Metal-CD-Review: DRAKKAR – Quest For Glory (1998)

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Alben-Titel: Quest For Glory
Künstler / Band: Drakkar (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 1998
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Dragonheart Records

Alben-Lineup:

Dario Beretta – Guitars
Christian Fiorani – Drums
Alex Forgione – Bass
Luca Cappellari – Vocals

Track-Liste:

1. Welcome on Board (01:58)
2. Coming from the Past (06:00)
3. Dragonheart (05:33)
4. Follow the Prophet (06:15)
5. Under the Armor (05:37)
6. The Walls of Olathoe (13:59)
7. Wings of Fire (05:04)
8. Morella (07:08)
9. Quest for Glory (Valhalla) (08:09)
10. Raising the Banners (05:06)
11. Towards Home (00:54)

Auf den Spuren von HELLOWEEN Und Co.

DRAKKAR ist nicht nur eine altmodische Bezeichnung für ein spezielles Wikingerschiff, sondern auch der Name gleich mehrerer Heavy Metal-Bands. Die heute behandelte wurde im Jahre 1995 gegründet, und stammt aus dem Herzen Italiens – und ist daher nicht zu verwechseln mit den seit 1983 bestehenden DRAKKAR aus Belgien. Nach zwei ersten Demos erschien 1998 das Debütalbum QUEST FOR GLORY unter DRAGONHEART RECORDS, die zur beinahe gleichen Zeit auch die italienische Band DOMINE unter Vertrag genommen hatten. Tatsächlich markieren DRAKKAR’S QUEST FOR GLORY, DOMINE’S CHAMPION ETERNAL und nicht zuletzt die ersten handfesten Ambitionen von RHAPSODY die ersten Momente einer neuen, innovativen Blütezeit des guten alten Power Metal made in Italy – eine, die bis heute anhalten sollte und gleichermaßen neue Genre-Fans wie diesbezügliche Verächter hervorgebracht hat. Schließlich sollte in jenen Zeiten nicht nur ein neuer, stark europäisch geprägter Power Metal mit einem stark nach vorn preschenden Anspruch entstehen – sondern auch eine neue Definition des Kitsches und die Frage nach dem, mit welchen neuen Kniffen man einen traditionellen Power Metal der Marke HELLOWEEN noch ausschmücken könnte ohne sich zu wiederholen.

Dabei ist die Herangehensweise wie sie auf QUEST FOR GLORY dargestellt wird eine gleichermaßen simple wie wirkungsvolle: statt auf potentielle neue Zutaten zu setzen, besteht das Album aus zutiefst gradlinigen, angenehm rauen Nummern die fast vollständig ohne den Einsatz eines Keyboards auskommen. Stattdessen gilt das wohl größte Augenmerk den Gitarren und den schwungvollen, größtenteils explizit hymnischen Melodien. Dass man dabei oft extrem an potentiellen Vorbildern wie HELLOWEEN oder GAMMA RAY schrammt, stört nicht wirklich – auch wenn es mitunter sehr auffällig ist (man vergleiche nur einmal COMING FROM THE PAST mit HELLOWEEN’s GUARDIANS). Für den, man nenne ihn typisch italienischen Faktor sorgt dann der zumeist hohe Leadgesang von Luca Cappellari – der leider nicht zu dem Besten gehört was das Genre jemals hervorgebracht hat. Das Problem scheint hier klar in den höheren Lagen zu liegen, in denen er viel zu unsicher, wacklig und vielleicht auch etwas aufdringlich klingt – was absolut nicht der Fall ist wenn er sich in eher tieferen Lagen (wie beispielsweise im Titeltrack) bewegt.

Ein weiterer potentieller Knackpunkt des Albums ist ebenfalls mit dem beileibe nicht perfekten Leadgesang in Verbindung zu bringen – QUEST FOR GLORY ist einfach nicht perfekt, und das in vielerlei Hinsicht. Einerseits kann gerade jener Eindruck eines ungeschliffenen Rohdiamanten der schön rauen, Riff-lastigen und des öfteren von einem Double-Bass-Dauerfeuer getragenen Instrumentalkulisse einen zusätzlichen Reiz verpassen – doch andererseits fehlt es dem allgemeinen DRAKKAR-Sound einfach an Druck. Das Drumming klingt einstweilen eher künstlich, der Bass kommt so gut wie überhaupt nicht zum Tragen, der Leadgesang ist recht schief und in gerade den hohen Lagen wackelig – hinzu kommen die manchmal etwas merkwürdigen Refrains mit ihren deplatzierten Keyboard-Elementen. Die Entschädigung folgt hier immer wieder in Form von eingestreuten Soli-Parts – die wahnsinnig Laune machen und aufzeigen, dass DRAKKAR mit ihren Instrumenten umgehen können; durchaus auch im Akustik-Bereich. Doch ob das wirklich ausreicht, um ein Album wie dieses zu stemmen bleibt fraglich.

Denn auch sonst reicht die Qualität der dargebotenen Nummern nicht aus, um DRAKKAR klare Alleinstellungsmerkmale zu verpassen. So wird es vor allem der durchaus noch speziellere Sound der Gitarren sein, der in den Köpfen hängenbleibt – doch abgesehen davon gibt es nicht allzu viel zu holen. Insbesondere die Refrains, von denen man erwarten könnte dass sie noch einiges rausreißen – und sei es aufgrund ihrer schieren Hymnen-Haftigkeit und des Mitnick-Faktors – sind eher schwach und nicht immer mit wohlklingenden Zusatz-Elementen ausstaffiert (ein etwas plumper Chorgesang hier, einige arg künstliche Keyboardlinien dort). In jedem Fall sollte man anmerken, dass das Album vor allem im Mittelteil noch einmal deutlich stärker wird. Das eher langsam-stampfende, aber überraschend gute UNDER THE ARMOR; das epische – und entsprechend überlange – THE WALLS OF OLATHOE (das kurioserweise mit einem kleinen Soundelement aus Beethovens Neunter Sinfonie daherkommt) oder der mächtige Titeltrack QUEST FOR GLORY – hier fahren DRAKKAR noch einmal alle Stärken auf, und trösten somit über den etwas faden Auftakt hinwegt.

Fazit: QUEST FOR GLORY ist ein interessantes Genre-Album und Debüt-Werk einer damals noch aufstrebenden jungen italienischen Band – doch ist es nicht unbedingt die eigentliche Qualität die hier das Interesse weckt; sondern vielmehr die Tatsache dass alle Stärken und Schwächen der Band immer wieder überraschend aneinander geraten. Die Folge ist eine Ansammlung von zwar gut durchdachten und stimmig verpackten Titeln, die sich jedoch alle im Bereich eines qualitativen Mittelfelds bewegen. Anders gesagt: mit dem Leadgesang allein lässt sich in diesem Fall wahrlich kein Blumentopf gewinnen (mit Ausnahme der ungleich besseren, wie ausgewechselten Darbietung im Titeltrack), doch mit der durch die Gitarren dahingezauberte Instrumentalkulissen schon eher. Sowohl im Rhythmus- als auch Soli-Bereich gibt es hier einiges an Futter für eingefleischte Genre-Fans und solche die es werden wollen. Eine nicht perfekte, aber irgendwie doch sympathische Produktion und der teilweise doch noch zum Hörer vordringende epische Anspruch machen QUEST FOR GLORY zumindest zu einem Muss für alle Freunde des italienischen Power Metal.

Absolute Anspieltipps: UNDER THE ARMOR, THE WALLS OF OLATHOE, QUEST FOR GLORY


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„Gutes Debütalbum mit schwachem Leadgesang, aber starkem Gitarrenpart.“

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