das gesamte Album – sodass auch er durchaus seine glanzvollen Momente hat.

Analog zum nun merklich raueren Leadgesang hat man auch hinsichtlich des Riffings und des allgemeinen Gitarrensounds angezogen – dieser klingt nun ebenfalls etwas schroffer, hie und da schon fast trashig angehaucht (wie in TO THE FUTURE) – dem gegenüber steht allerdings noch immer das schon zuvor immer wieder gerne verwendete Keyboard. Das Ergebnis ist eine interessante Symbiose aus härteren und das Ganze dezent auflockernden Elementen, die größtenteils aufgeht und es schwierig macht das Album nur noch in einzelne Genre-Schublade zu stecken. Sicher fungiert das Ganze noch immer unter dem Oberbegriff des Power Metal – doch dieses Mal führen das härtere Soundgewand, die lose Orientierung an der Metal-Szene der 80er-Jahre und ein teils progressiver Anspruch DARKKAR eher hin zum Sound der NWOBHM.

Besonders gut funktioniert der neue Ansatz immer dann, wenn noch einige der typischen alten DRAKKAR-Soundelemente durchklingen – und man dem Hörer beispielsweise einige besonders schmackig-eingängige Refrains wie in RAZORBLADE GOD, MAN AND THE MACHINE oder TO THE FUTURE präsentiert. Bleiben derlei Elemente vollständig aus, wie beispielsweise in INFERNO (das stark auf das Keyboard setzt) oder THE MATRIX, fällt die Gewöhnung schon wesentlich schwerer – auch, da hier etwaige Abmischungs-Faktoren nicht vollständig ausgereift erscheinen. Überhaupt wirkt das Album nicht sonderlich gut produziert – insgesamt klingt das Ergebnis etwas zu sauber und glattgeschliffen, während der Gesang offenbar hier und da mit gewissen Effekten versehen wurde beziehungsweise schlicht nicht immer natürlich klingt.

Etwas überraschend kommt dann eine Nummer wie GALADRIEL‘ SONG daher – die mit ihrem rein akustischen und fantastischen Anspruch nicht so recht zu diesem Album, beziehungsweise dieser Titel-Position im Mittelfeld passen will. Dennoch handelt es sich um eine vergleichsweise starke Ballade mit Tiefgang – auch wenn der Leadgesang auch hier nicht das gelbe vom Ei ist. Der nächste interessante Kandidat ist dann THE NEXT GENERATION – der einerseits eine typisch voranpreschende Power Metal-Nummer ist, andererseits aber einige interessante instrumentale Komponente ins Feld führt. Auch WITCHES DANCE mit seinem furiosen Bass-Auftakt, seinen verzierenden Keyboard-Elementen und seiner ganz speziellen Rhythmik lassen einen schnell aufhorchen – DRAKKAR gehen auf RAZORBLADE GOD wesentlich mutiger vor als noch zuvor, und sorgen so für allerlei frische, wenn nicht gar noch nie dagewesene Soundeindrücke. Doch sind die Überraschungen erst mit dem Rausschmeißer KINGDOM OF MADNESS vorüber – hier präsentiert sich die Band einmal mehr in einem Soundgewand, welches man nicht unbedingt von ihr erwartet hätte. Das Ergebnis klingt aber dennoch verdächtig gut – wohl auch, da es an alte Glanzzeiten des (Heavy) Metals erinnert und vielleicht als eine Art Reminiszenz gesehen werden kann.

Fazit: DRAKKAR sind auf ihrem RAZORBLADE GOD kaum wiederzuerkennen – ob das gut oder schlecht ist, muss ein jeder für sich selbst entscheiden. Fakt ist, dass das neue Soundgewand der Band interessant ist und sich zu entdecken lohnt – und das Album vor allem im Mittelteil noch einmal ordentlich anzieht. Vorbei sind die Zeiten des typisch-hymnischen, italienischen Bombast-Power-Metals – DRAKKAR geben sich hier so experimentierfreudig und vielseitig wie noch nie zuvor, und durchbrechen damit so manch gedachte Genre-Grenze. Wenn nun noch die Produktion etwas stimmiger ausfällt, sich Sänger Davide Dell’Orto noch ein wenig mehr ins zeug legt (oder gerade nicht, sodass mehr Lockerheit in seine Darbietung kommt) – dann steht einer glorreichen Zukunft von DRAKKAR nichts mehr im Wege.

Absolute Anspieltipps: MAN AND THE MACHINE, TO THE FUTURE, GALADRIEL‘ SONG, THE NEXT GENERATION


75button

„Nicht perfekt, aber merklich anders und vor allem härter als die Vorgänger – und somit enorm erfrischend.“

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