Metal-CD-Review: DRAGONFORCE – Ultra Beatdown (2008)

dragonforce-ultra-beatdown_500

Alben-Titel: Ultra Beatdown
Künstler / Band: Dragonforce (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 25. August 2008
Land: England
Stil / Genre: Power Metal
Label: Spinefarm Records

Alben-Lineup:

ZP Theart – Vocals
Dave Mackintosh – Drums, Vocals (backing)
Frédéric Leclercq – Bass, Guitars (rhythm) (additional), Guitars (acoustic), Vocals (backing)
Vadim Pruzhanov – Kaoss Pad, Keyboards, Piano, Theremin, Vocals (backing)
Sam Totman – Guitars (rhythm), Vocals (backing)
Herman Li – Guitars (lead), Vocals (backing)

Track-Liste:

1. Heroes of Our Time (07:14)
2. The Fire Still Burns (07:50)
3. Reasons to Live (06:26)
4. Heartbreak Armageddon (07:41)
5. The Last Journey Home (08:12)
6. A Flame for Freedom (05:20)
7. Inside the Winter Storm (08:12)
8. The Warrior Inside (07:15)

Es ist wahr – man kann sie wieder hören… !

Nachdem die durchaus umstrittene Londoner Power Metal-Institution DRAGONFORCE mit dem dritten Studioalbum INHUMAN RAMPAGE (Link zum Review) eher einen gehörigen Schritt nach hinten machte, schien man mit dem knapp 2 Jahre später erschienenen ULTRA BEATDOWN plötzlich wieder in die richtige Richtung zu marschieren. Und das trotz des etwas… merkwürdigen Artworks (das immerhin einen dezenten Hinweis auf den etablierten Videospiel-Sound und die GUITAR HERO-Mania liefert) und einer Ansammlungen von Nummern, die hinsichtlich ihrer Titelgebung und der jeweils ausufernden Spieldauer genauso gut dem mauen und viel zu gleichförmigen Vorgänger hätten entsprungen sein können. Das dennoch ein markanter Unterschied vorhanden ist, bemerkt man erst wenn man sich einmal durch die Titel arbeitet – was schon wesentlich mehr Spaß macht als beim Vorgänger, und nicht von ungefähr an den bisherigen Höhepunkt der Band, SONIC FIRESTORM erinnert.

Tatsächlich wirkt ULTRA BEATDOWN nicht nur wesentlich strukturierter und differenzierter als INHUMAN RAMPAGE – auch setzt man in diesem Fall nicht mehr ausschließlich auf den Faktor der Geschwindigkeit als mitunter einzigen Garant für das Funktionieren der Titel. Das ist angenehm, und lässt einen genaueren Blick auf die restlichen Komponente der Musik zu – die nun ebenfalls wesentlich gehaltvoller und um ein vielfaches abwechslungsreicher erscheinen. Analog dazu kommen auch die berühmt-berüchtigten DRAGONFORCE-Soli und die schier orgiastischen Frickeleien an den Gitarren etwas kürzer – was gut ist, da man sich stattdessen auf allerlei andere Elemente besonnen hat und sich ULTRA BEATDOWN völlig ohne Kopfschmerzgefahr verköstigen lässt.

Somit wird vor allem eines auffallen, zumindest nach dem Genuss des noch typisch voranpreschenden, hymnischen Openers HEROES OF OUR TIME: DRAGONFORCE können sich und ihren Sound durchaus auch variabel inszenieren. Vorbei sind die Zeiten, in denen sich das Tempo kontinuierlich auf dem schnellsten aller erdenklichen Levels bewegte und man keinerlei Ruhepausen einplante – ULTRA BEATDOWN spielt mit verschiedenen Tempi und Stimmungen, und wird gerade so zu einem kleinen musikalischen Abenteuer das es sich zu entdecken lohnt. Gerade die vielen Instrumentalstrecken, die viele neue Elemente einstreuen und das allgemeine Klangbild der Band deutlich reichhaltiger erscheinen lassen (siehe z.B. THE LAST JOURNEY HOME) gleichen einem kleinen Geniestreich – zwar nicht auf höchstem Niveau, aber immerhin. Die Folge: wieder einmal sieht man, wie einfach man einen einst etwas salopp geratenen Bandsound wieder etwas anspruchsvoller gestalten kann, sind nur ausreichend kreative Ansätze vorhanden. Passig erscheint, dass man dieses Mal auch keinen Hehl aus der relativen Nähe zur Videospiel-Szene machte und man hinsichtlich des allgemeinen Spaßfaktors deutlich angezogenen hat – was sich vor allem in den nun weitaus mehr Raum einnehmenden Keyboard-Elementen bemerkbar macht; aber auch in der generellen Stimmung des Albums.

Zwar konnte man der Musik von DRAGONFORCE schon immer eine gewisse, man nenne sie beflügelnde Wirkung nachsagen – doch die Tatsache, dass sich die Band dessen nun wahrlich nicht mehr schämt und den feucht-fröhlichen Faktor ihres kunterbunten Power Metal-Repertoires sogar noch einmal erhöht; macht die Sache zusätzlich interessant. Denn: warum sollte Musik nicht eine positive, die Laune aufhellende Wirkung haben dürfen ? Sicher wird nicht jeder so denken, doch nicht zuletzt Bands wie FREEDOM CALL zeigen auf, dass ein solches Konzept durchaus funktionieren kann und nicht zu Lasten der eigentlichen Qualität des Materials gehen muss – oder zumindest nur selten. ULTRA BEATDOWN jedenfalls hat weniger klar erkennbare Schwächen als der Vorgänger oder sogar das Debütalbum: dass sich einzelne Sound-Elemente oder ganze Refrains zu wiederholen drohen, dass man von der allgemeinen Gitarren-Frickelei erschlagen und auch mal viele Minuten am Stück auf eine Geduldsprobe gestellt wird, dass die Songtexte keine allzu große Relevanz haben – diese Gefühle bleiben beim vierten Werk aus der DRAGONFORCE-Schmiede weitestgehend aus.

Fazit: Gerade nach einer regelrechten Enttäuschung wie INHUMAN RAMPAGE wirkt ULTRA BEATDOWN wie eine kleine Offenbarung – geben sich DRAGONFORCE hier so kraftvoll, melodisch und auch kreativ wie noch nie zuvor. Alle potentiell nervigen, allzu exzessiv ausgelebten musikalischen Faktoren wie die endlosen, zu nichts führenden Soli gehören der Vergangenheit an – wie auch die kontinuierlich angezogene Geschwindigkeit.  ULTRA BEATDOWN bietet so viele musikalische Verschnaufpausen wie kein anderen DRAGONFORCE-Album – und erlaubt es somit erst recht, all das zu entdecken was die Band abseits der Geschwindigkeitsorgien noch zu bieten hat. Und das ist bekanntlich einiges – sofern man dem Power Metal-Genre allgemein zugetan ist und ohne große Vorurteile an die Sache herangeht. Aber keine Angst: die Soli, für die die Band berühmt und berüchtigt geworden ist, kommen auch auf diesem Album vor – nur sind sie wesentlich besser portioniert und schlicht hörbarer als das kurzlebige Geschredde a’la IMHUMAN RAMPAGE. ULTRA BEATDOWN ist ein durchaus überraschendes Album, auch oder gerade für DRAGONFORCE-Fans – da es vermutlich den bisherigen Höhepunkt der Band markiert.

Absolute Anspieltipps: Alle


90button

„Das vielleicht beste DRAGONFORCE-Album bis 2008.“

Advertisements

Zögert bitte nicht, einen Kommentar zu hinterlassen.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s