Metal-CD-Review: KELDIAN – Heaven’s Gate (2007)

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Alben-Titel: Heaven’s Gate
Künstler / Band: Keldian (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 27. Februar 2007
Land: Norwegen
Stil / Genre: Power Metal
Label: Perris Records

Alben-Lineup:

Arild Aardalen – Keyboards, Vocals (additional)
Chister Andresen – Vocals, Guitars, Bass

Track-Liste:

1. Crusader (03:33)
2. Heart of the Sun (03:54)
3. Requiem for the Light (03:54)
4. Heaven’s Gate (04:20)
5. Redshift (05:57)
6. Salvation (Release Me) (04:53)
7. Sundancer (04:31)
8. Prophecy (04:17)
9. Beyond the Stars (03:39)
10. Plains of Forever (08:41)

Öffne die Pforten des Himmels.

HEAVEN’S GATE ist das Debütalbum einer durchaus bemerkenswerten Norwegischen 2-Mann-Band, der zahlreiche kleinere (und vermutlich weitestgehend unbekannte) Musikprojekte vorausgegangen sind. Von den ALIEN LOVE GARDENERS über PROTOS NEMESIS bis hin zu KELD – es sollte einige Jahre dauern, bis man sich für einen passenden Namen und letztendlich auch für eine ganz bestimmte musikalische Richtung entschieden hatte. Doch 2006 war es dann endlich soweit – das Power-Metal-Projekt KELDIAN war geboren, und mit ihm auch das ein Jahr später erschienene Debütalbum HEAVEN’S GATE. Auf diesem verarbeiteten die beiden kreativen Köpfe hinter all den ehemaligen Namen; Christer Andresen (Bass, Gitarren, Gesang) und Arild Aardalen (Keyboards, Backing Vocals) viele ihrer früheren Ideen – und kumulierten sie erstmals auf einem größeren, weiter verbreiteten Release über das Label Perris RECORDS respektive STAY GOLD in Japan.

Dabei sind KELDIAN alles andere als das, was man unter einer typischen oder gar generischen Power Metal-Band verstehen würde – HEAVEN’S GATE ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie beeindruckend eine Band mit einer ganz und gar eigenen Identität klingen kann. Das liegt hauptsächlich daran, dass man kaum eine andere Genre-Band zu Vergleichszwecken heranziehen könnte – die musikalischen Wurzeln von KELDIAN scheinen breit gefächert. Von einem seichten Pop der kunterbunten 80er-Jahre über einen zeitlos-rockigen Melodic Metal bis hin zum Norwegischen Elektropop – KELDIAN verstehen es, auf HEAVEN’S GATE sowohl weichere als auch härtere Einflüsse zu einem neuen, äußerst stimmigen Ganzen zu vermengen. So könnte es durchaus sein, dass man sich in einigen Momenten an Bands wie A-HA oder ALPHAVILLE erinnert fühlt; nur um kurz darauf – und mit der neuartigen Symbiose in Bezug auf die schwermetallischen Komponente – von einer so noch nicht dagewesenen Soundkulisse überrascht zu werden.

In der Tat ist es vor allem jener frische Eindruck, der HEAVEN’S GATE so angenehm und vielleicht sogar spektakulär erscheinen lässt – auch wenn ein Großteil der Nummern eben nicht allzu pompös oder bombastisch inszeniert wird. In der Ruhe liegt die Kraft – ein Credo, dass sich offenbar auch KELDIAN zu Herzen genommen haben. Das schöne: im Gegensatz zu den Ergüssen manch anderer Band klingt die Musik von KELDIAN auch in den explizit ruhigeren Momenten niemals langatmig, vielmehr wohnt ihr etwas ganz spezielles inne – etwas, dass gar nicht so leicht in Worte zu fassen ist und sich am ehesten mit einem Blick auf das puristische, aber wirkungsvolle Artwork erklären lässt. Somit könnte man KELDIAN problemlos zu einer Vorreiter-Band eines Genres zählen, dass es so noch nicht gibt: des sphärischen Power Metals. Nicht zuletzt die Textinhalte, die sich des öfteren mit dezent übernatürlichem befassen und den Hörer für ein höheres Geschehen als das reine irdische sensibilisieren; tragen enorm zu diesem Eindruck bei.

Ein Eindruck, der durchweg als positiv zu bezeichnen ist – auch, da KELDIAN ein enormes Maß an Abwechslung in ihre Kompositionen gesteckt haben. Vom straighten CRUSADER über das hymnische REQUIEM FOR THE LIGHT bis hin zum scheinbar nicht von dieser Welt stammenden REDSHIFT – KELDIAN bieten hier jedem etwas, der auch nur ansatzweise dem Genre des Power Metals zugetan ist und sich nicht von allerlei Ausschmückungen in Form des Keyboards, weiblicher Hintergrundgesänge oder gar Violinenklänge abschrecken lässt. Markant ist, dass keine Titel auf HEAVEN’S GATE überladen wirkt – hier fügt sich alles nahtlos zu einem stimmigen Ganzen zusammen. Geradezu wahnsinnig, das heißt wahnsinnig gut ist in diesem Zusammenhang auch eine Nummer wie SUNDANCER – der vielleicht aussagekräftigste Titel des Albums, in dem alle Stärken von KELDIAN zusammenkommen. Auch, da die Nummern sowohl als voranpreschender Metal-Titel mit grandiosen Riffs als auch als etwas experimentelleres Stück Musik mit einer interessanten Hintergrundkulisse funktioniert. Freunde einer etwas progressiveren Gangart werden dagegen mit den längeren Titeln wie PLAINS OF FOREVER ihre wahre Freude haben – auch hier kommen die Science-Fiction-Anteile nicht zu kurz, und sorgen für ein atmosphärisches Hörvergnügen ohne dass man jemals einen Blick auf die Anzeige der Spieldauer werfen wird. Anders gesagt: langweilig wird HEAVEN’S GATE zu keinem Zeitpunkt.

HEAVEN’S GATE ist damit eines jener Debüt-Alben, denen man kaum etwas negatives nachsagen kann. Ein ganz großes Plus ist allein der Faktor der hier aufgefahrenen musikalischen Innovation, der kombiniert mit den kompositorischen und handwerklichen Fähigkeiten der beiden Bandmitglieder zu einem überraschend stimmigen Ganzen führt. Aber auch sonst sieht es verdammt gut aus: der Leadgesang ist einzigartig und bleibt im Gedächtnis, die textlichen Inhalte sind mehr als interessant, der Faktor der Abwechslung ist enorm – sowohl Freunde von (sehr guten) Balladen als auch Fans einer schnelleren Gangart werden perfekt, das heißt in einem fliegenden Wechsel; bedient. Schon dafür, dass KELDIAN so anders klingen als viele, wenn nicht gar alle anderen Power Metal-Bands sollte entsprechend gewürdigt werden – wenn dann auch noch alles andere stimmt, ist es umso schöner. Ein oder zwei kleinere Wermutstropfen gibt es dann aber doch, auch wenn es sich hier vermutlich um Kritik auf hohem Niveau handelt. Zum hätte die Qualität der Produktion besser ausfallen können (in Richtung eines etwas druckvolleren Klangs), die schwermetallischen Komponente hätten hie und da variabler ausfallen können; und: das Album ist mit seinen 47 Minuten einfach zu kurz. Davon abgesehen gibt es rein gar nichts zu mäkeln: HEAVEN’S GATE ist ein Muss für alle vielseitig interessierten Musikliebhaber und nicht zuletzt Anhängern der Power Metal-Fraktion.

Absolute Anspieltipps: Alle


95button

„Ein absolutes Kleinod und ganz nah dran an einer musikalischen Offenbarung.“

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