Filmkritik: „Beyond Re-Animator“ (2003)

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Originaltitel: Beyond Re-Animator
Regie: Brian Yuzna
Mit: Jeffrey Combs, Jason Barry, Elsa Pataky u.a.
Land: USA, Spanien
Laufzeit: ca. 92 Minuten
FSK: keine Jugendfreigabe
Genre: Horror / Komödie
Tags: Untote | Leichen | Reanimation | Gefängnis | Wissenschaftler | Makaber

Eine Leiche, ein giftgrünes Serum und ein Seelenfänger…

Kurzinhalt: Auch nachdem sein letztes Experiment fehlgeschlagen ist, arbeitet der eifrige Dr. Herbert West (Jeffrey Combs) weiter an seinen abenteuerlichen Forschungen, die sich wie keine anderen mit dem Thema des Lebens und Tods auseinandersetzen. Dabei ist er aufgrund der moralischen Fragwürdigkeit seiner Projekte dazu gezwungen, stets im Geheimen zu agieren – eines Tages aber gelingt einem durch Dr. West’s Serum wiederbelebten Testsubjekt die Flucht. Jene weder lebendige noch wirklich tote Kreatur ermordet kurz darauf eine Frau und lässt einen kleinen Jungen traumatisiert zurück. Die Spuren führen schnell zu Dr. West, der daraufhin direkt verantwortlich gemacht wird und für einige Jahre hinter Gitter kommt. Jahre später ist es dann ausgerechnet das nunmehr erwachsene Kind von einst, das Dr. West als aufstrebender Gefängnisarzt zur Hilfe eilt – der junge Mann ist fasziniert von Dr. West’s Forschungen und ist für eine Zusammenarbeit sogar bereit, ihm den indirekten Mord an seiner Schwester zu verzeihen. Von nun an arbeiten die beiden gemeinsam an der Perfektionierung des Reanimations-Serums, wenn auch unter erschwerten Bedingungen – schließlich sind sie noch immer von Gefängnismauern umgeben und den ständigen Blicken der Wärter ausgesetzt.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! BEYOND RE-ANIMATOR ist der dritte Teil des berühmt-berüchtigten RE-ANIMATOR-Franchise, welches 1985 und von Regisseur Stuart Gordon ins Leben gerufen wurde. Dabei ist allein die Tatsache, dass es überhaupt noch zu einem dritten Teil gekommen ist relativ bemerkenswert – nach dem zweiten Teil BRIDE OF RE-ANIMATOR (1989, Review) sollten schließlich noch einmal ganze 14 Jahre vergehen, bis man endlich eine Trilogie verwirklicht hatte. Die nächste – ebenfalls eher positive – Überraschung folgt jedoch sogleich: dass zwischen dem zweiten und dritten Teil über ein Jahrzehnt Zeit und auch Filmgeschichte liegt, macht sich kaum bemerkbar. BEYOND RE-ANIMATOR fügt sich nahtlos an die beiden Vorgänger an, greift dabei auf bereits vermittelte Hintergrundinformationen zurück – und sollte daher vor allem für eingefleischte Fans des Franchise interessant sein. Diejenigen die sich als solche bezeichnen können, werden abermals einen dezent wahnsinnigen, von seinen perfiden Vorstellungen angetriebenen Dr. Herbert West erleben – dessen Forschungen sogar vor einem weiteren neuen Höhepunkt zu stehen scheinen. Denn: während man in BRIDE OF RE-ANIMATOR hauptsächlich noch einzelnen Körperteilen Leben einhauchte beziehungsweise es deren FRANKENSTEIN’sche Zusammensetzung war welche den Ausschlag gab; befasst man sich in BEYOND RE-ANIMATOR nun mit dem letzten fehlenden Bindeglied auf dem Weg zur Vollendung des Reanimations-Projektes.

Richtig – es geht um nicht weniger als die Seele, oder zumindest all dem was den wiederbelebten Menschen wieder zu dem macht was er einmal war; und nicht bloß zu einer primitiv-aggressiven Kreatur. Somit ist die RE-ANIMATOR-Reihe tatsächlich eine von jenen seltenen, bei denen es Sinn gemacht hat die ursprüngliche Thematik erneut aufzugreifen und in weiteren Teilen zu verarbeiten – ergibt sich spätestens mit der vollendeten Trilogie ein reichlich makaberes, für alle Splatter- und Horrorfans ansprechendes Gesamtwerk rund um das Thema der Reanimation. Dadurch, dass sich das RE-ANIMATOR-Franchise auch bestens im Genre des (guten) Trashfilms daheim fühlt, kann man nach wie vor über viele kleinere Schwächen oder auch die schier atemberaubenden, aber niemals vollständig erklärten Prämissen hinwegsehen (das Prinzip der, man nenne es Seelensubstanzextraktion ist mindestens ebenso hanebüchen wie das Serum selbst) – und sich voll und ganz auf das weniger gruselige, dafür aber gerne mal dezent eklige und extrem durchtriebene Gesamterlebnis fokussieren. Auch scheint Regisseur Brian Yuzna einiges dazugelernt zu haben, zumindest im direkten Vergleich mit dem etwas zu düsteren und stellenweise arg langatmigen FRANKENSTEIN-Verschnitt BRIDE OF RE-ANIMATOR. In BEYOND RE-ANIMATOR kommen wieder vermehrt eigene Ideen zum Einsatz, hinsichtlich des Tempos und der Dynamik des Films wurde endlich wieder an den richtigen Reglern geschraubt.

Doch gibt es auch dieses Mal kleinere Probleme, die dazu führen dass auch der  dritte Ableger der Reihe dem Original von 1985 nicht ganz das Wasser reichen kann. Es beginnt bereits mit der storytechnsich zwar durchaus sinnigen, im Endeffekt aber etwas enttäuschenden Schauplatzverlegung in ein modernes Gefängnis. Dass man ausgerechnet an einem solchen Ort in der Lage wäre, derart wahnwitzige Experimente wie die von Dr. West durchzuführen, erscheint selbst in Anbetracht des allgemeinen Trash-Faktors etwas weit hergeholt – das funktionierte zuvor und mit den Handlungsorten im Krankenhaus und dem hauseigenen Keller von Dr. West wesentlich besser. Auch scheint es noch immer dezente Probleme hinsichtlich der ureigenen Atmosphäre des Franchise zu geben: wann immer etwas ernstere Töne angeschlagen werden respektive sich der Film selbst doch etwas zu ernst nimmt, geht einiges an Dynamik flöten. Die dem entgegengebrachten Kräfte können ebenfalls nicht immer überzeugen: oftmals sind es die explizit auf witzig-makaber getrimmte Elemente, die dann doch ein wenig Over-The-Top gehen (wie in Bezug auf ein abgebissenes Geschlechtsteil, dass daraufhin und im Abspann mit einer Maus kämpft) und den Film lächerlicher erscheinen lassen als er es eigentlich ist. Aber es scheint ohnehin, als ob so gut wie keine gängige Film-Regel auf ein Franchise wie RE-ANIMATOR anzuwenden ist.

Fazit: Nach dem eher enttäuschenden BRIDE OF RE-ANIMATOR machte man mit BEYOND RE-ANIMATOR wieder einen kleinen Sprung nach vorn – was insofern bemerkenswert ist, als dass man ganze 14 Jahre dafür brauchte und man sich rein inszenatorisch noch immer verdammt nah am Originalfilm von 1985 bewegt. Gut ist, dass der Film wieder vermehrt auf eigene Ideen setzt, man sowohl beim alten Regisseur als auch beim eigentlichen Hauptdarsteller blieb – und die Story um die höchst umstrittenen Experimente mit einem neuen Höhepunkt versieht. So kann BEYOND RE-ANIMATOR trotz der nicht in jeder Hinsicht sinnig erscheinenden Schauplatzwahl jedem unerschrockenen Genre-Freund empfohlen werden; vor allem wenn er bereits die ersten beiden Teile kennt und weiterhin am Schicksal von Dr. Herbert West interessiert ist.

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„Nicht so gut wie das Original, aber schon angenehmer als der zweite Teil.“

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