Metal-CD-Review: DRAGONFORCE – Inhuman Rampage (2006)

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Alben-Titel: Inhuman Rampage
Künstler / Band: Dragonforce (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 9. Januar 2006
Land: England
Stil / Genre: Power Metal
Label: Noise Records

Alben-Lineup:

Herman Li – Guitars, Vocals (backing)
Dave Mackintosh – Drums, Vocals (backing)
Vadim Pruzhanov – Keyboards, Piano, Vocals (backing)
ZP Theart – Vocals
Sam Totman – Guitars, Vocals (backing)

Track-Liste:

1. Through the Fire and Flames (07:24)
2. Revolution Deathsquad (07:52)
3. Storming the Burning Fields (05:19)
4. Operation Ground and Pound (07:44)
5. Body Breakdown (06:58)
6. Cry for Eternity (08:12)
7. The Flame of Youth (06:41)
8. Trail of Broken Hearts (05:56)

Die Fortsetzung einer altbekannten Erfolgsgeschichte oder…

Wahrlich, die Londoner Jungs von DRAGONFORCE haben in den Jahren 2003 und 2004 einiges vorgelegt. Nach dem gleichermaßen überraschenden wie erfrischenden Debütalbum VALLEY OF THE DAMNED (Link zum Review) schickte man sich kurz darauf an, die begonnene Erfolgsgeschichte mit dem Nachfolger SONIC FIRESTORM (Link zum Review) auf einen neuen Höhepunkt zusteuern zu lassen. Ein Unterfangen, das DRAGONFORCE zweifelsohne gelungen ist – und eine Entwicklung, auf der man verständlicherweise weiter aufbauen wollte. Doch wie sollte es möglich sein, ein vielleicht schon perfektes Genre-Album noch einmal zu toppen ? Vielleicht ja, und das ist auch die Antwort die DRAGONFORCE mit ihrem dritten Studioalbum INHUMA RAMPAGE offerieren; indem man eben nicht von der bisherigen Strategie abweicht und den Hörern so gesehen ein SONIC FIRESTORM 2.0 serviert ?

Denn genau das ist INHUMANE RAMPAGE letztendlich geworden, zumindest gefühlt – mit einigen kleinen aber feinen Unterschieden, die nicht unbedingt für den 2006’er Output der Band sprechen. Schließlich übernimmt man so gut wie alle Qualitäten des bombastischen Vorgängers, auf dem so gut wie jede Nummern zündete – und verpackt sie in Analogie zum aussagekräftigen Alben-Titel in einem noch, man nenne es drastischerem Soundgewand. Tatsächlich bedeutet dass, das die ohnehin schon enorme Geschwindigkeit noch einmal angezogen wurde, und auch die Soli noch schneller und vertrackter ausfallen. Doch das macht die Titel nicht unbedingt aussagekräftiger – im Gegenteil, auf INHUMAN RAMPAGE herrscht sogar ein relativ eintöniger Gesamteindruck vor, der zum einen aus der nicht mehr wirklich angenehmen Zuspitzung der typischen DRAGONFORCE-Trademarks resultiert – und zum anderen aus den fehlenden Ideen, die man möglicherweise mit der durchtriebenen Soundkulisse zu kaschieren versucht.

Und so könnte INHUMAN RAMPAGE vielleicht zu Recht ein gefundenes Fressen für alle Kritiker der Band sein – die schon immer behaupteten, dass die Band mit Ausnahme der Uptempo-Blastbeats und den wenig melodiösen, wilden Gitarrenintermezzi (ein Solo kann hier auch mal 3 Minuten beanspruchen) gar nicht mal so viel anzubieten hat. Denn wagt man einmal ein Gedankenexperiment, dass auf SONIC FIRESTORM noch funktionierte – die Rede ist von der theoretischen Ausblendung aller exzessiven Soundelemente – dann wird man schnell feststellen, dass es INHUMAN RAMPAGE tatsächlich an einigem fehlt. Die schiere Länge der einzelnen Titel macht dies ebenfalls deutlich: die Nummern durchlaufen keine nennenswerten Entwicklungen, sie haben keinen Anfang und kein Ende. Vielmehr scheint es, als würden sich DRAGONFORCE geradezu in ihren Frickeleien verlieren. Ohne, und das ist der potentielle Knackpunkt – darauf zu achten, was für die Hörerschaft noch zuträglich wäre und was nicht.

Ebenfalls eher fatal ist, dass sich so gut wie alle Nummern auf INHUMAN RAMPAGE einander stark ähneln – mindestens ein oder zwei Elemente aus dem einen werden auch in einem anderen Titel auftauchen. Wer einmal die Refrains von THROUGH THE FIRE AND THE FLAMES und OPERATION GROUND AND POUND gehört hat oder die drei schier endlosen Frickel-Nummern REVOLUTION DEATHSQUAD, STORMING THE BURNING FIELDS und BODY BREAKDOWN miteinander verglichen hat, wird wissen worum es geht. Zu allem Überfluss scheinen sich DRAGONFORCE auch in Bezug auf ihre Texte verschlechtert zu haben – so gut wie jedes Klischee wird bedient, viele Schlagwörter wiederholen sich, zahlreiche Textpassagen wirken einfach nur belanglos.

Somit bleibt es hauptsächlich an den eigentlichen Stärken oder auch (Ur-)Kräften der Band, das Album zu retten – die sich vor allem in Bezug auf die handwerklichen Leistungen widerspiegeln. Nach wie vor werden die Instrumente perfekt beherrscht, nach wie vor sorgt Leadsänger ZP Theart für eine ansprechend-voluminöse Gesangskulisse. Auch die Qualität der Produktion lässt nichts zu wünschen übrig, zumindest theoretisch – doch wenn man sich für eine ganze Stunde (das ist die ungefähre Spielzeit des Albums) von einem derart druckvollen, keinerlei Ruhepausen vorsehenden Power Metal-Gewitter beschallen lässt, könnte das früher oder später an den Nerven zerren. Denn leider Gottes haben DRAGONFORCE die bisher obligatorische Ballade an das Ende des Albums verfrachtet – wohl, da sie alles andere als gut ist (besonders wenn gesungen wird) und im Vergleich mit den beiden der Vorgängeralben eher zusammenhanglos dasteht. Aber auch sonst sorgt man für keinerlei Zwischenspiel, welches die allgemein beinharte Gangart des Albums etwas auflockern würde – mit Ausnahme des instrumentalen Auftakts von THE FLAME OF YOUTH vielleicht.

Fazit: Es erscheint schade, aber DRAGONFORCE können den positiven Werdegang von ihrem überraschenden Debüt über das geniale SONIC FIRESTORM nicht fortsetzen. INHUMAN RAMPAGE ist viel zu gleichförmig ausgefallen und scheinbar nur noch auf Geschwindigkeit und endlose Soli ausgelegt – was eine generelle Ideenarmut vermuten lässt und in einer nervlichen Herausforderung für alle (Zu-)Hörer mündet. Im Gedächtnis bleiben werden so vor allem einige der durchaus gelungenen, sich des öfteren aber stark ähnelnden Refrains – alles andere, und insbesondere die Soli; wird man dagegen kaum auseinanderhalten können.

Absolute Anspieltipps: OPERATION GROUND AND POUND, BODY BREAKDOWN, THE FLAME OF YOUTH


60button

„Wie immer verdammt schnell – aber in diesem Fall auch arg belanglos.“

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